Der Aufbau der Haut

Ohne Theorie geht nichts, also müssen wir uns mit dem Aufbau der Haut befassen. Wie ich schon schrieb: in einer vereinfachten Form – über die Meißner’schen Tast- oder die Pacini-Körperchen müssen wir nicht sprechen, auch das Endoplasmatische Reticulum und die Dendritischen Zellen vernachlässigen wir. Auch wenn sie noch so spannend sind: mit unserer täglichen Pflege haben sie nicht viel zu tun. Ich hoffe, die Eine oder Andere atmet jetzt auf. Ich bin wohl streng, aber lieb. Oder andersherum. Oder ähnlich.

Die Haut als unser größtes Organ …ja, hmmm. Normalerweise kommen jetzt die Zahlen und Fakten: wieviel Quadratmeter, wieviel Prozent der Gesamtatmung, wie dick, wie dünn etc. Ganz ehrlich: wie langweilig. Lässt sich überall nachlesen, aber wiederum: es ändert sich dadurch nichts in meiner Einstellung zu ihr. Außer vielleicht, dass ich ihr gegenüber ein wenig mehr Respekt habe. Nicht, weil sie so groß ist, sondern weil ich mir noch einmal bewußt mache, dass sie ein ORGAN ist – wie Herz, Lunge, Magen. Bevor wir also das Organ Haut genauer unter die Lupe nehmen, sollten wir wissen, was ein Organ ist.

Ein Organ ist ein Gewebeverband – das bedeutet, dass sich unterschiedliche Gewebearten zu einer Art Genossenschaft zusammengeschlossen haben, um ein Ziel zu erreichen; jedes Gewebe hat dabei eine andere Funktion. Das Ziel der Haut-Genossenschaft heißt: Schutz meines Menschen. Schutz ist DAS Wort in Bezug auf die Haut; das merken wir uns bitte schon mal.

Was aber ist ein Gewebe? Ich bin versucht, die Feuerzangenbowle zu zitieren: “Do stelle mer uns mal janz dumm und saare e su…” Aber ich bin ernsthaft und derlei kommt nicht über meine Lippen! Und da hinten in der letzten Reihe! Hier wird nicht geschwätzt!
Auch ein Gewebe ist ein Zusammenschluss – diesmal gebildet von Zellen, den kleinsten Bausteinen unseres Körpers. Die Zelle ist zwar kein Zusammenschluss, dennoch ist auch die Zelle vielfältig: in ihrem Innern befinden sich Organellen – am besten stellen wir uns ein Großraumbüro mit Trennwänden vor, dann kommen wir der Struktur recht nahe: von aneinander abgeschirmte Arbeitsbereiche ohne fest eingezogene Trennwände. Und im Innersten liegt in der Mitte der Zellkern – er enthält die DNA und damit alle Informationen über uns. Und diese Informationen sind streng geheim, nichts und niemand darf Zugriff erhalten.

Es gibt verschiedene Zellarten wie beispielsweise Nervenzellen (die sich nicht regenerieren), Fettzellen (die wir alle kennen und lieben), Epithelzellen (Abschlußzellen wie diejenigen, die die oberste Hautschicht bilden) und viele mehr (die uns aber nicht interessieren). Aus solchen Zellen werden die drei Gewebeschichten der Haut gebildet:

  1. die Subcutis = das Unterhautfettgewebe
  2. das Corium = die Lederhaut
  3. die Epidermis = die Oberhaut

Jedes dieser Gewebe hat eine andere Aufgabe und muss eine bestimmte Schutzfunktion sicherstellen.

