85% – Schön wär’s

Das nun Folgende hatte ich ursprünglich ausführlich bloggen wollen, entschied mich dann zu einem übersichtlichen FB-Rant und setze es jetzt doch hier hinein (mitsamt der Aussage, es nicht zu bloggen – Dadaismus yay!)


Eigentlich hatte ich vorhin noch so viel Feuer in mir, dass ich gerne etwas gebloggt hätte in Bezug auf die (angeblichen) 85%, die wissen, was Demokratie ist.
Die Energie stecke ich gleich lieber in den nächsten Roman meiner Serie, die ja nicht grundlos in der Weimarer Republik beginnt. Was ich hätte sagen wollen – ausführlich, eloquent, feurig -, wäre so in ungefähr Folgendes gewesen:

Achtet auf eure Sprache UND eure Denke. Wenn nämlich von links, von der Mitte, vom Akademikern wie Arbeitern immer nur der gleiche Müll kommt (Merkel muss weg!), dann unterscheidet sich das nicht nur nicht von dem, was die Ultrarechten von sich geben, es bestärkt sie noch, denn diese Ablehnung jeglicher Regierung ist mittlerweile das verbindende Element über das komplette, politische Spektrum und das dient nur denen. Die ich übrigens mit Bedacht “Ultrarecht” nenne, denn diese neue Denke von konservativ muss böse sein und fortschrittlich ist links-versifft, bekommt uns ebenso wenig wie unser ständiges Kleinreden von allem und jedem.

Dass die SPD sich ausgerechnet nun selbst zerlegt – wunderbares Timing, ganz spitzenmäßig. Dass wir uns untereinander ebenso bekritteln, hilft auch unglaublich weiter. Ich finde das unerträglich und sehe eigentlich keine Zukunft mehr. Weshalb ich vermutlich so schnell schreibe, damit ich noch erlebe, dass sich hundert Leserinnen freuen – übrigens hasse ich das Binnen-I, weil es häßlich und nervtötend ist und der Sache der Frauen einen gottverdammten Bärendienst erweist, die nämlich genau damit assoziiert wird: mit häßlich und nervtötend! Ebenso rege ich mich über diejenige auf, die den #aufschrei und #metoo für kleinliche Debatten über unangemessene Komplimente und Sprüche nutzten, was auch wieder häßlich und nervtötend war und ist, denn nun muss man jedem panischen Idioten (männlich wie weiblich) erklären, um was es wirklich ging: um die Selbstverständlichkeit, mit der in unserer Gesellschaft die angeblichen Bedürfnissen weit über die tatsächlichen Gefahren und Ängste von Frauen gestellt werden. Da ist eben nicht hilfreich, sich darüber zu echauffieren, dass der Kollege zur mit kritischem Augen ausgesuchten neuen Hose meint, sie als schick und gutsitzend bezeichnen zu müssen. Wenn das stört, klärt es mit dem Kollegen und nutzt nicht einen Hashtag, in dem Frauen sich erstmals trauen, von Dingen zu erzählen, für die sie sich schämen. Aber gut …

Nun wird es doch länger, aber im Blog hätte ich mir noch viel mehr Zeit genommen. Was hier auf FB aber viel besser aufgehoben ist: Hört doch einfach mal auf, die Fratzen von Weidel, Storch, Höcke und Gauland zu teilen. Nehmt die Vorschau raus, lasst deren Aussagen mal alleine wirken. Denn wir gewöhnen uns so selbstverständlich an diese Typen, das ist nicht in Ordnung. Ich selbst musste für einige geplante Minister googlen, um mich an deren Gesicht zu erinnern – vollkommen falsch ist das. Überlegt doch überhaupt mal, ob jedes Wort dieser Band wirklich nochmal und nochmal geteilt werden muss: Diejenigen, die hinter dem stehen, was die sagen, fühlen sich durch die Verbreitung bestätigt. Diejenigen, die längst wissen, wofür AfD steht – Alles faschistische Deppen – brauchen keinen weiteren Beweise.

Naja, nun trinke ich einen Kräutertee und schreibe weiter an dem, was mich glücklicher macht – ja, ich flüchte. Bewusst und ein wenig hoffnungslos …


So, und demnächst versuche ich auch mal wieder über Schönes zu bloggen!

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