Ganz ehrlich

Ha, als wäre ich sonst nicht ehrlich. Bin ich, oft sogar ehrlicher als gewollt oder gedacht. Vor allem, wenn ich schreibe. Was immer man von mir sagen kann, Unehrlichkeit ist keine meiner schlechten Eigenschaften; höchstens sage ich einmal etwas nicht: wenn es eh keinen Sinn macht oder jemand verletzt würde. So weit, so gut.

Nun ist es so, dass ich manche Gedanken nicht einmal vor mir selbst bis zum Ende denken möchte – aus dem gleichen Grund wie oben angeführt: jemand könnte verletzt werden. In diesem Falle ich. Aber gehe ich wirklich mit Wunden aus einer zu Ende geführten Überlegung hervor? Oder besser gesagt aus dem Anerkennen einer unverrückbaren Tatsache? Das klingt jetzt wunderbar dramatisch, aber das täuscht, denn es geht um nichts anderes als um mein Kernthema: um Schönheit, Veränderung, Persönlichkeit und um das Altern und seine sichtbaren Zeichen.

 

So ist es nun einmal: alles ist traurig und bitter.
So ist es nun einmal: alles ist traurig und bitter … jammerjammerjammer …

Da könnten wir meinen, dass ich darüber schon genug geschrieben hätte; ich scheine besessen zu sein, oberflächlich und eitel. Geh und lass dich operieren, wenn du das alles nicht ertragen kannst! Jepp.
Oder auch nicht. Weshalb also schon wieder lange und ausschweifende Gedankenmäandereien? Weil es mein Blog ist, mein Komm-Damit-Klar-Studio, meine Schreibspielerei. Und weil ich mir sehr, sehr wünsche, mehr darüber bei anderen lesen zu können.
Damit meine ich NICHT diese allgegenwärtigen Artikel in Lifestyleblogs und Frauenmagazinseiten, die betonen – in einem lässig-gewollten, aufgesetzt-vertraulichem Duzton – dass alles ganz großartig ist, denn jetzt, über 40 oder 50 oder 112, ja, jetzt ist alles so viel besser. Denn

  • wir sind so viel selbstbewußter,
  • haben so viel Erfahrung,
  • sind unglaublich entspannt,
  • stellen etwas dar,
  • haben noch ganz dolle viel vor uns,
  • nutzen von Haarfärbemittel über Botox bis hin zum Lifting alles und sehen dennoch ganz natürlich frisch aus,
  • leisten uns Personaltrainer und/oder junge Liebhaber,
  • wissen um unsere sagenhafte Ausstrahlung
  • und sowieso ist 50 die neue 30!

 

Ach nein, es ist alles so schön und fantastisch - wir sind nur die erwachsene Version des Girlie!
Ach nein, es ist alles so schön und fantastisch – wir sind nur die erwachsene Version des Girlie!

So! Jawohl! Und wenn das bei dir nicht so ist, dann hast du entweder den falschen Friseur, sitzt zu oft zu faul auf deinem dicken Hintern, hast die letzten 30 Jahre eh alles falsch gemacht oder bist zu dumm, um Lippenstift richtig aufzutragen. Geändert hat sich also gar nix: wenn was nicht stimmt, bist du selbst schuld. Das begann im weiblichen Leben mit etwa 14 (immer noch kein Busen – du machst was falsch), steigert sich mit den Kindern (dein Zweijähriges schnullert noch und trägt eine Windel? Gewiß hast du beim Stillen etwas vergeigt!) und endet eben überhaupt nicht über 40 – entgegen all der wunderbaren Mantras.

Gut, es gibt noch die andere Seite: die medizinischen Artikel über die große Krankheit Wechseljahre und was sie alles mit dir anrichten und wie willen- und hilflos frau dem ausgeliefert ist (ihrer schwachen Natur als Dauerpatientin entsprechend). Oder der Anzeigenmarkt von Jobvergabe bis Heiratsvermittlung – irgendwie werden die tollen, selbstbewußten und strahlenden Damen da wenig gesucht. Reden wir uns jetzt auch mal schnell schön, denn die haben alle nur Angst vor uns. Wenn wir uns alle so toll und selbstsicher fühlten, gäbe es dazu auch allen Grund.

Ich mache mir Gedanken über das Altern, seit ich mit 20 in meinem ersten Beruf als Kosmetikerin anfing. Das konnte nicht ausbleiben, kamen doch vor allem Frauen über 40 zu mir. Auf mich wirkten die meisten von ihnen in der Tat so, wie es uns die Motivationsartikel weismachen wollen: sie waren erwachsen, stotterten nicht herum, huschten nicht in den Laden, waren präsent. Vielleicht empfand ich es so, weil ich mir mit meinen wenigen Jahren unterlegen vorkam. In der Kabine, vor mir auf der Liege, änderte sich das schnell: ich wußte, wovon ich sprach und bekam im Gegenzug zu hören, wie sehr viele von ihnen unter den Linien im Gesicht, dem weicheren Gewebe, der sich eingrabenden Müdigkeit litten – vor allem aber an der Unmöglichkeit, etwas dagegen tun zu können. Wer nun denkt, dass die klassische Kundin die verwöhnte Gattin eines gutverdienenden Mannes gewesen sei und nun ihrer verlorenen Jugend und Schönheit hinterher trauere, dass sie oberflächlich, geistlos und unbedeutend sei – der irrt. Sicher, auch solche Frauen habe ich kennen gelernt, aber meine erste Stelle hatte ich in Godesberg, 100 m von der Diplomatenrennbahn entfernt. Meine Kundinnen waren Abgeordnete, Botschaftsangehörige, Lobbyistinnen, Frauenrätlerinnen, Juristinnen und Ärztinnen, Geschäftsfrauen und Unternehmerinnen. Frauen also, die sich nie nur auf ihr Aussehen verließen. Frauen, die Geld und Ansehen hatten, über Geist, Witz und Intellekt verfügten. Und ich war schockiert. Jedes Mal in den ersten zwei oder drei Jahren. Und später immer mal wieder. So tolle Frauen, so fantastische Menschen und dennoch saßen sie zwischen 45 und 55 in einem Graben der Trauer und Unsicherheit fest. Nicht alle natürlich, aber die meisten. Manche formulierten es drastisch, andere schlichen um das Thema herum.

