Bin ich fleißig?

Kommt darauf an, was ihr darunter versteht. Das Wetter ist seit 12 Tagen so sommerlich – Anfang Oktober haben wir, wer würde es ohne Kalender bemerken? – dass ich mich nicht allzu lange im Haus aufhalten mag. Putzen, Waschen Bügeln, Kochen: es wird sich nicht von alleine erledigen und somit auf mich warten. Kein Grund zur Eile also. Anders ist es mit dem Herbst, der sicherlich noch kommt. Was mir in meinem Kleiderschrank auffallend fehlt, sind Blusen. Um die ich immer wieder zögerlich herum schleiche. Also dachte ich so bei mir, es wäre angebracht, mich zum Blusennähen zu zwingen. Indem ich beispielsweise ein Kleid nähe, dass eine Bluse braucht. Weil es sonst nicht tragbar ist. Was aber auch bedeutet: ihr werdet es erst sehen, wenn

  • das Wetter mich nach drinnen schickt,
  • das Kleid beendet,
  • der Haushalt in Schuß und
  • die Bluse konstruiert, geschnitten und genäht ist.

Kann sich nur um Wochen handeln, ihr seid ja geduldig … ich bin es leider nicht, weshalb ich mich nicht enthalten kann, euch einen kleinen Spinkser zu erlauben.
Die erste Idee im Hinblick auf Ich-zwinge-mich-zum-Blusen-Nähen ein Trägerrock. Also nicht, dass ich einen Trägerrock haben will – aus dem Alter bin ich raus und zu verspielt für meinen Geschmack wäre er auch. Aber ich bin, wenn auch nicht authentisch-tragend, so doch gedanklich stark von den Dreißigern und Vierzigern beeinflußt und Blusen mit weiten Ärmeln sehe ich ohne willentliches Zutun meinerseits mit Trägerröcken oder Westen.
Ah, ha! Weste – viel besser als ein Trägerrock. Aber müsste ich dann nicht auch einen passenden Rock haben? Und mag ich das Gewurschtel um meine Taille herum, wenn dort Wäsche, Strumpfhose, Bluse, Rock und Weste aufeinandertreffen? Würde ich nicht alle fünf Minuten an mir herum zuppeln? Hielt mich das nicht schon seit langem vom Nähen einer Weste ab? (Und eben die Tatsache, dass ich eine passende Bluse für darunter bräuchte? Beißt sich meine Schlange in den Schwanz?)
Und schon ratterte die nächste Idee herbei: Weste und Rock ließen sich auch miteinander verbinden – da dreht und wendet und kruschelt sich dann nicht mehr so viel. Ein schneller Sprung zum Stoffschrank und heraus purzelte ein heller taubenblaugrauer Wollstoff, von dem ich nicht weiß, wie er dort hinein kam und was daraus mal werden sollte. Für ein Unterteil wäre er mir viel zu hell und die Farbe erschien mir als zu eigensinnig, um mit vielen anderen kombiniert werden zu können. So was kann nur ein Einteiler werden. Passt das nicht geradezu perfekt zu meiner Westenkleididee? Ich denke schon, aber das wird die nächste Zeit erweisen. Hoffentlich 😉

Die Farbe ist nicht gut getroffen, viel weniger gelblich und gedämpfter ist sie. Und das Füttern des Oberteils ist ein Kampf – ich bin keine Perfektionistin und daher sind bei mir Futter und Oberstoff nur annähernd gleich groß. Und der Kragen bringt dermaßen viel Stoff mit, dass das Umbügeln an drei Stellen unmöglich ist. Da muss wohl eine Bluse her, die dem Futterstoff ähnelt, damit es nicht so auffällig ist, was ich da herum gemurkst habe. Aber hey, meine Oberschenkel sind auch nicht perfekt, wie kann ich das von meiner Kleidung erwarten 😉

Wie läuft das bei euch mit der Inspiration ab? Bei mir ist es sehr selten so, dass ich etwas sehe und denke, das muss ich haben. Öfter sammeln sich viele Bilder schöner Dinge an und irgendwann habe ich etwas vor Augen, was ich gerne hätte, ohne dass ich es genau beschreiben könnte. Dann suche ich nach Bildern, die dieser Idee ähneln, stelle sie nebeneinander und male (ähm, kritzele) herum. Das sieht dann so aus:

Sowohl jetzt bei diesem Kleid als auch beim Mantel male ich das dann auf meinen Schnitt auf – pi mal Daumen, ohne genau zu wissen, was ich da tue. Bislang ist es gut gegangen, aber es wird sicherlich demnächst einen Beitrag geben, in dem ich vollkommen verzweifelt das größte Mißgeschick der Menschheit präsentieren werden. Drückt mir die Daumen, dass es nicht die Bluse treffen wird 🙂

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4 thoughts on “Bin ich fleißig?”

