Blut, Schweiß und Tränen

Gestern nachmittag war der Nachmittag des Grauens, des mühsamen Durchhaltens und des noch ungewißen Erfolgs. Muss ja auch mal sein. Dafür war heute vormittag der Vormittag des Putzens, Waschens und Saugens – ist doch eine nette Abwechslung und muss leider auch sein. Leicht ermattet, frisch geduscht, aber wieder entspannt in Bademantel und Decke gehüllt geruht die Dame des Hauses nun geruhsam zu ruhen, um sodann in Ruhe erst zu kochen und dann weiter an ihrem roten Kleid zu arbeiten. Hoffentlich ohne Grauen, Durchhalten und mit Erfolg.

Ich erwähnte es, ich habe bei der Konstruktion wieder einmal viel zu schief um die Ecke gedacht: beim grauen Kleid lagen die am Hals gerafften Stoffpartien geradezu skulptural – sprich, sie hatten ein Eigenleben. Es ist eben nicht wenig Stoff, wenn ich sämtliche vorderen Brustabnäher an eine Stelle drehe. Deutlich mehr als bei einem B-Körbchen. (Wobei ich mich nochmal gezwungen fühle, mich öffentlich zu wundern, wie das eigentlich sein kann – sehen tut man das an mir ja eigentlich nicht …)

In meiner zu kurz gedachten Überlegung nahm ich an, ich könne diese zu große Menge besser in den Griff bekommen, wenn ich die Weite nicht nur an zwei Stellen im mittleren Teil des Halsausschnittes verteilte, sondern vielleicht am besten über die gesamte Länge des Ausschnittes. Also untem Ohr schon mit der Raffung begänne …

Das gestrige und vorgestrige Austesten der so entstandenen Raffungen fiel allerdings ganz und gar nicht so aus, wie von mir erwartet. Drapierungen sind mit Schnittkonstruktionen nur schlecht genau zu berechnen, für wirklich gut fallende und perfekt sitzende Drapierungen müsste man schon mit Stoff direkt am Körper arbeiten. Und etwas anderes blieb mir dann auch nicht übrig, wenn ich nicht ein Kleid würde haben wollen, das mir links und rechts zwei dicke Stoffwellen vom Halsansatz bis zur Brustspitze bescheren würde. Es sah nicht gut aus.
Nun ist es aber so, dass der zu raffende Ausschnitt eine Form bekommt, die von den Punkten abhängt, an die man die Abnäherweite verteilt hat. Entschließt man sich nun, dort, wo laut Schnitt gerafft werden müsste, nicht zu raffen, dann passt der so entstandene Ausschnitt nicht mehr zum Beleg darunter. Und so saß ich gestern nachmittag mehrere Stunden lang und legte und trennte und heftete und steckte und steppte und trennte und rechnete und malte und begann mit all dem wenigstens dreimal von vorn. Dass der Ausschnitt während all dieses Prozedere nicht komplett ausgefranst ist – es sei ihm gedankt.

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Letztendlich habe ich mit Hilfe der Puppe und einer nur sehr vagen Überprüfung an mir selbst – wenn es nichts wird, dann habe ich auch keine Lust mehr – für jeweils eine große, nach innen gelegte Falte links und rechts der VM entschieden und für eine Raffung dazwischen. Dabei blieb zum Einen Stoff oberhalb des eigentlichen Ausschnittes stehen – zum Glück auf der Außenseite des Kleides – und zum Anderen fehlt Stoff bis an den Ausschnitt hinan – zum Glück auf der Innenseite. Mittlerweile war es 18:00 Uhr und ich war wahrhaftig dankbar, dieser Fron zu entfliehen, um in der Küche mein hausfrauliches Talent zum Fertigen eines gar stärkenden Mahles entfalten zu können.

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Nach all der Schufterei habe ich dann, wie ich es mir versprochen hatte, den ersten Ärmel beendet und eingenäht – sollte das Kleid nichts werden, so wird es doch immerhin einen schönen Pulli geben.

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11 thoughts on “Blut, Schweiß und Tränen”

    • An der sieht ja leider fast alles irgendwie gut aus – und beim gestrigen Ausstopfen hat sie sich natürlich behaarlich geweigert, sich mir komplett anzupassen – eitles Ding, das!

  • Immerhin sitzt die Raffung jetzt sehr schön. Das ist doch ein Erfolg! Und Dir ist nach Haushalt, Business und Nähen sogar noch Zeit zum Stricken geblieben – das kann nicht Jede von sich sagen ;-).

    Viele Grüße
    Ursula

    • Ja, doch, das sieht jetzt ganz gut aus, etwas moderner im Grunde. Nicht die perfekte Lösung, aber dafür bin ich dadurch auf die Idee gekommen, für die nächsten Projekte mit ähnlichem Aufbau von vorneherein ein Teil der Weite in gelegten Falten unterzubringen oder aber sogar mit Teilungsnähten in diese Richtung zu gehen. Insofern: was gelernt, juhu 😀

      Und ich nehme dein Lob gerne an, denn ich finde auch, dass ich für meine tendenzielle, wenn auch erzwungene Schlampenschaft der letzten Wochen, recht produktiv war. 😀
      Gerade eben noch einige wichtige Businessentscheidungen getroffen, jetzt fühle ich mich reif für die Weltherrschaft. Solange niemand Ärger macht … oberstes Motto lautete: Jeder macht seinen eigenen Dreck weg …!!!

    • Ich hoffe, das bezieht sich ausschließlich aufs Nähen und Stricken – Haushalt sieht auch schon ganz gut aus, aber bis auf ein weiteres Mal Wäsche falten und kochen reicht mir diese Tätigkeit für heute voll und ganz 🙂

      Deal: wenn dieses Kleid was wird, konstruierst du am Wochenende deinen Oberteilschnitt …?

      • Darf ich auch mit einem Rockgrundschnitt starten? Ich habe auch kurz überlegt mit allem zu warten bis die Feiertagspfunde geschmolzen sind, aber ich bin neugierig ob`s klappt. In diesem Sinne gehe ich jetzt mal für eine Stunde sporteln.
        Liebe Grüße
        Arlett

        • Naja, gut, dann will ich mal nicht so sein und dir den Rock erlauben. Feiertagspfunde habe ich keine, ich habe erst in den letzten vier Tagen entsetzlich zugeschlagen. Deshalb zeige ich meinen Rock auch noch nicht 😀
          Geh du sporteln, gedanklich bin ich bei dir, vielleicht hilft es ja.

  • Die Körbchengröße berechnet sich halt aus der Differenz von Brust- und Unterbrustumfang. Da kann es schonmal sein, dass jemand mit gleichem Volumen aber größerem Unterbrustumfang cup A hat.
    Soll also heißen, dass du wohl einen recht schmalen Unterbrustumfang hast.
    Außerdem kennen viele Frauen ihre richtige BH Größe garnicht.
    Alles ganz normal also.
    Viele grüße,
    Ella

    • Weiß ich doch 🙂 Mich wundert es noch immer – denn so ganz frei macht man sich doch von den Zahlen und Buchstaben und einem Bild der Kombination nicht frei. Bei mir ist es eben 70E … und wenn sich das nicht rahmensprengend anhört, dann weiß ich es auch nicht 😀

      Was ich eigentlich meinte: ich finde, es sieht nach deutlich weniger aus und wünschte mir, das wäre schnitttechnisch auch so – das wäre mitunter deutlich einfacher 🙂

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