Auf Regen folgt Sonnenschein, folgt Regen, folgt Sonne …

So geht es heute den ganzen Tag: Licht an, Licht aus, Fenster auf, Fenster zu. Durchaus passend, denn nachdem das brave Blüschen rundum gelungen war, musste ja etwas anderes schief gehen, denn es ließ mir keine Ruhe, noch einmal mit den frühen 30ern zu kokettieren – vielleicht den Rocksaum eine halbe Handbreit kürzen, alles etwas schlichter halten? Am vorletzten Wochenende trug ich den 30er-Rock mit flachen Stoffschnürern und einem blauweißgestreiftem T-Shirt rund um die Uhr und sah gut darin aus, wenn auch ein leichter Sektenverdacht hätte aufkommen können, hätten enge Taille und tieferer Ausschnitt nicht dagegen gesprochen.

Nun sah ich auf etsy vor einiger Zeit ein sehr nettes Leinenkleidchen, das ich von der Form her nachgearbeitet habe; leider kann ich es nicht mehr finden. Statt der 86 cm Länge, die ich für den Rock gewählt hatte, habe ich mich bei etwa 80 eingependelt. Ach, was soll ich lange erzählen, ich bin dem Kleid gegenüber weniger als auch nur lauwarm. Am meisten jedoch verblüfft mich der Stoff, den ich für einen Bleistiftrock schon einmal verwendet hatte und der mir im Kleiderschrank sehr frisch entgegenstrahlt. So komplett von Hals bis Wade wird er undefinierbar graublautrübe, wogegen ich sonst nichts habe, nur etwas mehr Definition wünsche ich mir schon. Saum und Seitenverschluß sind noch nicht genäht, sondern lediglich gebügelt bzw. gesteckt – es mag noch einmal etwas anders sitzen, wenn ich es wirklich schließen kann.

img1303

Nun ist es ja leicht, ein Kleid bieder und langweilig aussehen zu lassen, wenn man mit vom Schlaf verwuschelten Haaren, ohne Make up und mehr an Katze 2 denn an der Kamera interessiert es präsentiert. Katze eins übrigens lief während der vier Minuten, die ich fürs Knipsen heute bereit war zu investieren, ständig um mich herum und lauerte mal von links, mal von rechts – jetzt schläft sie von der Anstrengung erledigt neben mir auf dem Tisch. Müder Tag heute.

Mit hohen Schuhen übrigens sieht es deutlich gräßlicher aus – die 30er scheinen bei mir nur mit flachen Schuhen einigermaßen zu funktionieren. Was dieses Kleid, das sich im übrigen bequem trägt (oder tragen wird, wenn die Nadeln aus Taille und Hüfte entfernt sein werden …), zu einem idealen Haushaltserledigungsgewand macht: schrubben, kochen, rennen, einkaufen – könnte schlimmer sein.

img1309

Die gewünschen Bilder von der Seite gelingen einfach nie: lasse ich den Arm natürlich-entspannt fallen, so sieht man nichts. Hebe ich aus dem Blickfeld, verzieht sich alles zu sehr. Aber wie auch immer: ein Bild mit Seitenansicht. Zu und zu schön.

img1308

Verblüffend und selten: von hinten gefällt es mir am besten. Die beiden nach innen gelegten Falten, die Teilungsnähte, sogar der in die Taille eingelegte, weite Rücken, der kleine V-Ausschnitt und die überschnittenen Schultern – die Rückansicht ruft deutlicher 30er als die Vorderseite, die ein unentschieder Mischmasch zu sein scheint und zudem endgültig beweist, was ich immer schon ahne: Fülle, sei sie noch so minimal, in meiner Taille ist nicht schmeichelhaft. Nicht, dass ich das unbedingt tragen möchte. Ich habe nur oft das Gefühl, es könnte auch mal lässiger sein, weniger auf Figur geschneidert. Aber jeder, wirklich jeder Versuch, geht daneben.

Bin ich nun sehr traurig? Eigentlich nicht. Im Grunde kann ich über die Passform nicht schimpfen und es sieht auch genauso aus, wie ich es geplant hatte. Es ist nicht untragbar und entstellt mich nicht vollkommen. Es ist nur eben kein Kleid, zu dem ich an einem miesen Tag greifen würde; es sei denn, um mich zu bestrafen. Ich könnte mir sogar vorstellen, etwas ähnliches noch einmal zu versuchen: aus einem Leinenstoff, Rock wieder etwas länger, Vorderseite des Rockes wie die Rückseite, die Taille vorne eng halten, den Ausschnitt etwas breiter – das könnte schon noch gehen. Aber so sehr ich diesen Look auch liebe, an mir sehen andere Dekaden deutlich schöner aus.