Ich von außen konnte nicht begreifen, weshalb das so war. Natürlich, man sah, dass dieser Mensch keine 30 mehr war. Man sah die zu häufigen Sonnenbäder, das Lachen und das Weinen, die leeren Schwangerschaftsbäuche, die Aderngeflechte auf den Oberschenkeln, die Pigmentseen auf den Handrücken und die grauen Haare. Aber man sah doch auch am Auftreten, hörte an der Stimme, dass diese Frau kein Küken mehr war. Für mich war das Bild damit stimmig und richtig und schön. Ganz, ganz fest nahm ich mir vor, dass ich mit diesem normalen Prozess keine Probleme haben würde – ich sah doch jeden Tag, dass es nicht schlimm sein musste, dass es spannend war, dass es der Ausstrahlung und Persönlichkeit keinen Abbruch tat. Nicht auf den ersten Blick zumindest …

Und wahrhaftig: während meine Freundinnen gar schon einen Horror vorm 30. Geburtstag hatten, konnte ich nur lachen. Auch der 35. und der 40. waren kein Thema; ich hatte das Gefühl, dass ich immer mehr ankomme, dass jedes neue Alter immer besser zu mir passte. Unzufrieden mit meinem Äußeren war ich ja immer irgendwie, da machten die Jahre keinen Unterschied – sowieso verfügte ich immer über das Talent, mich gleichzeitig wegen meiner optischen Unzulänglichkeiten zu kritisieren und mich im Großen und Ganzen dennoch zu mögen, denn trotz all meiner äußeren und inneren Fehler bin ich doch ein ganz anständiger Mensch.

Aber vor vier Jahren, mit 43, erwischte es mich dann doch: diese eine Linie hier, das weichere Gewebe dort und die immer ausgeprägteren Augenringe – sie störten mich. Nicht in ihrer Eigenschaft als Falte oder Schwabbelkinn, sondern in ihrer Fremdheit. Denn immer seltener blickte mich aus dem Spiegel die Person an, die ich kannte. Es legte sich ein Schleier über das Gesicht, durch den ich kaum noch blicken konnte. Natürlich setzte in mir der Automatismus des Profis ein: hier mehr Feuchtigkeit, dort die Durchblutung anregen, öfter mal massieren, etwas anders zupfen, ein neues Make up – ja, das half alles und versöhnte mich. Doch kaum hatte ich mich an den neuen Anblick gewöhnt, überfiel mich die nächste Veränderung: weshalb passe ich nicht mehr in diesen BH? Wieso wiege ich montags zwei Kilo mehr, wenn ich sonntags ein Eis genoß? Weshalb funktioniert das mit dem Fönen nicht mehr? Warum sehe ich mit Make up noch genauso müde aus? Weshalb rächt sich fehlender Schlaf so grausam? Wieso, wieso, wieso?!?!? Ich hatte das nicht bestellt und ich wollte es auch nicht haben. Kann das bitte irgendwer zurück nehmen?

Nun bin ich ja ein denkendes Wesen mit Grundsätzen, die ich auch nicht aufzugeben gedenke – gegen das Altern angehen in einem sinnlosen Kampf, der nur mit der eigenen Lächerlichkeit enden kann, das wollte ich nicht. Intellektuell bin ich längst mit mir einverstanden und bin weiterhin neugierig, was aus mir noch werden wird. Aber das ist ein Lippenbekenntnis, das leicht fällt – jeder kluge Mensch akzeptiert das Altern als Gegebenheit. Im Kopf, nicht aber im Herzen. Das lehnt sich nach wie vor auf, spricht von Schicksal und Ungerechtigkeit und Verdruß. Und dann endlich meldete sich mein Kopf einmal ernsthaft zu Wort. Bislang verweigerte er – arrogant und selbstherrlich – die Diskussion: “Eine eitle und unnütze Debatte, die du da zu führen versuchst.  Darauf lasse ich mich gar nicht erst ein.”

Aber gestern abend fiel mir zum ersten Mal bewußt auf, wie sehr ich dieses “Selbst schuld” verinnerlicht habe: irgendwie fühle ich mich dafür verantwortlich, auf Bildern immer müder und eingefallener auszusehen; ich habe es zugelassen, wellige Oberschenkel zu haben; ich bin die Verursacherin jeder einzelnen Pustel, die in meinem Gesicht blüht – irgendetwas mache ich falsch und das ist meine Strafe. Und mein Kopf ließ sich endlich dazu herab, mit mir zu sprechen:

“So ein ausgemachter Schwachsinn! Klar, wenn du dein Leben lang Sport getrieben hättest, wäre der Po straffer und du könntest vier Treppen hochlaufen und nicht nur zwei. Na und? Hast ja nur zwei Treppen hier im Haus. Und klar: hättest du aufs Kinderkriegen verzichtet bei deinem miesen Bindegewebe, dann würde es da nicht schwabbeln – aber wäre es das wert gewesen? Und willst du graue Haaren mit Willenskraft am Wachsen hindern? Hättest du  dich in einem früheren Leben besser benehmen müssen, um nun mit unvergänglicher Schönheit gesegnet zu sein? Dann reise doch mal zurück in der Zeit, egal ob 15 oder 150 Jahre! Was glaubst du denn, wer du bist und welche ungenutzten Mächte in die schlummern?? Eben. Du kannst dich entscheiden, an dir schnibbeln und lasern zu lassen oder du machst das Beste daraus und passt dich an. So ist das!”

 

Silkikon und Laser? Und das soll dann schön sein?
Silikon und Laser? Und das soll dann schön sein? Damit bleibe ich auch nicht, wie ich war.

Tja … bis ich wirklich begriffen haben werde, dass mein sich änderndes Aussehen keine Strafe ist, dass ich nicht in der Pflicht stehe, bis an mein Lebensende knackig-frisch und jugendlich-straff sein zu müssen, braucht es vielleicht noch ein Weilchen. Und es wird wohl immer Tage geben, an denen ich ein klein wenig unglücklich und traurig sein werde, denn alles Reden verschleiert eines ja nicht: das Älterwerden bedeutet eben auch Verlust. Das kann ein kleiner oder ein großer sein, das kann man so oder so empfinden.

