Frühling! Frühling! Frühling!

Gut, ich kann noch so sehr schreien, flehen und mit den Armen wedeln: der Frühling scheint nicht nahbei zu stehen. Es schneit immer wieder einmal, aber immerhin ist es wärmer geworden und ich kann mich draußen bewegen. Unser Wagen wird sicherlich noch eine gute Woche, wenn nicht länger, bewegungsunfähig vor der Tür zu stehen, was mich zwingt, jeden Tag zu Fuß herab und hinauf zu laufen. Fällt mir eindeutig leichter nun, aber es hat negative Auswirkungen auf meine Waden: je mehr ich sie bewege, um so schlanker werden sie. Das ist das Elend mit langen, schmalen Muskeln: da baut sich selten etwas rundes auf, sie ziehen sich nur noch länger und das ist eine meiner Problemzonen, die mich zwei Jahrzehnte lang davon abhielt, Röcke zu tragen. Alleine, dass ich hier darüber spreche, zeigt wohl ein gewisses Trauma – ach, Mensch, Weiber! Dabei fällt mir ein: ich könnte noch einen Farbartikel nachschieben – besteht noch Interesse? Da ist ja noch die Frage nach dem Altern, beispielsweise …

Wie auch immer: ein Kleid ist fertig. Endlich. Obwohl: endlich? Seit einigen Wochen setzt bei mir ein Umdenken ein – ich arbeite langsamer und kürzer als zuvor an den Dingen, die ich nähe. Zunächst einmal dauert es länger, einen Schnitt zu erstellen als ihn nur auszuschneiden. Und hier habe ich noch einiges zu lernen, muss mich (sollte mich endlich!!) stärker konzentrieren, nicht zu oft Markierungen zu vergessen. Aber es scheint, dass meine Schnitte nun endlich besser passen und so kann ich mich auf den nächsten Punkt besinnen: ordentlicher zu arbeiten, weniger schlampig. Denn entgegen der immer wieder geäußerten Vermutung, ich sei ein Perfektionistin, bin ich wirklich eine kleine Nähschlampe und sonderlich geschickt bin ich auch nicht. Reißverschlüsse gehen immer wieder daneben, immer wieder passen Nähte nicht ganz aufeinander, verrutscht mir beim Zuschnitt die untere Lage. Allerdings gibt – nein, gab, gab, gab!!! es dafür Gründe: das Gefühl, zu viel Zeit, Energie und Liebe in etwas zu stecken, das nachher nicht sitzt, nicht passt. Die Neugierde, wie es denn sitzen wird, die mich zu rasch nach vorne getrieben hat. Der Zeitdruck, etwas schnell fertig bekommen zu wollen/müssen. Die zu vielen Ideen für weitere Projekte, die mich unruhig werden liessen. All das muss ich in den Griff bekommen und insofern bin ich ganz zufrieden, wieviel Zeit ich mir dieses Mal gelassen habe. Wenn ich keine Lust auf Ärmel hatte, habe ich es eben gelassen und statt dessen neue Schnitte gemalt oder einige Reihen gestrickt. Als der Farbunfall mich aus der Bahn warf, habe ich zwei Tage lang gar nicht mehr hingeschaut, bis ich entschied, es werde mich nicht so sehr stören. Ich hoffe, ich habe etwas gelernt …

Die Idee für das Kleid war wie immer eine aus der Vintageecke – ein wenig Enddreißiger, Anfangvierziger sollte es sein mit nach unten weiter werdendem Bahnenrock, Taschen, kurzen, leicht gepufften Ärmeln, helleren Besätzen und bezogenen Knöpfen:

Der Stoff dazu kam vom Roten Faden: eine Viskose-Elastik-Gabardine in Petrol (und es ist nicht ganz mein Petrol, aber ich denke, mit Make up ist das einer der Fälle, in denen es dennoch funktioniert, zumal der helle Besatz im perfekten Sommer-Nebenweiß ist). Und dieser Stoff ist irgendwie, tja, ich weiß nicht. Er fällt sehr schwer, was diesmal weniger ideal als erwartet ist, er ist nicht sehr wärmend, aber auch nicht kühl, so dass ich über seine jahreszeitliche Verwendung im Unklaren bin. Für mich ein Frühlingskleid; wir werden sehen, ob das zutrifft.

