(Endlich) mal wieder inspiriert …

Eigentlich – nach wie vor die wichtigste Vokabel in meinem Wortschatz – bin ich ständig, dauernd, immerwährend inspiriert: völlig ungeordnet strömen Anregungen und Ideen auf mich ein und alles wird gesammelt. Mein Inspirationsordner beinhaltet mittlerweile 1.265 Bilder, verteilt auf 5 Unterordner. Unser Wohnzimmer mag aussehen wie der Wohnwagen einer herumziehenden Wahrsagerin aus dem Märchen, aber ich kann auch anders!

dateimenge

ordner

Wann immer ich mit einem Wunsch schwanger gehe, sammele ich neues hinzu und schaue mir dann alles Passende einen halben Tag lang an, sortiere einiges zusammen und drucke das Sammelsurium dann aus – neudeutsch, ich gestalte ein Moodboard. In letzter Zeit ist es oft so, dass ich das Gefühl habe, ich sollte so langsam mal hinne machen, mal wieder was produzieren und vor allem dringendst Stoffe und Wollen auch verwenden. Dann verflüchtigen sich sämtliche Ideen sofort. Natürlich. Und ich suche mich halbwahnsinnig durch meine Ordner und picke dann das leichteste heraus. Brauchen würde ich ja dringend Blusen, schiebe aber das lästige Abändern des neuen Grundschnitts zu einem Blusenblock vor mir her, denn so ohne konkrete Absicht, aus dem dann auch etwas zu nähen … seufz.

Nun schaue ich ja wie die halbe nähende Damenwelt dienstags “The great British sewing bee” – ein Teil von mir möchte jedes Mal die Moderatorin in all ihrer orangegelben Spraytannigkeit und den zu dunkel gefärbten Haaren an selbigen herauszerren und sie in die natürlich hübsche Frau zurückwaschen, die sie unter all der Tünche wohl ist. Meine andere Hälfte sieht über sie hinweg Richtung Näherei (sie steht leider so oft dazwischen …!) und wie wahrscheinlich ganz viele vintagenähende Damen hat es mir die Bluse gestern angetan. Im Prinzip könnte ich einfach das Oberteil meines Wallis-Kleides hernehmen, verlängern und einen Kragen basteln, aber da ich mich so dermaßen angeregt fühle, ist es die Gelegenheit, heute am Vormittag den Grundschnitt umzubauen.

Die Bluse an sich ist relativ simpel, wobei ich vor dem gesmokten Teil Respekt habe. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, bei ähnlichen Schnitten der Zeit schon einmal etwas über Gummifäden in den Anleitungen gelesen zu haben; da werde ich einmal ein schlaues Buch zu Rate ziehen müssen.

Der Schnitt ist Hollywood pattern 1087, auch in der vintage pattern wiki zu finden:

H1087

Und Bette Davis ist die Patronin dieses Schnittes – was heißt, die liebe Marja müsste ihn unbedingt nähen 😉 Leider habe ich kein Bild von der Rückseite gefunden, dafür habe ich die Sendung gestern aufgenommen und fotografiert. Beispielsweise David, die Schnittteile auflegend:

david working

Zum Smoken bzw. um die Tiefe und Weite der Smoklinien zu sehen:

blouse instruction

Und das Endergebnis in einem Stoff, den ich sehr sehr gerne zur Verfügung hätte – gefertigt von Chinelo:

chinelo

Wie also gehe ich vor – für die, die auch konstruieren, Austausch willkommen! – um diesen Schnitt nachzubauen? Bei den Ärmeln bin ich mir noch nicht sicher, ob ich diese Öffnung mag und will, aber ein kurzer Puffärmel ist nicht der schwierigste Teil.

Zunächst also Blusenschnitt erstellen, der mir dann am besten passt, wenn ich einmal von der Mitte der Schulter senkrecht runter einen halben Zentimeter und an den Seitennähten etwa 3 mm zugeben. An der Schulterlänge entferne ich diesen halben Zentimeter wieder; ich möchte nur mehr Weite, aber keine veränderte Schulterlinie.

Diesen Grundblusenschnitt werde ich 2 cm oberhalb der Taille abtrennen; ich trage meine Röcke grundsätzlich auf dieser Höhe und brauche unterhalb des Rockbundes keine zusammengerafften Stoffmassen.
Im nächsten Schritt werde ich den Brustabnäher in die VM am Halsausschnitt schieben und den Taillenabnäher zur Mitte der Taille. Schaut man sich die fertige Bluse an, so gibt es darüber hinaus eine deutliche Mehrweite im Vorderteil – ich werde die VM um etwa anderthalb Zentimeter heraus zeichnen.

Im Rückteil werde ich auf zusätzliche Mehrweite verzichten und den dortigen Taillenabnäher auflösen.

Für das Schößchen, das ja glatt und enganliegend unter dem Rock sitzen soll, verwende ich den Rockgrundschnitt mit der um 2 cm erhöhten Taille. Auf Höhe der vorderen Abnäherspitzen trenne ich in leichter Rundung den oberen Teil ab und schließe die Abnäher – so erhalte ich das passende Schnittteil für die Bluse, in das die oberen Teile hineingerafft werden sollen.

Den Kragen konstruiere ich anhand des Grundschnittes mit an den Armlöchern übereinander geschobenen Schulterlinien – da werde ich ein anderes schlaues Buch befragen, da es bestimmte Maße des Überlappens gibt, die bestimmen, wie intensiv der Kragen sich rollt oder aber wie flach er anliegen soll.
Und ich werde sogar einmal authentisch in der Konstruktion des Verschlußes bleiben: Untertritt und Druckknöpfe sollen es werden.