Für mich war es im letzten Jahr scheußlich. Und das ganz ehrliche im Titel ist das folgende:
Das sind die Dinge, über die man nicht so spricht. Ich stelle mich hier so halböffentlich hin und lamentiere über den Verlust meiner äußeren Erscheinung und gestatte damit, dass mich die eine oder andere Leserin als oberflächlich und selbstverliebt wahrnimmt. Was nicht stimmt, aber das weiß sie – vielleicht- nicht, denn auch Lesen ist eine Kunst, die nicht alle beherrschen. Die meisten, die jetzt hier lesen, aber ganz bestimmt 😀

Vor einiger Zeit schon hatte Lauren von wearing history etwas zum Thema “Social Media and the Myth of Perfection” gepostet, in dem sie in der Retrospektive zeigt, wie sie auf einem Foto/in einem Text wirkt und wie es wirklich war. Etwas, was wohl die meisten Bloggerinnen nachvollziehen können, sofern sie mehr tun als schöne Bilder zeigen: man erzählt, man zeigt, man erwähnt wohl auch mal ein Unwohlsein, aber in die Tiefe geht man oft nicht. Ich selbst habe ja im Laufe der letzten acht Jahre immer weniger Scheu, sehr persönlich zu werden und bin dadurch mit oft sehr besonderen Mails und Kommentaren belohnt worden; als vor nun knapp drei Jahren mein Vater verstarb, habe ich wenig zurück halten können von meinen Gefühlen und war überwältigt von den Geschichten und dem innewohnenden Zuspruch und Trost, die ich erhielt.

Nun zuzugeben, dass mich dieses Vor-sich-hin-Altern über Gebühr quälte, ist nicht so dramatisch und war eh sichtbar. Dass ich es als so sehr grauenvoll empfand, liegt vor allem daran, dass mein Körper seit Juni des letzten Jahres so gar nicht mehr mitmachen wollte – auch das ein Grund für die Aufgabe des Studios.
Von meiner ersten Regel an tat sie, was sie tun sollte: sie kam regelmäßig. Immer mit Schmerzen, für die ich natürlich auch mich selbst und meine Wehleidigkeit verantwortlich machte und mich deshalb schämte; ganz offenbar stellte ich mich an und das aus niederen Motiven: um Klassenarbeiten zu entgehen oder Aufmerksamkeit zu erlangen. Letztere bekäme ich lieber für schöne Dinge als für die Fähigkeit, auf der Straße wimmernd auf dem Bordstein zu sitzen – ja, das kam vor und schön ist anders. Leider bekam ich meine Kinder ja spät, so dass ich mich 22 Jahre lang für einen wehleidigen Schwächling hielt. Dann merkte ich, dass ich jahrelang mittelstarke Wehen hatte. Kein Wunder, dass meine Söhne so überaus rasant auf die Welt kamen: ich war trainiert!

Aber im Juni letzten Jahres war es mit der Regelmäßgkeit aus: nach 3,5 Wochen war es schon wieder so weit – für jemanden, der sich auf 28 Tage jahrzehntelang verlassen konnte (immer samstags) war das schon bemerkenswert und nach drei Zyklen in diesem Abstand war ich zumindest sehr genervt. Daraus wurden dann drei Wochen und das zeigte sich schon in größerer Müdigkeit und sehr schlechter Laune. Und dann vor Weihnachten brach das Regelsystem komplett zusammen: sie kamen nun mittags, nachmittags oder nachts und das mal nach zweieinhalb, mal nach drei Wochen. Und nein: damit bin ich nicht zum Arzt gegangen. Weil sich keine Frauenärztin finden ließ, die Kassenpatientinnen nimmt oder überhaupt einen Termin innerhalb der nächsten 6 Monate hatte. Und weil ich mir recht sicher war, dass ich die gleiche Empfehlung bekommen würde wie alle, die ich kenne: Hormonersatztherapie. Die für mich nicht in Frage kommt, da ich Schilddrüsenhormone zu schlucken habe und vor acht Jahren schon deutlich spüren durfe, dass sich beide Hormongaben in mir nicht vertragen.

Ich versuchte dieses und jenes, halt die üblichen Verdächtigen, die aber alle mehr Nebenwirkungen hatten als Nutzen. Mittlerweile kam meine Regel alle zwei Wochen, hielt fünf Tage an, gönnte mir drei Tage Ruhe und bescherte mir dann Vorboten mit Krämpfen und Brustschmerzen. Im  Grunde ging es mir nun im letzten halben Jahr fast ausnahmslos schlecht, was durch den morgendlichen Blick in den Spiegel aufs Schönste gesteigert wurde – die Person jetzt war mir nun wirklich fremd. Von April bis vor vier Wochen wäre ich bald täglich bereit gewesen, einfach liegen zu bleiben und nie wieder aufzustehen. Nicht aus Verdruß, sondern vor Schmerz. Von dem ich mir sagte, ich müsse halt durch und ihn aushalten – erfahrungsgemäß half ja auch nicht viel: Paracetamol ist vollkommen nutzlos, Buscopan lindert ein Stündchen, dafür ist mir damit übel und riesige Mengen Magnesium lassen sich auch nicht so ohne weiteres aufnehmen. Also: was dich nicht umbringt, macht dich stark.

Das Drama hatte seinen Höhepunkt im Juli, in dem Monat, in dem ich meinen Kleiderschrank umbaute und Kleidung kaufte und in kurzen Hosen vor der Kamera stand. Viele haben kommentiert, manche gemailt und der Grundtenor war: schön, fein, siehst viel besser und entspannter aus. Das hat mich durchaus gefreut, zum Antworten hatte ich keinen Nerv, denn ich lag die meiste Zeit entweder im Bett oder auf Sofa und Boden – wohin es mich am schnellsten zog. Das erste Mal kam meine Regel wieder nach vier Wochen, was ich als positiv verbuchte. Allerdings begann drei Tage nach Beendigung der letzten Mens der Schmerz, der nur sehr selten nachließ. Erschöpft ging ich zu Bett und wachte nach drei Stunden mit Schmerzen auf und so blieb es über drei Wochen lang. Nirgendwo konnte ich hin, ständig fühlte es sich so an, als ginge es jeden Moment wieder los. Ich sah aus wie ein Zombie, fühlte mich auch so und hörte nur von allen Seiten, ich solle mal zum Arzt gehen. Oder mich nicht so anstellen. Die Praxen, die ich durchtelefonierte, teilten mir per Band mit, sie seien in Urlaub. Die Vertretungen waren überlastet und mich in ein Wartezimmer setzen für Stunden – danach war mir gar nicht. Abgesehen von diesen Krämpfen hatte ich nicht den Eindruck, krank zu sein. Ich war eher sicher, dass ich nun noch einmal dadurch müsse und danach würde es endgültig besser werden, egal, in welche Richtung es gehen würde. Und ich hatte den Eindruck, dass ich etwas ändern müsse: vielleicht doch noch ein wenig gesünder leben, mehr Ruhe für mich finden, mehr von den Dingen tun, die ich tun will. Die Aufgabe des Studios war ein Anfang, das Ausmisten des Schrankes ein weiterer kleiner Schritt und das Erkennen der eigenen “Schuldlosigkeit” in Bezug aufs Altern ein weiterer.

