Schicksal und Schokolade

Es ergab sich gestern viermal, dass ich mit unterschiedlichen Frauen zu unterschiedlichen Tageszeiten über Körpermaße sprach – es lag da das Thema Wechseljahre, Ernährung, Schnittmuster und Sport in der Luft. Zweimal virtuell, zweimal real gab ich meine Maße preis und kund zu wissen. Wie immer, wenn ich darüber spreche, schaue ich danach irgendwie genauer (kritischer?) in den Spiegel. Aber erst heute morgen, nur in Wäsche und zwischen zwei Räumen hin- und herhetzend und quasi auf dem Weg zur Arbeit, fiel mir auf, dass sich schon wieder was geändert hat.

“Liebes Schicksal, ich habe wirklich überhaupt gar keine Lust, meine Grundschnitte nun alle drei Monate anpassen zu müssen. So nicht, ja? So nicht!”
So sprach ich laut und unwillig vor mich hin. Das Schicksal antwortete leicht schneidend, dass es da so lange nichts tun könne, so lange ich meinte, innerhalb dreier Tage vier Tafeln Schokolade (und nein, es ist nicht teilen, den Kindern EINEN Riegel abzugeben…!), eine dreiviertel Tüte Chips, diverse Lakritze und ungezählte Nüsse zwischen den Mahlzeiten verzehren zu müssen. Ups …

Etwas kleinlaut schlich ich zur Waage, ein selten gebrauchtes, staubiges Teil in einer Ecke des Bades stehend. Waage und Schicksal sind offenbar gut Freund miteinander. 60 Kilo. Hmm. Als ich im Januar meine Grundschnitte überarbeitet hatte, waren es 58. Und die passen besser zu mir, ich war doch immer schon zu dünn; da bin ich dran gewöhnt. Ich war allerdings auch mal zehn Jahre jünger, da hätte ich mich dran gewöhnen mögen, wie ich will, das hätte doch nichts geändert. Im Gegenteil besteht sogar die leise Vermutung, die Zunahme an Jahren könne mit der Zunahme an Gewicht zusammen hängen. Was ich als doppelt grausaum und ungerecht empfinde. Da musste ich mich zumindest 38 Jahre lang in meinem Leben anstrengen, nicht abzunehmen und nun sollen drei läppische Täfelchen Schokolade solch eine Wirkung haben. Dabei verzichte ich doch – ebenfalls schon seit Jahren – auf meine tägliche Ration an Teilchen und Torten.

Aber ha, was sagt das Gewicht schon wirklich aus? Stelle drei Frauen von 173 cm nebeneinander, lass sie allesamt 60 Kilo wiegen und sie werden vollkommen unterschiedlich aussehen. Also schnell nach unten, Maßband holen und nachmessen. Leider ist mein Maßband Teil der Verschwörung: sagte ich gestern noch, meine Maß wären 91 – 68-70 – 101, so korrigiere ich heute auf 94 (WTF???? Sorry … )- 69 – 102,5. Als ich mit dem Nähen begann, war ich bei 84 – 72 – 91; meine ersten Schnitte konstruierte ich mit 89 – 68 – 98.

Was will ich damit sagen? Weiß ich auch nicht, außer, dass es mir eine Warnung sei, Schokolade nicht mehr in diesen Mengen zu verputzen. Ich werde mir ja täglich fremder und ich möchte doch die paar gutsitzenden, mühsamen erarbeiteten Kleidungsstücke wenigstens ein- oder zweimal tragen können. Und nun sitze ich hier und sehne mich nach Marzipantorten, Nougathörnchen, Erdbeereis und Kartoffelgratin. Ich finde das gemein … 🙁

Und damit ich weiß, weshalb ich verzichte, wird heute genäht. Irgendein Rock soll es werden und am liebsten noch eine Bluse. Und dann ab in den Keller, Sport treiben. Bah! Das alles nur, weil ich nähe. Habe ich früher jemals meine Maße gekannt? Nein, habe ich nicht. Früher hat mir aber auch jede etwas molligere Frau gesagt: “Nun iß doch mal was!” Meist sagte sie nach längerer Bekanntschaft derlei nicht mehr, sondern meckerte mich nur noch mit “Verdammt noch mal, musst du immer was zu essen in der Hand haben???” Wie man es dreht und wendet, das Leben ist nicht fair. Schicksal und Schokolade, ihr kommt aus der Hölle!

