Die Wahrheit lässt sich nicht abbilden

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Von mir nicht, von meiner Kamera nicht. Ich bin eh schon übelster Laune, weil ich keine meiner anstehenden Aufgaben ohne eine funktionierende Internetverbindung erledigen kann. Heute nachmittag erwarte ich den Techniker, der alles retten und verbessern soll. Noch sind meine Hoffnungen hoch …

Dass diese meine Laune vielleicht nicht die beste Ausgangslage darstellt, um Bilder von einem der neuen Kleider zu knipsen – hätte ich darüber nachgedacht, so wäre es mir aufgefallen. Da ich mich aber habe überreden lassen, an den nächsten zwei Vormittagen zu arbeiten, bleibt mir gar nicht so viel Zeit in dieser Woche wie angenommen. Also ging es los. Und zwar gleich gut und richtig: alles verschwommen und verzerrt. Egal, mit welcher Einstellung, egal, ob mit Blitz oder ohne und auch egal, ob die Schneiderpuppe als Platzhalter für die Schärfeeinstellung fungierte oder nicht. Zwei erkennbare Bilder kamen heraus. Dann erst einmal Einkäufe erledigen und danach mit der Kamera noch einmal an den alten Platz umziehen. Brachte auch nicht mehr außer einer mirakulösen Vermehrung meiner Haarpracht durch seltsamen Schattenwurf im Blitzlicht – eine 60er-Jahre-Betonfrisur scheine ich zu haben, die hält, ob es regnet, stürmt oder schneit. Oder ein Klavier drauf fällt. Nach insgesamt 45 Bildern blieben 5, mit denen ich einigermaßen leben kann und auf denen man irgendetwas sehen kann. Erkennen wäre zu viel gesagt. Dass meine Stimmung sich seitdem gehoben hätte, kann ich nicht behaupten; ja, ich vermute sogar, dass ich ein wenig Mißmut und Unlust austrahle.

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Was mich aber wirklich ärgert: man kann wirklich nicht sehen, dass es ein hübsches Kleid ist. Man kann nicht einmal ahnen, dass es mir vielleicht doch steht. Stattdessen kann man ahnen, dass ich in der letzten Woche älter geworden bin; man darf sich wundern, wie ich es dabei auf mehr als ein Jahr plus bringen konnte. Was man vielleicht sehen kann, sind die kleinen Fehler des Grundschnittes, die ich dank dieses Kleides erkennen und ausmerzen konnte:

Ich hatte ja im letzten Jahr sehr lange am neuen Grundschnitt gebastelt und wollte dabei vor allem mein Uralt-Problem loswerden: die Falten im Rücken und der seltsame hängende Hinterrock. Dabei hatte ich dann ALLES, vom Vorderteil bis zum Rock an den Rücken angepasst und dabei in Kauf genommen, dass die genähte Taille höher war als die figürliche. Als ich die 62 kg hatte, saß sie ja auch ein wenig höher. Nun schwanke ich wieder zwischen 59 und 60,5 kg und sie sitzt tiefer. Über einen Zentimeter tiefer. Schön konnte man das auch beim dunkelblauen Kleid mit dem Pünktcheneinsatz sehen, dass dadurch fast schon eine A-Linienform bekam.

Wie nun auch immer, ich erwarte sekündlich (hahaha) den rettenden Engel und werde nun für die Brut ein Essen zubereiten, bevor ich mich an ein echtes Frühlingskleid setze. Mittlerweile hätte ich noch vier weitere fertige Teile zu zeigen, aber ich gefalle mir auf diesen Bildern gerade so wenig, dass meine Motivation kurz und knapp unter Null liegt. So eitel bin ich denn doch. Diesmal siegte noch das schlechte Gewissen …

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13 thoughts on “Die Wahrheit lässt sich nicht abbilden”

  • man sieht vom hübschem kleid wirklich wenig. es wäre auch hilfreich,wenn man die bilder im gross-format anschauen könnte.
    ich finde dieses kleid aufgrund seine farbe könnte etwas Dekor gebrauchen. egal welche art. abgefranste borten, die irgendwie aufgenäht werden, irgendwelche kragen die oben drauf aufgesetzt werden oder irgendwas. es gibt haufen dekor-Möglichkeiten.
    jedenfalls ohne sieht es etwas nackt aus.
    das kann sich ein schwarzes oder marine erlauben,aber helles wohl weniger.
    IMHO

    • Witzboldin, im Großformat sieht man noch viel weniger, weil total verrauscht 😀

      Und da sind wir nicht einer Meinung: dieses Kleid hat so viel Farbe und Leuchtkraft, da fände ich jede weitere Verzierung zuviel. Problem ist eher, man sieht ja nichts. Das Mieder ist abgesteppt und auch die Epauletten, die man nicht sehen kann. Das ist für mich, die ich mit Deko ja nichts anfangen, schon richtig dolle viel. Aber es will einfach nicht, Bilder gelingen gar nicht. Alternativ hätte ich noch Fotos anzubieten, die was für Däniken wären: ein bläulicher Geist schwebt 20 cm über dem Boden und löst sich auf 😀

  • Ooooh, ein fertiges Kleid!
    Andrea, ich bin immer wieder begeistert, was Du selbst konstruierst! Ich käme schon niemals nicht auf solche Ideen, geschweige denn, dass ich sie umsetzen könnte…
    Leider sieht man wirklich wenig von den Details.