Darüber schreiben kann ich nun nur, weil seit der letzten Mens nun wahrhaftig weitere vier Wochen vergangen sind, keine PMS meinen Weg gekreuzt hat und ich seit über einem Jahr das erste Mal für eine so lange Zeit komplett schmerzfrei war. Ich fühle mich ziemlich neu geboren und bin endlich wieder bei mir.

Darüber schreiben fühlt sich aber auch grenzüberschreitend an – wer will das schon lesen? Ehrlich gesagt, ging es diesmal sehr ums Wegschreiben, von der Seele schieben und das ist immer gut. Aber ein bißchen würde ich mir wünschen, auch bei anderen einmal zu erfahren, ob sie sich plagen? Ist es ein Zeichen von Oberflächlichkeit, in diesen Jahren mit den Veränderungen zu hadern? Es ist ja nicht so, als käme danach nichts mehr oder nur noch Schreckliches; das beweisen uns ja schon Mema und Dodo. Tolle Frauen, ganz klar (von denen wir mehr bräuchten!). Das war das Licht im Tunnel, das ich vor Augen hatte. Nur in diesem Tunnel fühlte ich mich in den letzten 13 Monaten ganz schön alleine,

Darüber schreiben bedeutet auch, dass ich hoffe, dass sich eine andere da draußen, die sich an diesem heißen Tag durch diesen langen Text gekämpft hat, in einer ähnlichen Situation nicht ganz so alleine fühlen muss.

 

Letzten Endes ist es doch alles ganz gut, wie es nun einmal ist.
Letzten Endes ist es doch alles ganz gut, wie es nun einmal ist.

So. Und jetzt muss ich Kartoffeln schälen, das hält das kleine Frauchen von dummen Gedanken ab …

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30 thoughts on “Ganz ehrlich”

  • Hach – verzeih die Distanzlosigkeit, aber ich könnte Dich umarmen für diesen Artikel! Leider habe ich gerade nicht so viel Zeit, daher in geraffter Fassung: das Zeitalter der Selbstoptimierung macht ja auch vor der öffentlichen Selbstdarstellung nicht halt, vor allem im Internet, und vor allem, wenn das Netz, wie bei mir, auch die Fassade meines Ladens ist. Und in der öffentlichen Darstellung scheint jede Bloggerin, Shopinhaberin, Social Media Expertin supererfolgreich im Beruf, in der Beziehung und als Mama zu sein, dabei auch noch superattraktiv und höchstens 29 (ich übertreibe jetzt mal ein bisschen 😉 ) Irgendwann in der letzten Zeit (Monate …) dämmerte mir, dass ich das so eigentlich gar nicht will. Ich mache das alles auch, das mit dem Bloggen, dem Shop, den Social Medias, der Beziehung, dem Mama-Job, bemühe mich um Erfolg und Attraktivität, und ich hatte den 50. Geburtstag schon. Meine Lebensphase ist ähnlich, und auch wieder ganz anders. Warum daraus ein Hehl machen (gibt’s die Redensart eigentlich noch? 😉 )? Viel spannender ist es doch, genau damit rauszugehen. Nein, ich entspreche nicht dem Ideal der Jung-Designerin oder -Redakteurin oder Jung-Was-auch-immer-ich-sonst-noch-mache, aber ich mache den Job trotzdem, und das gern und wohl auch ganz gut, hadere mit vielen Dingen, auf die niemand mich vorbereitet hat, denn älter werden ist keine angestrebte Leistung, sondern ein allmählicher Prozess, der dann irgendwie doch ganz unerwartet kommt, mit all seinen Folgen. Viel spannender, als das zu kaschieren, ist es doch, das ganz bewusst auch zu einem Teil des öffentlichen Selbst zu machen, das wir mit unseren Online-Präsentationen ja durchaus beeinflussen können. Dies mag eine virtuelle Welt sein, aber es ist auch das wirkliche Leben. Ein Super-Artikel, ich bin ganz bei Dir. Lass uns gelegentlich zusammen jammern, wenn fachsimpeln gerade nicht oberste Priorität hat. Und wer das doof findet, der muss es ja nicht lesen 😉

    • Wundert mich natürlich gar nicht, dass ich dich jetzt auch am liebsten knutschen will 😀 Ärgere mich nur wieder einmal, dass da viel zu viele Kilometer zwischen uns liegen.

      Und du hast mit jedem Wort recht: ein wenig haben wir es ja mit in der Hand, das Bild von Frauen, die nicht mehr ganz jung sind, mitzuprögen. Ich habe noch niemals eine Frau getroffen, der das Kaschieren des Alterns perfekt gelungen wäre, dafür viele Frauen, deren Bemühungen laut herausschreien, wie gerne sie wieder jung wären. Und das ist traurig.

      Auch das komplette Ausklammern all der Ärgernisse, Verwunderungen und Traurigkeiten, die man so erlebt in dieser Phase sieht nach außen ja so aus, als wäre alles toll, toll, toll. Wie sehr selbst miese Bilder lügen können, wenn nur die Sonne auf ihnen scheint, zeigt mir mein Juli ja deutlich. Immer wieder über das Altern theoretisch zu philosophieren, ist ja gut und schön, wirkt aber vielleicht koketter und amüsierter als es mitunter ist. Der Traum von sanften, fast unmerklichen Übergang und am Ende sieht man aus wie Charlotte Rampling oder Helen Mirren oder Iris Berben ist eben das: ein Traum, den selbst die drei sicher nicht so erlebt haben dürften.

      Dass es uns Menschen zu schaffen macht, zu schaffen machen muss, erscheint mir logisch, denn natürlich nähern wir uns mit jedem Tag unserem Ende und jede noch so winzige körperliche Un-Fitness weist auf mögliche spätere Einschränkungen hin und jetzt wird es uns eben deutlich gezeigt: gestern warst du noch eine knackige 40erin und heute siehst du verdammt alt aus 😀

      Hach, jetzt geht mir gerade alles durcheinander, mir ist es heute zu heiß. Auch so was, was ich mir von zehn Jahren nicht vorstellen konnte …