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Die Subcutis

subcutis

Die deutsche Bezeichnung ‘Unterhautfettgewebe’ kommt nicht von nichts: Der Hauptbestandteil sind Fettzellen – Zellen, deren Hauptaufgabe es ist, Fett zu sammeln und zu bewahren. Und darin sind sie richtig gut: Sie geben ihren Inhalt nur sehr ungern und erst in “Notzeiten” ab. Wer mit Crashdiäten abnimmt und wenig Bewegung hat, wird sie nicht zur Freigabe ihrer Reserven bewegen können – die Muskeln werden stattdessen abgebaut, da das dort enthaltene Eiweiß leichter zu knacken ist. Natürlich gibt es einen guten Grund: zum Einen stellt Fett eine gute Energiereserve dar, die unser Überleben auch in Krisenzeiten sichern kann.
Zum Andern aber hängt es mit der Schutzfunktion dieses Gewebes zusammen: Das Fett wirkt isolierend, so dass die Körpertemperatur konstant bleibt – eine wichtige Aufgabe, um die Arbeit der inneren Organe ablaufen lassen zu können. Damit nicht genug, wirkt die Subcutis als Pufferschutz gegen Stöße und Prellungen – Knochen und Organe werden somit gegen Verletzungen so gut es geht geschützt – also Bläschenfolie mit Fett gefüllt. Daneben werden hier auch Stütz- und Speicherfunktionen erfüllt.
Wo und wie das Fett am Körper verteilt ist, hängt von der Schutzbedürftigkeit bestimmter Körperzonen und vom Geschlecht ab. Und innerhalb dieser Grenzen auch davon, wie unsere Ahnfrauen (um die Jungs kümmere ich mich jetzt mal nicht) aussahen: bei der einen sitzt es eben am Bauch, bei der anderen am Oberschenkel.
Mit Pflegeprodukten in Form von Lotionen und Cremes können wir dieses Hautgewebe nicht beeinflußen …

Das Corium

corium

Es wird auch die Lederhaut genannt. Hier befinden sich die collagenen und die elastischen Fasern, die gitterartig miteinander verwoben sind (ähnlich einer Hängematte) und die für Spannkraft und Nachgiebigkeit der Haut verantwortlich sind: durch dieses Netz kann die Haut Gewichtszunahmen, Größenwachstum und Schwangerschaften überstehen, ohne zu reißen. Diese Fasern verhärten sich leider im Laufe unseres Lebens durch Zuckeranlagerungen und durch UV-Strahlen; sie werden brüchiger und verursachen so die tiefen Falten, selbsttätig winkende Oberarm und Kinnvermehrung .Dieser Prozeß ist nicht aufzuhalten, lässt sich aber durch das eigene Verhalten entweder massiv beschleunigen oder ein gutes Stückchen heraus zögern: der Verzicht auf zuviel Sonne – vor allem auf künstliche UV-Strahlung im Sonnenstudio! -, aber auch der Verzicht auf Nikotin verhindern eine frühzeitige Hautalterung – dabei kann es sich immerhin um bis zu 20 sichtbare Jahre handeln! Gesundes Essen, wenig Alkohol, ausreichend Bewegung – nichts Neues hier: was der Gesundheit gut tut, hilft auch der Haut.

In der Lederhaut finden sich allerkleinste Blutgefäße – die Kapillaren, die für die Versorgung der Haut mit allen nötigen Nährstoffen verantwortlich sind. Diese sind sehr fein verästelt und drängeln sich geradezu im papillaren Bereich (dem oberen Abschnitt des Coriums); dieses ist wellenartig mit der Epidermis verzahnt. Diese Kapillargefäße geben die benötigten Nährstoffe durch kleine Tunnelöffnungen in der Gefäßwand in das Gewebe ab: die Nährflüssigkeit enthält viele Eiweiße und Lymphozyten, aber keine roten Blutkörperchen. Dieses Blutfiltrat umspült die Zellen, die die Nährstoffe aufnehmen und verarbeiten. Schlackstoffe und verbrauchte Nährstoffe werden von der Zelle wieder in die Flüssigkeit abgegeben, die von dort aus zurück in die Lymphbahnen fließt und letztendlich entweder über den Blutkreislauf (wenn die Bestandteile klein genug sind, um die Tunnelöffnungen zu passieren) oder aber über die Lymphknoten (die bei Erkältungen so dick werden) in die Venen abtransportiert wird. Das Lymphsystem verfügt über keinen eigenen Kreislauf, sondern ist in der Bewegung abhängig vom Pulsschlag in den darunter liegenden Blutgefäßen.

