ZwölfKleiderJahr (ZKJ) – Januar

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Die meisten werden es schon mitbekommen haben: Einige Nähbloggerinnen haben sich durch Zufall und Vorsehung vor einigen wenigen Monaten zusammen gefunden und können voneinander nicht mehr lassen. Wir sind mehr als zehn und weniger als zwanzig und es ist nicht bös gemeint, dass wir es dabei auch belassen wollen – in größeren Gruppen entsteht schnell ein anderer, weniger intimer Ton und uns allen tut es gut, auch einmal ungefiltert über das sprechen zu können, was uns an dem Tag bewegt. Dabei ist auch die Idee aufgekommen, gemeinsam in jedem Monat diesen Jahres ein Kleid nähen zu wollen – jede unter anderer Prämisse:

Kleider, die einen Namen bekommen sollen;
Kleider, die Kollektionen kopieren wollen;
Kleider durch alle Jahrzehnte;
Kleider streng nach Jahreszeit;
Kleider für bestimmte Anlässe;
Kleider eines Heftjahrganges;
Kleider, die selbst konstruiert werden;
Kleider, die einen Schnitt variieren.

Die Eine hat schon einen groben Plan im Kopf, die Andere bangt noch ob der knappen Zeit oder der ausgehenden Inspiration/Motivation; ich beispielsweise bin noch leicht verstört meiner Bereitschaft wegen, etwas so verbindliches überhaupt mitzumachen … 😉 Und weil wir so unterschiedlich sind und uns so gerne mögen, haben wir nur minimale Regeln aufgestellt: ein gemeinsames Bild, unter dem wir das Kleid und seine Entstehung bloggen und den Kern der Sache selbst: Ein Jahr, zwölf Monate, zwölf Kleider. Was wir wann über das Kleid erzählen, wann wir es im Monat zeigen, soll jeder selbst überlassen bleiben. Es gibt keine Linkliste und auch keine Einladung an all die anderen liebgewonnenen Mitbloggerinnen außerhalb der Gruppe, sich zu beteiligen (aber auch kein Verbot, sich davon inspirieren und mitreißen zu lassen 🙂 ), weil wir so wenig Druck und Verpflichtung wie möglich haben wollen. Es ist eine Aktion, die uns als Gruppe von virtuellen Freundinnen stärken soll. Jede von uns hat ihre Extraseite so gestaltet und betextet, wie es zu ihr paßte und so hoffe ich auf spannende Ergebnisse.

Nun genug der langen Vorrede, ich muss mich wirklich anstrengen, um bei einer gemeinschaftlichen Aktion durch zu halten und lege mal vor.

In den letzten Wochen war ich wenig brauchbar in so ziemlich jeder Hinsicht, was ich dadurch zu bekämpfen versuche, dass ich mir Projekte vornehme, die mich fordern. Diesmal sollte es das erste schmale selbst konstruierte Kleid werden – sprich: mit einem nach unten leicht eingestellten Rock. Und das in einem wunderschönen smaragdgrünen Wollcrêpe. Nicht ganz meine Farbe, aber doch: ich gefiel mir darin.
Nun bin ich bekanntermaßen kein Fan von Burda: die Schnitte sitzen grottig an mir und ich komme nicht dahinter, mit welchen Weitenzugaben wo bei welcher Größe gearbeitet wird. Gut, das Thema Fertigschnitte hat sich bei mir eh erledigt, darüber sollte ich kein Wort mehr verlieren. Die Sprachkultur bei Burda finde ich ebenfalls unterirdisch: diese Mischung aus Denglisch und Spießerdeutsch, zwischen Gemeinplätzen, Banalitäten und Pseudopomp und nicht zuletzt die vollkommen unverständlichen Erklärungen, die das Hirn so verschwirbeln, dass man selbst nicht mehr weiß, wie man es besser hätte ausdrücken könnte. Mir gefällt auch nicht, wie ein und derselbe Schnitt pro Heft auf vier bis sechs Varianten aufgeblasen wird und mir das als 40-50 Schnitte pro Heft verkauft werden soll – Leute, sagt doch einfach: zehn Schnitte pro Heft plus Ideen, wie sie abzuwandeln sind; das nimmt mich als Kundin ernst und behandelt mich respektvoll. Angelogen zu werden – und das so plump – ist einfach nicht schön.
Nun fragt sich die aufmerksame Leserin – und ich weiß, der verlange ich heute nach einer vermutlich rauschenden Partynacht, in der der Champagner nur so floß, eine ganze Menge ab mit so viel Text – nun ja, sie fragt sich: “Wie jetzt? Hä? Michou als Kundin der Burda?” Die Zeiten, in denen ich das Heft abonniert hatte, was ich als Nähanfängerin geradezu verpflichtend zwanghaft tat – sind lange vorbei. Aber so drei bis vier Hefte im Jahr kaufe ich doch: wann immer ein Schnitt darin ist, der mich interessiert, weil ich spontan nicht wüßte, wie ich das hinbekäme. Oder wenn die abfotografierten Modelle mich inspirieren. Denn wenn auch die Fotografie nicht gerade detailfreundlich ist und viele Sache gar nicht schön an den Models sitzen – mir gefällt die Ästhetik, die sich in den letzten Jahren im Heft zeigt. Und das regt mich doch an. Von Zeit zu Zeit gibt es Bilder, die genau das manifestieren, was ich seit Wochen in meinem Kopf nur nebulös herum wälze – beim gestreiften Hemdblusenkleid war das beispielsweise der Fall. Und genauso erging es mir vor ein paar Monaten mit diesem Kleid hier – und nur dafür hatte ich das Heft gekauft. Natürlich könnte ich mir das Bild auch online betrachten und auch die Schnittführungszeichnung. Aber ich bin da handfest: ich will Papier! Und so bin ich immer noch Kundin …