Sonne entschwindet schon wieder, die Zeit ebenso, ich muss in die Küche, kochen und hier im Wohnzimmer etwas Chaos beseitigen und dann Pläne schmieden, welchen Stoff ich als nächstes verschwenden will – hach, aber so ganz lassen mich die übertrieben weiblich-schmalen Kleider von 1930 doch noch nicht los. An die 20er traue ich mich jetzt erst recht nicht heran … grübel, grübel, grübel. Hopp an die Arbeit, faules Stück!



12 thoughts on “Auf Regen folgt Sonnenschein, folgt Regen, folgt Sonne …”

  • ich finde den Stoff wunderschön und den Rücken auch … und mein innerer Geizhals kann einfach nicht damit leben dass dieses Kleid verloren sein soll …
    Ich muss Dir jedoch zustimmen, weites Oberteil und langer nicht enger und nicht weiter Rock sind … schwierig. Für die meisten weiblichen Figuren.
    Aaaaber, wenn Du den Rock in klassisch italienisch ändern würdest, hätte da das Oberteil nicht funktioniert? Wären zwar keine 30er mehr, aber ein tolles Kleid? (wage ich zu behaupten) …
    Grüße

    • Ich befürchte, es ist anders herum: je länger, desto besser funktioniert das. Das eine 30er Kleid, bei dem mir der Rock einfach zu stark den Bauch abzeichnet und bei dem ich den dummen Fehler am hinteren Halsausschnitt fabritziert habe,(weshalb es nicht beendet ist) wirkt vollkommen anders – macht superlang und superschmal und da ist auch die hohe Taille und das Blusige vollkommen in Proportion, sogar an mir. Es ist das Kürzen, das nicht funktioniert.
      Aber ich jammere dem Stoff nicht hinterher 🙂

      • na, ich dachte an einen schmales, sich bis zu “Handbreite unterm Knie” verjüngendes Rockteil …
        Klar, nur kürzen wäre quadratisch praktisch etc … 😉

        Aber der Rücken ist echt toll … Hätte das Kleid sich nicht zumindest als Top tragen lassen? (ich bin erschreckend praktisch veranlagt)

  • Ich nähe ja nu auch gerade ein Sommerkleid von 1935 und keine Ahnung ob Dir das weiterhilft, aber die Rocklänge ist mit 94cm doch deutlich länger als Dein Rockteil. Und mir fiel auch auf, dass fast alle Röcke deutliche Nähte und Ziersachen vorn am Rock haben – das fehlt bei Deiner Vorderansicht völlig, aber Deine Rückenansicht zaubert sie hervor. Ich finde dem Vorderteil fehlt Schmückendes, das den Betrachter in die 30er mitnimmt. So wie es jetzt ist hat sich mir auch zuerst ein Kittelverdacht aufgedrängt, den die Rückenansicht aber wieder weggenommen hat 🙂

    ..mhm.. war das irgendwie hilfreich? Ich weiß nicht und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mit’m Scannen noch immer schuldig bin und bin lieber schnell weg – weiter ausschneiden, das verstehst Du sicherlich 😀

    • Ja, die Rocklänge ist viel, viel länger – hängt aber auch wieder vom Schnitt ab. Das Original, das ich vor Augen hatte, ist sogar deutlich kürzer, hängt irgendwie besser.
      Ich bin jetzt erst mal auf dein Kleid neugierig und kann dir nur raten, es auf jeden Fall bis zur Wade gehen zu lassen, sonst kannst du die Proportionen vergessen.

  • Mir fehlt vorne am Ausschnitt etwas – Farbe? größerer Ausschnitt? Bei etsy habe ich ein ähnliches Kleid gesehen, da sind die Armausschnitte rot abgesetzt, am Ausschnitt sind rote Knöpfe schräg zum Armausschnitt hin aufgenäht. Das könnte ich mir an deinem Kleid auch vorstellen – muß ja nicht rot sein…

    • 😀 Das ist wahrscheinlich das Kleid, das ich meinte – ich hatte mit dem Gedanken gespielt, weiß einzusetzen. Aber es sah seltsam schmuddelig aus an diesem Stoff, was mich schwer erschütterte – tut es noch 😀
      Ich glaube, an dem Ding fehlt so ziemlich alles und nichts passt wirklich dazu. Es wird ein besserer Jogginganzug werden 😀

  • ich sage dir das nun ganz ehrlich: ab in die tonne damit und auf ein neues. mir gefällt das kleid nicht an dir (aber ich darf das ja sagen, oder?) es ist triste und lässt deine figur überhaupt nicht zur geltung kommen. weg damit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Einverstanden

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 547.411 bad guys.