Die Bewegung der Lymphe ist anfällig für Stauungen – ein Faktor, der bei der Pflege oder besser gesagt beim Zustand der Haut eine sehr große Rolle spielt. Auch das ein Stichwort, das wir bitte im Hinterkopf behalten wollen. (Und wenn ich jetzt mal eben kurz einfügen darf, dass ich gerade richtig Druck empfinde, den Vorschußlorbeeren würdig werden zu müssen und noch eine Menge vorhabe – puh … )

Im Corium befinden sich auch die Talgdrüsen, die als Anhängsel an den Haarpapillen hängen; sie produzieren das Hautfett = den Talg, der ein wichtiger Bestandteil des Säureschutzmantels ist und der Angriffe von Bakterien, Viren, Sporen und anderen körperfremden Bestandteilen abwehrt. Ein anderer wichtiger Bestandteil dieses chemischen Schutzmantels ist der Schweiß; auch er wird hier im Corium in den Schweißdrüsen gebildet, der dann über die Poren (= Schweißausführgänge) ausgeschüttet wird. Wenn in der Kosmetik von Poren gesprochen wird, sind damit die Haarausführgänge gemeint – wenn wir später über die Pflege sprechen werden, werden wir es aus praktischen Gründen genauso halten: ist weniger verwirrend.

Im Corium werden also die Grundstoffe für den chemischen Schutz an der Oberfläche der Epidermis produziert; durch die elastischen Fasern werden die Bewegungen der Muskeln erst möglich, ohne dass die Haut reißt. Ob man von Mutter Natur ein eher festes oder eher schwaches Bindegewebe mitbekommen hat und wie man selbst diese Anlagen im Laufe der Jahre verstärkt oder verbessert, spielt eine große Rolle, wenn es beispielweise um Haut mit sichtbaren roten Äderchen (Teleangiektasien) oder starker Rötungsneigung geht oder um sich früh eingrabende Falten. Auch das Bindegewebe lässt sich von äußerer Pflege nur geringfügig beeinflußen: es ist vor allem der Sonnenschutz, der das tiefere Eindringen von UV-Strahlen verhindert und damit zumindest möglichst lange einen Ist-Zustand erhalten kann. Oder Pflegecremes und Öle, die eine – fachgerechte! – Massage ermöglichen, die den stärksten Einfluß auf das Bindegewebe hat. ABER STOPP: jetzt massiert hier noch keine. Wie immer kann der Schaden größer als der Nutzen sein. Finger weg, sofort!

Die Epidermis

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Die Epidermis oder auch Oberhaut ist die Schicht, die wir sehen und meinen, wenn wir von Haut und Hautpflege sprechen. Sie besteht aus Epithelzellen: diese Zellen verfügen über eine starke Regenerationsfähigkeit und schließen sich sehr dicht aneinander an wie eine – im Idealfall – festverfugte glatte Wand. Und das beschreibt auch ihre Funktion schon gut.

Die unterste Zellreihe besteht aus den so genannten Mutterzellen (dem stratum germinativum). Diese Zellen befinden sich in einer fortwährenden Zellteilung (Mitose), d.h. sie bilden fortlaufend Kopien ihrerselbst, die im Anfangsstadium mit ~75% Wasser prall gefüllt sind. Jede neu gebildete Tochterzelle schiebt die Ältere weiter nach oben. Im Laufe von 28 Tagen verändern sich diese Zellen: Das Wasser wird verbraucht, es wird mehr Hornsubstanz eingelagert (Horn = Keratin). Sie wird als Schutz für die DNA im Zellkern eingelagert und sitzt wie ein kleines Dach über diesem, bis zuletzt als letztes Organell der Zellkern abstirbt und eine tote Hornzelle übrig bleibt, die als wichtiger Bestandteil des Säureschutzmantels benötigt wird.
Die Oberhaut schützt durch diese Keratin- und Melanineinlagerungen (Melanin: ein Farbpigment, das keratinähnlich ist) vor UV-Strahlen und produziert damit außerdem die dringend benötigten toten Zellen – überall, wo unser Körper mit körperfremden Stoffen in Berührung kommen kann, dienen tote Zellen als Puffer, um die Erbsubstanz schützen zu können. Da sich diese toten Zellen aber auch nicht mehr “wehren” können und durch Wasser und Berührungen abgescheuert werden, muss die Haut in der Lage sein, sich zu regenerieren – um diesen Schutz täglich neu zur Verfügung stellen zu können.
Schön bzw. hübsch albern finde ich die immer wieder zu lesende Kurzfassung, die Haut erneuere sich alle vier Wochen – tut sie natürlich nicht, denn dann würden wir uns einmal im Monat komplett häuten. Sie erneuert sich täglich, nur die Lebensdauer einer Epidermiszelle beträgt in etwa 28 Tage. Wenn in diesem Rhythmus etwas gestört ist, gibt es richtige Probleme verschiedenster Art – entweder aufgrund eines Krankheitsbildes oder aber aufgrund äußerer Einflüsse, wobei die falsche oder die mangelnde Pflege mit der massivste Einfluß sein kann.

