Der dritte und letzte Versuch – so!

Seit einiger Zeit beendet ist ein gestreiftes, ärmelloses Hemdblusenkleid und ich schaffe es nicht, dieses Kleid anständig – sprich: erkennbar – zu fotografieren. Wobei diese Unfähigkeit eher bei der Kamera als bei mir liegt, obwohl auch ich nicht begabt im Knipsen bin. Aber diese Kamera hat bei Blautönen nicht nur das übliche Problem der farbgetreuen Abbildung, sondern auch ein Problem mit der Schärfe. Unter absolut identischen Bedingungen was Tageszeit, Standpunkt, Einstellungen und Blitz/Nichtblitz anbelangt, bringt sie bei zehn Aufnahmen nur eine oder auch mal zwei nicht verschwommene Ergebnisse hervor. Das ist – gelinde gesagt – enttäuschend. Und nervend. frustrierend. Ätzend.
Wie üblich wird mein Wirken von der feindlich gesinnten Umwelt noch weiter gestört. Schreiben darf ich jetzt, weil die Jungs nur noch Augen für die Katzen haben – nähen dürfte dabei noch schwieriger werden. Erstmal zumindest. Während ich also vor mich hinknipste, sprang Lenny mit Minusch und “Raven” (vorläufiger Arbeitstitel) hinter mir herum.

Aber zum Kleid: in letzter Zeit waren der Ablenkungen gar Viele und Vielfältige und so stand ich bei der Anprobe leicht verzweifelt vorm Spiegel, weil sich die Schulter ganz und gar nicht schön legen wollte – und wir erinnern uns, wieviele Monate ich daran vergeben habe. Und weil das Kleid noch vor der gestreiften Bluse genäht wurde, versteht ihr nun, weshalb mich die Falte an der Schulter der Bluse so panisch werden ließ: sollte ich auf einmal bucklig geworden sein? Kann mein Busen wirklich so abrupt gesunken sein? Wie kann so plötzlich alles schief sein? Wahrscheinlich geht es den meisten von uns ab 40 so, dass sie den Fehler erst einmal in dem uns verratenden Körper suchen 😉 Was – seien wir ehrlich – ja auch die bessere Alternative ist, wenn die andere Möglichkeit nun einmal ein Versagen des wachen Geistes ist, für den wir uns gerne schätzen lassen … in meinem Fall kann ich ja leider nicht Burda, Vogue und Co. dafür verantwortlich machen.

Aber mein wacher Geist ist doch wacher und schärfer als befürchtet und in einer ruhigen Minute irgendwann spät nachts, als alles schlief, riß ich den Schnitt samt hüftlangem Grundschnitt hervor und verglich sie. Aber da stimmte alles. Dennoch, das konnte doch nicht sein und so holte ich den Originaltaillenkurzschnitt auch dazu und siehe da: irgendwann im Übertragen und Kopieren hatte ich die hintere Seitenlänge einen halben Zentimeter länger ins Armloch gezeichnet. Beim Nähen der beiden Hemdblusenkleider hatte ich mich wohl noch kurz gewundert, warum der Saum der hinteren Kleiderbahn einen halben Zentimeter länger am Saum war, aber das natürlich auf meine schlampige Zuschnittweise (Kleid 1) bzw. auf den vollkommen verzogenen Stoff (Kleid 2) geschoben. Kein Wunder also auch, dass mein so sorgsam angepaßter Brustpunkt jetzt viel zu hoch saß oder der Kragen im Nacken nach unten rutschte oder das Armloch sich seltsam knapp anfühlte oder die Schulte Schrägzüge bekam. Die zeitgleiche Aufgabe zwei Standard-Büstenhalter verschärfte das Ganze noch. Manchmal liegt die Lösung eines Paßformproblems ganz woanders, als es den Anschein hat – denken hilft da enorm 😉

Ein weiteres, sehr großes Ärgernis war der doch recht teure Stoff, der mir damit wohl mal wieder beweisen wollte, dass teuer eben erstmal nur teuer, aber nicht zwangsläufig gut ist. Es ist es quergestreifter hellblau-weißer Baumwollpopeline mit etwas Stand. Zuschneiden wollte ich ihn aber – spießig, konventionell, sicher, konservativ, traditionsgebunden wie ich bin – längsgestreift. Eine Stunde lang habe ich versucht, die Streifen und den Stoff in die gleiche Richtung zu ziehen, zu bügeln, zu zerren, zu legen, zu stecken oder ihn dorthin zu verfluchen; letzteres nahm einen großen Teil dieser Stunde in Anspruch. Lasst mich noch sagen, dass es sich um WEBSTREIFEN handelt, keineswegs um falsch gedrucktes Streifenmuster. Es ging nicht, der Stoff war schief wie nur was. Da hat jemand beim Wickeln wohl die eine Seite zu stark gezogen, so erklärte der Gatte unter Auferbietung seines Ingenieurwissens im Bereich Aluminiumwalztechnik. So was geschieht und lässt sich selten komplett beheben. Waschen, bügeln, gemeinsames Zerren brachte gar nichts.
ABER dieser Stoff sollte nun ein Kleid werden und zwar ein Kleid nach dem Armstrongschnitt wie schon das erste Blaugestreifte, nur sollte diesmal auch einer der zwei Taillenabnäher mit genutzt werden – ich taste mich ran, demnächst soll gar eines erstehen, dass alle Abnäher hat und ganz figurnah ist. Mutig, was?

