Ein dicker Aktenordner ist das – mehrbändig!

Schön, dass ihr euch gestern so amüsiert habt. Schön, dass ihr mich so aufgemuntert habt. Schön, dass sich eines offenbar nicht geändert hat: das Thema “Mann” ist ein ebenso großes Verbindungselement zwischen uns Mädels wie es das Nähen oder Stricken (oder vielleicht gibt e noch mehr) sein kann.

Wann immer meine Freundin Viola und ich fassungslos vor den Aussprüchen und Taten diverser Herren und Herrchen in unserer näheren und ferneren Umgebung standen, sprach eine von uns die immer gültigen Worte: “Abheften! Kommt alles in den Ordner mit der Überschrift MÄNNER. Tsss …” Mit diesem Archivieren begannen wir um unseren 15. Geburtstag herum und mittlerweile könnten wir leicht eine kleinstädtische Bibliothek auf Rädern füllen. Ein besonders ausgiebiges Kapitel dürfte sicherlich “Der kranke Mann an sich und im Wandel seiner Jahrzehnte” sein. Ich gehe davon aus, dass eventuell vorhandene Wissenslücken von euch gefüllt werden könnten.

Miriam’s letzter Kommentar beispielsweise erinnert mich daran, wie meine Mutter sich tagelang stark erkältet zur Arbeit geschleppt hat und mein Vater dennoch abends als erstes nach Krümeln auf dem Fußboden suchte – Staubsaugen war seine Obsession. Ich gebe zu, dass er am Wochenende auch etwas hysterisch selbst saugte, aber ansonsten erwartete er krümelfreie Zonen auch außerhalb seiner Saugzeiten. Ich drifte wieder einmal ab, entschuldige mich aber dieses Mal nicht – wer von euch hier öfter liest, kennt das schon und weiß, in welche Gefahr sie sich begibt. Zurück zum kranken Mann.
An einem dieser elenden Arbeitstage ging es meiner Mutter dann so schlecht, dass sie freiwillig einen Arzt aufsuchte, der dann – leicht schockiert – eine doppelseitige Lungenentzündung diagnostizierte. Allerstrengste Bettruhe, sofort. Mein Vater, der an diesem Tag zu Hause war, sollte nun also zur Apotheke – was ihm aufgrund eines überfallartigen Kratzens im Hals sehr schwer fiel. Es dauerte nicht lange – also wir reden hier von Stunden – bis mein Vater offenbar im letzten Stadium eines jahrelangen Siechtums sich befand. Und sich neben meine Mutter ins Bett legte, um dort zu wimmern und zu jammern. Bis meine Mutter aufstand. Und sich selbst versorgte. Und meinen Vater. Jahrelang hat meine Mutter deswegen noch Gift und Galle gespuckt, wann immer das Thema auch nur im entferntesten gestreift wurde.

Mein Mann nun ist wieder einmal die Ausnahme – was sich erst einmal gut anhört. Als wir erst kurze Zeit zusammen lebten, erwischte es ihn zweimal hintereinander sehr heftig: gräßliche Halsschmerzen, keine Stimme, brennende Augen, triefende Nase, Schüttelfrost, Schwindel – und das alles im sehr heißen Frühsommer. Fünf Tage lag er im Bett, drei davon war ich bei der Arbeit, zwei konnte ich komplett versorgen. Damals war ich noch ein sehr fürsorglicher Pflegedienst, aber das hat er mir in den letzen Jahren ausgetrieben. Damals aber durfte ich ihn ins Bett schicken, im leckere, gesunde Dinge kochen, Bananensmoothies servieren, Massagen verabreichen, Medikamente besorgen. Jeder Anweisung hat er brav Folge geleistet und war glücklich dabei. Dann kamen die Kinder und das Haus und seitdem ist mein Mann ein ganzer Kerl: zum Arzt geht er nur, wenn eine Erkrankung sich gar nicht verabschieden will. Selbige wird über Wochen vor mir geheim gehalten, um mir dann auf die Frage, warum er denn einen Arzttermin gehabt habe, die beleidigte Auskunft zu erhalten, dass es ihm ja schon seit Monaten schlecht ginge. Böse Frau, die das nicht merkt … wann immer ich aber anmerke, er sähe nicht wohl aus, weist er das weit von sich.
Steckt ihn irgendein Arzt nun in Quaräntäne und jammert der Gatte dazu noch über Kopfschmerzen und Müdigkeit, so gehe ich also hin und bereite sein Schlafzimmer vor: Nochmal gründlich lüften, Bett aufdecken, Schlafklamotten raus, Wasserflasche ans Bett, Tee gemacht, frage, ob er in die Wanne oder in die Sauna (je nach Krankheit) möchte und was ich ihm denn wohl Feines kochen dürfe. Die Antwort lautet seit Jahren kurz gefasst dahingehend, dass ich ihm nicht vorschreiben solle, was er zu tun und zu lassen hätte. Gut. Dann eben nicht. Geht er daraufhin aber dennoch lieb ins Bett und bedankt sich artig für seinen Tee, so lasse ich das gelten und verwöhne ihn.
Tut er das aber nicht, dann lasse ich ihn mittlerweile verrotten, bis er unter Stöhnen in die Küche hinunter und sich mit vorwurfsvoller Mine seinen Tee selber bereitet. Böse, nicht?

