Zwei herzliche Empfehlungen

Seit gestern nachmittag stichele ich an dieser – wieder eimmal blauen – Hose herum; irgendwann muss es ja mal was werden:

Nachdem ich in den letzten Tagen hier im Haushalt EXTREM fleißig war, hatte ich mir nicht nur alleine das Nähen verdient, sondern auch das nebenbei Film schauen. Beim Nähen bevorzuge ich entweder alte Filme oder aber Krimis, die in der dazugehörigen Zeit spielen. Beim Bügeln ist mir Neuzeitliches lieber. Diese Tatsache müsste unbedingt einmal genauer untersucht werden 😉 Heute vormittag habe ich ein noch selbst aufgenommenes Videoband hervor gekramt (um dann bei ebay die DVD zu ersteigern – alte Videos auf riesigen Fernsehern kommen nicht gut!). Auf dem Band befindet sich ein Film, den ich den meisten von euch sicherlich nicht nahe legen muss. Aber vielleicht noch einmal in Erinnerung rufen darf:

Als Kind habe ich den Film schon geliebt und damals lief er mit schöner Regelmäßigkeit im Fernsehen. Beim heutigen Ansehen und -hören war ich aber doch überrascht, wie sexy dieser Film trotz seiner Entstehung währen der spießigen Fünfziger rüber kommt. Und Paul Hubschmid kann man sich immer noch sehr gut ansehen 😉 Und als Nähbegleitung macht er richtig Laune, auch wenn ich dazu besser ein Kleid genäht hätte. Obwohl: Julchens Hose wird recht ausführlich besprochen:

Damit schwenke ich wenig elegant zur zweiten Empfehlung um: Arlett hatte nach meiner Fitting-Bibel gefragt und das möchte ich ausführlicher beantworten. Es ist leider kein deutschsprachiges Buch, sondern wie üblich ein Amerikanisches. Das mag die Eine oder Andere etwas Überwindung kosten, sich mit diesem eher trockenen Buch zu beschäftigen. Aber das lohnt sich.

Fitting and Pattern Alteration: A Multi-Method Approach – Es gibt auch eine neuere Auflage; wie sich die beiden unterscheiden, weiß ich nicht, meine aber irgendwo gelesen zu haben, dass die Neuere weniger vollständig sei.

Das Buch ist in einen sehr ausführlichen Textteil, in dem es um die Grundlagen von Kleidung, Passform, Mode und Schnittmustern geht, und den eigentlichen Schnittänderungsteil gegliedert. Und für mich ist es das erste Buch, dass mir sowohl erklärt als auch zeigt, wie genau der Passformfehler aussieht und entsteht, um mir dann zu erklären, wie diese Änderung am Probemodell und am Schnitt vorzunehmen ist. Letzteres auf drei verschiedenen Wegen. Das sieht dann so aus:

Im zweiten Teil wird der Unterschied zu anderen Büchern sehr deutlich – vor allem zum Standardwerk der deutschen Näherinnen. Ich muss das böse B-Wort nicht ausschreiben, oder? 😉 Während dort im Grunde nur zwei Möglichkeiten gezeigt werden (gerade Schultern/abfallende Schultern, kleiner Busen/großer Busen, flacher Po, dicker Po, etc.), eröffnen sich vollkommen neue Erkenntnisse – in Bezug auf meine Problem an den Schultern habe ich es schon erwähnt. Dank der deutlichen Zeichnungen habe ich auch erkannt, warum mich das alles immer so verwirrt hat: nach vorne geneigte Schultern und abfallende Schultern zeigen ähnliche Falten:

Vielleicht erinnert sich die eine oder andere an dieses Burdakleid vom Herbst 2009? Soviel Mühe wie hier hatte ich mir bis dahin noch nie gegeben – umso enttäuschter war ich natürlich.

Ich hatte dieses Bild an die Burda-Redaktion gesandt, die sich auch sehr nett damit befasst hat. Problem dabei war nur – so sehe ich das heute – dass das konform mit der hauseigenen Theorie geschah. Das Fazit war: Schultern sehr gerade, Haltung ebenfalls, daher der abstehende Ausschnitt. Brust zu eng, daher Seitennähte öffnen.

Von geraden Schultern ist an den Kleidfalten nichts zu erkennen; diese Theorie kann nur auf meinen gerade wirkenden Schultern beruhen. Auf zwei anderen Bildern konnte man sogar gut sehen, dass mein Schulterpunkt weit vorne liegt. Gibt es aber bei B. nicht.
Der Ausschnitt steht nicht ab, weil meine Schultern ihn wegziehen, sondern schlicht und einfach deshalb: er ist zu groß 😉 War beim Maßschnitt auch der Fall.
Oberweite braucht eindeutig mehr Platz, aber nicht durch Öffnen der Seitennähte: die Armlöcher sind viel zu tief und stehen ab – wenn hier noch mehr Weite rausgeholt wird, dann wird das Problem noch schlimmer. Und wer braucht Gucklöcher in dem Gebiet?
Die Falten, die vom Armloch zum Brustpunkt zeigt, entstehen, wenn Schultern und Brustkorb schmal sind und die Brust dafür nicht ganz klein ist – das heißt, bei diesem Kleid müssten Schulter und “Chest” (mir fehlt der deutsche Ausdruck dafür!) schmäler geschnitten werden. Armausschnitt müsste höher sitzen und die Oberweite bräuchte mehr Weite.

Puh, jetzt habe ich wieder viel länger geschwafelt als gewollt …. ‘tschuldigung …

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