Bleistiftrock. Mit kleinen Fehlern, aber das ist okay

Die Strümpfe in kirschrot und die Schuhe in braun ignorieren wir jetzt mal, die gehören zu dem, was ich heute eigentlich trage. Aber der zu enge Kleiderock gerade eben ließ mir keine Ruhe: vielleicht lügen Waage und Maßband? Also habe ich den noch nicht gezeigten Bleistiftrock heraus geholt, den ich vor einigen Wochen nach dem neu erstellten Rockgrundschnitt genäht hatte.

Ich hatte diese Grundschnittaktion ja ernst genommen und wahrhaftig ein Nesselteil genäht, bei dem ich die Taillelinie absichtlich mit viel Zugabe versehen hatte, um die optimale Form zu finden. Nach meinen neuesten Messungen sind ja VM und HM nicht mehr identisch, sondern liegen mit Vorteil von 2 cm für das Rückenteil auseinander. Die Hüfte befindet sich genau dazwischen mit 1 cm Unterschied +/- zu dem Mitten. Aber das Probeteil mit Gummiband um die Taille wollte das besser wissen und so setzte ich die HM wieder herab und die Hüften hinauf. Übertragen auf den echten Stoff war das aber ganz anders: der wollte das alles genauso haben, wie es im ersten Anzeichnen war. Ganz ging das natürlich nicht – an der HM fehlt ein wenig Länge und die Hüfte sind dafür doch noch ein wenig zu lang geblieben.

img1145

img1145c

Diese Falte, die sich zu Bund zieht, entsteht wirklich wegen zu großer Seitenlänge; das habe ich im Grundschnitt natürlich schon geändert. Aber man kann auch hier ganz gut sehen – trotz Unterkleid und Rockfutter und Strumpf und eingezogener Bluse: die grundsätzliche Veränderung im Verhältnis von Abnäher und Seitennaht tut meiner Bauchpartie gut – deutlich weniger Falten als früher. Zur Erinnerung: früher betrug der Abnäherinhalt nur 2 cm und die Seitenlinie war stärker eingestellt. Heute sind im Abnäher 2,5 cm untergebracht und die Hüftlinie wesentlich flacher.

img1146

img1146a

Gut, unter diesem Rock ist jetzt einfach zu viel Stoff mit vier Schichten und vielleicht hätte ich gestern nicht doch wieder drei Riegel Schokolade essen müssen und die doppelte Portion Nudeln mit Sahnesauce. Aber drehe ich mich komplett zur Seite, dann fällt der Rock vom Bauch zum Oberschenkel viel besser statt sich wie die Modelle davor in diese Lücke zu wölben.
Die zu lange Seitennaht sieht man ganz schön – von Abnäher zu Abnäher habe ich im Grundschnitt genau diese kleine Rundung entfernt.

Vielleicht hülfe es bei all dem aber schon mal, wenn ich den Rock gerade anzöge und nicht schief um den Körper wickelte 😀 :

img1147

img1147b

Das ist der Punkt, an dem ich mich wirklich ärgere: ich glaubte den Messungen nicht, weil ich bei Kaufschnitten immer, immer an Länge hatte wegnehmen müssen. Dass das nicht mehr nötig sein müsste, mochte ich nicht glauben und als der Gatte am Nesselrock ruckelte und zog und schob und maß – da dachte ich: weg mit Schaden … dumm, dumm, dumm.

Ich könnte theoretisch den Bund an der Hüfte noch ein zweites Mal öffnen und noch mehr Stoff wegnehmen. Ich kann es aber auch lassen und darauf bauen, dass das Problem ohne Strümpfe ab Frühjahr nicht mehr so deutlich sein wird. Denn davon abgesehen trägt er sich sehr schön und gut und da riskiere ich lieber nichts.

Aber nach wie vor gibt es zwei Probleme: zum Einen beruht der lila Kleiderrock auf genau diesem Schnitt hier – wie kann er es wagen, so sehr zu eng zu sein? Der festere, weniger nachgiebige Stoff ist auf jeden Fall dieser hier …

Zum Anderen will es mir einfach nicht gelingen, das Verhältnis von Oberteil – Taille – Rock in der HM hinzubekommen. Irgendetwas ist immer zu lang, zu kurz oder zu schief und das macht mich rasend. An diesem einen Punkt steht und fällt immer wieder meine komplette Paßform. Mit nicht ganz perfekt fallenden Ärmeln, einer kleiner Beule am Armloch – damit kann ich gut leben. Mit diesem Manko nicht und vermutlich behinderte mich das Wissen um dieses Problem bei allem, woran ich in den letzten Wochen gearbeitet hatte. Darf ich es sagen? Mist! Und dass ich seit Wochen müde und elend aussehe: doppelt Mist! Wenn ich mich jetzt hinlege, todmüde, wie ich bin, weckt mich bestimmt das Telefon 😛



12 thoughts on “Bleistiftrock. Mit kleinen Fehlern, aber das ist okay”

  • so, jetzt sage ich mal was. auf den bildern kann ich kaum was erkennen, aber was ich so erahne, empfinde ich nicht als schlimm. der rock ist schön. schluß! aus! ende! du machst dich echt zu verrückt. das ist nur noch minimal und beim nächsten rock weißt du es und machst es dann “besser”.
    jetzt setze dich mal entspannt hin, stricke einen pulli (gerne auch für mich 😛 ) und morgen sieht die welt schon wieder besser aus.