  • Tjaaaa, da sagst du ein paar sehr wahre Dinge. Was auch mir sehr zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass mein Bild im Spiegel mit dem wie ich mich fühle so gar nicht ein Einklang zu bringen ist. Und dann kann ich mich selbst wieder nicht leiden, weil ich die Falten und die grauen Haare eben nicht gelassen nehmen kann. Im Brigitte Forum war kürzlich eine Diskussion, dass Frauen ab 40(!) unsichtbar werden und zwar nicht nur als attraktive Menschen, sondern auch im gesamten sozialen und beruflichen Leben. Und diese Tatsache hat Frau dann halt auch stillschweigend zu akzeptieren und in die zweite Reihe zurück zu treten. Auch wenn ich dem nicht so uneingeschränkt zustimmen mag, hat mich das doch sehr getroffen. Bin ich tatsächlich dazu verdammt in Zukunft als Neutrum durch die Gegend zu laufen? Wie gesagt, ich selbst fühle mich nicht
    So und habe auch eine andere Wahrnehmung von mir, aber trotzdem scheint die Wahrnehmung der Gesellschaft bei älteren Frauen so zu sein. Tja, wie geht man damit um? Ich könnte denken, he du bist gesund, hast ne tolle Familie, der Schmelz ist halt ab, sei froh, dass dein Mann noch bei dir ist und nimm es wie es kommt. Ich kanns aber nicht. Zumindest sehr oft nicht. Du siehst, tatsächlich nicht überall Begeisterung.

    • Man darf sich ja auch fragen, wo genau da der Grund für Begeisterung liegen sollte. Eigentlich schwanken wir immer wieder zwischen Frust über die neue Äußerlichkeit und Frust über unser Nicht-Darüber-Stehen 😀 Also auch hier altbekanntes Spiel: richtig machen kannst du es eh nicht.

      Das Unsichtbarsein – man hört das ja öfter. Ich weiß es nicht. Klar, heutzutage werde ich nicht mehr spontan auf einen Kaffee eingeladen und es stehen keine Heerscharen von Verehrern vor der Tür. Was sicher sein gutes hat, vor allem in Bezug auf die Beziehung zum Gatten. Aber ansonsten habe ich den Eindruck, dass sich eines doch geändert hat: heute gibt es Filme und Serien, die sehr selbstverständlich Frauen über 45 als Darstellerinnen haben und das nicht nur als bescheidene Mami oder blasse Sekretärin. Sondern in der Hauptrolle und das oft sogar, ohne dass das Alter das Thema wäre. Wobei das wieder zweischneidig ist: da spielen Mitvierzigerinnen Rollen, die sich schon vor 15 Jahren spielten, mit den gleichen Verwicklungen und Sorgen und witzeleien, nur sind sie deutlich arriviert, haben ältere Kinder, eine Ehe hinter sich – also durchaus altersgemäß. Aber die klare Ansage: “Hey, nun bin ich an diesem Punkt, muss mich neu an mich gewöhnen und dennoch hat sich nicht so viel geändert.” – die fehlt mir manchmal, denn irgendwie gaukelt mir das natürlich vor: du hast nur mehr Kerzen auf dem Kuchen, dafür mehr Selbstdisziplin, bist nur reifer und schöner, ansonsten ist alles geblieben. Da kann ich als Normalo natürlich nur noch heulend über der Tastatur hängen und wieder glauben, ich sei es selbst schuld – die Wechseljahre, die grauen Haare und der Zunehmfrust 😀

  • ganz ehrlich – ich hab mich in den letzten paar sehr heißen tagen im schwimmbad ein wenig genauer umgeschaut. aus den von dir genannten gründen. und weil ich sehr wohl weiß, dass ich meinen körper die letzten – hm, sagen wir mal 15 jahre – als sehr selbstverständlich hingenommen habe, mit all seinen ecken und kanten, aber hat noch gut funktioniert, das teil. bis jetzt. seit einem jahr plagt mich das zipperlein. und manchmal ist es nicht mehr niedlich, sondern mutiert zum ausgewachsenen zipp. jedenfalls hab ich mich umgesehen. rein äußerlich unterscheiden sich die jungen frauen von heute recht wenig von den *hust* reiferen damen über vierzig. auch diese haben dellen an den oberschenkeln, wabbelbäuche, doppelkinne, bullenschultern oder winkeärmchen. DAS ist es also nicht. ich hadere seit einem jahr (fast auf den tag genau, das kam sehr plötzlich) mit dem älterwerden. dabei kann ich in meinem gesicht noch keine große veränderung erkennen. klar, ein paar fältchen begrüßen mich beim blick in den spiegel. aber auch das ist nicht der grund für diese – verstimmung? ich weiß nicht, woran es liegt, weil ich auch nicht feststellen kann, dass frauen über vierzig (wie in obigem beitrag erwähnt) personae non gratae des alltags wären. ich denke, es ist ein “innending” – die äußerlichen begleiterscheinungen sind nur symptome und stellvertreter, greifbares, über das man schimpfen kann. mit über vierzig hat man die lebensmitte überschritten. das altern an sich macht mir mehr zu schaffen als körperliche unzulänglichkeiten. damals, neunzehnhundertzwölfzig, als “midlife crisis” nicht mehr als ein hauch von verderbtheit für mich war, hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich jemals “wars das jetzt?” denken würde…

    • Ah ja 🙂 Das kenne ich natürlich auch, dass man doch mal schaut, wie sieht es denn bei anderen so aus – bei jüngeren und bei gleichaltrigen. Und auch das rückt die Perspektive schon mal gerade. Aber was, wenn man sich mit seinem eigenen, früheren Selbst vergleicht? Dann kann man eigentlich nur verlieren, irgendwie.

      Und natürlich hast du recht mit dem Innending: es ist nicht alleine das Äußere, das sich ändert, sondern irgendetwas in uns tut das auch. Zwar habe ich nicht das Gefühl, dass sich an Persönlichkeit und Charakter etwas tut, aber an der Einstellung allgemein, am Nervenkostüm. Das sorgt auch nicht dafür, dass man mit dem Spiegel klar kommt. Ach überhaupt ist das alles irgendwie doch gemein und unfair und sinnlos. Aber sobald man hier beginnt, endet man ganz schnell beim Sinn oder Unsinn des Lebens – was die Perspektive ja auch wieder gerade rückt 😀

      • du hast natürlich recht. allerdings bin ich der festen überzeugung, dass auch jammern die dinge wieder ins lot bringt – ein wenig zumindest. vor allem dann, wenn man aus anderer richtung erfährt, dass man nicht alleine ist. danke dafür 🙂

        das frühere ich muss man mit innen-ich und außen-ich damals/heute vergleichen. ich mach das zumindest. ich finde, ich schneide heute besser ab 😉

        • Jammern ist immer eine perfekte Lösung, man muss sich so richtig hineinfallen lassen und sich im Tränenmatsch suhlen. Irgendwann steht man dann verwundert neben sich und muss lachen!