Alles andere wird jetzt erst einmal beiseite gestellt, bis auch dort die wahre Inspiration sich zeigt. Schluß mit Freizeitstreß! Ha! So!
(Sage ich heute, fragt mich morgen nochmal …)

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16 thoughts on “(Endlich) mal wieder inspiriert …”

  • nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass die mit gummifaden gesmokt haben. ich habe ja nun einige blusen und kleiderschnitte der 40er hier liegen. aber kein einziges wird mit gummi gesmokt! in der anleitung werden immer 3-4 reihen untereinander gesteppt und dann gekräuselt. oder richtig gesmokt. mit technik. da müsstest du dich schlau machen, es gibt so viele schöne techniken. wie ich dich aber kenne, ist dir das zu viel handarbeit 😛
    was mich aber nun so richtig annervt, dass nun ganz großbritannien sich auf die vintageschnitte stürzen wird. doof. zum glück habe ich schon die schönsten hier liegen 😀

  • Ich gehöre nun zu der nichtguckenden Hälfte, aber die Bluse finde ich schön und irgendwie sieht sie sehr dankbar aus – als könnte das Gesmokte wundersam hier und da ein paar Fehlerchen verschwinden lassen. Landet in meinem Inspirationsordner 😀

  • Ich würde ja gern zur sewingbeeguckenden Hälfte gehören, finde aber nur die ersten beiden Folgen bei youtube. *Verzweiflung!* Kann man die sonst noch wo anschauen?
    Liebe Grüße
    Elke

  • Sehr schöne Bluse. Prima das du die Veränderungen am Grundschnitt mal beschreibst. Ich muss da für mich auch mehr Notizen machen. Wie ich zu dem letzten Kleid gekommen bin kann ich nämlich nicht mehr sagen. ich warte jetzt mal gespannt sie es weiter geht.

    PS: Habe jetzt endlich ein selbst genähtes Unterkleid. : )

    • Ja, das hatte ich auch gefunden, finde es nicht soo schön. Aber ich meinte die Rückseite des Schnittmusters, das finde ich ja viel spannender 😀

  • ich verstehe deine frage nicht ganz? oder was genau möchtest du denn wissen mit dem rücken?
    im übrigen, es gab kein smocken mit gummi damals. das ist eine neuerscheinung der späteren zeit. damals gabs unendliche vielfalt der smokearbeit auf die art und weise:

    sehr viel schemen dazuz gibts im buch “manipulation fabric” oder irgendwie so heisst es.
    jedenfall, wie ich dich kenne, schätze ich- gummi wäre eh dein fall,denn…
    man macht zuerst manupulation am stoff(die technik ist wie beim biesen machen).
    erst dann schneidet man zu. oder man rechnet es genau aus. und das erfordert akribische arbeit und die höchte präzision. man arbeitet nach einem schema und das ist ein raster.

    • 😛 Was das Gummismoken anbelangt, sind wir drei – Frau Burow, du und ich – uns ja schon mal einig: gab es nicht.
      Du hast natürlich recht, wenn du denkst, ich setze mich nun nicht hin und lerne noch das smoken per Hand – das ist nicht mein Metier, geht zu sehr in Richtung sticken und das mache ich nicht gern. Und Baustellen habe ich eh schon zu viele, noch etwas komplett neues zu beginnen, ist nicht drin und dazu noch ein Projekt, das viel Zeit kosten wird – ich weß, ich würde es nie zu Ende bringen, weil es mich zu schnell langweilen würde. Übel.

      Aber ich habe einen ganz anderen Plan: heute nachmittag mache ich den Schnitt und da ist es relativ leicht, im Vergleich von Block und Änderung die Linien für die Raffungen einzuzeichnen und zu bestimmen, wie lang diese sein müssen und auf welche Länge sie runter müssen. Und dann werde ich, schnell und schmutzig, diese Linien mit Maschinenstichen raffen …

  • Die Bluse wäre was für mich? Nein, ehrlich – die sieht aber ganz schön hochgeschlossen aus. Aber wenn Du einen anderen Bette-Davis-Patinnen-Schnitt entdeckst, bin ich natürlich bereit… 😉

    Ich finde, die Bluse ist eine gute Gelegenheit, Deinen Grundschnitt anzugehen. Vielleicht ergibt sich ja doch eine nachhaltige Verbesserung und Du wirst zur akkuraten Blusennäherin. Einen Versuch wäre es wert…

    Was das Smoken angeht: Keine Ahnung. Gummi ist es sicher nicht. Ohne technisches Gerät sind es sicher wirklich Reihen, die gerafft werden…

    • :-D, nein, hochgeschlossen brauchst du nicht, ich entlasse dich aus deiner Pflicht. Finde es nur so witzig, dass Bette mir seit letzter Woche wirklich ständig über den Weg läuft – das sind doch Zeichen 😀

      Gehe jetzt weiter Schnitt basteln: Belege und Ärmel müssen noch gezeichnet werden. Dann geht es an Stoffwählen.

  • Hallo,
    da ich mit gerade das Pepin -Buch ausgedruckt habe (komplett!) um mein eigenes Exemplar vor dem völligen Verfall zu retten, bin ich über diesen Beitrag gestolpert! Die Folgen 3-5 von the great british sewing bee sind seit einigen Stunden auf YouTube!
    Grüße

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