Ein weiteres Kapitel scheint das Gemeinsam-im-Haus-Zeit-verbringen zu sein: wir haben sie ja lieb, aber offenbar haben wir sie lieber, wenn sie nicht Reichweite unserer Füße sind. Als ich gestern eure Kommentare las, kristallisierte sich das doch recht deutlich heraus. Dabei fiel mir sofort einer der besten Filme zu dem Thema (und überhaupt) ein: dieses Wochenende werde ich unbedingt noch einmal Pappa ante Portas sehen müssen. An einer Stelle spaziert Frau Lohse (Evelyn Hamann) mit ihrer Freunde durch den Park und lässt sich darüber aus, wie anstrengend und nervend die ständige Anwesenheit Herrn Lohses im Hause ist. Ihre Freundin bemerkt daraufhin – leicht verwundert -, dass sie sich doch aber immer beschwert habe, dass er nie zu Hause sei. Frau Lohse flippt aus, mit kicksender Stimme: “Da wusste ich ja auch noch nicht, wie es ist, WENN er zu Hause ist!”



3 thoughts on “Ein dicker Aktenordner ist das – mehrbändig!”

  • Haha, sehr gut. Das gute/schlimme an meinem Liebelein ist, dass er NIE wegen dem Haushalt meckert. Ich bin diejenige, der es nie ordentlich genug ist, er freut sich, wenn es sehr sauber ist, aber wenn nicht, auch gut. Seufz… An sich ja gut, aber wenn er ab und an mal tatkräftig mithelfen würde, es sauber zu halten, wärs noch besser. Immerhin hab ich ihn zum Staubsaugen gebracht, dass hass ich glaub ich am meisten.

    Hihi, das war auch so eine Story: als unser Staubsauger kaputt gegangen ist, wollte er mir ungedingt eine ganz tollen kaufen. Hat dann lang rumgesucht, ich hab derweil mit unserem Industriesauger für die Werkstatt gesaugt. Dann hat er einen gebrauchten Kobold gefunden, die sind gut, die saugen auch auf Parkett ganz toll. An sich ja fein, aber das Ding ist dermaßen schwer, dass es mir schon graust, wenn ich es hervorholen soll. Und es zieht sich nicht gut und überhaupt, irgendwie mag ich ihn nicht. Als ich das mal vorsichtig angebracht hat, wurde ich der Undankbarkeit geziehen. Als ER dann angefangen hat, mich im Haushalt zu entlasten (haha!), meckert er jedes Mal über den Sauger… 🙂

  • So sind sie die Männer 😉
    Aber es ist schon richtig – kranke Männer gehen gar nicht. Also ich meine, so “halb” krank mit Grippe oder etwas ähnlichem.
    Meiner hatte sich letzten Sommer verhoben und es dann doch mal im Dezember geschafft einen Arzt aufzusuchen, weil der Leidensdruck dann doch zu hoch war.
    Ich liebe den Film übrigens – mein Gemahl aber auch. Der hat es schon gebracht, in unseren Baustoffhandel am Ort zugehen und zu sagen “mein Name ist Larmann und ich kaufe hier ein” ! Die blöden Blicke kannst Du Dir vorstellen 🙂

  • Ich liiiiiieeebe Papa ante Portas und mußte in der letzten Zeit öfter daran denken.
    Mein Mann war jetzt nach einer OP 4 Wochen zuhause und durfte zu Anfang nicht schwer heben. Trotzdem wollte er sich nützlich machen … und half mir dann im Haushalt mit so nützlichen Tätigkeiten wie: Spülmaschine wieder ausräumen und mit der Hand abwaschen oder Holz im Ofen nochmal umschichten oder mich beim Großeinkauf beraten (etwas, was ich normalerweise in 45Minuten erledigt hätte wurde so zum VormittagsProjekt). Heute hat er seinen ersten Arbeitstag und ab Montag werde ich wohl die Kinder wieder selbst in den KiGa bringen müssen … auch blöd ;o)

    LG Christel

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