Bleistiftrock, Bluse und – äh wie? – T-Shirt

Es war einmal eine Frau, die nach der Geburt ihres ersten Sohnes nach Jahren das Stricken wieder begann. Bald schon verliebte sie sich in kleine, feine Pullover aus vergangenen Tagen, deren Anleitungen von freundlichen Menschen in das weltweite Netz gestellt worden waren. Und so strickte sie tagaus, tagein einen nach dem anderen. Doch stand sie vor der Schwierigkeit, diese Strickwerke selten tragen zu können, da die Schneiderinnen und Schneider des Landes ihr keine Hosen und Röcke anboten, die dazu passten. Das stimmte die Frau recht traurig und so sann sie nach einer Lösung: “Wenn ich heute koche und morgen stricke, dann hole ich übermorgen Stoff und nähe selbst.”

Zwar hatte sie keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet, doch sagte sie sich, sie brauche ja nur ein oder zwei schlichte, gerade Röcke, die ihr bis in die Taille und bis unter die Knie reichen würden – sicherlich wäre sie in der Lage, das mit etwas Fleiß und Geduld zu schaffen. Nun, sie schaffte es. Mit Fleiß zumindest, Geduld … nunja. Und so begab es sich also, dass die Frau einen – von den Menschen des Landes so genannten – Bleistiftrock nach dem anderen nähte. So viele kleine Pullis und enge Röcke stellte sie her, dass all ihre Freunde und Bekannte beides als ganz das ihrige ansahen und sie daran erkannten. Doch eines Tages wünschte sich die Frau anderes, mehr, neues und legte Pulli und Bleistiftrock beiseite.

An die Röcke aber dachte sie immer wieder einmal und nähte wohl auch zwei weitere. Die sie nicht trug, denn die Röcke schienen die kleinen Pullis zu vermissen und sträubten sich sehr gegen alles andere. Das machte die Frau sehr traurig, aber auch zornig. Es war nicht an einem Kleidungsstück, ihr zu sagen, was sie zu tragen habe! Und so nähte sie einen dritten Rock aus einem Stoff, der der harten Welt der Arbeiter entstammte. Doch nichts wollte so recht dazu passen: Mit den längeren Hemden darüber sah der Rock traurig-sackig aus. Mit den weiteren Pullis war es das Selbe. In anderem fühlte sie sich zu wenig gekleidet, in manchem zu bieder – es war ein Kreuz.

In letzter Verzweiflung griff sie sich eine kleine Bluse, von der sie nicht recht wußte, was mit ihr beginnen. Und siehe da: Es war recht.

 

 

 

Auch wenn heute keine Tiere zu sehen sind: Zwei waren da und über den einen musste ich bei jedem Weg drüber steigen, während die andere am Fenster eine Hummel jagte. Aber beide zu beobachten, erleichtert mir das Knipsen enorm.

 

 

Das übliche Problem: Von vorne könnte die Bluse fast kürzer sein, damit etwas mehr Taille und Hüftkurve zu ahnen ist, von der Seite aber ist es so nahezu perfekt.

 

 

Wäre sie allerdings noch kürzer, dann hätte ich bei dieser Bewegung nicht nur einen Lufthauch verspürt, ihr dürftet mir dann auch alle auf den blanken Bauch schauen. Garantiert ohne Sixpack!

 

 

Und dann fiel mir ein: Ein Schlitz im Rock, egal wie konservativ, muss un-be-dingt in Szene gesetzt werden. Sexy, Baby! Ok, die Bluse ist dafür viel zu brav. Egal – Schlitz im Rock, yay!

Wie aber auch immer: Ich habe auch zum allerersten Mal ein T-Shirt genäht. Vor zwei Wochen kaufte ich mir eines und nahm dessen Schnitt ab. So weit, so einfach. Ich habe natürlich vergessen, die Nahtzugaben mit anzuzeichnen und vergaß sie natürlich auch beim Zuschnitt, so dass von der lockeren Passform nicht viel übrig blieb. Was aber nichts macht, denn ich habe so was von gepfuscht: Beim Halsausschnitt habe ich das Bündchen nicht gleichmäßig verteilt und habe es dann mit dem schlimmsten, schiefsten und wackeligsten Zierstepp angenäht, den man sich denken kann. Es ist nun endgültig klar – ob mit oder ohne Brille: Ich sehe das einfach nicht mehr, wo die Nadel einsticht, es sei denn, ich nähe im Schneckentempo. Was nicht klappt, solange ich ein Pedal unterm Fuß habe und das könnt ihr euch nun interpretieren, wie ihr mögt. Mein Flensburger Konto jedenfalls ist sauber …

Und weil das erste Shirt zwar mutmachend, aber nicht perfekt ist, habe ich auf Säume verzichtet (und aufs erneute Bügeln) und es einmal zum Rock getestet.

 

 

Impulskontrolle: Null. Kamera läuft, ich sehe die Flasche, habe Durst und … ups!

 

 

Das Halsbündchen habe ich vielleicht doch etwas knapp zugeschnitten? Es ist die Ausschnittweite x 0,8 – aber waschen und bügeln würden das vielleicht noch verbessern.

 

 

Ganz klar muss hier ein anderer BH drunter, kein abgepolsterter. Etwas weniger Fülle oben herum lässt das Shirt deutlich freundlicher an mir entlangfallen.

 

 

Aber es hat Spaß gemacht, obwohl ich keine Overlock benutzt habe – meine Overlock ist ein hinterhältiges Biest, das von dem anderen Biest im Haus (der kleinen, schwarzen Katze) so viel um die Ohren bekommen hat, dass ich keine Lust habe, neu einzufädeln und nach dem Problem zu suchen. Falls jemand da helfen mag oder sie für kleines Geld kaufen möchte: Gerne melden.

