Frühling? Frühling? Ehrlich?

Es ist wärmer geworden in den letzten Tagen. Deutlich wärmer. Für Sonntag sind gar Sonnenschein und 22°C angesagt. Das hat mich gestern denn doch motiviert, ein ärmelloses Oberteil passend zur zweiten Swinghose (so nenne ich sie jetzt mal – Simplicity 4044 ist gemeint) zu nähen. Vor der Schneiderei steht die Konstruktion und ich halte es für unbedingt zwingend unabwendbar nötig, vorwegzuschicken, dass ich keine Perfektionistin bin. Ich beiße mich nur manchmal fest. Mein Grundschnitt für Oberteil und Rock lässt sich wunderbar abwandeln und sitzt in diesen Abwandlungen auch meist sehr gut – wenn es das nicht tut, liegt es zu 90% an meiner Unaufmerksamkeit, meinem Drang, auf’s Gaspedal zu treten und meiner Unlust, zu oft zu trennen. Oder aber – und da macht es mich rasend – es liegt daran, dass ich eine Bluse nähe …

Nun ist es ja so, dass Schnittanpassung eh schon schwierig sein kann, weil es viele Falten gibt, die sich einander sehr ähneln; zumal auf Bildern. Noch schwieriger wird es, wenn man ganz auf sich alleine gestellt ist und keine ähnlich besessene Nähfreundin hat, die steckt und zieht und guckt. Bei all meinen Blusen entstehen Schrägfalten, die vom Hals-/Schulterbereich zum Armloch ziehen. Der Grundschnitt ist der Gleiche, bei Kleidern bleibt das Problem fern. Nun könnten diese Falten auf den ersten Blick nach fallenden Schultern aussehen – defintiv nicht. Es könnte ein zu enges Armloch sein – in der Regel ist das Problem nach dem Trimmen der Armloch-NZ geringer. Und es könnte ein zu enges, hinteres Halsloch sein – wie beispielsweise hier erklärt. Den Verdacht hegte ich nun schon länger. Das in Kombination mit einem doch zu hohen Armausschnitt. Bei einer Bluse mit Ärmel und Kragen werden diese beiden Ausschnitte fixiert, sie können nicht ein wenig nach hier oder dort entschwinden, wie das vielleicht bei einem Kleid mit nur einem dieser Elemente passieren könnte.

Und so stand vor dem Oberteil – obwohl ohne Ärmel und Kragen – wieder einmal das Herumspielen mit dem Grundschnitt. Ich habe an der Schulter sowohl vorne als auch hinten einen halben Zentimeter zugegeben, die Taille wieder an die richtige Stelle gebracht und Probe genäht. Fühlte sich besser an … Was meinen die Konstruktionsprofis – klingt das nach einer möglichen Lösung? Zumal Lucia mir letztes Jahr zu einer Bluse eine extra Schulterprobe genäht und geknipst hatte, wo sie die Schulternaht am Schulterpunkt weiter geöffnet hat und damit auch schon eine Verbesserung zeigen konnte.

Jetzt war ich also mutig und habe nach dem veränderten Schnitt ein Oberteil genäht. Was soll ich sagen? Ich kann noch nichts sagen…
IMG_0493

Bilder an mir gibt es noch nicht, ich habe sowas von keine Lust auf Bilder von mir. So schön wie an der Puppe sieht es an mir eh nie aus 😉 Weshalb kann ich aber noch nichts sagen?
Weil natürlich ein Schnitt mit kleinen Raffungen wenig aussagekräftig ist. Schlimmer aber ist, dass der Stoff – ein reines Leinen – so schnell franst, dass es mit bloßem Auge kaum zu verfolgen ist. Ganz, ganz dumm, wenn man dann die Blende falsch annäht. Über der gerafften Partie natürlich. Der einzigen Stelle, die ich nicht vor dem Verarbeiten versäubert hatte. Und die ich nun trennen musste. Was mich an Blende und Ausschnitt Stoff gekostet hat – mit ganz gleichmäßig und gerade war nun nichts mehr. Na, perfekt wäre ja auch langweilig. Versuche ich mir einzureden. Aber was mich richtig ärgert, ist die etwas ungleichmäßige Verteilung der Halsfältchen – noch mal trennen geht aber nicht, dann bleibt nichts mehr.

Was aber sehr entspannend war: der Musterrapport ist so groß und auch ungleichmäßig versetzt und gedreht, dass ich auf eine Anpassung des Musters an den Schnitt nicht achten musste. Das Einzige, was mir wichtig war: das Muster nicht zu sehr durch Abnäher zu zerschneiden. Da boten sich Kräuselung und kleine, abgesteppte Taillenfältchen doch an. Und weil ich dann noch versehentlich den Saum am Rückenteil weggeschnitten hatte, ist ein Schößcheneffekt entstanden, weshalb ich noch einen breiten Gürtel basteln musste – sieht zu einem engen Rock vielleicht auch nett aus (sofern die Süßigkeitszufuhr endlich in vernünftige Bahnen gelenkt werden sollte ..)

Mit ein paar kleinen Änderungen an Saumlänge, Fältchenbreite und einer weniger fransenden Stoffauswahl könnte das ein Schnitt sein, der noch einige Male im zu erwartenden Sommer Verwendung finden darf. Erlaubnis erteilt?

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2 thoughts on “Frühling? Frühling? Ehrlich?”

  • Auch wenn der Stoff so schrecklich franst, er sieht wunderschön aus. Ich bin schon gespannt wie das Blüschen an Dir aussieht. Ein Hoch auf das bessere Wetter! Ein schönes Wochenende und LG

  • oh, Muster! 😉
    Ich mag den Stoff sehr, das Blüschen auch … und das Wetter erst!
    Bin sehr auf Tragebilder gespannt (ich bin der Meinung dass die Bluse sowohl zur Hosen als auch Röcken fast aller Art passt).
    Grüße
    Joanna

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