Grübel, grübel, grübel …

Ich weiß, ich schulde noch den letzten Teil der Mantelfütteranleitung – in den nächsten Tagen werde ich das zu einem PDF basteln und einstellen. Aber es geht drunter und drüber mit dem Ende der Schulferien und einem krankgeschriebenem Gatten. Und schlimmer noch: ich grübele mich in einen Kreis hinein, aus dem ich keinen Ausweg sehe.

Wenn ich ein enges Kleidoberteil mit einem tiefgeschlitzten Halsausschnitt habe, dazu kurze, aber enge Ärmel mit hoher Kugel und Armlöchern, die hoch geschnitten sind und gut anliegen – woran liegt es, dass der Schlitz auf der mittleren Höhe zwischen Halsgrube und Brustlinie klafft? Ausgeschlossen ist eine zu große Oberweite, denn da klafft gar nichts. Ausgeschlossen ist auch ein zu tiefes Armloch – höher geht es nicht. Sicherlich mit verursachend ist die hohe Kugel, die für eine geringere Beweglichkeit und für ein Mitziehen des Oberteiles bei einer Bewegung sorgt. Aber nicht unbedingt an dieser Stelle, oder?

Ich habe mir erlaubt, ein Bild von Voguepatterns zu klauen, auf dem etwas ähnliches zu sehen ist – aber hier geht der Zug eher zur Brust- und Taillenlinie, geht aber vom gleichen Punkt aus wie bei mir: aus der unteren vorderen Armkurve. Hier allerdings liegt es eher an der Mischung von hoher Armkugel, schmalem Ärmel und etwas zu tiefen Armloch. Bei mir zieht es hierher (und ich kann nirgendwo etwas zu diesem Problem finden):

Und das tut es schon bei der kleinsten Bewegung, also noch bevor die hohe Armkugel überhaupt ins Spiel kommen kann. Auch spüre ich den Zug sehr gut, genau am Übergang von Brustkorb zur Achsel hinein. Nur komme ich trotz all der Grübelei nicht dahinter, was ich dagegen tun kann. Muss ich an dieser Stelle weiter ausschneiden

oder muss ich Stoff hinzu geben?

Nun sind mir bei diesem Kleid Grenzen gesetzt und ein zweiter kleiner Fehler spielt sicherlich auch eine Rolle; ich habe nämlich erst beim nochmaligen Überarbeiten des Schnittes NACH dem Nähen bemerkt, weshalb ich mit dem Beleg etwas kämpfen musste – der war nämlich größer und höher, weil ich eine Änderung dort nicht übertragen hatte – dadurch steht der Schlitz eh schon etwas vom Körper ab. Aber dieses Zug-Problem habe ich auch hier gehabt (neben den damals schon erwähnten …!) :

Wenn ihr genau hinschaut und an dem scheinbar zu engen Sitz vorbei, dann könnt ihr zwischen erstem und zweitem Knopf erkennen, dass die Leiste bereit ist, sich hier zu beulen, wenn ich den rechten Arm nur ein wenig nach außen bewegte … wobei mich das nun auch wieder verunsichert, denn hier ist die Schulter einen halben Zentimeter breiter als bei meinem Grundschnitt und das Armloch statt einen drei Zentimeter von der Achsel entfernt. Allerdings ist der Mantel ebenfalls insgesamt sechs Zentimeter weiter, was wohl in etwa die gleichen Proportionen hat wie der Grundschnitt. Ihr seht, ich bin verwirrt. Aber ich denke, dass es weniger der Ärmel als vielleicht ein kleiner Fehler im Oberteil ist – ich finde nämlich nicht die Stelle, an der die Ärmelnaht optimal verläuft …

Und so erbitte ich: Erhöht mein Flehen! Wer immer eine Idee hat oder gar Genaueres zu vermelden weiß, tut es bitte auch. Ganz schnell, ich spüre den Wahnsinn wieder einmal nahen ….



7 thoughts on “Grübel, grübel, grübel …”

  • Also wenn es spannt, heißt das es ist zu wenig Stoff da. Ein größerer Armausschnitt nimmt Stoff weg, also wäre die gegenteilige Änderung richtig. Sitzt dann aber der Ärmel noch schön wenn der Ausschnitt verändert wurde?