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Mir gefielen besonders die Falten an der Schulter – aber bei einem Blick auf die Schnittzeichnung sah ich: da sind gar keine … so viel noch mal zu der Paßform an den Models. Mir gefällt auch, dass der Rock nicht ganz eng sitzt: genau der Punkt, an dem ich gnadenlos scheitere. Wie ich es auch versuche, es werfen sich entweder Massen von Stoff quer in Beulen und Drapierungen (zuviel Länge, wenn ich versuche, dem Bauch Platz zu schaffen) oder aber es gibt Längsfalten, da zu viel Stoff in der Breite, was besonders traurig aussieht. Sobald bei mir die Hüftpartie nicht schmal anliegt, sehe ich sehr, sehr spießig und bieder aus. Liegt es dort schön an, zeichnet sich der Bauch von der Seite ab – unvermeidlich. Aber diesmal …

Ich bastelte also einen Schnitt, der dem von Burda ähnlich ist:

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Für die Ärmel habe ich drei Abnäher eingebaut, quasi eine eckige Puffärmelform und die liebe ich sehr; auf dem Bild sind das die seltsamen Zacken. Es ist herrlich, diesen Ärmel einzunähen, da ja jede Weitenzugabe in den Abnähern steckt und Armloch und Ärmelkurve nahezu perfekt (abgesehen von den Nahtzugaben) aufeinander passen. Den Ärmel gibt es noch öfter, zumal er breite Hüften ausgleicht, dabei aber nicht süß oder mädchenhaft wirkt.

Und dann schlug natürlich das Schicksal und meine einfach nicht vorhandene Konzentration zu – ich muss mich auch der Tatsache stellen, dass mich eine zwar leichte, aber doch vorhandene Depression im Griff hat. Ich liebe Crêpe, aber er ist nicht freundlich. Crêpe ist ein eher lose aus stark verdrehten Fäden gewebter Stoff. Er neigt schon mal dazu, sich ein wenig nach hier und dort zu ziehen. Und das passierte ausgerechnete beim Zuschneiden der Rockbahnen: während ich die zweite Seite einer Bahn schnitt, merkte ich zu spät, dass der Stoff sich trotz Feststeckens unter dem Schnittpapier zu mir hin bewegt hatte – sprich: mir fehlte fast ein Zentimeter! Und das an zwei Bahnen … da konnte ich nun an den Seiten auslassen, was ich wollte: es ist ein MM-Stehkleid, in das man mich besser eingenäht hätte, damit der Reißverschluss nicht zu sehr leiden muss. Ob das Kleid doch noch passen wird, wenn ich die nächsten drei Wochen nichts esse? Hmmm. Ich werde es euch auch noch mal zeigen, irgendwann. Also an mir, nicht nur am Bügel:

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Auf dem Papierschnitt habe ich nachgemessen: der stimmt, wird aber vorsichtshalber noch um einige Millimeter geweitet. Am V-Ausschnitt wellt es sich noch minimal, da war meine Anpassung zu konservativ. Der Ärmel darf am Abschluß noch um einen Zentimeter weiter werden und der Ausschnitt eigentlich doch einen Zentimeter weniger tief. Ansonsten treffen alle Nähte genau aufeinander, Schulter sitzen schön. Und all diese Änderungerungen sollen dann zum Januarkleid führen, das ich vielleicht heute noch zuschneide – konzentriert, hoffentlich …vorher muss ich in meinen Stoffvorrat eintauchen und mich entscheiden. Hmmm …

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