Ein versuchter Ausflug in die Zwanziger Jahre

Seit ich mit Emma begonnen habe, denke ich darüber nach, mich passend zu kleiden. Ein oder zwei Versuche gab es mit Originalanleitung, doch sehr ich mir meinen – gar nicht sooo sichtbaren – Busen kleinreden mag, er hat diese Versuche gnadenlos torpediert. Ohne Abnäher hatte ich es nicht hinbekommen, etwas Authentisches zu schaffen; ich meine, irgendwo im Blog habe ich vor drei oder vier Jahren mal einen solchen nach Originalangaben konstruierten Grundschnitt gezeigt: Oberweite passte nicht klaglos hinein, aber bis drei Tage vor der Geburt hätte ich das Ding gut tragen können.

Mittlerweile fehlt mir die Zeit, mich auf solche Experimente einzulassen, und auch jetzt sitze ich auf heißen Kohlen, weil ich nicht bloggen, sondern arbeiten sollte. Vor allem sollte ich mich auch mal wieder mehr bewegen und weniger Süßkram in mich hinein stopfen; ich bin nämlich mit dem wechselsjahrsgeplagten, mittig-vollem Ergebniskörper nicht glücklich. Jaja, ich weiß, das überkommt mich regelmäßig ein- oder zweimal im Jahr, diese Unzufriedenheit und das Leiden an sich selbst und den Äußerlichkeiten. Aber es kommt eben hinzu, dass mit viel Bauch und Hüfte das Sitzen nicht unbedingt bequemer wird, wenn das Bindegewebe weniger straff ist als früher: Da schneidet der im Stehen lockere Bund nämlich gerne ein und Kleider schieben sich bis unter die Brust hoch. Sehr unangenehm. Was mir im Stehen und Laufen passt, tut es im Sitzen schon lange nicht mehr. Tja, nun – das zeigt sich auch in den Bildern …

 

 

Konstruiert ist das Kleid nach dem Bunkagrundschnitt, der Rockteil ist ein in passende Falten gelegtes Rechteck. Die Weite für die Brust habe ich in Teilungsnähten versteckt, aber um wirklich einen Zwanziger-Look zu erzielen, hätte ich auf die leichte Taillierung auch noch verzichten sollen, denn trotz der Zugabe von 16 cm in der Taille wirkt es doch noch figurnah. Was – ähem – eben doch auch an meinen veränderten Maßen liegen kann.

 

 

Allzu gerne würde ich dieses Kleid ja ein tragbares Probemodell nennen, aber der Stoff lässt das nicht zu. Ich schrieb ja neulich bereits, dass Stoffkauf analog kaum noch möglich ist und ich mich deshalb wider besseres Wissen von einem Polyesther-Crêpe zur Mitnahme überreden ließ. Ich hasse ihn. Sehr. Das einzig gute, was ich über ihn sagen kann: Das Kleid ist frischgewaschen und ungebügelt. Es wird allerdings auch ungetragen bleiben, denn es reichen ein Schritt und anderthalb Sekunden und der Rock klebt. Bah!

 

 

Nun ist es aber trotz meines persönlichen Unwohlsein in diesem Kleid so, dass ich mir im Sommer – so ich diese zwei Kilo loswerde – durchaus vorstellen kann, den Schnitt für einen guten Stoff zu verwenden. Wenn es heiß ist, ist ein Kleid mit Taillierung doch eher unangenehm, während dies hier Luft an die Haut lässt. Sollte Motivation genug sein, gleich nicht rückfällig zu werden und keine Schokolade zu kaufen, die ich im Grunde nicht einmal mag. Wie konnte das geschehen? Kuchen und Schokolade mochte ich nie, doch seit ich schreibe, stopfe ich letzteres ständig in mich hinein. Saublöd, wirklich.

 

 

Ha, der Auslöser musste mich erwischen, als ich mit meiner Shimmy-Einlage fast zu Ende war. Aber hey, so übel ist mir von all der Schoki, das will mir das Bild wohl sagen. Wie auch immer, nächste Woche wird hoffentlich wieder genäht, bin arg im Rückstand mit ALLEM, was ich in dieser Woche vorhatte – eine neue Software kam mir dazwischen, die ich unbedingt haben und gut kennenlernen musste.

Und wie immer, wenn ich etwas zu zeigen habe am passenden Tag, trage ich mich bei sew làlà und der Nähfröschin ein.

 

 

 

 



13 thoughts on “Ein versuchter Ausflug in die Zwanziger Jahre”

  • Ich finde das Kleid wunderschön an Dir. Es betont die Kurven auf sehr weibliche Weise und bewahrt dabei eine ausgewogene Proportion. In meinen Augen ist das tailliert, selbst wenn es sich für Dich nicht so knapp am Körper anfühlt wie es auch noch möglich wäre. Wunderbar. Und das zarte Blau unterstreicht den femininen, frühlingshaften Eindruck. Trage das Kleid, unbedingt!
    Gegen das Kleben ist ein Kraut gewachsen: Weichspülmittel. Ich nehme an, es legt einen leichten Film um die Faser, wahrscheinlich aus einer quasi öligen Substanz, und Kleben und Knistern verschwinden. Mn muss es halt bei jeder Wäsche wiederholen.
    Viele Grüße
    Ursula

    • Werde ich mal testen mit dem Weichspüler, aber zur Zeit fühle ich mich wirklich extrem unwohl darin – sowohl körperlich als auch stöfflich 😀
      Danke dir für die lieben Worte!

  • Ja, ich pflichte Ursula bei – falls der (umweltunfreundliche) Weichspüler helfen sollte den (umweltunfreundlichen) Crepé tragbarer machen, sollst du das unbedingt tun. Ich mag das Kleid an dir ebenfalls, es wirkt so beschwingt und fröhlich. Liegt wahrscheinlich auch an dem schönen Blau.
    (wegen Weichspüler, ich überlege ob das auch eine Methode wäre für meine sehr hübsche umweltunfreundliche polyester Jogginghose … hmmm)
    Das mit der Schokolade kenne ich irgendwohin und Chips, die mag ich eigentlich noch weniger als Schokolade, aber …
    Wenn hier alle wieder fit sind melde ich mich wegen Treffen wieder …

    • Ja, versuchen könnte ich es wohl, aber eigentlich bin ich wirklich nicht sicher, ob ich es so sehr mag, um deswegen Weichspüler zu kaufen, den ich noch nie im Haus hatte. Was fange ich mit dem Rest an? Grübel …
      Und melde dich bitte unbedingt und werde bald gesund <3

  • Ich kann mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen, Das Kleid sieht zauberhaft aus und der zarte Farbton ist sehr schön und das Kleid hätte nicht so eine Wirkung, wenn der Inhalt nicht stimmen würde, : ).
    Aber ich kann dich gut verstehen, die Wechseljahresmalässen sind mal mehr oder weniger erträglich und wer kennt die Phasen nicht, in denen man sich in seiner Haut, aus welchen Gründen auch immer, nicht wohlfühlt. Aber zum Glück wendet sich das Blatt auch wieder; ich vertraue da ganz auf dich.
    Herzliche Grüße von Susanne

    • Das stimmt allerdings, es kommen immer auch wieder die guten Tage. Bin wahrscheinlich zur Zeit besonders trüb, weil ich wieder einmal dachte, ich sei endlich frei von der Malesse, aber nach zwei Monaten Abwesenheit spüre ich, es geht wieder los. Da kann man ja trübsinnig werden 🙁
      Dass es heute regnet und grau und grau ist, finde ich dagegen erstaunlich wohltuend 😀
      Danke dir, du Beste!

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