Entenei-nilwasserblauer Mantel

Im deutschen ist diese Farbbezeichnung unüblich, im Englischen ist “duck egg” geläufig – es ist ein sehr helles Blaugrau mit leicht grünlicher Färbung. Auch das Nilwasser klingt in unseren Ohren nicht vertraut; “eau de nile” hingegen bezeichnet einen blaugrüngrauenFarbton, der über die Jahrhunderte vor allem in England sehr beliebt war – keine Jane-Austen-Verfilmung ohne nilwasserblaue Wände.

Und wie üblich muss ich nun darauf hinweisen, dass es uns (Tom und mir) nicht möglich war, diesen Farbton perfekt einzufangen. Bestimmt eine halbe Stunde lang habe ich versucht, die Bilder farblich zurecht zu trimmen. Aber nein, nicht nur die Farbe, sondern auch Struktur, Form und Sitz des Mantel entzogen sich uns.

 

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Nachdem ich das Nähen des grauen Mantels aufgrund seiner Schlichtheit so genoß, entschied ich mich für ein zweites Modell. Schon deshalb, weil der gewählte Stoff mein Sorgenkind war und nun endlich zu einem Schnitt zu passen schien. Gekauft hatte ich ihn vor zwei Jahren online; angeboten wurde er als blaugrauer Wollcrêpe – ich erzählte bereits davon. Der Zuschnitt war eine Tortur für Hand und Schere, das Nähen an sich zwar angenehm, aber gewichtig – trotz fehlender Details wie Kragen, Taschen, Gürtel wiegt dieser Kurzmantel mehr als jeder andere, den ich besitze. Dieses Gewicht unter die Nadel zu bekommen und auf dem Tisch zu halten … also witzig war das nicht.

 

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Als mindestens eben so gemein erwies sich das Bügeln: dieser Stoff stammt angeblich noch aus den 60ern und seitdem muss er wohl zusammengefaltet an verschiedenen Orten gelegen haben – es gibt einige kleine Falten, die sich partout nicht ausbügeln lassen wollen; da hoffe ich auf die Zeit, die er von nun an auf einem Bügel hängend verbringen wird.

 

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Noch gemeiner aber ist die Tatsache, dass der innenliegende Flausch nicht nur sehr dick, sondern auch eigensinnig ist: dort, wo der Stoff vierfach liegt – also an der vorderen Mitte und am Halsausschnitt – ist es ordentlich dick und plustrig. Zwar ließen sich diese Nähte freundlich aus- und glatt bügeln, als ich aber am nächsten Morgen den Mantel von der Puppe nahm, um Knopflöcher zu nähen, hatte sich der Flausch wieder aufgerichtet. Ich empfand das als Verweigerung der Mitarbeit und war nicht amüsiert. Und genau dieses Flauschverhalten sorgt dafür, dass der Mantel ebenso fotogen ist wie ich.

 

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Besonders, wenn ich mir dieses Bild anschaue, fühle ich mich an ein Salino gerinnert, aber ich habe es gerade noch einmal vor dem Spiegel überprüft: soooo schlimm ist es nicht. Ehrlich. Schön sehen kann man allerdings, wie hoch der Halsausschnitt sich plustert.

 

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Was nicht sichtbar ist: In diesem Mantel still zu posen ist anstrengend. Er wiegt mehr, als es mir recht sein kann. Im Laufen, Sitzen, Gehen fühlt er sich warm, schützend und angenehm an – im Stehen in der Sonne vor dem kleinen Sohn und seiner Kamera fühlte ich mich alt: der Rücken, Kind, der Rücken, der macht bei uns alten Leutchen einfach nicht mehr mit, nänänä …

