ZKJ – Juni: Ja, hmmm, ne … geht nicht!

Bilder gibt es keine, erst recht nicht an mir, denn das Projekt „Frühe Dreißiger“ wird abgebrochen und das, was da ist, ist zu wenig bedeckend, um es vorzuführen. Aber viel gelernt habe ich. Oder genauer: vielesvon dem, was ich weiß und wußte, ahnte und befürchtete, hat sich bestätigt.
So habe ich nun die Gewißheit, eine Schulternaht zu brauchen – ohne eine solche rutscht ein Oberteil haltlos hin und her, nach vorne und nach hinten. Oberteile ohne Taillenabnäher oder Gürtelteil – also blusig fallend – gehen überhaupt nicht an mir. Das hatte ich befürchtet: es ist formlos, betont meine Hüften extrem und lässt dazu meine Schultern und meinen Hals traurig dünn aussehen. Dazu noch der allgemeine Eindruck von Spießigkeit und Depression, ganz, ganz übel. Oder vielleicht zu passend:ich sehe aus wie eine Erntehelferin auf dem Zug durch inflationsgeplagte Landschaften.

Das Rockteil ist mir zu eng geraten, weil ich die Falten zu tief abgesteppt hatte, aber es war deutlich zu erkennen, dass die Rockform für mich auch nichts ist. Kurz hatte ich darüber nachgedacht, das Oberteil – dem ich bezogene Knöpfe gegönnte hatte! – zu retten und es an ein dunkleres Rockteil der Enddreißiger zu nähen. Aber das wäre nur mehr Arbeit ohne mehr Erfolg oder Schönheit geworden, denn der Kragen und die Ausschnittform – ein schmales V, das auf eine gerade Linie trifft und zwei Flügelchen, die zur Seite hin flattern – stehen mir auch nicht. Auch habe ich erfahren, dass ich grobgewebtes Leinen nicht leiden kann: franst extrem, verzieht sich leicht, lässt sich nicht gut auftrennen und zieht Fäden. Tranparent war es auch noch. Das einzig schöne war die Farbe…

Also abbuchen unter Konstruktionsübung und mich konzentrieren auf die Formen, die mich besser kleiden. Und überlegen, was ich will und was ich brauche.

Schneller Nachtrag am frühen Morgen:
Zumindest an der Puppe kann ich zeigen und es sieht wirklich sehr nach 30ern aus. In der ganz armen Variante. Hätte ich die Rundpasse wie in der gesteckten Version am Ausschnitt aufeinander treffen lassen statt wie in der Originalversion 3 cm weit auseinander, sähe es wesentlich angezogener und typgerechter aus. Auch die Raffung in der Taille könnte ich direkt unter den Brustpunkt legen anstatt sie rundum gleichmäßig zu verteilen. Auch die Rundpasse selbst sähe an mir gut aus, wenn ich sie auf das Oberteil beschränken und nicht auf Schulter und Arm ausweiten würde.

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Kommentare

    • Michou

      An Erfahrung bin ich reicher, stimmt 😉
      Was mich ärgert, ist die Mühe, die ich mir mit dem blöden Leinen gegeben habe: schlaffes, leierndes, fransendes Zeugs – aber gut, dass ich keinen geliebten Stoff verbraten habe 🙂

    • Michou

      Wenn man schon was näht, von dem man die ganze Zeit denkt, das steht mir bestimmt nicht, das steht mir bestimmt nicht und dann erwartet, postiv überrascht zu werden … bei nächsten Versuch wäre ich gerne wieder vorher kluch 😉

  1. Ungeachtet der Tatsache, dass die Passform mglw. eine „Katastrophe“ ist … ich bin wieder mal schwer beeindruckt ob Deiner Konstruktionskünste!

    Grüßle Steffi

    PS: Auch wenn Du es als „arme“ Variante der Dreißiger bezeichnest … mir gefällt es. Im Gegenteil … im mag einfache Kleidung … und ich finde es schade, dass doch ettliche Vintage-Girls eher den Stil der Upper-Class tragen … was sicherlich schön auszuschauen ist … aber im Alltag eher unpraktisch ist. Was jetzt aber absolut nichts mit Dir zu tun hat.