          Irgendwie denke ich ja auch, dass ich heute in vielem die bessere Variante meines alten Ichs bin … allein der Spiegel ist zu blöd, um das zu merken 😛

  • Hm. Ich versuche trotzig nicht zu jammern … Und zu akzeptieren. Und nicht zu hadern. Mich auf die baldigen Wechseljahre zu freuen, denn es wird mir dann nicht mehr so entsetzlich kalt (hoffentlich).
    Soviel die Theorie.

    Praxis sieht vielleicht etwas anders als bei vielen aus, denn ich hadere tatsächlich weniger mit dem Äußerem als mit dem Inneren (habe mich früh damit abfinden müssen, dass ich mich eher über das Hirn als über das Aussehen profilieren muss/soll/darf/und vor allem kann 😉 – aber die nachlassende Festigkeit der Haut und daus Aussehen meines Bauches können schon meine Laune ziemlich vermiesen).

    Physisch tut Altern weh – denn der Körper wird als Gerät weniger zuverlässig. Ich verstehe jetzt warum “alte” Leute soviel über Gesundheit reden, es beschäftigt einen schon sehr wenn sie plötzlich futsch ist, man hat sich viele Jahrzehnte an sie gewöhnt und das Fehlen muss man verarbeiten und ausgleichen …

    Psychisch, am schwierigsten, denn sowohl rückblickend als auch vorwärtsblickend stellt sich bei mir das Gefühl “war’s das?”. Und das erschreckt. Mich. Irgendwie ziehe ich Bilanz des Lebens und filtre ich sie doch durch die früheren Träume – obwohl ich weiß dass es dumm ist und nichts bringt – das was übrig bleibt ist erschreckend wenig. Andereseits – was wäre wenn ich in Bangladesch geboren wäre, oder wenn ich in Aleppo wohnen müsste? – sorry – ich versuche mit diesen drastischen Bildern die Waageschalen des Lebens ins Lot zu bringen, damit sich der Blick eben nicht in den Kleinigkeiten verliert, damit ich zu der recht bescheidenen Lebensbilanz Abstand gewinne, sonnst würde nicht mal das Jammern helfen ;-). Dennoch, die Prägung der Selbstoptimierenden Gesellschaft ist unverkennbar, mit 43 hätte frau dies und jenes erreichen und können müssen, wenn nicht – selberschuld, doch …

    Das wichtigste jetzt aber – Michou, ich würde Dich doch zum Frauenarzt (ja, Arzt, nicht Ärztin) schicken, denn Deine Symptome könnten auf eine Entzündung deuten – ist wohl recht oft in den Wechseljahren, man kriegt sie mit Antibiotika gut unter Kontrolle…
    viele Grüße nach Bonn
    J.

    PS zu dem Unstichtbarsein der Frauen über 40 kann ich nichts sagen – mag sein dass das von der Wohn- und Arbeitsumgebung abhängt, bei uns in der Firma gibt es sehr viele tolle erwachsene Frauen die ganz und gar nicht unsichtbar sind – Führungskräfte inklusive. Tatschächlich die Frauen die ich kenne und die wirklich unsichtbar werden machen das aus eigenem (mir unverständlichem) Antrieb … möglicherweise wachen sie dann mit 55-60 auf und werden Ehrenämter tragen oder sonst was tun? Wäre schade um so viel ungenütztes Potenzial (ich bin wie immer schrecklich praktisch, nicht)

    • Diese “War’s das”-Frage – die kenne ich viel weniger. Sicherlich schaut man jetzt vermutlich weiter zurück als nach vorne und genau das tut man dann auch. Da sieht man viele Hoffnungen und Ideen und Träumeren, die es mal gab. Bei manchen bin ich auch ganz froh, dass sie sich nicht erfüllt haben und allein die Vorstellung, mit wem man heute verheiratet sein müsste, hätte man sich auf die ersten Lieben verlassen … 😀

      Ein bißchen schimmert bei dir die alte Theorie durch, dass es schöne Frauen schwerer hätten als kluge, wenn es ans Altern gehe. Zum Einen unterliegst ja noch immer dem dir wohl eingetrichterten Irrglauben, du seiest unscheinbar, darauf sollte ich eigentlich gar nicht mehr eingehen, ich müsste dich sonst schlagen! Aber auch sonst glaube ich das eigentlich nicht. A) schließt Schönheit Klugheit nicht aus, B) Klugheit verhindert Schönheit nicht und C) ist es nicht alleine der Verlustes des GUTEN Aussehens, sondern des GEWOHNTEN Aussehens und das macht sicherlich allen irgendwann einmal zu schaffen. Wie abgestumpft und sich selbst nicht mögend müsste man sein, wenn man mit absoluter Gleichgültigkeit darüber hinweg ginge?

      Die Unsichtbarkeit … vielleicht hat das doch mehr mit der eigenen Einstellung zu tun? Wie zeigt sich weibliche Sichtbarkeit überhaupt? Außer auf den Sexy-Google-Ergebnis-Seiten? 😀

      • Gute Frage nach Sichtbarkeit – ich denke in dem man weiter da ist, Träume und Ziele und MEINUNG hat. Mut diese Meinung auch in Öffentlichkeit zu sagen. Egal ob das Publikum jung oder alt ist (wie viele haben Schwierigkeiten mit den Freunden eigener Kinder zu reden, ich meine wirklcih zu reden, kein Small-Talk und kein Von-Oben-Herab).
        Sich für Sachen interessieren die etwas weiter sind als der eigene Haushalt …
        … aber vielleicht wird man im alter privater?

        Was Meinst Du?

        • Gute Frage, was meine ich?
          Privater werde ich auf alle Fälle, selbst vor Nachrichten ziehe ich mich manchmal zurück. Aber ob das diese Unsichtbarkeit ist? Ich habe es so verstanden, dass diese Frauen sich nicht mehr gesehen fühlen, wenn sie im Restaurant sind, in den Bus einsteigen, über die Straße gehen – keiner kümmert sich mehr darum, wie sie aussehen und was sie tun. Und das ist bestimmt nicht einfach nur an das Nachlassen der Fruchtbarkeit geknüpft, sondern hat vielleicht was mit deren eigenem Selbstverständnis zu tun – wer sich sehr über die Wahrnehmung anderer definiert, wird da sicherlich einen Einbruch erleiden.
          Vor gut zehn Jahren etwa war es aber auch noch so, dass Frauen eines bestimmten Alters auf einmal weg waren vom Moderationsjob, vom Empfangspult, von jeder Tätigkeit, die was mit Repräsentation zu tun hatte. Das machte es sicher noch schwieriger für viele Frauen, mit sich selbst ins Reine zu kommen.

