Ein schöner Tag für Datenschutz

Die Sonne scheint, der Himmel ist so blau wie die Bäume grün und warm ist es auch. Herrlich. Und nachdem wir uns alle wieder ein wenig entspannt haben, könnten wir diesen Tag genießen. Oder mal kurz darüber nachdenken, wofür wir unsere Energie nutzbringend für alle einsetzen könnten.

Das Wort Datenschutz ist mehr als einmal gefallen und da wäre es ein leichtes, auf etwas viel Wichtigeres überzuleiten: auf die bestehende Impressumspflicht. Die sicher den meisten von uns nicht gefällt, von der viele vielleicht nichts wissen oder wissen wollen. Grundsätzlich bräuchte ich als private Tagebuchschreiberin ohne Dawandashop oder Werbelinks kein Impressum. Das Problem ist, dass privat nur in engen Grenzen privat ist: was ich schreibe, müsste privat sein und zwar so, dass es keine Öffentlichkeit interessiert oder schon gar nicht jemand etwas dadurch lernt. Sowieso dürfte ich nur von einem sehr kleinen Kreis enger Freunde und Verwandter gelesen werden – was nur durch eine Passwortsicherung des Blogs gewährleistet sein würde.

Wie immer, wenn es in die Juristerei geht, wird es schwammig, nebulös und am Ende abhängig sein von der Entscheidung anderer. Und wie immer, wenn irgendwo mühelos Geld zu machen ist, wird es Menschen geben, die das auch tun. Was heißt: du führst einen Blog, du führst ihn geschäftsmässig, du hast kein Impressum, du wirst abgemahnt und zahlst Strafe.
Geschäftsmäßig – ja, da lehne ich mich zurück und fühle mich entspannt: ich lasse keine Werbung zu, ich verkaufe nichts, ich bekomme kein Geld, zahle sogar dafür, es ist mein Hobby – Geschäfte sehen anders aus. Aber wieder einmal: wie immer in der Juristerei bedeutet das Wort nicht das, wonach es klingt. Geschäftsmäßig wird es wohl schon dann, wenn du regelmäßig über Monate oder Jahre hinweg postest. Wenn du dabei zur Meinungsbildung beiträgst. Dass deine Leserinnen sich über so ziemlich alles eine Meinung bilden können, ist klar. Und wenn du zu den “nützlichen” Mitgliedern unserer Blogosphäre zählst – also Anleitungen und Erklärungen anbietest – ja, dann bist du geschäftsmäßig unterwegs. Wenn du gar zum Zeitgeschehen deine Ansicht notierst oder andere zum Mitstricken aufforderst, dann brauchst du ein Impressum.

Bislang sind die allermeisten Blogs ja eher unbemerkt von der Öffentlichkeit gefahren – fast alle Blogs sind in Nischen angesiedelt, die andere außerhalb dieser Nischen gar nicht wahrnehmen – wie gesagt, ich denke schon, dass es Fliegenfischerblogs gibt und nur die Tatsache, dass ich keinen kenne, eliminiert sie nicht. Wenn aber Zeitschriften wie Brigitte sich aus Blogs bedienen und dorthin weisen, wenn die Blogs untereinander linken, dann mag es nur eine Frage der Zeit sein, bis ein Teil der Öffentlichkeit – die Abmahner – vor der Türe stehen.

Und da stellen sich zwei Fragen: wie wohl fühle ich mich, wenn diese Daten in meinem Blog stehen – nicht meine Nase, meine Hausnummer! – und weshalb mangelt es da an Aufschrei und Bewegung in Bloggerkreisen? Ich habe mein Impressum nun eingesetzt, wohne ja mit drei starken und äußerst kampferprobten Männern und zwei Tigern, aber glücklich bin ich damit nicht. Ich bin keine Fahnenvoranträgerin, ein Job, der mich nie interessiert hat, aber vielleicht findet sich jemand, der den Kampf aufnehmen mag? Wer nur eine Privatadresse hat, an der Kind und Katze und Kegel wohnen, sollte nicht gezwungen werden, diese bekannt zu geben, zumal unsere Regierung bzw. deren Behörden ja auch gerne einmal darauf hinweisen, wie vorsichtig man sein solle. Wieder einmal eine unmögliche Situation, in der man alleine da steht und es nur falsch machen kann. Wer sich nun also berufen fühlt, die Blogger Deutschlands anzuführen, der möge bitte laut hier schreien und ich schare mich gerne um ihn 🙂

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12 thoughts on “Ein schöner Tag für Datenschutz”