So, das wäre die Haut in der absoluten, allersimpelsten Kurzfassung, die ich mir denken kann. Noch einmal: das ist kein Derma-Kurs, sondern die – wie ich finde – nötige Grundlage, um die eigene Haut überhaupt verstehen zu können. Am besten stellen wir sie uns als eine sehr liebe, aber auch sehr anstrengende Freundin vor, die manisch-depressive Züge aufweisen kann … 🙂

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1 – Subcutis                          2 – Corium

3 – Epidermis                        4 – Blutgefäße

5 – Fettzellen                         6 – Haarpapille

7 – Talgdrüse                         8 – Haaraufrichtemuskel

9 – Schweißdrüse               10 – Haarausführgang

11 – Schweißausführgang (Pore)



11 thoughts on “Der Aufbau der Haut”

  • Wie gut, dass mein Biologie-Unterricht schon so lange her ist, da kann ich Deine Erklärungen ganz ungefiltert genießen. Sehr plastisch – die Vergleiche sind göttlich.

    Viele Grüße
    Ursula

  • Seeeeeehr gut erklärt, mit schönen (Wort-)Bildern und mit dem trocken-humorvollen Unterton, den ich an Deinen Post soooo gerne lese 🙂

    Ein paar “Aha-Erlebnisse” hatte ich schon, ein markantes war die Sache mit den toten Hautschüppchen als Schutz. Ich bin mal gespannt, ob mein derzeitiger Verdacht im Lauf der Zeit bestätigt wird, nämlich, dass die kleinen Kerlchen viel zu oft viel zu aggressiv weggepeelt werden. Aber wie bei jedem guten Buch will ich jetzt gar nicht 50 Seiten weiterblättern um zu sehen, ob ich recht habe…

    Das fühlt sich an wie bei einer spannenden Fernsehserie, man freut sich richtig auf die nächste Folge und kann es gar nicht erwarten 🙂

    Liebe Grüße aus dem Süden
    Andrea

  • Danke schön für deine tollen Erklärungen! Ich habe zwar im Biologieunterricht gut aufgepasst, aber so deutlich und plastisch konnte das mein Lehrer nicht darstellen. Ich freue mich schon auf die weiteren Teile, im übrigen glaube ich, dass auch bei der Haut jegliches “Zuviel” schadet. Meine Mutter hat so ein Schönheitsbuch aus den Sechzigern, da steht auch schon drin, dass man nicht zuviel Sonnenbaden sollte, sich gut ernähren, nicht Rauchen, nicht zuviel Alkohol, aber auch nicht zuviel Cremes schmieren sollte. Tja, die Haut meiner Mutter ist toll und das mit fast 80 Jahren. Wobei, da sind wahrscheinlich Gene auch nicht ganz unbeteiligt…

    Nochmals danke und viele Grüsse unbekannterweise

  • Vielen lieben Dank für die tolle Erklärung, es blieben bei mit keine Fragen offen und ich freue mich auf die nächste “Folge”.
    Liebste Grüße von Uschi

  • Vielen Dank für die ausführliche Erklärung; es ist schön, alles noch einmal so kompakt präsentiert zu bekommen. Und ich hoffe, daß ich mein Gefühl “eh alles zu spät…” im Laufe der nächsten Kapitel wieder relativieren kann!
    LG, Bele

  • WOW! Was für ein Anfang!
    An die Grundzüge Deiner Abhandlung kamen mir zwar noch aus grauen Schulzeiten bekannt vor, aber gerade über das kurz angeschnittene Lymphensystem wusste ich bislang so gut wie nichts.
    Hätte mir einer zu Schulzeiten mal gesagt dass ich mal zappelig vor Aufregung und Vorfreude auf die Fortsetzung einer Biologie-Abhandlung werden würde – den hätte ich einweisen lassen – aber heute ist es soweit! Vielleicht sollten die Biologielehrer sich mal was bei Dir abgucken?
    Viele zappelige Grüße
    Verena

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