Eine schlechte Woche, viel zu lernen und neue Einsichten

Zunächst einmal: das hier kann lang werden, denn ich habe eine miese Woche hinter mir. Meine beiden Jungs haben mich durch die Hölle geschickt und noch kann ich den Himmel nur von weitem erahnen. Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der gerne alleine ist und das auch braucht. Genau das ist mit einem Zwei- und einem knapp Vierjährigen selten möglich und wenn, dann wird diese Zeit mit Hausarbeit verbracht (Merken: Tu das nicht mehr!). Aber in den letzten Tage war ich nicht nur nicht einmal alleine, sondern musste auch im Zehnminutentakt – und das ist nicht übertrieben! – beide voneinander trennen, trösten, wegtragen und verpflastern. Nur einmal die Stunde musste ich Joghurt, Milch, Orangensaft, Schokolade, Buntstiftschraffuren, Klebespuren oder sonstige Dinge wegwischen. In den neunminütigen Pausen wurde nicht geschlagen, aber geschrieen, gebrüllt und geheult … Seit Montag letzter Woche habe ich Kopfschmerzen, die mich je nachdem dazu bringen, ebenfalls über mehrere Straßenzüge hinweg zu schreien oder verzweifelt in die Zimmerecke zu sinken und zu weinen. Beides hilft bei Kopfschmerzen nicht. (Merken: Ganz ruhig …)

Je stärker das Gefühl ist, kurzzeitig im falschen Universum fest zu sitzen, umso mehr versuche ich Dinge für mich zu tun. Da wäre ja Rock No. 1 … Eigentlich fehlt hier nur noch der Saum, der mit der Hand befestigt werden soll. darauf hatte ich nur mäßige Lust, nicht zuletzt, weil dieses erste Stück alles andere als perfekt ist (Merken: Perfektion passt nicht zu dir – aber strenge dich ruhig mal mehr an!). Auf dem Bild unten kann man den Hauptfehler schön sehen: der Bund hinten ist links und rechts nicht auf der selben Höhe. Ich war so damit beschäftigt, ihn gleichmäßig anzuheften, dass ich gar nicht darauf geachtet habe, dass die Nahtzugabe auf den linken hinteren Hälfte größer war. Da ist nun also eine unschöne Ecke drin. Aber eigentlich nicht so dramatisch: hier soll noch ein schmaler Gürtel hin, wenn ich denn nur erst einmal einen finden könnte.

Das zweite Problem bei diesem Rock ist der hohe Formbund, der vorne in der Mitte etwas absteht – ich würde diesen Rock noch einmal nähen und bis dahin sollte ich wissen, wie ich den Schnitt ändern muss, damit es passt. Wer es weiß, darf mir gerne helfen 🙂 Für diesen Rock heißt das: ich muss eine etwas weiter geschnittene Bluse finden, dann sähe es gut aus. Mit einem T-Shirt oder einem Pulli ist dieses Manko zu offensichtlich.

Da ich aber so schön drin war, habe ich letzten Freitag mit einem zweiten Rock begonnen; die Anleitung dazu seht ihr ebenfalls auf dem Bild. Im Grunde genommen sollte dieser Rock noch leichter zu nähen sein als der Erste. In der BurdaEasy-Anleitung hat man mir sehr selbstverständlich Reißverschluss, Formbund, Abnäher und Knopfloch zugetraut, bei der Vogue verzichtete man auf Abnäher und Knopflöcher. Tja …

Ich habe einen schönen Stoff gefunden – das Bild stimmt mal wieder nicht, denn die Farbe ist kein graulila, sondern ein sehr helles türkis; das Material ein Wollstretch, leider ein wenig transparenter als noch im Geschäft gedacht. Aber das eigentliche Problem ist mein Bauchgefühl, auf das ich nicht hören mochte. Dieser Rock soll ganze 58cm lang werden – gar nichts für mich, denn meine Röcke müssen mindestens 63cm mitbringen, besser noch etwas mehr. aber als ungeübte Schneiderin habe ich es nicht gewagt, das Schnittmuster durch zu schneiden, um es zu verlängern – das schien mir doch zu gewagt. Dummer Fehler …
Der weite Fehler, denn ich ebenfalls hätte vermeiden können, wenn ich denn nur auf meine innere Stimme gehört hätte: dieser Rock ist einfach gerade. Nicht eingestellt, nicht ausgestellt. Und endet überm Knie. Darin sehe ich entsetzlich aus – spießig, altmodisch, figurlos und was immer noch. Das weiß ich nun, da ich nur noch Reißverschluss, Bund und Saum zu arbeiten hätte. Ich werde diesen Rock nicht beenden, überlege aber, mir diesen Stoff noch einmal zu besorgen, weil ich das perfekte Garn und den perfekten Reißverschluss dazu habe – was meint ihr? Zweiter Versuch mit diesem Stöffchen?