  • ich glaube da haben wir keine Wahl – entweder man ist im Internet präsent und zwar mit Impressum, oder man lässt ganz die Finger davon. Es ist meines Erachtens utopisch zu glauben, dass man das Netz nutzen kann ohne zum transparentem User zu werden. Sobald man in WWW einen Fuß setzt ist Schluss mit Anonymität. Etliche Erfahrungen haben es mir gezeigt (unterschiedliche Maschinen, unterschiedliche Netze und dennoch wusste eine Suchmaschine wonach ich zum letzten mal gesucht habe z.B. – und ich nutze Netz nicht sehr extensiv, aber eben zum Einkaufen, das reicht schon). Ich will da gar keine Illusionen haben, bei diversen Konzernen weiß man längst mehr über mich als mir lieb ist. Sollte ich irgendwann dass satt haben – oder sollte das meine Familie in Gefahr bringen, werde ich das Netz verlassen, konsequent aber nicht komplett, weil viele von meinen Fußspuren nicht mehr mir gehören.
    Ich habe viele negative Erfahrungen im Netz gemacht – aber auch viele Positive. Im Moment überwiegt das positive, kann sich aber ändern. Ich habe da ganz pragmatische Einstellung. Auch zum Impressum – da ich bereits einmal (aus anderen, ebenfalls umstrittenen, Gründen) abgemahnt wurde, habe ich keine Lust ein Monatsgehalt so zu verspielen – was für andere leicht verdientes Geld ist.
    Das Datenschutz nicht viel Wert ist zeigt auch das Skandalöse Melde-Gesetz welches unser (hm, Euer, ich bezahle es zwar, darf aber nicht wählen) Parlament ohne Probleme und ohne Bedenken “geschluckt” hatte …

    • Du hast recht wie immer – ätzend, oder? Nicht das Rechthaben, sondern die Situation. Denn wenn doch mal was geschehen sollte, wird sich unser /mein Staat auf die Position zurück ziehen, wir seien selber schuld.

  • Ja, ich bin auch mal gespannt, wie sich das noch entwickelt.
    Ein ganz schwieriges Thema.
    Da beißt sich die Katze in den Schwanz: ist es ein/e BlogbetreiberIn die sich dafür öffentlich einsetzt, kein Impressum haben zu müssen, braucht sie spätestens mit diesem Anliegen eines! Argh.
    Hier gilt vermutlich nur, das es viele verschiedene Arten gibt, etwas falsch zu machen.

    • Ja, stimmt, den Aspekt hatte ich noch gar nicht auf dem Plan – es bleibt dabei und verdoppelt sich: was man auch tut, es kann nur falsch sein. Wie beruhigend … oder sagt man da einfach mal: Mist, verdammter??

  • liebe Andrea, vor einigen Jahren – ziemlich am Anfang meines Blogzeitalters – ging die Diskussion in vielen blogs schon einmal um Impressum – Pflicht oder Zwang? Ich habe mich damals dafür entschieden, Ort, STraße, Hausnummer. Merkwürdigerweise wird die Adresse kaum wahrgenommen, denn als ich kürzlich einen Schnitt nach meinem Suchlauf zum Pausen bekam, wurde ich per mail nach der Adresse gefragt.
    Offenbar werde ich an der Adresse doch weniger erkannt als (wie ich es jedenfalls fürchte) an der Nase, oder anders gesagt: überzeugt bin ich durch positive Erfahrung – so wie du mit den “Oben-Mit”-Bildern.
    lieben Gruß, Friederike

  • Liebe Friederike, das tut gut zu hören, denn so recht wohl fühlt man sich ja erst mal nicht damit, oder? Ich habe die Tage dann auch mal diverse Blogs durchsucht und war erstaunt, wo doch eines steht und wo vielleicht dringend eines stehen sollte.
    Aber das Thema wird von den meisten Bloggern einfach negiert, was ich für nicht sehr klug halte; es gibt mittlerweile genügend Beispiele von Bloggern, die sehr empfindlich bestraft wurden und das ist es nicht wert.

    Dass du da jetzt Mut machst und sagst, ich lebe noch und das so gut wie zuvor: Danke 🙂 Fühle mich gleich wohler.

