Diese Woche kannste knicken …

Nun ja, so drücke ich mich sonst nicht aus, aber etwas anderes fällt mir zu dieser Woche nicht ein:

Die Tutanchamun-Ausstellung am Sonntag war, obwohl interessant und schön, so anstrengend, dass ich leicht geschafft in den Montag startete. Der begann mit der schon erwähnten Herumkutschiererei und endete mit viel Hausarbeit, einem kranken Mann und noch mehr Fahrerei. Am Dienstag missglückte der Rock, die Wäsche wuchs mir über den Kopf (wie können drei männliche Wesen innerhalb zweier Tage eine komplette Waschladung produzieren? Wie? WIE?) und abends um zehn beim Bügeln knallte die Hauptsicherung raus. Wieder einmal. Und mein Verdacht, der sich gegen das unschuldig dreinblickende Bügeleisen richtete, erhärtete sich. Diverse Tastereien über unsere dunkle Kellertreppe, bewaffnet mit einem zum Glück bereitstehenden Kindertaschenlämpelchen, ließen den Verdacht zur Gewißheit werden: Hatte ich nicht immer schon geahnt, dass das Bügeln zu den Todsünden zu zählen sei? (Ok, seit ich nähe, bin ich dem Bügeln gegenüber etwas großzügiger gestimmt, aber dennoch!)

Mit Nähfrust im Herzen ist ein nicht mehr funktionierendes Bügeleisen eine Katastrophe: könnte ich nur einfach nicht mehr die verhassten Herrenhemden bügeln, so könnte ich mit diesem Ausfall wohl leben. Aber wenn ich dabei bin Nähte zu trennen und zu steppen … stellt es euch nur vor, dann muss ich nicht weiter ausholen. Schön aber auch die Reaktion des Gatten, der meinte, dass ein neues Bügeleisen erst mal warten müsse: mit der Öllieferung, den Steuerbescheiden für Haus und Hof, Lenny’s Sport und seine Brille, dem neuen Kabelanschluss etc. etc. – na, da müsse mein Nähzubehör halt mal hinten anstehen. Meine daraufhin spitz und bissig hervorgebrachte Erwiderung, dass er ja sicher kein Problem hätte, auf seine Hemden entsprechend lange zu warten, reagierte er gereizt. Kann ich auch nichts für, wenn Mann nur bis hier und nicht weiter denken mag (kann? Ich bin noch immer sehr genervt, merkt man’s?). Nun gehört er auch zu der Spezies Mann, für den alles eine Anschaffung ist; also ein Bügeleisen wochenlange Recherche und ein Preisschild nicht unter 80,- € verlangt. Dafür habe ich weder die Geduld noch das Verständnis: als wir das letzte Bügeleisen besorgten, durfte ich das nicht alleine erledigen, sondern wir verbrachten mehrere Stunden in wenigstens drei Elektrofachgeschäften. Da las er sich dann durch die technischen Beschreibungen und hielt mir immer wieder einmal eines vor die Nase, dass seinen strengen Kriterien entsprach. Meine Einwände störten dabei sehr. Mit welchem Unsinn Frauen aber auch kommen: “Das ist vorne nicht spitz genug, damit komme ich nicht in die Ecken!” “Drei Kilo? Damit bügele ich keine halbe Minute!” “Der Tankverschluss ist viel zu fest, den bekomme ich nicht auf.” “180,-€??!!!”

Letztendlich hatten wir dann eines ausgesucht und selbiges wurde dann großzügigerweise noch mit einem neuen Bügeltisch versehen. Das war im November 2009; zu Weihnachten bekam ich dann Trinkschokolade und den Ärmelaufsatz. Könnt ihr euch meine Freude vorstellen? Oder zumindest meine Überraschung? Ja, Schwamm drüber. Was ich sagen will: das Ding hat uns viel Zeit und relativ viel Geld gekostet und fing nach einem Jahr an, seine Macken zu zeigen. So wollte es nach jedem (!) Bügelgang entkalkt werden. Und entlüftet. Ansonsten ließ sich kein Wasser einfüllen, das spuckte es dann blubbernd aus. Dann stellte es die Sprühfunktion ein. Vielleicht hatte ich zu selten gesprüht? Oder einmal zu oft? Bevor ich hinter dieses Geheimnis kam, begann es zu tropfen. Immer, wenn es nicht auf höchster Stufe verwendet wurde. Dann ließ sich der Dampf nicht mehr abstellen. Auf niedrigster Temperatur bei ausgestellter Dampffunktion wollte es dennoch dampfen. Was kaum ging. Also spuckte es wieder. Aus jeder Dampfdüse. Bis alles nass war.
Woraufhin ich laut zu überlegen begann, wie sinnvoll es wirklich ist, ein “gutes” Produkt zu kaufen, wenn es nach einem Jahr doch nicht von einem billigen zu unterscheiden ist. Als ich noch alleine lebte, habe ich alle zwei bis drei Jahre ein billiges Eisen gekauft, dass irgendwann stillschweigend seinen Geist aufgab, ohne vorher noch monatelange Abschiedsarien von sich zu geben. Und so bin ich gestern morgen zum örtlichen Supermarkt gefahren, habe mir eines ausgesucht und dafür 10,- auf den Tisch gelegt. Bügelt wunderbar. Und ist etwa ein Kilo leichter, was sehr angenehm ist. Steve schaute dieses Ding mißtrauisch an, wagte aber ausnahmsweise nicht, laut zu nörgeln.