Nun gut, wieder einmal gab ich nach und tat dem Stoff den Gefallen, das Design zu bestimmen – es ist bei Streifen und Karo wirklich klüger, nachzugeben. Also quergestreift und zwar ohne Rücksicht, ob da ein Ministreifen an den anderen stößt; wer mehr als einen Meter von mir entfernt steht, nimmt das Gestreifte eh nicht mehr war. Quergestreift ließ sich der Stoff übrigens nahezu problemlos legen … letztendlich bin ich froh, denn so wirkt es sehr viel frischer und auch wieder mehr Fünfziger. Können wir ja mit leben, nicht wahr?

Bilder sind – wie gesagt – wieder einmal schwer zu jagen gewesen. Ihr bekommt sie alle und dann ergibt sich schon ein Bild. Glaube, denke, hoffe ich. Oder so.

Fängt schon gut an:

Ist er immer noch hinter mir?

Kind ist beschäftigt – besser.

Sanft verschwommen:

Besser?

Dann eben gaaaanz naaah!

Aber trotz der Fehler und der vielen Falten überall fühle ich mich wohl darin; ich muss mir nur mal wieder klarmachen, dass ich ohne das Selbermachen niemals würde Kleider tragen können – viel zu weit in der Taille, zu eng in der Hüfte, am Busen sonstwie falsch und die Schultern immer unbequem. So gesehen … ein voller Erfolg! 😉

Und jetzt ab in die Küche, nach zwei Wochen Gattenheimaturlaub ist mein Tagesablauf schief und ich hänge dem Tag heute mächtig hinterher.

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15 thoughts on “Der dritte und letzte Versuch – so!”

  • Hallo Michou,

    ich kann verstehen, dass wenn man einmal anfängt, sich mit Schnittkonstruktion zu beschäftigen, extrem kritisch der Passform gegenüber steht. Aber das, was Du produzierst, sitzt wahrscheinlich immer noch um einiges besser als ein gekauftes Kleid. Das Kleid ist schön und sieht toll an Dir aus, auch wenn es noch einige Unstimmigkeiten gibt 🙂 Beste Grüße Anke

  • Die Fotos sind herrlich *grins* da ist wenigstens Leben in der Bude …
    Mir gefällt das Kleid ausgesprochen gut und ich finde auch: Die Querstreifen haben der Optik nicht geschadet!
    Und die Schuhe!! *seufz* Da bin ich ganz neidisch – so herrliche Sommerschuhe hätte ich auch gern!
    Liebe Grüße, Bettina

  • Haha, die kleine Rampensau … 🙂
    Das Kleid ist wunderhübsch, genau richtig für den Sommer, der eigentlich besser ist als sein Ruf. Ich sehe keine Fehler und wenn man sich bewegt, werfen Kleider eh’ Falten. Sooo genau geht’s doch gar nicht.

  • Leben ist in der Bude, für meinen tendenziell einsiedlerischen Geschmack manchmal zu viel 😉
    Die Sandaletten hatte ich heute das erste Mal und nur fürs Bild an – nachdem Kauf gab es einfach keine Gelegenheit mehr. Von der Optik her gehören sie vielleicht an eine viel jüngere Frau mit Trendset-Ambitionen, aber das hätte ich mich mit 25 nicht getraut. Nun fehlt mir das Wetter und eine passende Gelegenheit, mit 12 cm Absatz sind sie nicht gerade Einkaufsschuhe …

    Rampensau trifft es, klein nur in Bezug auf die Größe!
    Was die Falten anbelangt: wenn ich mich normal darin bewege, dann ist mir das auch sowas von egal – da habe ich Schlimmeres gesehen, vor allem bei Kleidern, die nur im Stehen perfekt sitzen. Nachdem mir die Schnittdirektrice im Februar sagte, dass die komplette Entfernung jeder Falte immer auf Kosten der Bequemlichkeit gehen und kaum einer ja ein Stehkleid braucht, bin ich auch wieder entspannter geworden. Hier bei dem Kleid finde ich spannend, wie ein kleiner Fehler an ungewohnter Stelle solche Auswirkungen nach sich ziehen kann – wenn ich mir vorstelle, ich hätte nun bei den üblichen Verdächtigen herum gebastelt – HORROR!

