Amethyst.

Letzten Mittwoch kaufte ich – voll des schlechten Gewissens, aber dennoch begierig – zwei edle Stöffchen im feinen Stoffgeschäft um die Ecke. Es liegt mehr oder weniger auf dem Weg zum Tennisplatz des jüngeren Sohnes. Das ist für ähnlich Suchtveranlagte wie mich Erklärung und Entschuldigung genug. Ich kaufte dort einen sehr großkarierten grauen Stoff, der mir noch einiges an Denkübungen abverlangen wird, und einen grobgewebten, recht festen Wollstoff in einer Farbe, die nur mit viel gutem Willen als “meine Farbe” zu bezeichnen ist – Amethyst, ein leuchtend-kräftiges Violett, das mir zu Gesichte nicht wirklich gutes tut. Aber zu einer Verbindung mit Dunkelblau und Dunkelpflaume sagt es nicht nein und so habe ich mir diese Farbe doch zu eigen gemacht. Für die noch kommenden ganz dunklen, ganz trüben, ganz versteckten Tage des Winters.

Ich musste nicht lange überlegen, habe im Grunde auch erst den Schnitt und dann den Kauf entschieden – es wurde mein neuer Standardrock. Da dieser Stoff preislich nicht gerade billig ist, war ich beim Abschnitt geizig: 1,40 m mussten reichen. Das reicht nicht, wenn ich den Schnitt wie für den blauen Rock mit dem Fadenlauf in der Mitte jeder der vier Bahnen hätte auflegen wollen. Ihn im geraden Fadenlauf – also FL in VM und HM – zuschneiden wollte ich aber auch nicht und so habe ich mich für einen FL schräg zwischen VM und Schnittmitte entschieden. Freehand sozusagen – einfach so, wie die Stoffmenge es zuließ, ohne zuviel Abfall zu erzeugen. Jeder Fadenlauf erzeugt einen unterschiedlichen Fall und damit ein anderes Aussehen der Linie und es macht mir richtig Spaß, damit herum zu spielen und zu experimentieren.

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Weshalb die Kamera bei grauestem Himmel und Schummerlicht den Blitz nicht ausgelöst hat, ist mir ein Rätsel. Beim zweiten Versuch entschied sie sich dann doch dafür:

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Das kommt der Sache schon näher, obwohl – sooo knallig ist der Farbton denn doch nicht. Auf dem nächsten Foto könnt ihr den veränderten Fall vielleicht am besten sehen; der Rock fällt wesentlich schmäler, aber auch irgendwie runder um Hüfte und Bauch.

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Und weil ich mir vom Regen und der späteren Arbeit nicht die Laune verderben lassen mochte:

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Was mir die Laune viel eher verderben könnte, ist die Haarpracht – egal, was ich damit anfange: ich komme mit diesem Schnitt nicht klar. Beim Blick in den Spiegel komme ich mir vor, als wäre ich Kate Jackson als Engel für Charlie. Und wenn eines gar nicht geht, dann für einen unbekannten, alten Geheimniskrämer mit Machoallüren zu arbeiten …



12 thoughts on “Amethyst.”

  • Die Schuhe sind Größe 39 – knappst vorbei. Muss wohl doch ich den Stoff kaufen. Und schon gerechtfertigt quasi.

    Aber doch lieber Kate Jackson als Mireille Mathieu…;)

    Lieben Gruß
    Jay

    • Ha, Mireille Mathieu hatte ich der Friseurin auch als “So nicht” genannt – aber ich befürchte, sie war zu jung, um das zu verstehen. Kate Jackson ist besser, aber doch noch nah dran 😀

      Und die Schuhe darfst du behalten, wenn ich denn bitte innerhalb der nächsten Woche den passenden Rock dazu bei dir sehen werde …

  • Oh ja, der fällt wirklich schön. Und sieht richtig winterlich aus, auch wenn ich immer noch auf einen sonnigen Tag hoffe (und das obwohl ich Herbst eigentlich mag, unglaublich dass es für mich mal zu wenig Sommer geben kann).
    Wenn ich so lese wie zufrieden du mit deinen nun gefundenen Schnitten bist sollte ich doch meine Art von Nähen überdenken. Genau einen Schnitt habe ich zweimal genäht, vielleicht liebe ich es einfach, mich mit schlecht sitzenden Generalproben auseinanderzusetzen anstelle mal eine Serie eines Erfolgsmodells zu produzieren.
    Liebe Grüsse,
    ette

    • Vermutlich ist das eine Altersfrage, wenn ich das auch gar nicht so gerne sage 🙂 Aber du bist ein gutes Stück jünger als ich – mich reizt das immer Neue nicht mehr so arg; wenn ich das Gefühl habe, in einem Teil gut auszusehen oder mich immerhin so zu fühlen, dann möchte ich vor allem dieses Gefühl reproduzieren, gar nicht mal unbedingt das Kleidungsstück an sich. Und ich komme mir schon ein wenig langweilig, spießig und berechenbar vor, so am Fließband das immer Gleiche zu nähen und zu zeigen 😀

      Aber jetzt kommen ja wieder zwei ganz andere Schnitte dran, die aber sicherlich auch, so sie funktionieren, eine Zweitauflage erleben werden. Denn ein anderer Stoff, eine andere Farbe, eine andere Kombination sind für mich schon spannend genug.