Damit fing also der Mittwoch an. Natürlich wollte, musste ich sofort bügeln. Wobei ich feststellen musste, dass während des Stromausfalles der werte Gatte nicht nur männlich-kurzentschlossen den Bügeleisenstecker aus der Bügeltischsteckdose gezogen hatte, sondern dabei auch die Kabelhalterung (also diesen Arm, der verhindert, dass das Bügeleisenkabel über die zu bügelnde Wäsche gezogen wird – sollte ich nicht Gebrauchsanweisungen schreiben? Da darf ich lange Wörter ohne Ende verwenden :-)) abgebrochen hatte. Wo rohe Kräfte sinnlos walten … Gatte verschwand ob meiner miesen Laune und akuter Scheidungsgefahr wortlos im Keller und bastelte das Teil wieder zurecht, montierte es an und erwartete Lob. Ich schnaubte. Wand mich meiner Bügelei wieder zu, legte ein Kinder-Tshirt auf und machte RATSCH. Denn der Bügeltischbezug des ebenfalls hochwertigen Bügeltisches (der wackelt …!) befand nach zwei Jahren und in treuer Zuneigung zu seinem Kameraden, dem stromunterbrechenden Bügeleisen, es sei an der Zeit, den Dienst zu quittieren. “Ich bin wieder weg, Bügeltischbezug besorgen.” Der Gatte schwieg. Besser ist das.

Dann tauchte am frühen Nachmittag das Bübchen der Internetkabelverlegefirma auf – den mein Mann statt auf den Vormittag auf meinen kostbaren Mittwochnachmittag gelegt hat. Sozusagen, das mit dem Legen müsst ihr nicht zu wörtlich nehmen. MEIN Mittwochnachmittag, an dem die Jungs bei Oma sind. Wo ich entweder sehr gründlich putze. Oder putze und nähe. Oder sehr gründlich nähe. Oder einfach nur alleine bin. Das brauch ich nämlich und nun hing seit Freitag nachmittag immer einer an mir dran. Sonntag schon diese vielen, vielen Menschen. Und dann der kranke Mann. Und jetzt noch ein Technikmensch mit Bohrer! “Eine halbe bis Dreiviertelstunde maximal”, so sprach sein Kollege am Fernsprechapparat, der ihn anvisierte. Lasst mich hier nicht ins Detail gehen, wie ein flaumbärtiges Bübchen mit Holzfällerallüren seine Bohrmaschine unter beleidigten Sch…-Rufen an unserem mit Stahl verstärkten Betonboden ruinierte. Wenn er seine Arbeit anständig machte, wüsste er wohl, dass viele (oder alle?) Häuser aus den Fünfzigern mit derlei Zierat aufwarten können … stopp, ich wollte nicht ins Detail gehen.
Um drei herum meldete sich der Optiker, Lenny’s Brille sei fertig. Alles ist besser als hier zu sitzen, so beschloss ich und holte meine Kinder ab, warf den Kleinen zu Hause raus (“Papa, fremder Baumann, Bohrmaschine, Garage offen – yay!”), und fuhr mit dem Großen zum Ort hinunter. Bisschen warten, Brille aufprobieren, Brille anpassen, noch was einkaufen – um vier war ich wieder zu Hause. Das Bübchen fluchte weiterhin vor sich her. Definiert bitte eine Dreiviertelstunde: sind das mehr als 45 Minuten? Ist der Zeitraum von 14.00 – 16.30 kürzer als gedacht? Ist unser Haus eine hinterhältige Falle, die arglose Bohrer und ihre Anhängsel um Leben und Verstand bringt? Ist das Bügeleisen schuld? Fragen über Fragen, die in einer guten Soap in der nächsten Folge beantwortet werden würden.