    Ansonsten kann ich es mir nur dadurch eklären daß der Schnitt eben sehr eng ist.

    Expertin bin ich aber auch nicht. Schon eine ganze Weile schleiche ich um das Buch “Fitting and Pattern Alteration: A Multi-method Approach” herum. Wenn der Preis etwas nedriger wäre…

  • Zu dem Buch: das lohnt sich schon sehr, denn da ist fast alles drin – bis auf das 😉

    Was mich so wahnsinnig macht, ist die Richtung, in die das zieht: diagonal nach oben zur VM. Genau auf der Höhe, wo ich nicht mehr Stoff haben kann (hat ja beim Mantel eigentlich auch nicht geklappt), denn meine nach vorne geneigten Schultern verlangen dort nach weniger – es neigen sich die Oberarme ja etwas mit und dort, wo die englische Sprache die “Chest” bezeichnet, muss es weniger sein. Aber direkt darunter zerrt mir der Ärmel das alles auseinander …

    Ich werde jetzt mal Ärmel ein- und aussetzen gehen, hoffentlich macht der Stoff noch ein Weilchen mit. Danke dir schon mal für die Anregung! Halt mal Ausschau nach Gutscheinen von bol oder libri – für englischsprachige Bücher lassen die sich ja einsetzen. Als ich mir das Buch vor über einem Jahr dort bestellt hatte, war es etwas günstiger als jetzt und ich hatte noch 10% Abzug. Gelohnt hat sich das wirklich sehr!!

  • Hallo Michou, ich kenne dein Problem zu gut und kann sagen es liegt an der Brustbreite/an dem Bereich über der Brust. Wenn du möchtest schreibe mich gerne an, da der Platz nicht hier ausreicht.
    viele Grüße

  • Hallo Himmelblau – eine neue Farbe in meinem Kosmos, wie fein 🙂 Noch feiner, dass dir das bekannt vorkommt und du meinen Verdacht schon einmal bestätigst! Ich schreibe dir sofort, denn ich verzweifele heute noch!!!

    Bis gleich 🙂

  • Lieber Ginger, vielleicht ist es einfach nur zu spät für mich, aber oweh, das verstehe ich nicht alles …

    Also Weite fehlt in der Partie zwischen Schulter und Brust und zwar von Armausschnitt zu Armausschnitt? Ich habe durchaus einmal – nicht hier gezeigt, war schlimm – versucht, Weite durch durchschneiden des Schnittes herbei zu führen (für eine Jacke) dabei sind die Schultern so riesig geworden und an der Brust spannte es immer noch. Da bin ich nicht wirklich klar gekommen.
    Bei dem Mantel hier auf der Seite habe ich eine Taillenweite von 82 cm bzw. der Mantell hat sie und ich zu dem Zeitpunkt mit dem Pulli darunter eine von 67 – und es sieht immer noch zu eng auch da aus, aber das ist eine andere Geschichte 😉

    Zum Knipsen komme ich zur Zeit nicht, daher kein Tatfoto, leider. ABER das besagte Kleid hat die exakt gleichen Maße wie das blaue Kleid, nur eben mit Schlitzausschnitt und engen Ärmeln. Deshalb denke ich ja, dass vielleicht etwas mit dem Armausschnitt nicht stimmt, was aber bei einem “geschlossenen” Oberteil nicht auffallen kann – kann ja nichts klaffen … aber ich möchte do so gerne ENDLICH auch eine Bluse schaffen …

    Beim grauen Mantel übrigens – der die Weite so erhalten hast, wie du es beschreibst, der nach dem gleichen Schnitt wie der blaue Mantel und das blaue Kleid erstellt wurde und der wieder viel, viel, viel zu groß geworden ist, weil die Schulten zu breit geworden sind und das Armloch auf meinen Oberarm hüpfen will – passiert auch das gleiche: ich bewege den Arm nach außen und auf der gleichen Höhe öffnet sich die Knopfleiste, wiederum ausgehend von der Ecke vor der Achsel. Also Weite an der Partie Armloch-Armloch ist da, aber es klafft. Und weil da so viel Weite ist, stellt sich der Knopfverschluß auf die Leiste darunter und will nicht mehr zurück – der Stoff haftet an sich selbst fest. Frustrierend. Deshalb muss ich mich wohl fragen: was stimmt am blauen Kleid nicht?