Aus der Idee geworden ist das hier:

Bevor ich mehr sagen kann, muss ich flitzen und den großen Sohn von der Schule abholen.

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10 thoughts on “Frühling! Frühling! Frühling!”

  • Es sieht hervorragend aus!

    ..mehr fällt mir dazu nicht ein. Und die Schwere des Stoffes ist nicht zu erahnen, aber vielleicht dann in Bewegung..? Wer weiß. Aber so sieht es richtig, richtig toll aus!

  • Das Kleid ist wundervoll geworden und steht Dir ausgezeichnet. Auch schwer läßt sihc nicht erahnen, ein schöner Fall. mir gefällt auch der leicht seidene Schimmer. Was sit denn aus dem gagefärbten Kragen gewordenß Hast Du den neu gemacht?

    Liebe Grüße, Sabine

  • Ein perfektes Kleid für dich. Mit deiner schmalen Taille kannst du wunderbar Gürtel dazu tragen. Die weissen Details sehen frisch aus und geben den gewissen Pep. Du selbst wirkst darin sehr schlank und gross – das ist doch durchaus ein erwünschter Effekt, nehme ich jetzt mal an 😉
    LG, berry

  • Wow, jetzt bin ich schon ein bißchen neidisch …
    Mir gefällt das Kleid ganz ausgezeichnet: Die Farbe! Die weißen Blenden & der Gürtel – das passt perfekt! Und überhaupt: Dass es dir gelingt, den Schnitt nach deinen Vorstellungen selbst zu erstellen (ja, ich erinnere mich sehr gut … da steckt ganz viel Arbeit drin, Zeit des Lernens, Tränen und zahlreiche Loopers oder wie die heißen)!

    Ich leide unter Lustlosigkeit. Macht es Sinn für 4 Monate zu nähen?? Und nähen was ich gerade brauche – das ist auch nicht meins. Seufz.

    Schick mir doch mal etwas Ehrgeiz rüber …
    Liebe Grüße, Bettina

  • Was du geschrieben hast, geht mir genauso. Die Ungeduld und die Resultate. Ich glaube, das geht aber vielen so. Mein Gott ;). Dein Kleid sieht jedenfalls echt toll aus und wenn ich mir dann noch vorstelle, dass du den Schnitt auch noch selber gemacht hast, unvorstellbar für mich. TOLLLLLL!

  • Ich kann mich den Damen nur anschließen: Dein Kleid ist sensationell!
    Und bitte lass es Frühling werden, damit Du es ausführen kannst und ich nicht mehr friere!

    Viele Grüße
    Julia

  • ich finde das Kleid sehr gut gelungen – auch wenn das nicht ganz mein style ist. Es passt zu Dir, sitzt 1A, ganz tolle Leistung!!!
    (und der Stoff scheint für mich gaenau das zu sein was ich brauche – wie sieht es mit der elektrostatischen aufladung? ich hasse polyester, sobald es die absolute mehrheit hat … )
    Grüße
    Joanna

    Ps wenn es nach unserem Kater geht ist jetzt schon Frühling – er sitzt andauernd auf dem balkon und hört dem singendem fleisch zu 😉

  • Ach, hatte ich noch vergessen: ich hätte noch weiteres Interesse an deinen sehr informativen Farbartikeln. Gerade als Winter hab ich mich schon öfters gefragt, ob im Alter nicht die natürlichen Körperfarben doch etwas verblassen und damit dann ein Wechsel auf die dunklen Sommerfarben gefragt wäre… Oder nur noch Blau oder Grau statt Schwarz?

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