Aber, hélas, mein Leben ist keine Seifenoper, sonst hätte diese Woche ja auch Highlights zu bieten. Denn nachdem Bohrerbübchen mitsamt seinem Bübchenbohrer unser gemeines Haus verlassen hatte und die Kinder vor dem Fernseher sitzen durften (denn der Augenarzt hatte empfohlen, dass Lenny seine Brille am besten beim Filme gucken eingewöhnt!), wollte ich in aller Ruhe etwas online erledigen. Zeitgleich beschloss der kranke Gatte, weiterhin fit genug zu sein, um nun unserem neuen Anschluss unsere alten Geräte zuzuführen. Das gesellige Kennenlernen verursachte allerdings, dass ich über zwei Stunden das Internet nur im Sekundentakt nutzen konnte. Ich hätte einen Mord begehen können: ich brauchte nur zehn Minuten. So lange hätte er sicher noch warten können. Glaubt man als weibliches Wesen zumindest. Sieht man wohl als Y-Träger anders. Gut, dann muss das warten. Ok, dann ist ein fertig gestelltes Formular auf immer im Nirvana entschwunden. Kein Grund, sich aufzuregen. Dagegen könnte doch eine halbe Stunde Nähen helfen. Oder? Nicht wahr? Immerhin war ich mit dem Siebzigerkleidchen schon relativ weit gekommen.

Frau Michou – ich brauche auch mal Abstand von mir 🙂 – trabte nun also die Treppe hinunter und versuchte, sich zu beruhigen. Nähmaschine wieder aufbauen, Stecker rein, Maschine an. An. An! An!!! WAS ZUM TEUFEL IST NUN SCHON WIEDER? Ha, ok, die Maschine ist an, aber die Lampe nicht. Nach einem halben Jahr schon wechseln – ist das nicht recht früh? Vielleicht nähe ich mehr als ich dachte? Wie auch immer. Wo ist die Ersatzlampe? Erste Schublade, zweite, dritte. Erstes Regal, zweites, drittes. Ok, ist nicht zu finden. Dann die aus der alten Nähma. Gut. Wo ist die Bedienungsanleitung? Muss ich etwas aufschrauben? Ah nein, nur drehen. Wie komme ich denn da dran? HILFE. Gatte hilft. Wahrscheinlich, damit ich endlich Ruhe gebe. Wie sieht denn dieses Lämpchen aus? Bajonettverschluss? HÄ? Was soll denn das jetzt? AAAAAH. Wieviel Uhr ist es? 19.30 Uhr. Wo bekomme ich so was? OBI. Ok, haben die noch auf? Gut, ich bin weg, zum dritten Mal heute, um etwas zu besorgen, dass sich verabschiedet hat. (Kann man da auch einen neuen Mann bekommen?) Rein zum Baumarkt, zum ersten Infostand. Schickt mich in die andere Richtung, wo Glühbirnen deutlich zu erkennen gewesen wären). Schickt mich zum nächsten Kollegen, der sich besser auskennt. Der ist sich nicht sicher, ob diese auch vorrätig sind. Sind sie. Hurra. Ab nach Hause. Glühbirne wechseln. Nur wie? Da kommt man nicht ran. Steve hilft, mit waidwundem Blick. Licht ist an. Luft holen ….. ratterratterratter. Das ist besser.

Dann irgendwann Richtung Bett, noch mal schnell online gehen? Eva und Arlett befürchten Kittelschürzengefahr … also! Jetzt bin ich unter Druck. Wehe, das wird ein Kittel 🙂 Habe noch ein ähnliches Kleid, dass ich auch noch machen möchte. Bis jetzt kann ich nur sagen, was ich schon oft erlebt habe: Siebzigerjahreschnitte sitzen gut. Die angegebenen Körpermaße und die dafür gemachten Schnitte sind stimmig und das ist sonst sehr selten.