  • Das Westenkleid-Oberteil sieht schon mal sehr gut aus, toller Kragen! Wie das mt der “Inspiration” (das Wort ist mir für mich eigentlich etwas zu hochgestochen) so läuft, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich notiere mir auf der Straße oft Details, die ich an anderen oder im Schaufenster sehe. Manchmal sehe ich einen Schnitt und stelle ihn mir in einem bestimmten Stoff vor, bzw. suche dafür einen Stoff, manchmal steht auch der Stoff an erster Stelle. Oder ich denke, dass ich ein bestimmtes Kleidungsstück brauchen kann, wie du jetzt z. B. die Blusen. Und dann fügt sich im Kopf irgendwie alles zusammen.

    viele Grüße! Lucy

  • Liebe Michou, der Kragen deines Oberteils ist wunderbar geschwungen und perfekt proportioniert, der gefällt mir sehr gut!
    Mit den Schnitten verfahre ich ähnlich wie du: gucken und zeichnen. Ab und zu mache ich auch mal einen Bummel durch die Läden und probiere ganz viel an, um herauszufinden, was für mich “geht” und mir schöne Details abzugucken. (Notizheft nicht vergessen!) Manches Mal hätte ich mir sogar gerne etwas gekauft, aber da ich wirklich NIE etwas finde, was mir annähernd passt (Ausnahme: Kleidung aus sehr dehnbarem Jersey), sind diese “Shopping-Touren” völlig ungefährlich 😉
    Bin schon gespannt, wie’s weitergeht bei dir.
    LG, berry

  • Ui, bist Du gut (und sorgfältig) bei Deinen Skizzen.
    ICH schaue bei meinen ‘Zeichnungen’ absolut nicht gut aus:
    Wenn ueberhaupt Koerper, dann in Form von Strichen; Kopf – gesamt ‘gestrichen’. Sozusagen ‘kopflose’ Gerlinde; well: aufhoeren zu grinsen hier da weitgehendst ohnehin bekannt 😉 😀 .

    ABER: viel Geschreibsel zu – wenn nötig – Strichmännchens, um festzulegen “über, unter oder auf Ellbogen-/Knie-/Busenhoehe”

    Eigentlich mach’ ich mir immer gerne ein sog. ‘Plan-Paket’ (Skizze + ‘Ideen-Herkunft’), welches ich dann in eine kleine Tüte verpackt an das zu bearbeitende Gut hefte – sonst rutscht’s raus und/oder Schreibfarbe drückt sich evtll. auf ‘Material’.
    Dies ist speziell hilfreich, wenn ich entweder seeehr viel ‘Material’ organisiert habe (obwohl ich nur Gartenzwerg-Groesse habe). Oder zwei zusammengehörige Materialien zur gemeinsamen Verarbeitung gedacht waren und das Gedächtnis diese ‘frühere Idee’ nicht mehr in den eigenen Schubläden findet = vergessen hat 😉

    O.k., ich ‘unterschreibe’ trotz schon vorheriger ‘Rätsel-Aufloesung’:
    Gerlinde, mit lieben Gruessen

  • Huhu, lebst Du noch und/oder hattest Du Probleme mit Deinem sportsbegeisterten GoeGa, welcher vielleicht sehr australisch sein Idol gefeiert hat?
    Musste schallend lachend an Euch zwei denken als ich vom TV bombardiert wurde mit ‘Vettel-News’; hoffe Steve ist auch in diesem Falle faehig sich zwischen den Welten gemaessigt zu bewegen.
    Australisch ging das Feiern naemlich ueber mehrere Tage (und ‘feucht’)

    Liebe Gruesse and Beide,
    Gerlinde

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