    Übrigens bin ich mit meinen Selbstauslöserfotos letztendlich (wieder) im Automatikmodus angekommen. Meine manuellen Einstellungen hatten mehr den Charakter von russisch Roulette. Und die Ergebnisse waren noch schlechter als vorher.
    Fühl Dich also bitte in dieser Hinsicht getröstet. Und das Däniken-Bild würde ICH wirklich gern sehen ;o)

    Liebe Grüße

    Katharina

    • Die Bilder habe ich gnadenlos gelöscht, die waren wirklich spooky. Ich war ein mittelblauer Blob in Rhombenform, der sich in eine Art Rauchwölkchen nach oben hin auflöste – und Details gab es auch keine 😀

      Ich befürchte, zur Zeit ist eher meine sich weiter verändernde Körperform, die meiner Konstruktionskunst böse im Wege steht als meine Unfähigkeit, das zu konstruieren, was ich mir vorstelle. Irgendwas ist halt immer, was sich meiner Kontrolle entzieht 😛

  • ich verdächtige Digitalkameras folgender Tricks – wenn sie älter werden (und das werden sie schneller als unsereins) dann werden sie Nachtblind – oder gar noch etwas mehr, sie werden weniger Lichtempfindlich. Sprich – egal ob mit Blitz oder nicht – die Fotos drinnen gelingen nicht mehr. Man muss nach draussen gehen – sogar das magere Winterlicht reicht aus, scharfe (oder zumindest schärfere) Fotos zu bekommen.
    Ich habe sogar Bestätigung vom Halb-Profi (meine Schwester) dass es dem so sein könnte ;-).

    Zum Kleid – ich mag das was man sehen kann – die Farbe und die Form, beides steht Dir Michou (und Du bist keinen deut älter auf den Bildern, und acuh was, ich bringe die letzte Emma mit – wenn Du sie nicht bereits hast, da geht’s um altern). Schade dass die Details nicht sichtbar sind.

    • Das mit dem Altern der Kamera – das erscheint mir ganz logisch. Ich habe sie seit dem 30.8.2012 und die Bilder waren doch sehr lange viel besser als die der teureren des Gatten. An den Einstellungen hatte ich nichts geändert und dann auf einmal … bah!

      Ja, bring mit und ich freue mich!

  • Hallo Andrea!
    Heute lass ich mich mit meinem Kaffee bei dir nieder und lass den fast ,beinahe wieder fallen. Was hast du denn gemacht?
    Ich finde dein Kleid wunderschön ! Die Farbe steht dir sehr gut und die Absteppung kann ich mir gut vorstellen.
    Und Sport hilft also doch ? Hm….
    Da lese ich lieber noch mal nach was ich so verpasst hab. Ich hab da so ein paar Bilder mit Markierungen gesehen

    • Was habe ich gemacht? Nichts, ich war ganz brav … oder was meinst du? Sport, ähm, äh, nein, das nicht. Zwar habe ich jetzt am Samstag mal wieder begonnen, aber mit Beginn des Advents war meine Willenskraft nicht mehr existent: Marzipan, Sofastunden, Nougat, Filme schauen, Lakritze und lesen – und endlich wieder ganz viel nähen.
      ABER JETZT werde ich wieder ganz brav, also jetzt wirklich. 🙂
      Genieße deinen Kaffee 🙂

  • Schade dass so viele Details geschluckt werden, aber das was man erkennt sieht wirklich schön aus. Und ich mag die Farbe von dem Kleid, mir erscheint sie überhaupt nicht nackt. Eher finde ich es interessant dass sie sich jeder Einordnung entzieht und dadurch fast zu allem zu passen scheint (grau, grün, etwas bläulich…irgendwie ist von allem etwas dabei).
    Und der Selbstauslöser ist auch nicht grade mein Freund. Inzwischen habe ich immerhin herausgefunden, dass man den Autofocus nach dem Scharfstellen mit Schneiderpuppe ja ausschalten kann und so nicht bei jedem Foto 8sek braucht, um die kopflose Dame aus dem Bild zu schieben. Nächste Woche kommt meine Fernbedienung an, vielleicht wird es dann besser.
    lg ette

    • Die Farbe ist natürlich wieder einmal nicht zu treffen, zumindest nicht ganz, aber sie ist genauso, wie du sie beschreibst: ein gräuliches, helles Grünblau. Ohne die dunkelblauen Strümpfe wird es besser aussehen, aber frieren wollte ich doch nicht 😀

      Und dieser Autofokus – auf was auch immer er fokussiert, es geht schief. Ich bekomme es nicht hin. Da steigert sich bei mir natürlich alles: ich stehe nicht gerne davor und will es hinter mich bringen, die Bilder sind Schrott und lassen mich übel aussehen, dann will ich noch viel weniger abgelichtet werden und meine Geduld der Technik gegenüber sinkt noch weiter – ein Teufelskreis!
      Verdammt, wäre ich Täschchennähbloggerin, wäre das viel einfacher – wenn ich selbst drauf drücken darf, geht es ja. Also ob jetzt keine Kleider mehr, nur noch Täschchen und Tüchelchen 😀

  • Liebe Andrea,
    hast Du das erste Bild nachgeschoben? Man sieht darauf nämlich die Absteppung in der Taille und auch, dass es ein sehr hübsches Kleid ist, das Dir sehr gut steht.
    Liebe Grüße, Stefanie

    • Danke dir, aber nein, das stand da von Anfang an. Das war das Beste, das mir gelingen wollte und die anderen darunter die besten von all denen, die ich nicht sofort gelöscht habe. 😀

      Ich ärgere mich ein klein wenig über die zu hohe Taille … aber gut, immerhin wieder was gelernt …

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