Frau Klum, viele Nähbienen, noch mehr Zucker, eine Stoffkatze und etwas ging daneben

Nach diesem sehr ausführlichen Titel kann ich mir den Beitrag selbst doch sparen, nicht wahr? Alles drin und sofort verständlich, selbsterklärend sozusagen. Aber nur für den Fall, dass es mehr als eine Interpretationsmöglichkeit geben sollte, liste ich mal auf, was ich meine:

Frau Klum, Heidi, selbstredend, als Inhalt eines Beitrages in meinem Blog ist eher ungewöhnlich; aber letzten Endes hat sie es zu verantworten, dass ich – und so ziemlich alle anderen, die stoffjagend und fernsehschauend sind – weiß, was sich hinter Mood designer fabrics verbirgt. Ich verfüge nicht über das Kleingeld, um mal schnell nach New York zu jetten, dafür besitze ich eine überzeugende Flugangst, die im Gegensatz zu all den Lügen, die mir aufgetischt wurden, sich ganz und gar nicht verzieht, sobald ich geflogen sein würde – die Realität übertraf die Phantasie bei weitem. Ich hasse es und staune noch immer, dass ich es doch öfter als einmal hinter mich gebracht habe. Aber das ist ein ganz anderes Thema, also zurück damit in die Kiste. Knall, Deckel zu!

Nun begab es sich im Februar, dass der Gatte bis auf kurze Aufenthalte als Übernachtungsgast mit hohen Ansprüchen ständig unterwegs war. Norwegen und Hamburg haben ihre Reize, aber sein bald zweiwöchiger Aufenthalt in den USA sind das Entscheidende. In seiner verblendeten Wahrnehmung war sicherlich das Treffen von Kollegen auf der Messe/Konferenz und sein Vortrag dort der Höhepunkt. Kommt allerdings alle zwei bis vier Jahre vor – wie sagte Ron über Hermione? Sie müsse dringend an ihren Prioritäten arbeiten? Der Gatte auch. Denn er gönnte sich zusammen mit seinem Kollegen einen Urlaub von uns (und der Kollege von seiner Familie, nicht, dass wir auch für seine Flucht verantwortlich sind!) und das für vier Tage in New York. Ich teilte ihm mit, dass es dort Stoffläden gäbe. Die in eigenem Distrikt sich wohl zu Herden zusammen gerottet haben sollen und dessen bekanntestes Tierchen wohl Mood sei, sandte ihm einen Link und einige Stoffe zur virtuellen Auswahl. In der Regel kehrt er zurück und erklärt, das betreffende Geschäft habe zu, der Zeitungsstand geschlossen und das Wolllädchen ausverkauft.

Diesmal immerhin fand er den Weg, ging sogar hinein und sandte mir dann Bilder:

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Hmm, ich war mir in anbetracht der letzten Jahre nicht sicher, ob das Beweisfotos sein sollten – “Ich war ja da, aber was du wolltest, gab es halt nicht …!” – oder ob ich mich vorsichtig freuen dürfe. Der Gatte ist ja nicht immer begeistert, wenn ich Freizeit vernähe.

Letztendlich aber bekam ich eine Tüte, in der nicht ein oder zwei, sondern alle drei gewählten Stoffe sich fanden:

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2 hauchzarte Voiles und einen dehnbaren Popeline. Ich sollte mich unbedingt schlauer machen und für seine üblichen Reisestationen – Hamburg, Moskau, Dubai, Abu Dhabi, San Diego, San Francisco, ein Kaff in Norwegen und eines bei Rom – Stoffbeschaffungsdepots auftun. Adressen und Links werden gerne angenommen 😀

Das wäre der Klumsche Teil. Damit aber nicht genug, erklärte sich der heimgekommene Gatte am Dienstag abend noch bereit, sich gemeinsam mit mir ‘The great Britsh sewing bee’ an zu schauen – ich versprach ihm skurille Typen aus dem Lande seiner Ahnen. Und er hatte mehr Spaß daran als erwartet. Zumal wir große Einigkeit empfanden in unserer Abneigung Heather gegenüber, die der Gatte mit “False modesty, gosh, she is horrible” bedachte. Mal schauen, ob er morgen abend noch einmal aufgelegt sein wird, sie sich anzuschauen. Und das waren die Nähbienen.

Nun leben zwei Katzen mit uns: die Schwarze vor allem in meinem Bett, die Tigerin vor allem um die Nähmaschine herum. Kaum liegt das Schnittpapier auf dem Tisch, wirft sie sich drauf, folgt der Stoff, so wird sie noch lästiger – beinahe hätte ich ihr neulich den Schwanz kupiert, weil sie so rasant dazwischen kam. Am schönsten aber ist es direkt dabei:

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Gürtel und Stoff lagen zuvor übrigens ordentlich gerollt woanders, aber so ist es offenbar gemütlicher. Während der drei Stunden, die ich heute nähend verbrachte, rührte sie sich von diesem Platz nicht weg. Eine wahre Stoffkatze.

Nun ist das mit dem Nähen so eine Sache, wenn man – also ich … – über knapp zwei Wochen zwar immer auf Süßes verzichten will und das auch so leidlich schafft, dann aber am Wieverfastelovend eine ganze Box Mutzemandeler auffuttert und – ich zitiere da den Gatten – “for good measure” noch einige Lakritze, Rumkonfekt und frischgebackene Waffeln hinterherwirft. Mit viel Mühe habe ich nun den Rockschnitt überarbeitet und er sitzt toll. Außer heute … zwei Kilo mehr, einige Zentimeter ebenfalls und dann noch einen natürlich dummen Fehler gemacht und damit ist die Arbeit von heute für die Katze.

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Wenn etwas, das ich nähe, der Puppe gut passt, dann stimmt schon was nicht. Der Rock hat einen Sattel, der vorne etwas zu tief ist – nicht mitgedacht, ärgerlich – und der hinten zu schmal geworden ist, weil ich die Abnäher zu breit zusammen geklebt hatte. Dazu habe ich den Sattel noch mit Vlieseline verstärkt, warum auch immer, und das bekommt einem angeschnitten Taillenbund nicht besonders. Schade eigentlich … die Idee an sich gefällt mir, müsste aber noch einmal komplett neu gearbeitet werden. Das ging daneben.

Und da war da noch die dezente Frage nach dem Kleid: es ist einfach ein Fluch, unter dem ich stehe! Ich darf in einem Projekt einfach keine Pause von mehr als einem Tag machen, danach komme ich einfach nicht mehr rein, es langweilt mich, es nervt mich, es ist einfach unmöglich. Aber ich strenge mich an, mich doch noch aufzuraffen.



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