40er-Jahre-Kostüm: Inspiration und Konstruktion

Seit gestern nachmittag sitze ich stündchen- und häppchenweise an der Konstruktion meines Kostümschnittes und spannend kann das sein:

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Ob es Xaver war, der dafür verantwortlich zu machen ist, oder auch nicht: vor einer guten Stunde ging hier das Licht aus. Und der Fernseher. Der Kühlschrank, der Herd, das Telefon. Passiert schon mal in einem nicht mehr ganz so neuen Haus. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass unsere Straße von oben bis unten im Dunkel lag. Und das Viertel dazu. Hmmm, da habe ich die Jungs glücklich im Bett, den Gatten aus den Füßen und dann soll ich zur Untätigkeit verdammt sein?
Ha, nein, ich habe endgültig jeden Sinn für Angemessenheit verloren: ich habe die für solche Fälle parat liegende Taschenlampe an das Lampengestänge gewunden und weiter gemalt. Es kam mir noch die kluge Idee, Kerzen aufzustellen, für den Fall, die Taschenlampe hielte nicht lange durch. Kaum, dass die Teelichter brannten, ging mit großem Gescheppere der Strom wieder an. Ich nahm das als Zeichen, noch ein wenig weiter zu basteln und Bilder zu knipsen.

Nun gut, zum Thema: durch eine liebe Freundin motiviert, setze ich also nun, nicht nächstes Jahr oder wann immer, meinen lange, lange schwelenden Wunsch nach einem Kostüm um. Kostüme gehörten lange zu meinem Leben sehr selbstverständlich dazu; es gab eine Zeit, in dem sage und schreibe sieben Kostüme und ein Anzug in meinem Schrank hingen und mein Liebstes war dieses:

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Mit dem Beginn der Näherei in diesem Hause kam auch schnell meine wieder erwachte Vorliebe für vergangene Jahrzehnte oder besser gesagt für die Kleidung dieser Jahrzehnte hinzu. Nach einem Jahr Näherfahrung (hahaha – Erfahrung …!) begann ich wie eine Süchtige, alte Schnittmuster zu sammeln und eines der ersten war der schon gezeigte Schnitt der Firma Hollywood Patterns – der Form nach und wenn die handschriftliche Jahreszahl korrekt ist ein Modell der ersten Hälfte der 1940er.

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Mir gefällt einfach alles: die Frisuren, die Haltung, die Farben und natürlich der Schnitt: ausgestellter Rock mit Bluse bzw. Jacket. Einzig die Tatsache, dass mir dieser Schnitt niemals ohne jahrelange Änderung passen wird (und dass mir kurze Ärmel gerade zu kühl und lange immer zu störend sind), verhindert einen Nähversuch nach diesem Schatz.

Aber wozu habe ich mich monatelang und das immer wieder durch das Nähen, Ändern, Zeichnen, Trennen, Nähen, Ändern et cetera, et cetera von Grundschnitten gequält, wenn ich es jetzt nicht auch an diesem Wunschtraum erprobe? Eben!

Ich habe nun also den Schnitt liebevollst ausgepackt und mir die Relationen angeschaut, in denen Kragen, Ausschnitt, Bögen, Längen und Weiten stehen und habe diese – so gut ich es eben vermag – auf meinen Grundschnitt übertragen. Als Ausgangsbasis habe ich den hüftlangen Blusengrundschnitt gewählt. Gestern habe ich bereits den Achtbahnenrock erstellt; heute habe ich die Schößchen, Rücken- und Vorderteil konstruiert und morgen nachmittag hoffe ich auf Ärmel, Gürtel, Beleg und Futter. Und, wenn ich fleißig bin und nichts dazwischen kommt, auf den Zuschnitt.

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Das Rückenteil wird eine Mittelnaht erhalten, die zur Taille hin um einen Zentimeter eingestellt ist.

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In der ersten Version gefiel mir das Verhältnis Kragen-Revers noch nicht – das Revers zu klein, der Kragen zu groß. Leicht abgeändert bin ich zufrieden: das Revers hat einen halben Zentimeter an seiner rundesten Stelle dazu bekommen, der Kragen ist dafür um drei Millimeter geschrumpft.

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Insgesamt denke ich, dass ich die Linie ganz anständig kopiert habe – ob das an mir dann aber auch so aussehen wird? Das kann ich nicht versprechen.

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