    • Michou

      Passform ist sogar gut, bis auf den erst zu engen Rock. Und eigentlich finde ich das Kleid an sich nicht ärmlich wirkend – so ist es nur an mir 😉 Für mich ist das gar nichts, weil es alles auf einmal mies betont:
      Meine Schulten, Hals und Schlüsselbein sehen verhungert und ausgebeutetet aus, Taille habe ich keine mehr, enorme Hüften – das Kleid wirkt gleichzeitig zu eng und zu riesig. Aber mit Veränderungen und etwas weniger Authenzität wäre es zu machen 😉

      • Was mir gerade noch so einfällt. Falls Du doch nochmal in Leinen nähen willst … eine tolle Qualität und viele Farben gibt es bei schnäppchenstoffe in Köln (oder über ebay). Hatte früher bei denen viiieeele viiiiele Meter gekauft. Preis-Qualität absolut perfekt und unschlagbar … das Leinen hält sogar problemlos nen Trockner aus.

  2. Mir gefällt Dein Kleid super super gut. Ist ein toller Stoff, eine super Farbe und super passend dazu ein richtig toller Schnitt. Ich bin restlos begeistert. Das ist absolut schade, dass Du es an Dir nicht magst. Aber manchmal ist das so, Liebe Grüße Susi

    • Michou

      Ja, das Kleid ist eigentlich nett und wenn es eine andere Trägerin hätte … aber was soll’s, das nächste wird wieder was! (öhm. hoffe ich zumindest …)

  3. Hm, die Farbe ist wirklich toll, die hätte ich gerne an Dir gesehen! Aber immerhin hast Du eine Menge gelernt, das speicher ich dann bei mir immer als Erfolg ab 🙂 Und siehe da: der Juni ist noch jung, da geht noch was. Vielleicht gleiche Farbe, weniger grob, weniger durchsichtig und mehr anderer Schnitt? Ich bin hilfreich wie ein Eichhörnchen, aber schon gespannt auf das Ergebnis!
    Beste Grüße an den Rhein,
    Cati

    • Michou

      Hilfreich wie ein Eichhörnchen – das ist ja ein Spruch, wunderbar 🙂 Aber du hast recht: so ein Kleid, nur ganz anders, das wär’s 😛

  4. Ich finde es auch sehr schade, dass das Kleid kein Volltreffer für Dich geworden ist. Mir gefiel die Schnittführung mit der Passe und dem Kragen so schön und auch die Farbe fand ich toll. Und an der Puppe sieht es auch gut aus. Schade! Aber was nicht geht, geht eben nicht. Schliesslich soll ein Kleid einen strahlen lassen ;-)!

    Liebe Grüsse von Sabine

    • Michou

      Das Kleid lässt andere strahlen, wenn sie mich darin sehen. Da braucht nur jede an sich runterschauen und sich freuen, dass sie so viel Glück hatte 😛

  5. hmmm, Deiner Pupe steht es jedenfalls wirklich gut. Dass Dir das Oberteil nicht steht fällt es mir schwer zu glauben. Beim Rock dagegen – nun ja, ich hätte Dich vielleicht warnen sollen (habe mich aber nicht getraut, denn ich habe weit weniger Verstand in Sachen Stil als Du) – Glockenförmige Röcke sind für Frauen mit Hüfte schwierig. Kannst Du Dich an meine Bell Curve erinnern? A-Form geht, gerader Schnitt auch, sogar nach unten zulaufend – aber ab Knie ausgestellt ist echt nur für Frauen die keinen großen Unterschied zwischen Taille und Hüfte haben …
    Allerdings auf der Puppe sieht der Rock gar nicht glockig aus … Würde ein breiter Gürtel die Sache nicht retten? Ich finde echt schade wenn das Kleid nur für die Puppe sein sollte (obwohl die freut sich bestimmt, meine Mathilda liebt ungelungene Kleidungsstücke denn dann muss sie nicht nackt stehen).
    LG

      • Michou

        Kam bei mir auch gar nicht so ran und klar erinnere ich mich an den Strickrock – ich fand ihn an dir schöner als du 🙂 Aber ich bin da ja schon so sehr ambivalent rangegangen … ich denke, da muss es genau die richtige Länge, die richtige Höhe und die richtige Weite sein, damit das klappt … zuviel Mühe für mich …

  6. Ich find das Kleid ziemlich genial. Die Farbe, der Stoff. Ich geb zu, der Schnitt ist nicht ganz so meins – aber hätte es mir gut an Dir vorstellen können. Wie schade, dass es nichts ist. Was machst Du nun mit dem Entwurf?

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