Ausgebremst

Sehr, sehr ärgerlich: nachdem ich gestern und auch heute wieder meine Zeit mit dem Verschönern und Verwöhnen toller Frauen verbringe, hatte ich mir den Sonntag gedanklich für das Fertigstellen des roten Kleides reserviert. Soeben war der Postbote da und vergaß dabei den Reißverschluß mitzubringen … das wirft mich um Jahre zurück, denn ich will dieses Kleid jetzt vom Tisch haben.

Verglichen mit den Jahren zuvor bin ich deutlich langsamer geworden, wenn es um meine Projekte geht. Nicht, weil ich weniger Zeit hätte, sondern weil ich wirklich bewußter und in kleineren täglichen Dosen nähe. Sobald sich der erste Fehler eingeschlichen hat, wird er, wo möglich, getrennt und die Arbeit für den Tag beendet. Problem dabei ist: Länger als eine gute Woche mag ich das immer Gleiche nicht sehen; während der Arbeit an diesem Teil beginnen am 5., 6. Tag die Ideen nur so zu sprudeln. Alles, was ich sehe, jedes Stückchen Stoff, jeder Film, jedes Buch – selbst jede Anprobe mit seltsam hochgeklappten Belegen – also wirklich alles, formt sich zum nächsten Rock, zum nächsten Kleid, zum nächsten Schnitt.

Und, welch Wunder der menschlichen Psyche, damit will ich dann sofort beginnen. Was ich nicht tue. Stattdessen schaue ich voll Abscheu auf das aktuelle Projekt, was diesem nicht gut tut. Vor allem zur Zeit will ich viel zu viel auf einmal austesten:

Da ist dieser großgemusterte Stoff, der irgendwie zu einem asymmetrischen Rock werden soll. Der graublaube Crêpe, der ebenfalls in einem Rock verwandelt werden soll. Die blaue Häkelspitze, um die herum ein neuer Schnitt entstehen soll. Meine Neugierde, einmal ein Kleider im 20er- Stil zu fertigen und die Idee, mich übers Jahr von den 20ern zu den 50ern vor zu nähen und zu stricken. Dann ist da der Frühlingsmantel, den ich vage im Kopf mit mir spazieren trage und wenigstens drei Wollen, die ich endlich verstrickt sehen will.

All das balgt sich ein wenig mit meinem Willen, das wunderbarste und persönlichste Kosmetikstudio zu haben, einen Haushalt, der quasi allein läuft und all die Wochenenden, die ich mit Fortbildungen und Nähtreffen und Arbeit vor mir sehe.

Tja … uns jetzt setze ich mal flott die gekürzten Ärmel provisorisch ein, drehe mir die Haare auf, schminke mich und schlüpfe aus dem Bademantel, bevor ich drüben erst putzen und dann verwöhnen werde. Vielleicht fällt der Reißverschluss ja noch vom Himmel?



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Einverstanden

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 542.329 bad guys.