Emma Peels Nachschlag

Ja, es ist nicht neu: ich neige zu einer Besessenheit, die nervtötend sein kann. Wenn ich auch vieles schleifen lassen kann, wenn ich etwas hinbekommen WILL, dann lasse ich nicht los. Eigentlich hätte ich anderes zu tun: Wäsche falten beispielsweise und Mittagessen kochen und so. Aber da ich heute abend noch im Studio arbeite, mag ich all das Profane eh nicht erledigen – wie soll ich mich auf Schönheit konzentrieren, wenn ich zuvor noch in den Niederungen des Alltags gefangen war? Logisch? Und wie!

Leider bin ich dafür in den Niederungen von Passform und Konstruktion verhakt … grübelgrübelgrübelgrübel …argh! Aber ah! Gymnastikanzug: gehste halt mal vormittags in den Sportkeller (bringt zwar eh nix, seit ich wieder fleißig bin, habe ich viel mehr Bauch, ach, alles doof!) und bewegst dich ein Weilchen. Habe ich brav getan, natürlich ohne das Rattern dabei abzustellen. Als ich dann auf dem Boden lag, die Knie angezogen, eingepfercht in des Gatten Bauchtrainingszusatzgerät, Minusch dabei auf meinem Bauch liegend, ihre Pfoten auf meiner Nase, kam mir das erste Mal in all den Jahren der Gedanke, dass ich ja eigentlich alles ganz anders machen könnte. Ich entspreche nicht der Konfektionsnorm – zu viel Oberweite, zu schmaler Rücken, zu schmale Taille, zu hohe und zu breite Hüfte, zu wenig Hinter, zu lange und zu schmale Arme etc. – und ich entspreche nicht der Modenorm. Weshalb eigentlich muss ich mich dann an die Grundschnittnorm halten? Also nicht an die Regeln, wo kommt was hin und was weg, um diese oder jene Falte oder Weite zu entfernen. Sondern schlicht: Oberteil geht bis zur Taille, Unterteil auch?

Seit Jahren also suche ich nun schon meine Taille: mit Gummibändern, mit Maßbändern, anhand von Falten, Zügen, Überlappungen. Alleine, mit anderen, im RL und online, vor dem Spiegeln und mit Bildern und immer, immer führte es zu dem gleichen Jojo: Rücken zu lang, Rücken zu kurz, Rock zu weit, Rock zu eng. Denn ein zweiteiliger Grundschnitt wird ja über eine Taillennaht, die – Wunder über Wunder – in der Taille sitzt, verbunden. Von da ausgehend kann der Schnitt dann nach Belieben verändert werden.
ABER: ich trage meine Röcke ja nie in der Taille, das sieht einfach nicht schön aus; meine Hüfte fängt direkt darunter an und eine optische Trennlinie genau dort betont das zu sehr. Ohne Taille geht bei mir gar nicht, dann sieht alles formlos und bieder aus. Nein, ich trage meine Taille seit Jahren um 2 cm erhöht, d.h. der Rock ist ab der natürlichen Taille enganliegend und geht dann noch 2 cm höher – das gibt der Hüfte einen sanfteren Schwung. Deswegen war ich auch bereit, die Taillennaht so hoch zu legen. Was ich dabei nicht getan habe: den Rock an der Taille anzulegen.

Nein, ich bekomme die Erklärung nicht gut hin; was also habe ich eben getestet? Als ich mich anzog, griff ich zu einem meiner Lieblingsröcke, der über diesen erhöhten angeschnittenen Bund verfügt und dachte, ich ziehe den Oberteilsloper einfach mal drüber, mal sehen, wo die beiden sich treffen.

IMG_1430

IMG_1431

IMG_1432

IMG_1433

IMG_1434

Interessant …
In der VM legt sich das Oberteil etwa einen halben Zentimeter über den Rock.
An den Seiten treffen beide genau aufeinander.
In der HM liegt ein guter Zentimeter zwischen beiden.

Rein optisch gefällt mir diese Silhouette besser. Was also spricht dagegen, grundsätzlich mit diesen Schnitten zu arbeiten? Der Rock sitze rundherum absolut waagerecht zum Boden, fällt gleichmäßig und die Seitenlinien sind senkrecht zum Boden. Ich denke, hier darf sich das Oberteil mal anpassen. Heißt natürlich: noch mal einen Probeschnitt nähen … HURRA! 😀

Heißt auch: den alten Rockschnitt wieder vorkramen, ihm rundum einige Millimeter Zugabe verpassen und weiterhin dafür sorgen, dass die Fotokartonindustrie nicht vor die Hunde geht. Womit sich zumindest ein Kreis im meinem Leben schließt, denn mein Opa besaß hier in Bonn eine Kartonagenfabrik, die ich noch miterleben durfte. Der Geruch von Pappe und Papier ist mir noch immer vertraut und mit diesem Gedanken geht gleich wieder leichter ans Werk.

Diese Beiträge könnten dich interessieren:



7 thoughts on “Emma Peels Nachschlag”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Einverstanden

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 541.646 bad guys.