Bitte jetzt mal loben!

Ja, ich möchte jetzt gerne mal gelobt werden. Für etwas, was wohl jedes Schneiderlein schon erlebt hat. Und für eine Eigenschaft, die ich nicht in höchstem Maße besitze: für Geduld.

Ich sitze seit dem frühen Morgen am Kleid. Also irgendwie stimmt das. Und irgendwie nicht. Denn zwischendurch habe ich mich aufs Sofa gekuschelt, die erste Folge von Black List geschaut, dann einige Runden Sudoku gespielt (also eigentlich ist das ja Altersvorsorge und nicht einfach nur Spielerei, somit wichtig – geistige Fitness: erledigt!), mit Minusch geschmust (soziale Kompetenz am Tier geschult. Sehr gut!), dem Gatten bei der Tomatensuppe geholfen (mirakulös – er hat gekocht …!) und über weitere Nähprojekte gegrübelt (zukunftsweisende Gedanken – hervorragend!). Natürlich hätte ich auch zügig am Kleid arbeiten können, viel fehlte im Grunde nicht mehr: RV, Halsausschnittbeleg, Saum, hintere Mittelnaht. ABER …

… ICH HASSE DIESEN STOFF! Die Farbe ist meine, die Qualität des Stoffes entspricht der einer Herrenanzughose, er lässt sich bügeln, waschen, nähen. So weit, so gut. Aber das Mistding franst, franst, franst. Es ist wohl eine angezüchtete Suizidneigung, ein Wunsch zur Selbstauflösung, ein Drang zur Vernichtung des eigenen Seins. Vor allem ärgert es, denn diese Charaktereigenschaft drängt mich zu permanenter Eile, ständiger Wachsamkeit und übervorsichtiger Handlungsweise.

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Wir erinnern uns: Nähen ist ein Hobby, eine Freizeitbeschäftigung – keine Sklavenarbeit. Musste ich mir immer und immer wieder sagen. Gut, RV ist drin und jetzt werde ich versuchen, den Halsausschnitt vor seiner endgültigen Auflösung zu retten. Dieses Kleid hat mir bislang aber auch noch nicht eine Sekunde Freude gegönnt – weshalb ich dringendst Lob und Ermutigung erbete.

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13 thoughts on “Bitte jetzt mal loben!”

  • Spreche aus Lob und Anerkennung – und hoffe, dass genug Nervennahrung bis zur letzten Naht da ist!

    Und notfalls gibt es ja den Weihnachtsmarkt 😉

    Liebe Grüße Maike

    • Vielen Dank, ich fühle mich gleich motivierter. Gehe ich recht in der Annahme, dass du dich dort heute herumtreiben wirst – auf dem Weihnachtsmarkt? 🙂

        • Och ne, das ist aber kein guter Adventsbeginn für dich. Na, aber fürs Strickzeug, so bekommt es doch besonders viel Aufmerksamkeit.

          Gute Besserung wünsche ich dir 🙂

  • Ich frage mich ernsthaft, ob das mit der Suizidneigung stimmt. Immerhin hat sich der Stoff in die Nachbarschaft eines strahlend gelben, ansteckend gut gelaunten Etwas begeben. Das lässt doch hoffen – es sei denn, das wäre nur als letztes Aufbäumen zu werten. Ich glaube aber eher, dass Du für den Erstkontakt zu dem gelben Dingsda verantwortlich bist. Das allein wäre Ausdruck fortgeschrittenster Sozialkompetenz im Umgang mit kommunikationsschwacher Materie und schon deshalb höchstes Lob wert. Und aufgeben? Hey, doch nicht so kurz vor der endgültigen Zähmung der widerspenstigen Fasern! Das wird …

    Viele Grüße
    Ursula

    • Großartig!! Ich fühle mich gestärkt und treibe dem dummen Ding nun endgültig die Flausen aus. Unter Umständen könnte es auch unter einer Katzenhaarallergie liegen …?

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