Was mir allerdings gefällt: Die Bahnen sehen an meiner Rückseite ganz gut aus und auch die sichtbaren Nähte – die ich etwas verwackelt habe – mag ich leiden. Aber die negativen Seiten überwiegen.

Erinnert ihr euch noch an meine Strickregeln? Es wird Zeit für ein vorläufiges Nähäquivalent!

  1. Keine Raglanpullover mehr!
    Das lässt sich auch auf Schnittmuster übertragen. Hände weg.
  2. Kein Schwarz mehr!
    Da könnte ich eine Ausnahme für Unterteile machen …
  3. Bilder und Anleitungen immer kritisch ansehen, durchlesen und bedenken!
  4. Jahaa! Das gilt nicht nur für Strickanleitungen – hätte ich mir das Bild auf dem Voguepattern genauer betrachtet, so hätte ich nicht begonnen.

  5. Nicht weiter stricken, wenn ich mich vor Müdigkeit kaum noch halten kann!
    Gilt für’s Nähen erst recht.
  6. Keine Sachen mehr anfangen, die nur „irgendwie“ nett sind!
    Das sollte ich mir hinter die Ohren schreiben.
  7. Keine geraden Röcke auswählen und auf die richtige Länge achten!
    Würde ich den Rock auch kaufen? Wenn nein, muss ich ihn auch nicht nähen.

Im Augenblick bin ich mir nicht sicher, ob ich das Nähen jemals lernen werde – wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr euch richtig sicher gefühlt habt?



4 thoughts on “Eine schlechte Woche, viel zu lernen und neue Einsichten”

  • TITLE:
    Da hast Du ja den super Stress hinter Dir. Da hilft nur tief durchatmen.
    Was das nähen anbelangt, ist es wie mit vielen Dingen. Es hilft nur üben und auch mal Rückschläge, sprich vermurkste Sachen in Kauf nehmen.
    Nur nicht den Mut verlieren !!!

    LG Eva

  • TITLE:
    Erst mal ein *Trostkeks* für dich ((drück))

    Die ersten genähten Teile werden nicht perfekt, das ist völlig normal. Aber es wird schnell besser!

    Wenn dir der Stoff für den Rock gut gefällt, dann hol dir einfach nochmal davon!

    Deine Regeln finde ich eine gute Idee. Vor allem der letzte Satz…. Man muß sich auch nicht sklavisch an ein Schnittmuster halten. Gerade bei der “Form” (also gerade, ausgestellt…) sollte man vorher überlegen ob es einem steht. Mir stehen zum Beispiel keine schmalen Hosen. Es ist sogar vorteilhaft, wenn die Hosen einen leichten Schlag haben; so leicht daß man ihn optisch nicht sieht, aber die Hose eben besser wirkt als ganz gerade. Und so eine Änderung kann man an jedem Schnitt machen…

    LG Steffi

  • TITLE: o je!
    mit den Jungs – das geht vorbei (und kommt wieder, und geht wieder vorbei *klugscheiss*), aber es ist sehr anstrengend und ich bewundere dass Du dabei noch Zeit für Handarbeiten findest! Ich wünsche Dir viel Kraft und drücke Dich ganz stark (wäre schön wenn das helfen konnte …)

    Mit dem Nähen – also bei mir hat es bestimmt 10 Jahre gedauert bis ich eingiermassen zufrieden mit meinen “Produkten” war. Was nicht heisst das ich diese ungelungenen nicht getragen habe – habe ich wohl. Aber wenn ich heute sehe wie ich damals die Nähte versäubert habe kriege ich Bauchschmerzen ….

  • TITLE:
    …solche Tage/ Wochen kenne ich auch….
    Kopf hoch und weitermachen!
    Ich nähe seit über 20 Jahren und ab und zu produziere ich noch immer Sachen, die ich NICHT tragen kann….
    LG
    Susan

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