          • Das stimmt, ist heute aber nicht mehr so extrem. Ich meine mit dem weg sein – auch wenn es in vielen Bereichen noch besser sein könnte, nur Kino als Beispiel zu nennen (gibt es denn nur zwei erwachsene Schauspielerinnen? auch wenn ich die beiden bewundere – ich wette es gäbe mehr als Meryl Streep und Helen Mireen).
            Es kann sein, dass ich das tatsächlich nicht beurteilen oder merken kann – das Gefühl nicht gesehen zu werden, welches Du beschreibst, kenne ich seit anno dazumal und habe mich daran gewöhnt (und nein, ich halte mich weder für klug noch für unscheinbar – das erste wäre ich aber furchtbar gerne), daher fällt es mir tatsächlich nicht auf. Was mir auffällt sind dagegen eben die Frauen, die in einer Gesellschaft nichts zu sagen wagen, nicht mal Fragen stellen, es sei denn es geht um total klischeemäßig typische Frauenthemen. Ihre gleichältrigen Ehemänner, Kollegen, Gefährten brillieren (oft pfauenhaft), und die Damen verschwinden und dienen als Staffage. Diese Art fällt mir eher auf … (nicht dass ich die Partylöwin wäre …)

  • Für mich liegt das Kernproblem dort, wo du es wie ich glaube, auch festmachst: Ab einem Lebensalter, wo man sich als gefestigte (nicht starre!) Persönlichkeit sieht und fühlt und nur noch an Erfahrung zulegt, nicht mehr so sehr an ‘charakterbildenen Erlebnissen’ werden die Dinge immer schwieriger. Anders ausgedrückt: Die Seele, der Geist, sie altern nicht (mehr) – der Körper allerdings um so mehr. Damit wird die Spreizung zwischen Körper und Geist immer deutlicher. Die Frau im Spiegel scheint so wenig mit dem Geistestier zu tun haben, das in ihr wohnt.

    Ich halte jede nur erdenklich Wette: Jeder Mensch, insbesondere aber jede Frau, die behauptet damit nie zu hadern, lügt druckreif. Im Zweifel sich selbst in die Tasche.

    Der für mich persönlich härteste Gedanke ist der, daß ich eindeutig mehr Lebenszeit hinter als vor mir habe, denn damit 100 zu werden, kann ich eher nicht rechnen. Und physisch gilt sicher auch: besser wird es wohl nicht mehr werden. 🙂 Lange hatte ich mit dem ganzen Konglomerat sehr zu rechten, es waren sicher einige Jahre. Nun wird es langsam besser, weil sich bei mir ein Perspektivenwechsel durchgesetzt hat – von ‘war das jetzt schon alles’ zu der Klarheit darüber, wie gesegnet ich eigentlich bin: Ein Leben, das überwiegend glücklich und vor allem selbstbestimmt war und ist. Tonnen an Erfahrungen, auch da mehr schöne als häsliche. Immer wieder Menschen, die mich liebten, manche länger, manche kürzer, erstaunlich viele schon seit Jahrzehnten und noch immer 🙂

    Man sollte auch ab und an darüber nachdenken, woran man sich misst oder messen möchte. Der allgemein gesellschaftliche Maßstab für ein erfolgreiches Leben ist oft nicht der eigene – und man merkt es vielleicht zunächst gar nicht. Auch: die Entscheidung FÜR etwas ist auch immer eine GEGEN etwas anderes (Beispiel? Gern: Ich wollte nach den ersten Berufserfahrungen nie wieder einen Chef haben. Habe ich geschafft. Klar ist aber auch: Reich wird man als Freie nicht, und auch die Absicherung ist eher mau.)

    In short: Älter werden, alt werden gar, ist kein simpler Prozess, nicht zuletzt weil man mit einem erwachsenen Geist die Dinge und sich selbst immer wieder hinterfragt. Was mir an meinem Heute gut gefällt: Wer mich heute mag und gerne mit mir umgeht, tut das sicherlich deshalb, weil ich bin, wie ich bin und nicht um meiner äußeren Erscheinung willen.

    • Auch ein guter Aspekt: der Unterschied zwischen Geist und Körper – ersterer ist haltbarer … wobei der Verfall des Geistes auch nicht unmöglich ist. Was wiederum eine Perspektive ist, die ebenfalls unter “Besser wird es nicht mehr” fällt.
      Ich glaube auch, dieses nicht mehr Besserwerden ist etwas, was uns jetzt in diesen Wechsel-Jahren so klar wird: dieser ganz Selbstoptimierungsblabla suggeriert uns ja gerne, dass wir mit etwas Disziplin und Arbeit UND Zeit irgendwann die werden, die wir angeblich sein wollen: das straffe, feinporige, sportliche, ausgeglichene, zen-entspannte Supermädel mit gut geöltem Tagesablauf. Selbst wenn man das nicht mitmacht und für albern hält, irgendetwas davon setzt sich fest in uns und sowieso haben wir wohl alle schon mal Dinge beiseite geschoben, bis ein besserer Zeitpunkt, ein besseres Ich damit was anfangen kann – “wenn ich erst einmal die Arbeit geschrieben habe, wenn ich erst einmal zwei Kilo leichter bin, wenn ich erst einmal dies und das und jenes”. Man konnte also die Illusion hegen, dass wir uns jederzeit verschöneren, verbessern, verfeinern würden können.
      Jetzt stellen wir fest: die Zeit arbeitet überhaupt kein bißchen für uns, sondern lacht uns aus. Ich glaube und hoffe schon, dass sie uns dafür einen Trost und einen Ersatz bietet, aber während ich so vor mich hinbröckele, fühle ich mich doch veräppelt.

