Endlich wieder einmal: ich liebe es!

Ein Kleid, ein selbst genähtes, das ich liebe. Fast nahezu ganz und gar. Näher ran komme ich wohl nie, ich sehe immer Verbesserungspotential.

In diesem Fall ist es ein zu kurzer Rücken, der den Rock an den Seiten hoch- und nach hinten zieht und ein in der Taille zu weites vorderes Rockteil. Wie das geschehen konnte, ist mir rätselhaft, doch ich vermute ein perfektes Zusammenspiel zwischen Papierschnittteil, elastischem Stoff und meiner Unachtsamkeit. Der Schnitt selbst ist, wie er sein sollte – die ausgeschnittenen Teile aber eben zu kurz oder zu weit. Beides ließ sich nicht ändern: was fehlt, wächst nicht nach und die Weite bemerkte ich zu spät und entschied mich für (sehr qualvolles!) Einhalten, da Trennen in einer Katastrophe geendet hätte. Was ausgeschlossen war, denn einen Tag später wollte ich dieses Kleid zu unserem ersten Krimidinner-Besuch tragen. Die Aufführung spielte zwar in den 60ern, aber da ich mit dieser Zeit nichts anfangen kann, ging ich halt als die alte Tante, die von der Mode ihrer Jugend nicht lassen wollte …

Mit scharfen Augen lassen sich Details erkennen ...
Mit scharfen Augen lassen sich Details erkennen …

Dieses Mal kann ich euch keine zugrunde liegende Inspiration, keine vorhandene Anleitung zeigen – dieses Mal ist alles meines ganz alleine. Nunja, zumindest ein Mischmasch aus allen möglichen Elementen der 30er-Jahre, in denen ich mich zunehmend zu Hause fühle.
Da wären also die gebauschten Ärmel mit dem bogenförmigen Einsatz, der zwar hohe, aber breitgestreckte Halsausschnitt in Form einer Passe, die in Kräusel gelegte Weite, die in einem Mieder endet, das die Form von Passe und Ärmelabschluß aufgreift; alle drei sind mit etwas hellerem Garn abgesteppt (mehr oder minder ordentlich – das hat wieder etwas mit meiner Unachtsamkeit und mit einer Katze zu tun – selbst, wenn sie sich nicht auf die Bilder mogelt, ist sie doch immer präsent). Dazu den wadenlangen Rock, der ab Oberschenkelmitte ausgestellt ist und für eine ordentliche Saumweite sorgt.

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Erwähnte ich, dass ich nicht gerne vor der Kamera stehe? Wohin mit allem: Armen, Beinen, Hüften, Gesicht? Und wo stand der Apparat noch einmal? Und trotz neuer Kamera kann ich heute keine scharfen Bilder bieten: draußen ist es womöglich noch grauer als in den letzten Tagen und ich hatte zudem Schwierigkeiten, rechtzeitig vor Ende des Selbstauslösers an meinem Platz anzukommen.

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Weite, Weite, Weite – der Saum schwingt bei jedem Schritt lebhaft mit. Ein wunderbares Gefühl beim Gehen.

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Man kann es wohl leicht erahnen: 1,5 cm zu wenig in der HM. Da ich aber im vorderen Schnittteil vergessen habe, etwas Mehrlänge für Raffung und enganliegendes Mieder zu geben, sitzt das Oberteil nur teilweise in der natürlichen Taille, was mehr ein Ding des Spürens als des Sehens ist. Nächstes Mal wird es besser, hoffentlich. Das Kleid will ich noch einmal nähen und überlege gerade, welcher Stoff geeignet wäre in meinem Vorrat.

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Nun schon obligatorisch: ein Kleid im Sitzen. Im Kindergarten hieß es von mir, ich säße immer so adrett und in der Tat schlage ich auf den drei oder vier Kindergartenbildern die Beine gar sittsam übereinander, hebe das Köpfchen gen Himmel und falte meine Händchen ordentlich in den Schoß, so sie nicht Osterglocken zart umfassen. Nur damals konnte ich sogar noch in die Kamera schauen und mich nicht unwohl fühlen … damit war es spätestens seit der 2. Klasse aus. Ich wäre der Tod jeder Modelcastingsendung 😀

Wie dem auch sei: Ich liebe dieses Kleid so, wie ich nur in der Lage bin, etwas von mir Gefertigtes zu mögen. Außerdem finde ich es in realitas deutlich kleidsamer, schmeichelnder und rundum schöner als auf diesen Bildern. Aus meinem Munde ist das doch enthusiastisches Lobjubelsang, nicht wahr?

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19 thoughts on “Endlich wieder einmal: ich liebe es!”

  • Ich habe kurz das heutige Datum überprüft. Ok, kein Aprilscherz von dir! Super Kleid in wunderbarstem blau. Wieso musstest du jetzt trortzdem den Grundschnitt ändern?
    Liebe Ostergrüße
    Arlett

    • Oh, garstig – ich finde viele meiner Kleidungsstücke hübsch, so ist es ja auch nicht. Aber in anbetracht der Tatsache, dass ich beim Nähen selbst immer wieder die Kontrolle verliere, die ich beim Schnittemachen so vehement verteidige, gibt es eben immer was, was viel besser sein könnte … 😀 (Das hier nenne ich mal einen Satz!)

      An den Grundschnitten gab es schon noch einiges zu verbessern, was erst im Laufe der Zeit auffiel: Ich habe den Halspunkt nach hinten verschoben, die Seitennähte gerade gestellt und dabei weiter nach vorne gerückt und an den Armlöchern eine gefälligere Rundung eingezaubert. Und dann habe ich den ausgestellten Rock vom Walliskleid abgezeichnet – nie saß einer besser. Hoffentlich habe ich den auch richtig kopiert.
      Bist du wieder gesund eigentlich?

      • Ich weiß schon wie du es gemeint hast : ) und du hoffentlich was ich meinte.
        Ja, mir geht`s wieder gut. Das Kleid ist leider immer noch nicht fertig. Blödes Futter! Aber eine Hose habe ich in der Zwischenzeit genäht und jetzt ist erst einmal Osterpause. Familienbesuch ist da.

        • 😀 😛 Ich verstehe IMMER, was du meinst und lasse mich doch gerne necken 😀 Außerdem stimmt es ja!
          Ich bekomme gerade eben jetzt Halsschmerzen und hänge auf dem Sofa, dabei wollte ich doch was nähen, solange Steve an der Dusche bastelt … 🙁

    • Das liegt vielleicht daran, dass die 30er vor allem damenhaft und weniger jugendlich waren – das entspricht ja voll und ganz 😀 Dame, die ich bin …

    • Und ich muss betonen, in echt viel schöner 😀
      Aber kaum lobe ich mich mal selbst, rächt es sich sofort: mittlerweile liege ich mit einer vermuteten Angina im Bett und sehe übel aus – Hochmut kommt eben vor dem Fall 😉

  • Erstmal Gute Besserung! Da ist Dir ein wunderschöner Schnitt eingefallen und Du hast ihn in wunderbarsten Stoff verwirklicht. Ich kann mir gerade sehr gut vorstellen wie es schwingt. LG

    • Danke dir, heute geht es auch schon etwas besser dank Medikamenten en masse 😀
      Ja, ich bin ja auch ganz glücklich mit Schnitt und Stoff, nur an meiner Sorgfalt muss ich noch arbeiten …

  • Oh ja, ich kann deine Begeisterung verstehen. Ein ganz bezauberndes Kleid!
    Gute Besserung weiterhin und…frohe Ostern 😉
    Liebste Grüße
    Nina

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