So, und nun darf sich die Märchenfrau überlegen, ob sie doch wieder einige Röcke nähen will. Ärgerlich ist einfach, dass Oberteile, die mir zu engen Hosen gut stehen, zu engen Röcken grauslig aussehen und ich daher vor dem Nähen einer Bluse immer entscheiden müsste, womit ich sie tragen will. Sehr lästig, das.

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12 thoughts on “Bleistiftrock, Bluse und – äh wie? – T-Shirt”

  • Liebe Michou,
    Ich traue mich mal, dir zu schreiben: bisher habe ich eine ganze Weile still mitgelesen und deine Werke bewundert. 🙂
    Das T-Shirt gefällt mir sehr gut! Falls du deine Overlock immer noch verkaufen willst, und die zufällig Vintage ist, hätte ich da Interesse….
    Anderenfalls: vielleicht kann dir ja jemand Reparatur-Tipps geben…
    Liebe Grüße
    Marie

    • Liebe Marie, danke dir 🙂
      Die Overlock ist kein bißchen Vintage, es ist eine recht einfache von W6 und ich bin entsetzlich genervt von ihr, weil ich das Einfädeln nicht mehr gut sehen kann.

  • Oh, das gefällt mir mit dem kurzen Oberteil, gut siehst du aus! Vor Ewigkeiten habe ich mal so etwas ähnliches genäht, lustigerweise nach einem eisenzeitlichen Schnitt, aber aus Blusenstoff heute immer noch sehr gut tragbar. Wenn ich mir deine Bilder ansehe, fällt mir ein, wie sehr ich den Schnitt vermisse, ich glaube da setzte ich mich demnächst mal dran 🙂
    Übrigens habe ich vor einiger Zeit einen netten Trick für kurze, gerade Oberteile gelesen: stell dir vor, du nähst das Oberteil viel länger als gewollt und steppst quer um den Bauch eine Falte als sehr breiten Saum ab, wobei der Bruch da liegt, wo das Top enden soll. Den unteren Teil kannst du dann in den Rockbund stecken, die Falte erweckt aber den Eindruck eines kurzen Oberteils, nur ohne Bauchblitz-Gefahr. (Hier die Quelle: http://www.alliemjackson.com/2016/03/make-your-own-fake-crop-top.html).
    Die Overlock wirst du bei mir leider nicht los, so ein Ding kommt mir nicht ins Haus 😉

    • Liebe Ette,
      wie schön von dir zu hören und dann noch mit einer guten Idee 🙂 Die wahrscheinlich einfach an meiner Faulheit scheitert … aber leg du mal los, wobei du dir das Bauchblitzen locker leisten kannst .
      Alles gut und schön bei dir?

      • Naja, am Bauch arbeite ich. Bin trotz schlanker Figur bisher nicht wirklich sportlich, was sich an solchen Stellen dann deutlich zeigt. Aber derzeit raffe ich mich öfters auf und bewege mich ungelenk zu diversen hypermotovierten Fitness-Trainerinnen auf YouTube, nicht für den Bauch, sondern für die allgemeine Kondition, aber vielleicht hat es ja positive Nebeneffekte 🙂
        Danke, gut geht es. Ich nähe kaum und weiss nicht warum, aber solange es mich nicht stört, ist das nicht weiter schlimm. Daher ist es auf meinem Webspace derzeit etwas still, aber auch darüber will ich mir keine Sorgen machen, irgendwann kommt die Motivation wieder, wenn nicht für’s Nähen dann für etwas anderes.
        Herzlichste Grüsse in die alte Hauptstadt!

        • Ich weiß genau, was du meinst – sportlich war ich auch nie und fühlte mich immer elend deshalb. Blöd eigentlich, oder?
          Die hypermotivierten Trainerinnen sehe ich vor mir 😀

  • Sich für Bleistiftröcke zu entscheiden war eine sehr gute Idee, stehen Dir ausgezeichnet. Ich mag es gerne dazu eine weite und kurze Bluse zu kombinieren genauso wie Du das trägst. Es sieht auch schön aus, wenn das Oberteil am Saum gerundet ist und an den Seiten kürzer als in der Mitte – das wäre die dritte Option :).
    Toll schaust Du aus!
    LG
    EWA

    • Ich danke dir 🙂
      Zwei Blusen mit gerundetem Saum habe ich ja und hatte sie freudig getestet – und sie sind einfach zu lang für den Rock. Sie enden dort, wo der Rock nicht eng sitzt, sondern das Vakuum am Unterbauch überspielen und das sieht einfach nur nach Sack aus. Ich denke, ich muss in Zukunft wirklich bei jedem Oberteil vor dem Zuschnitt entscheiden, ob es länger zu Hosen oder kürzer zu Röcken werden soll.

    • Ja, die Variante gefällt mir auch am Besten und ich denke, ich werde jetzt doch noch eine zweite Bluse nähen, nur für diesen Rock.
      Und unter “jung” verstehen wir beide eindeutig das Selbe 🙂

  • ich habe doch Bleistiftröcke an Dir vermisst … gut dass dieses Märchen ein Happy End hat! (normalerweise bevorzuge ich – als Leserin – Märchen ohne ebendiesen)
    Und dann noch in blau 🙂

    • Ich bitte dich: Kein Märchen ohne Happy End? Dann bleibt ja nichts zum Lästern, wenn der Prinz sich als dröger Langeweiler für die Ewigkeit erweist. Der vermutlich auch blau ist … 😀

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