    • Ich sage nicht, dass ich ihn nicht mag, ich bin enttäuscht, dass das sehr genaue Vorbereiten dann dumme und absolut unnötige Fehler hervorgebracht hat. Das ärgert mich maßlos, denn der hier hätte doch mal wirklich perfekt werden können – immerhin habe ich geschlagene 16 Mal den RV reingenäht und rausgetrennt und reingenäht und raus… und so weiter.

      Letzten Endes denke ich jetzt, dass es doch noch ein Problem gibt, dessen ich einfach nicht Herr werden kann – ich bräuchte eigentlich noch mehr Weite direkt unterhalb der Taille. Aber wie ich es auch anstelle, das ergibt eine schiefe Form. Ich könnte noch versuchen und mich auch bitte daran erinnern, die Abnäher wirklich noch auszuformen, das könnte mir an der richtigen Stelle mehr Weite bringen … sinnier sinnier denk denk grübel nach. Alles, was dem Bauch mehr Platz verschaffen soll, spielt sich sonst in der Länge ab und das funktioniert bei mir gar nicht, es ist wirklich die Weite, die fehlt. Hmmm, jetzt, wo ich das aufgeschrieben habe, darf ich es nicht mehr vergessen, Morgen …

      Ups, laut gedacht 🙂 Und ich finde den Rock sehr schön, der ist halt für nackte Beine gedacht – ohne drei weitere Schichten drunter 😀

    • Aber wenn du mal schaust, mit welchen Fehlern ich lebe, dann bin ich doch lässig. Ich will nur endlich einmal so konzentriert rangehen, dass mir das nicht passiert. Mir gelingt einfach zu vieles nicht. Oft wirklich wegen der Stoffauswahl – der Stoff hier ist einfach fantastisch und ich habe noch 2,20 oder so und dachte an Frühlingsmantel, weiß nur noch nicht, welche Richtung – ist ja eigentlich kein SToff für die 40er … Ideen?

  • hmm, wie war es noch mal mit Deinem (nicht)-Perfektionismus? Der Rock ist schön!!!

    In Polen gibt es einen passenden Spruch – “einen Loch im Ganzen suchen” :P. Ich dachte ich wäre eine Meisterin darin, Du kannst mir aber wahrlich gefährlich werden …
    😉

    • Das würde ich nie wagen, dir dein Kerngebiet streitig zu machen 🙂 In Wahrheit ärgere ich mich vor allem darüber, dass ich so schlapp und alt und müde geworden bin, so ein bißchen körperliche Ertüchtigung täte schon gut und dann müsste ich vielleicht nicht jeden Tag erst ausprobieren, ob dieses oder jene Kleidungsstück heute wohl passen mag. Motzmotzmotz 😛

  • “Mit nicht ganz perfekt fal­lenden Ärmeln, einer kleiner Beule am Armloch — damit kann ich gut leben.”
    Wieso kann ich das nicht glauben! Bis auf das Seitenproblem sieht der Rock doch gut aus. Vielleicht solltest du mal wieder einen Kaufrock zum Vergleich anprobieren. Dann relativieren sich die kleinen Fehler.
    Den Schlitz vorne finde ich sehr schön. Klau ich gleich mal für den nächsten Proberock. ; )

    • Doch, kannst du glauben, denn das sind ja Fehler, die vorhanden sind und die ich nicht weiter verfolge – ich kann das alleine nicht besser sehr und stecken, also muss es gut sein und das belastet die Passform insgesamt nicht so sehr.

      Bei dem Rock ist ja das Problem, dass, bekomme ich diese Fehler nicht weg, sie sich vergrößern, wenn du aus dieser Grundlage heraus andere Schnitte entwickelst . nur, weil ich das wieder einmal bemerkt hatte am grauen Kleid, hatte ich ja schon wieder von vorne begonnen … brrr

      Ist übrigens kein Schlitz, sondern eine Gehfalte – ich bleibe am Bein immer bedeckt. 🙂

  • Ha, das ist immer das Problem mit den Probeteilen: NIE sitzt es so wie der richtige Stoff, daher mach ich das schon lang nicht mehr. Genauso wie SChnitte verändern. Bei JEDEM Stoff anders. Ich änder halt das am Nähstück, ansonsten wirds bei mir nichts. Der Rock ist super!!!!

    • So ist es. Aber es ärgert mich eben doch: Schnitt aufgestellt nach den neuen Maßen. Probegenäht. Zwei Dinge geändert. Rock genäht. Zwei Fehler. Die nicht dagewesen wären, hätte ich sofort nach dem neuen Schnitt genäht … wie blöd und gemein ist das denn?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Einverstanden

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 545.885 bad guys.