Dinge können schief gehen

Ich stricke nicht erst seit gestern, ich habe ein gutes Gefühl für die richtige Wolle, die richtige Nadel, das richtige Muster, die richtige Maschenanzahl – ich stricke meist los und entscheide während dessen, was es wie wo wird und in den allerallermeisten Fällen sieht es genauso aus, wie ich es mir denke. Es gibt Ausnahmen, bei denen ich trotz häufigen Messens und Rechnens ständig mit dem Gefühl des Falschseins hadere – manchmal werde ich positiv überrascht, oft aber habe ich recht.
Meine Nemesis ist Baumwolle, insbesondere Baumwolle vermischt mit sehr weichen Fasern. In diesem Fall Baumwolle mit einem Hauch Kaschmir. Ich hielt die Wolle – duftig, flauschig, himbeerrot – in Händen und Ambivalenz beherrschte mich: Die Wolle ein Traum – damit stricken? Unberechenbar! Wann immer ich ein neues Garn verwende, bin ich artig und maschenprobiere. Im angemessenen Rahmen natürlich. Ich zähle die Maschen, ich rechne, kontrolliere, teste wenigstens zwei Nadeln, kontrolliere und teste noch einmal. Länger als eine halbe Stunde darf das nicht dauern. Baumwolle – die erfahrene Strickerin weiß das – leiert in die Breite und schrumpft in der Länge. Nicht zwangsläufig beim Waschen, da lässt sich dieser Zustand korrigieren. Aber beim Tragen. Beim Tragen! Ich gedachte, zu tricksen und die Wolle durch Ajour zu überlisten. Das gelingt mir gerne und oft, Ajour lässt sich wunderbar in die Länge blocken. Aber ich habe meinen Meister gefunden. Trotzdem das Jäckchen viel enger und viel länger als dieses hier gestrickt wurde, will uns der Augenschein anderes glauben machen:

Es ist mehr ein Jane-Austen-Gedächtnis-Spenzer geworden, was zum richtigen Kleid auch nett ausehen kann. Ziehen kann ich das Teil bis zur Hüfte und zwar locker und ich überlege, einen passenden Gürtel zu stricken, um es unten zu halten. Unglaublich auch, wieviel Weite es sich erschummelt: das Bündchen ist mir mittlerweile nach zwei Stunden tragen 20 cm zu weit – die geneigte Mitstrickerin- und leserin weiß, dass ich grundsätzlich mit “negative ease” arbeite. Aber gegen diese Wolle kam ich nicht an 😉 Dass die Wolle beim festeren Anziehen sofort riß, hat nicht geholfen – so locker und vorsichtig habe ich noch nie gestrickt. Aber wer nicht wagt, kann auch nicht verlieren. Oder wie war das?

Um von diesem traurigen Fiasko abzulenken, können wir gemeinsam auf meine Maschine warten – zur Zeit besetzt der Laptop, an dem ich gerade eben noch mit Eva chatten durfte, ihren Platz:

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7 thoughts on “Dinge können schief gehen”

  • …und ich dachte schon, es wäre etwas bei/mit der neuen Nähma schiefgegangen… puuuh! *schweißabwisch*
    GsD, es ist nur das Jäckchen.
    Mir gefällt das Jäckchen, ich kann nix sehen, was schiefgelaufen sein könnte, aber meine Strickerfahrung ist noch recht klein, als dass ich Dir irgendwie behilflich sein könnte.

    Lieben Gruß
    Simone

    P.S.: Dein Kleidervorschlag gefällt mir, ich befürchte nur, dass die Seide wohl zu steif ist und der Rock unschön abstippt…

  • Liebe Michou, nach zweimal drüber schlafen, würde ich das von dir vorgeschlagene Muster gerne mal “maschenproben” und damit sehr gerne deinen Vorschlag annehmen, mir den Mustersatz rauszuschreiben. Irgendwie geraten die Noppen doch gerade wieder aus meinem Blickfeld, morgen ist nen Spiel und das Schößchen ist fast fertig. Notstand! *g*

  • Simone:

    Ich könnte mir das gerade schön vorstellen – irgendwie festlich, wenn der Rock mehr Form erhält. Der Rock ist übrigens nicht so weit, wie die Bilder vermuten lassen.

    Meike:

    Ich melde mich nachher, ist deine Mail irgendwo zu finden? Genügt der Mustersatz auf Englisch oder soll ich lieber übersetzen? 🙂 Wird dir sicher gut stehen!

  • Ach die Farbe von dem Jäckchen ist ein Traum, zu ärgerlich, dass es bei der Form nicht Deinen Vorstellungen folgt und sich zu kurz und breit macht…. Wirklich schade! Ich stricke am liebsten mit Merinowolle, Baumwolle ist mir ebenfalls stets suspekt und dann queitscht sie manchemal über die Nadeln, das kann ich gar nicht haben 😉 LG Kuestensocke

  • Danke fuer heutigen Post und ‘mein Beileid fuer Deinen Aerger’.
    Dafuer logische Verkehrt-Denkweise dann also: BW dann wohl mehr fuer mich ‘Zeltling-Liebhaber’ geeignet ?! 😉

    Liebe Gruesse,
    Gerlinde

    PS: Dein ‘Australier’ wirft sogar alle meine bisherigen ‘Studien-ERgebnisse’ bezueglich ‘sudden flexibility’ ueber den Haufen = brilliant! 😀 ueber beide Ohren!

  • zu dem Material für das (niedliche, sic!) Jäckchen – ist das die neue französische Marke mit dem weißem Huftier? Ich habe schon lange überlegt die Wolle zu kaufen, aber mich nicht getraut, da bisherige Baumwoll-wollene Mischungen doch nie weich genug waren… Es ist schon ein Jammer, wenn man am liebsten (wie die meisten) mit Wolle strickt (je rauher umso besser eigentlich) aber nur Bauwolle und andere Pflanzen tragen kann. Schnief.

    Grüße
    Joanna unter Fußballfieber der restlichen Familie leidend … 😉

  • Joanna: Ja, das ist die Baumwolle von Cheval blanc – den Namen habe ich vergessen. Da der Kaschmiranteil bei 10% liegt, ist der Preis niedrig. Die Wolle fühlt sich superweich und zart an, aber bei leichtem Zu reißt der Faden – ist mir beim Anschlag passiert.
    Ich habe noch einen Rest hier, du kannst dann ja mal testen, bevor du sie kaufst 🙂 Freue mich schon!

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