Ich wünschte nun nur, wir hätten den Mantel in seiner schönen Schlichtheit richtig einfangen können, aber das ist nicht annähernd gelungen. Digitalfotografie ist und bleibt des Teufels; das merke ich auch an den Bildern von Freundinnen, die in echt auch alle viel hübscher und feiner sind als auf den Fotos – und deren Kleidung in Wirklichkeit viel besser sitzt und passt. Menno! (Man merkt, es sind Schulferien und ich beginne mich sprachlich und launisch den Söhnen anzupassen. )

 

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21 thoughts on “Entenei-nilwasserblauer Mantel”

  • ich liebe ihn – der Schlichtheit und der Farbe wegen – Futter auch nicht zu vergessen – und wenn er Dir zu warm sein sollte – nur her damit :-), seit der Sommer weg ist bin ich sehr damit beschäftligt zu frieren …
    Dir steht er antürlich ausgezeichnet und Di siehst auf den Fotos sehr gut aus 🙂

    Wäre es zu viel von Dir verlangt eine Kleine Materialkunde bezüglich des Futterwahl bei Dir zu bestellen? Ich weiß dass Du vor einigen Jahren schon dazu geschrieben hast, aber seitdem bist Du um einige Mäntel reicher geworden, daher bestimmt auch an Erfahrung … Mir geht es eher um die Materialwahl, bisher habe ich noch kein Futter gefunden welches annähend akzeptabel wäre (dabei waren Acetat – raschelt LAUT, Viskose – ist schwer und wächst folglich beult mir den himmelblauen Mantel aus, Poly – Schwitzgefahr, Baumwollsatin – fast ok)

    Sehr sehr liebe Grüße

    • Ganz ehrlich; ich finde mich ziemlich grauenvoll auf den Bildern (im Spiegel aber gerade auch, Tom hat daran keine Schuld).
      Futter – ich bin kein Profi und das Futter hier ist eigentlich keines und dazu aus Poly. War mal letztes Jahr als Jaquard für sündteures Geld bei Stoff&Stil angeboten – da hatte ich was anderes erwartet als einen etwas dickeren Polylappen. Aber für diesen Mantel passte es jetzt, weil es den Kratzflauschen am Kratzflauschen hinderte 😀
      Ich komme ansonsten sehr gut mit Acetatfutter von Stoffkontor klar: rutscht nicht zu sehr, macht keinen Lärm, ist preislich sehr ok und schwitzen tue ich darin auch nicht 🙂

  • Entenei-blaue Wände … aha, da hast Du Deinen Blog also nach der Lektüre von Jane Austen eingerichtet. Jedenfalls passt der Mantel perfekt dazu.

    Ich finde, er sieht einfach nur toll aus. Wobei ich mich über die mangelnde Kooperation an den Kanten genauso entenei-blaugrün ärgern und mich von dem Gewicht wahrscheinlich auch sehr behangen fühlen würde. Aber gut, dafür ist er warm. Die richtig kalten Herbsttage kommen ja noch …

    Viele Grüße
    Ursula

  • Ich glaube heute ist einfach nicht dein Tag. Der Mantel ist nämlich einfach großartig und steht dir sehr gut. Auch die Fotos gefallen mir. Aber ich kenne das von mir. Ich brauche immer ein paar Wochen bis ich mich an neue selbstgenähte Kleidung gewöhnt habe.
    Lg Mathilda

  • Ich finde den Mantel toll. Die Farbe ist super. Wie auch immer sie wirklich aussieht, ich bin mir ganz sicher, dass die toll ist. Der Schnitt ist auch sehr schön. Taschen würden wahrscheinlich wirklich stören, auch wenn ich nicht ohne könnte.
    Bei deinem Gemecker glaube ich langsam, dass du vielleicht einfach anderes Eqiupment brauchst. Eine andere Kamera vielleicht? Oder Lightroom?

    Liebe Grüße
    Ella

    • Dass mit den Taschen merke ich nur beim Fotofragieren: ich fühle mich dann ja immer so unwohl, dass ich mich vergraben möchte – wenigstens die Hände 😀
      Kameras und ich – mit mir davor oder dahinter – das ist einfach keine match made in heaven.

  • Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung, das ist ja immer so eine Sache.
    Ich finde, der Mantel sieht (wie seine Trägerin) völlig umwerfend aus!

    Alles Liebe!
    Susanne

    • 😀 Dann klaut ihn noch wer – ich werde ihn mal in die Dusche hängen, falls er nicht zu schwer ist. In ein paar Jahren wird es wohl wieder glatt sein …

  • Hach, der Mantel ist wunderbar geworden. Ich finde die Fotos aussagekräftig genug um die Schönheit des Mantels zu erkennen. Alte Meckerliese! ; )
    Liebe Grüße
    Arlett

    • Er hat schon etwas eher steifes und formales und ein klein wenig stören mich die Ärmel, die etwas glatter sitzen könnten – da hätte ein wenig mehr Armkugelhöhe nicht geschadet, aber am grauen ließ sich das nicht gut testen von wegen Dehnung.

  • Also ich weiss nicht, wie du zu deinem gestrengen Urteil die Fotos betreffend kommst. Ich finde den Mantel schön und schlicht, Puristisches scheint dir ausgezeichnet zu stehen. Das macht mir Lust, auch mal so ein Mäntelchen zu probieren, obwohl ich fürchte, meine Kurven machen da nicht mit…
    LG, berry

    • Habe ich ja auch immer gedacht, dass gerades und klares mit Kurven nicht gut ginge. Nun hast du die deutlich gleichmäßger proportionierten Kurven – ich denke, das könnte noch besser gehen. Es ist halt beim Konstruieren ein völlig neues Gefühl und ein Umdenken.

  • Wirklich schön geworden! Ich mag den schlichten Schnitt und bekenne mich hiermit zu meiner Vorliebe für bunte Wintermäntel. Bei der Schilderung des Gewichtsprobleme musste ich an meinen Mantel aus Baumwoll-Mantelstoff denken, der wiegt auch mehr als mir lieb ist. Und falls es dich beruhigt, du urteilst über deine Digitalfotografie weit härter als du musst, du siehst toll aus! Wobei ich mich bei deiner Formulierung fragte ob du ein Freund der analogen Kamera bist (ich ja schon, für’s bloggen wäre mir das aber wohl zu aufwändig). Liebe Grüße, Annette

    • Analoge Kameras – ich weiß es gar nicht, das ist ja so lange her, dass ich sowas in Händen hielt. Ich erinnere mich, dass ich eine unglaubliche begeisterte Polaroidnutzerin war, als ich so 10-12 war 😀 Da musste ich ja auch mich nicht knipsen.

      Und bunte Wintermäntel sind einfach das Allerbeste!!!!

  • Oooooh verehrte Madame michou – wenn Sie dann vielleicht irgendwann möglicherweise dieses enteneiblaue Nilwasserteil nicht mehr mögen, dann, ja DANN kauf ich Ihnen das Ding ab. So-fort. Ein Träumchen in c-moll. Seien Sie gegrüßt!

  • Entenei-nilwasserblau … was für flamboyante eine Farbbezeichnung! 🙂
    Mit dem Tuch mag ich den Mantel sehr gerne. Ohne ist er mir persönlich ein klein bisschen zu nackig. Aber im Winter geht man ja eh selten ohne “Halsbekleidung” aus dem Haus. Hattest du nicht letztens einen Bubikragen angedacht? Kann ich mir gut vorstellen an diesem Schnitt. Liebe Grüße, Zuzsa

  • Der Mantel ist ein Traum!!
    Den Schnitt finde ich super für dich und die Farbe sowieso! Ohne Taschen ginge für mich gar nicht, aber das ist ja individuell. Mit dem Dunkelblau unschlagbar.
    Da gibt es nix zu meckern!
    Da habe ich lange nicht mehr bei dir geguckt und dann so etwas Tolles! Bin schwer begeistert.
    LG und ein erholsames WE
    Astrid

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