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12 thoughts on “Schicksal und Schokolade”

  • Ja, da kommen sie her, genau wie Sport. Kommt auch direkt aus der Hölle.
    Aber um die Sache mal positiv zu betrachten, das Taillenmass bleibt doch ziemlich konstant.
    Liebe Grüße
    Arlett

  • Willkommen in meiner Welt 🙂 Nur hab ich mich längst dran gewöhnt, keine Elfe zu sein und nähe auch nicht ganz so genau wie Du, daher ists für mich nicht so schwierig. Ich muss zugeben, ich WEISS meine Maße nicht mal so genau – ändert sich bei jedem Vollmond – ich passe eh jedes genähte Stück immer am Körper und nicht am Stoff an….

    • Das lässt den Schokokonsum entspannter betrachten 😀 Aber zu einem am Körper abändern hätte ich niemals nicht den Nerv – das muss passen, zack. Dazu muss ich halt auch ein Teil(chen) beitragen 😛

  • tja …. was soll ich dazu sagen? Wenn ich mir Dich anschaue – auf den gestrigen Fotos, dann tröste ich mich, dass meine Kilos und Maße wohl hoffentlich annähernd so gut ausschauen, auch wenn es hier und da weniger (Oberweite und Körperlänge) und hier und da mehr sind (Kilos, Taille) 😛
    Meine Arbeitskollegin behauptet 40 zu tragen und sieht wie ein Püppchen aus (ist klein und sehr sehr zierlich). Ich habe viele Jahre auf die Maße und Kilos geachtet (damals als ich kiloweise – buchstäblich – Süßkram verschlingen könnte ohne nur 1g zuzunehmen) jetzt lerne ich sie zu ignorieren, denn die Kontrolle und “in den Rahmen passen wollen” sind fürchterliche Spaßverderber.
    Allerdings gehöre ich (noch) zu Leuten bei denen +8kg nur eine Kleidungsgröße ausmacht (was irgendwie mysteriös ist und so recht glauben will ich das nicht).
    … aber beim Trffen mit meiner jüngeren Schwester müsste ich doch schwer schlucken, so dünn und allesessend sie ist 😉

      • ja, eigentlich hängt das ganze von vielen Faktoren ab, denke ich, und zwei Frauen mit identischen Körpermaßen und Gewicht können ganz anderen Eindruck erwecken (genau das wollte ich übrigens vorhin sagen, aber mein Hirn funktioniert seit der Zeitumstellung nicht richtig 😉 ).

  • Oh man, das Problem mit den Problemzonen. Ich kenne das nur zu gut, hatte mal mehr auf den Rippen, dann abgenommen… überall nur nicht am Hintern. Das ist echt ärgerlich, da es mich definitiv aus der Form wirft. Hosen muss ich (obwohl ich fast im normal bereich bin) in Übergrößen kaufen. Wir frauen haben es schon nicht leicht 🙂

  • Mach ma Sport, das wird Dir gut tun 🙂 . Im Ernst: Ich muss regelmäßig Sport treiben, bei einem Beruf mit viel Stehen und der einseitigen Belastung im Garten macht mich sonst mein armer Rücken zur Schnecke. Der große Vorteil an 2xpro Woche Krafttraining ist, dass Du weniger Lust auf Süßkram hast, aber mehr davon essen könntest, wenn Du denn wolltest. Außerdem sieht ein Bäuchlein mit Muskeln drunter viel besser aus, als eins ohne finde ich.
    Liebe Grüße, Stefanie

    • Wenn es nur nicht sooo öde wäre … Sport ist einfach unglaublich langweilig und verhindert viel bessere Dinge, ob Bügelwäsche aus den Augen bekommen oder ein gutes Buch lesen 😀

      Aber du hast ja recht und gestern immerhin war ich brav und fleißig. Gut?

        • Nun ja, du könntest dir ein Trimmrad vor den Fernseher stellen, mit Kopfhörern die Dialoge verfolgen und dabei stricken … das habe ich in Singlezeiten wohl mal getan … Das Bild stellst du aber bitte online 😀

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