    Und ganz klar: Kaufen hätte ich das so niemals können! Ha, schon wieder gewonnen 😉

  • Oh Göttin!
    Was zieh´ ich morgen nur an?? Sack und Asche vielleicht??? Ich arme alte Frau komme da wohl nicht mehr mit! Und dann auch noch 12 cm! (Du siehst eh schon nach mind. 170 cm aus?) Dann bin ich ja die Kleine! Auch das noch…

    LG, Bronte

  • Sack und Asche klingt gut – hundefreundlich irgendwie 😉 Und 12 cm trage ich ja nicht ständig, meist sind es nur 10 … da komme ich dann auf 1,83. Der Gatte kann damit leben, du schaffst das auch, oder?

    Freue mich schon wie jeck, was sonst 🙂

  • @Bronte, mach Dir keinen Kopf, es geht auch ohne Absätze, ehrlich (ich auch nicht groß und für immer und ewig “Absatzunfähig”, aber Andrea ist so ein Mensch, dass man sich auch mit 5 cm Körpergröße mit Ihr wohl und auf Augenhöhe fühlt – das kann ich aus Erfahrung sagen 😉 ).

    @Andrea – schönes Kleid, steht Dir und sogar den pinken Gürtel mag ich!
    Vor 12 cm ziehe ich Hut ab, nicht mal neidvoll, ich bin zu unbedarft um mehr als 5 cm tragen zu können. Hm, wäre vielleicht was, mit höheren Absätzen müsste man mich tragen, gehe mal verhandeln 😉
    J.

  • Apologies for writing in English. I love that your son is in the background playing as you take your pictures. So cute.

    The dress is very flattering and well made. Your skills are so professional.

  • Ich finde das Kleid todschick !! Und mach Dich doch wegen deinem Alter und dem “beginnenden Verfall” nicht immer so fertig. Alles ist gut – du siehst fantastisch aus 🙂
    Aber ich seh schon, ich muss im September alles was Absatz hat einpacken, sonst stapfe ich neben Dir her … 😉

  • Was ihr nur immer mit meinen Absätzen habt…?? Ich kann nur in flachen nicht laufen und ich bin ja keine Riesin oder erwarte, dass alle auf Stelzen herum rennen 😉 Du bist mir sowieso immer gewachsen und wenn du hinterher kriechen wolltest 😀

  • Keine Ahnung, was Ihr fuer ‘Sorgen’ bezueglich Koerper-Hoehe habt; habt Ihr das Leben je aus der Sicht eines ‘Gartenzwerges’ gesehen? 😀
    Da wird’s dann eeerst iritierend, WENN man urploetzlich Jemanden in Augenhoehe vor sich hat (oder gar noch drunter = auch moeglich; man vergesse nie den zierlichen asiatischen Anteil an Bevoelkerung hier !!!)
    Was ich aber immer gaaanz schlimm finde, wenn dann groessere Menschen sich irgendwie kleiner zu machen versuchen und sich sonstwie verrenken.
    Das gibt von mir dann immer einen ganz furchtbaren ‘Ansch …’, weil’s a) ja trotzdem nichts bringt b) nicht gut aussieht! c) unnoetig ist, denn ‘Gartenzwerge’ sind das gewoehnt!

    Bei mir laeuft diese Hoehe Absatz eben sehr unter ‘Kurzstrecken-Schuh’ am besten fuer die nur ‘bis max. 8 Min.- Strecke (incl. An-/Ausziehen) vom Badezimmer ins Schlafzimmer! 😉 😀
    Ich stimme allerdings Michou zu: ohne Absaetze komme ich mir vor wie ‘rueckwaerts bergab’ rennen; sprich auch unbequem und sehr uebungsbeduerftig!

    Was das Kleid betrifft: getting there, meine Liebe; Du wirst immer besser!
    Auch wenn man zu mancher abwegigen Aenderung vielleicht doch einmal vorsichtig beruecksichtigen koennte: viele Wege fuehren nach Rom? (Aber moeglichst ‘Vorsichtige’! 😉 )

    Ich weiss jetzt nicht genau, da eigentlich noch nie mit ihm abgeklaert, aber da gibt es einen Blog Namens ‘Heimatliebe’, wo sich ein netter Herr gut mit der Kunst des Fotografierens (u.a.; incl. Gleichgesinnte auf Blogroll hat!) befasst; vielleicht koennte man den mal um Hilfe fragen, ob Deiner Kamera irgendwie Tricks abzulocken waeren.
    Erprobt mit ihm ist bis dato: er beisst nicht! 😉
    Und ich weiss, dass er schon mal wo anders helfend eingewirkt hat – er kann aber wohl nicht ueberall zufaellig sein und dies tun; also: seine ‘Adresse’ stattdessen umgekehrt merken!

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