    • Ich kann deine Bedenken gut verstehen.
      Ging mir nämlich auch so. Für meine ganz private Blogseite die Adresse einstellen, hui, da habe ich mich schwer getan. Geschäftlich ist das was anderes.
      Es ging bestimmt eine Woche, bis ich mich dazu entschlossen hatte. Ich hatte mich mit Familie und Freunde besprochen und auch von Tochter und Freund deren Interneterfahrung erfragt. Die sichere Seite war mir schließlich wichtiger, denn wenn man um die Abmahn-Gefahr weiß, kann man sie kaum noch verdrängen oder ignorieren, es bleibt ein nagendes ungutes GEfühl. Die Alternative für mich damals hieß aufhören. Nur: das wollte ich auch nicht. Und dann hab ich die Adresse in ein Bild eingebaut und unter die Posts gestellt – und keiner merkt’s, aber es ist da!!!
      nur Mut – du wirst dich gewöhnen – so wie ich mich ganz allmählich an Bilder von mir im Internet gewöhne: zunächst mit “ohne Kopf”, dann mit Kopf und ein Blättchen drüber und zwischendurch immer mal wieder ein unzensiertes Bild. Es ist ein langwieriger Prozess und ich hätte gerne heute – heute hätte ich Zeit gehabt dafür!! – einen Kommentar aus der Sicht einer Sichgewöhnenden geschrieben. Aber irgendwie funktioniert die KOmmentarfunktion bei diesem Post nicht (mehr).
      lieben Gruß, Friederike

  • Ja, werde ich auch. Gerade vorhin hatte ich mich mit einer Freundin noch darüber unterhalten, wie Anonymität heute zu einem solchen Wert werden konnte, wo doch das Wort “anonym” immer einen unguten Beigeschmack hatte – meist fällt/fiel das Wort doch mit Erpressern, Denunzianten, Spannern und Verrätern. Und nun bilden wir uns ein, es sei unser höchstes Gut. Unser höchstes Gut ist doch eigentlich, dass wir unsere Meinung offen und ehrlich sagen können – auch mit Impressum. Aber ich bin dennoch sehr froh, dass du mir da den Rücken stärkst 🙂

    Ja, die Kommentarfunktion hatte ich gestern abend geschlossen, weil ich annahm, es sei jetzt alles gesagt, abern wenn du was loswerden magst, mache ich gerne für dich noch mal auf. Deine Sicht interessiert mich sehr.

  • Ja scheisse du hast recht!
    Dieses Impressums-Thema geistert auch bei mir immer wieder durch die Gedanken und immer wieder weiss ich nicht…
    Weder will ich abgemahnt werden, noch will ich, das irgendwer schnell nachschlagen kann: achso die Katze die wohnt in der pusselmuckelstrasse 7 in Berlin. Geh ich da dochmal vorbei und sag der, was ich von ihr halte.
    Nö.
    Da muss sich wirklich dringend was tun.

    • Aber die Frage ist, wer tut was? Wenn du dann mal danach googlest, dann stellst du fest, dass das Thema nur da auftaucht, wo diese Regelung zwar vielleicht nicht geliebt, aber auch nicht in Frage gestellt wird. Immer wieder erzählt dann auch ein Blogger, er habe eine saftige Strafe zahlen müssen, während andere berichten, sie hätten in all den Jahren noch keinerlei Probleme gehabt.
      Letztendlich beruhige ich mich auch damit, dass eigentlich jeder anhand deiner Internetpräsenz über die denic.de deinen Namen und deine Anschrift in zehn Sekunden haben kann. Ich habe das gerade mal mit meinen Daten gemacht und musst einfach nur versichern, ich habe ein berechtigtes Interesse an diesen Daten – das ist ein Klick auf ein Pünktchen und ein Klick auf absenden und da stehe ich schon.
      Ich weiß nicht, ob das bei gehosteten Blogs genau so ist, aber wer an die Daten will, braucht letztendlich nur deinem Anbieter gegenüber zu behaupten, er habe das Recht dazu – und wenn es ein Anwalt ist, springen die eh sofort. Es ist also nicht nur die Impressumspflicht an sich, die ich arg finden, sondern auch die Leichtigkeit, mit der ich an alles heran kommen kann. Aber jetzt gehe ich mir erst mal deinen Blog anschauen 🙂

  • ich hätte die Rechtslage auch lieber anders, aber da es momentan so ist wie es ist, habe ich – fürchte ich – keine große Wahl. Über Veränderungen kann unabhängig nachgedacht werden, aber hoffen, dass irgendwer irgendwann irgendetwas tut, darauf vertrauen und abwarten halte ich für gewagt.
    Ich schreib – durch das Lesen hier angeregt – grad einen post übers Impressum – 5 Jahre leben “mit” – was ist geschehen? Jedenfalls stand noch niemand an der Haustür und hat mir seine Meinung gesagt – anonym über Kommentare lässt sich so etwas letztlich viel leichter erledigen – da braucht niemand seine Identität preiszugeben.
    Gruß, Friederike

    • Ja, genau – um an die Haustür zu kommen, müsste man sich ja zeigen. Und das wird vielen weniger gefallen, als schnell unsichtbar etwas per Kommentar zu erledigen.
      Finde ich gut, dass du auch noch mal darauf hinweisen willst – wenn wir es nicht ändern können, dann machen wir eben das beste daraus.

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