Heute morgen dann, ich habe mich beruhigt, werden wir an der Kindergarteneingangstür begrüßt: “Die Hälfte der Kolleginnen ist krank. Wenn es geht, nehmen sie die Kinder bitte wieder mit.” Klar geht das. Für morgen auch. Aber das bedeutet auch, dass ich in dieser Woche nicht eine einzige Minute wirklich alleine verbracht haben werde. Und das ist für mich kurz vor Hölle …. Aufmunternde Worte werden besonders gerne entgegen genommen. MMM-Bilder wird es also auch heute nicht geben. ‘tschuldigung …



7 thoughts on “Diese Woche kannste knicken …”

  • Wie munter ich dich denn jetzt auf ? Erstens, ich habe mich königlich amüsiert über deinen Bericht – vor allem das “Bohrerbübchen mitsamt seinem Bübchenbohrer” !!!!
    So, nun zu den einzelnen Punkten
    1. Deinem Mann würde ich was husten !! Bügeleisen und ähnliche Haushaltsgegenstände kauft derjenige, der sie benutzt. Wer gute Arbeit (Hemden bügeln !) erwartet, der muß gutes Werkzeug zugestehen ! Bei uns ist das überhaupt keine Frage, aber wir sind natürlich alle Handwerker und wissen, was gutes Werkzeug bedeutet. Das nächste mal würde ich gar nicht fragen, sondern besorgen und vor vollendete Tasachen stellen 😉
    2. Es gibt das Gesetzt der Serie … Bügeleisen, Bügeltisch etc.
    3. Wenn mein Mann mir jemals zu Weihnachten oder zum Geburtstag, was für den Haushalt schenkt (außer es steht ausdrücklich auf meinem Wunschzettel) hat er Krieg im Haus. Das weiß er und es in 23 Jahren noch nicht gewagt 🙂
    4. Ein kranker Mann im Haus kann einen wahnsinnig machen – vor allem wenn er schon wieder etwas werkeln kann – stehen nur im Weg !!
    5. Ich brauche auch meine Zeit alleine, sonst werde ich irre !

    Ich hoffe damit konnte ich Dich wenigstens ein bißchen aufmuntern 🙂

    LG Eva

  • Entschuldige, aber ich habe Tränen gelacht. Du hast geschrieben was ich manchmal denke.
    Eigentlich dachte ich, ich hätte eine schlechte Woche, aber du bekommst den 1. Preis. Mein Mann ist nicht krank, ein Bohrerbübchen kommt auch nicht vorbei, aber diverse andere Sachen blockieren meinen sonst wohl geplanten Alltag.
    Ich kann dich so gut verstehen, Zeit für sich allein ist unschätzbar.
    Aber eigentlich kann es doch nur noch BESSER werden. Du mußt einfach daran glauben.
    Aufmunternde Grüße
    Arlett

  • Du tust mir aufrichtig leid, aber ich hab grad sehr gelacht und mich in erstaunlich vielen Situationen wieder erkannt.

    Liebe Grüsse und einen halbwegs entspannten Restdonnerstag, Michaela

  • Ui, Deine Woche ist ja NOCH schlechter als meine und das will was heißen. Aber das wird schon… Das mit dem NIcht-Allein-Sein ist fürchterlich, gibt so Wochen, da dreh ich schier durch. So sehr man sich freut, Familie und Freunde zu haben, ab und an will ich einfach nicht reden. Vielleicht auch deswegen, weil meine Kollegin und eine meiner Freundinnen SEHR viel redet, da bin ich zu Hause einfach maulfaul. Kommt meinem maulfaulen LIebelein sehr zugute, der wird lieber geherzt als beschwatzt 🙂

    Aber danke für Deinen Bericht, hab sehr gelacht. Du solltest Bücher schreiben…

    Liebe Grüße Miriam

  • Boah, du hast mein vollstes Mitgefühl!
    Ich kenne das Gefühl auch, nicht mal 5 Minuten allein zu sein – das schlaucht! Als mein Mann vor 4 Jahren wegen Bänderriss 3 Monate zu Hause war, wäre ich am liebsten ausgezogen.
    Ich wünsche Dir, dass es bald wieder besser wird!!
    Liebe Grüße, Bettina

  • Mein Mitgefühlt hast Du auch.
    Aaaber – wunderbar hast Du deinen Tag beschrieben!!! Man (frau) kann sich ohne Probleme in Deine Lage versetzen….
    Ich hoffe dass Du morgen doch ein bißchen Ruhe haben darfst!
    … ich habe meine eigentlich nur in der S-Bahn… sonst entweder arbeite ich oder maule mit irgendeinem meiner 3 Männer rum …

  • Ihr seid lustig, meiner ist den ganzen Tag daheim, da er selbständig ist. Aber ICH geh zum Glück arbeiten, haha….

    Kranke Männer sind echt die Post. Und was ehrlich ulkig ist: er wird fast immer krank, wenn ich krank bin, auch wenns ihm davor noch blendend ging, sprich ich bin NIE alleine krank und darf allein leiden, sondern muss mir um ihn auch noch Sorgen machen. *seufz*

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