      Das mit den sonnigen Tagen – geht mir sonst ähnlich, aber diesmal bin ich fast schon enttäuscht, wenn sie ein Tag wie heute dann als doch noch fast warm und schön entpuppt. Wahrscheinlich fällt der richtige Herbst aus und wir haben zack, über Nacht, Winter – bah!!!

      • ich kann den ersten Teil Deiner Aussage nur bestätigen – nicht nur die Kleidung und Nähen betreffend. Und mit großem Schrecken (denn das sieht nah Konservativwerden aus und wenn das nicht der erste Nagel ist …).
        Dein Rock ist wirklich wunderschön und ich mag seinen Fall sehr. Und die Farbe auch wenn sie auf den Fotos so unterschiedlich aussieht (die dunklere Variante sieht fast schon nach Traube aus … )

        LG
        J.
        herbstlich müde

        • Ach, konservativ … ich denke, das werde ich sicherlich niemals. Aber irgendwann ist man doch auch einmal so weit, dass man sich nicht mehr suchen muss, sondern sich gefunden hat. Zwischendurch verliert man sich aus den Augen, aber wenn man wieder beieinander ist, dann greift man doch immer wieder auf all das zurück, was man auch vor dem Irrlauf mochte und brauchte und liebte. Oder? Egal, ob Bücher oder Röcke – schaue ich zurück, dann ist da ein roter Faden. Anfangs ein Knäuel, dann verknüddelt und wie von Katzen durchs ganze Zimmer gezogen und um jedes Stuhlbein verknotet, aber irgendwann liegt er glatt und klar vor einem 🙂

          Ruh’ dich aus, du hast es dir ja nun wirklich verdient 🙂

      • Mh, ja, es könnte eine Altersfrage sein. Aber ich glaube wir interpretieren unser gemeinsames Hobby auch sehr unterschiedlich. Du bist unglaublich perfektionistisch und ich bewundere dein Durchhaltevermögen bei Schnittanpassungen, Änderungen und Stoffexperimenten. Ich bin da doch eher sprunghaft. Wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht und ich mach was anderes. Nur bei technischen Problemen meldet sich mein Ego und verbietet mir, vor einem Schnitt zu kapitulieren. Zudem nähe ich nicht meine Alltagsgarderobe selber, auch wenn inzwischen immer mehr Projekte tragbar sind und in eben diese wandern. Aber ich hatte nie den Anspruch weitgehend unabhängig von gekaufter Kleidung zu sein, wie ich ihn bei dir sehe.
        Ja, vielleicht ändert sich das mit dem Alter, wenn nicht ist das aber auch ok und wir ziehen beide eben das aus dem Nähen, was uns am ehesten liegt 🙂

        • So wie du es schilderst, macht es natürlich noch mehr Sinn und hält mich davon ab, mich zu alt zu fühlen – wir nehmen deine Version 😀

          Allerdings bin ich doch auch eine Nähschlampe; von innen muss bei mir nichts perfekt sein, zumindest dann nicht, wenn es Mühe kostet 😀

  • Die Farbe finde ich superschön und würde sie für mich ebenfalls wählen, wenn sie auch zu den Farben des Herbstes gehören würden. Der Rock ist doch ganz wunderbar mit seinem Fall, alles ganz genauso sollte es doch sein, oder nicht? Dann hast Du ja bald wieder einiges schönes im Kleiderschrank. Mit einem großen Karomuster habe ich auch bereits gearbeitet (meinen Wintermantel), das einzigste worauf ich geachtet habe, das jeweils alle unteren Stellen der Achsel auf dem Schnittmuster an gleicher Musterstelle lagen. Das geht natürlich nur wenn man im geraden FL zuschneidet. Bin gespannt ob Du wieder den gleichen Schnitt wählst und wie das Karo ausschaut (ich persönlich liebe Karos)
    Liebe Grüße
    NIcole

    • Ja, die Farbe musste mit – hatte sie schon vier Wochen zuvor liegen gelassen, mehr Widerstand geht wohl kaum, nicht wahr?

      Das Karo, das quält mich, denn ich wollte mich mit einem geraden, in Falten gelegten Schnitt heraus lavieren, da ich das Karo ganz gerade laufen lassen wollte. Aber meine Taillen-Hüft-Differenz ist für soviel Schlichtheit wohl doch zu hoch – alles stecken und heften sah nicht aus. Jetzt liegt er erst mal, bis ich schlauer bin 😛

  • Hach, diese Farbe lässt sofort mein Herz schneller schlagen. Hab sogar schon überlegt, ob ich mir den Stoff bestellen soll… Dieser Rock sieht einfach klasse an dir aus – und was die Wiederholungen angeht: man muss ja das Rad nicht immer neu erfinden. Phantasie und Kreativität kannst du beim Kombinieren und mit den Accessoires entwickeln. Viel Spass beim Tragen, damit wirst du positiv aus der grauen Masse hervorleuchten! 😀

    • Der würde dir mit Sicherheit fantastisch stehen – auch und sogar in Gesichtsnähe, soviel kann ich in deinen Bildern erahnen 🙂
      Der Stoff ist halt nicht kuschelweich, aber lässt sich so wunderbar verarbeiten, für den fällt dir sicherlich etwas gutes ein!!

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