    Schrei!!!!!

  • Hi,

    ich lese sehr gerne in deinem Blog. Die Sachen, die du erarbeitet hast, sind handwerklich sehr ansprechend. (Vintage mag ich allerdings nicht so sehr.)
    Zu deinem Problem: Es wurde bereits gesagt, dass Weite über dem Brustbereich fehlt. Diese bekommst du durch einschneiden und aufdrehen des Schnittes. Keinesfalls schiebst du den Schnitt auseinander, dadurch vergrößert sich die Schulterbreite (hattest du ja bereits). Informiere dich einmal über FBA (Full Bust Alternation). Eine nette und verständliche Anleitung findest du auf der Burda-Style Internetseite – allerdings weiß ich jetzt nicht mehr wo genau. Die Beschreibung für eine FBA müsstest du auch in deinem reichhaltigen Bücherschatz vorfinden.
    Wenn es dir sehr wichtig ist, dass die Jacke sehr gut passt, dann würde ich den Beleg abtrennen und ihn in der richtigen Größe zuschneiden. Wenn Oberstoff und der Beleg nicht 97 % aufeinanderpassen, dann hast du ein Problem. Das wird nie glatt fallen. Eventuell bekommt man dies noch mit Bügeln in Griff.

    Ich bin immer sehr vorsichtig mit Ratschlägen. Dies soll kein Angriff auf deine Werke sein, denn deine Anpassungen sowie die Verarbeitung gefallen mir ausgesprochen gut. Bei dir merkt man, dass du dich weiterentwickeln möchtest. Dafür wünsche ich dir viel Erfolg. (Wenn ich deine Beiträge lese, habe ich das Gefühl, dass du schon viel weiter in die Materie eingestiegen bist als ich nach über 20 Jahren Näherfahrung.)

    Liebe Grüsse
    Martina

    • Siehst du, das ist das Problem: ich gerate vom Hölzchen aufs Stöckchen und bringe alle durcheinander. Muss prägnanter werden. Kurz, zackig, klar. 😉
      Bevor ich jetzt auf das eingehe, was du mir geschrieben hast, danke ich schon mal für das darin enthaltene Kompliment – wenn es auch etwas ungerechtfertigt ist: Meine Verarbeitung ist unter aller Sau. Da, das war prägnant 😀
      Aber jetzt gehen zwei Sachen – durch meine Schuld – durcheiander: die Jacke ist in der Tat in der Brust zu schmal, auch, weil der Ärmel die ganze Weite nach außen zieht. Da habe ich mich einfach vertan und zu wenig Weite insgesamt reingegeben. Gezeigt hatte ich das Bild nur, weil trotz der Enge dort die Knopfleiste bei der Bewegung des Armes nicht klafft – was ich erwartet hätte. Sondern eben darüber und zwar ausgehend von der Achsel. Und diese Neigung hat mein Grundschnitt offenbar und jetzt will ich wissen, warum.
      Das Kleid, um das es eigentlich geht, ist noch nicht geknipst und daher kann ich es nicht vorführen. Bei diesem ist der Beleg irgendwie falsch, was dazu führt, dass der Schlitz nicht flach anliegt, sondern sich leicht anhebt. Aber damit kann ich – nein muss ich leben, denn ich habe knapp abgeschnitten und der Stoff franst sehr, das gäbe eine noch größere Katastrophe, versuchte ich hier etwas zu retten. (Gebe aber zu, dass ich darüber auch schon seit Tagen grübele: soll ich es wagen? Aber ich weiß genau, es wird nichts und hoffe, ich bleibe standhaft!)

      Ach Mensch, ich rede schon wieder im Kreis – wenn ich mit dem Mund so viel redete wie ich auf einer Tastatur tippe … ich hätte einen Kiefer wie ein Steinbeißer 😉

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