      Perspektivwechsel ist ein gutes Wort und eine gute Wendung! Aber was bleibt uns auch übrig, wenn wir nun nicht jammernd in der Ecke sitzen bleiben wollen? 😀

  • Ich nochmal … der nicht aufzuhaltende Verfall (hach, ich wollte es einmal ausschreiben!) ist die eine Seite, ich hadere, glaube ich, im Moment fast noch häufiger damit, wie ich (damit meine ich, ein Mensch in meinem Alter) von außen wahrgenommen – oder besser: einsortiert? – werde. Daher der oben erwähnte bewusste Schritt, das Alter offensiver zu handhaben, was ja in der virtuellen Welt eigentlich gar nicht zwingend nötig wäre. Um vielleicht ein klitzekleines bisschen – ja, ich weiß auch nicht: anzustoßen? bewusst zu machen? – dass keine von uns als Vierzig- oder Fünfzigjährige auf die Welt gekommen ist, sondern dass sich das ganz von selbst so ergeben hat. Die Schule, die Ausbildung, die Kinder – und, huch! – da waren mal eben Jahrzehnte vergangen. Wie konnte das passieren? So hatte ich mir vorgestellt, dass ich, wenn die Kinder groß genug sind, vielleicht noch einmal ins Ausland gehen könnte. Und stelle jetzt fest, dass ich dafür zu alt bin (mal abgesehen von der EU, aber da bin ich ja schon). Wie Jobangebote, wie jeder weiß, sowieso schwer zu finden sind. Zumindest solche, die eine ausreichende Bezahlung bieten für Menschen, die Familie haben und infolge dessen eine etwas größere Wohnung und einen größeren Kühlschrank brauchen. Dann war da das – schon ziemlich große – Kind, das mich, als ich mein Aussehen im Spiegel überprüfte, fragte, wieso ich das denn noch täte, ich wäre doch schon verheiratet. Und neulich das Meeting, bei dem ich mich neben der Vertreterin eines großen Online-Marktplatzes wiederfand, eine gebildete, weltgewandte Mittdreißigerin, die mich im Laufe des Gesprächs stets mit ihren Eltern, engagierten 68ern, in einen Topf warf. Ahja. Soll heißen: der eine Punkt ist die Veränderung des eigenen Körpers, der andere, dass selbst, wenn wir damit gut klarkommen, wir uns die Nase an den Glaswänden stoßen, die ganz plötzlich um uns herum aufgetaucht sind (waren die schon immer da? hat die jemand hingestellt? kann die mal jemand wieder wegräumen?). Auch daran muss ich mich erst gewöhnen.
    Ich denke in der letzten Zeit oft an etwas, das mein Vater erzählt hat. Mein Vater war klein, lebhaft und durchtrainiert und wirkte sein Leben lang eher etwas jünger, als er tatsächlich war. Ein begeisterter Fußballer, hängte er mit 60 endlich die aktive Laufbahn quasi an den Nagel (ein Aufatmen ging durch die Familie, die jahrzehntelang um Punkt-, Freundschafts-, Aufstiegsspiele herumnavigieren musste). Kurz vor seinem Tod hat er mir mal erzählt, dass er nicht aufgehört hat, weil er nicht mehr spielen konnte. Sondern weil er es satt hatte, überall “der Opa” genannt zu werden, auch von Spielern, die zwanzig Jahre jünger waren als er und an denen er noch mühelos vorbeizog. Enkel hatte er da übrigens noch nicht. Ich verstehe langsam, was er meinte. Ein weites Feld …. 🙂 Euch einen schönen Tag!

  • Wenn ich euch alle so höre – ja, ich höre euch, wenn ich lese – muß ich doch lachen. Meine Vermutung: Jede von uns hadert mehr oder weniger heftig mit der eigenen äußeren Erscheinung, würde aber aufrichtig die anderen in diesem Kreis als jeweilig sehr schöne Frau bezeichnen. Das ist so eine weitere Krux. Ich persönlich bin sicher, daß Frauen in eine selbstkritische Haltung hineinsozialisiert werden, die kein Mann lange aushalten könnte ohne schizophren zu werden. 🙂
    Bei dir, Andrea, kann ich es beispielhaft klar konkretisieren: Ich empfinde dich auf deinen Photos immer als eindeutig schöne Frau, auch auf denen, auf denen du dich der eigenen Aussage nach nicht magst. Deine Maße kenne ich der Kleider wegen nun sehr genau (seltsam, was für eine Intimität das schaffen kann. Ich hoffe du nimmst mir den daraus resultierenden Schwund an Distanz nicht krumm.) und kann also nur zu dem Schluß kommen ‘schönes Gesicht, tolle Figur, hellwacher Verstand.’

    Vielleicht sollte man wirklich mal ein Photoprojekt starten, im kleinen Kreis, strikt nicht öffentlich, mit dem wir einander beweisen könnten, daß der größte Haken im gesamten Alterungsprozess die übersteigerte Selbstkritik sein mag. – Mei, jetzt habe ich den Floh im Ohr. 🙂

    • Ich kann kaum solche Dinge schreiben und erzählen und dann erwarten, dass Distanz gewahrt wird 😀

      Es ist ja eine altbekannte Krux, dass die meisten Frauen anderen Frauen gegenüber viel, viel postiver und freundlicher gegenüber stehen als sich selbst und es oft gar nicht nachvollziehen können, was die andere so belastet – also wenn es um Äußeres geht. Denn was die Persönlichkeit, den Charakter angeht: den stellen wir wohl schon lange nicht mehr in Frage; da sind wir doch wohl mit uns selbst im Reinen. Oder?

  • Nachtrag: Wie hart es ist in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft zu leben, an Glaswände zu stoßen, unsichtbar zu werden, ist ein unglaublich weites Feld, das sich wohl nicht mehr im Laufe meines Lebens in eine Blumenwiese verwandeln wird (mind your metaphores:) ) Man kann nur hoffen, daß sich dieser verflixte Jugendwahn in zwei, drei Generationen erledigt haben wird … Erfahrung, Herzenstakt, Empathie wachsen meiner Erfahrung nach mit den Jahren, doch wird Ihnen in dieser Gesellschaft (noch) nicht der Wert beigemessen, der ihnen gebührte.

  • Ach je, Sie Arme! So viel Pein aushalten zu müssen, das ist ja wirklich schlimm. Ich glaube, das Älterwerden (und die damit verbundenen Malaisen) ist ungerecht, so wie das ganze Leben im übrigen. Die eine triffts härter, die andere hat es ein wenig leichter. Ich hab das für mich jetzt mal so definiert: Es kommt was daher, das muß ich in mein Leben integrieren und je länger man unterwegs ist, um so mehr muß eben in das Päckchen. Ich wünsche Ihnen, daß es besser wird, Sie wieder fröhlicher in die Welt gucken können und Ihre Seele leichter wird. Seien Sie gut zu sich, damit meine ich auch: nachsichtiger. Sie sind so eine wunderschöne Frau – ach ja, ich weiß schon, das nützt einem nix, wenn man sich selber nicht so sieht. Da ich um einiges älter bin als Sie, prophezeihe ich jetzt mal was: Es gibt einen entscheidenden Vorteil am Älterwerden, nämlich daß einem manche Sachen richtig wurscht (wie wir hier in Bayern sagen) werden: Lass doch die andern denken, was sie wollen, ICH bin wichtig. Man denkt viel weniger drüber nach, wie man auf andere wirkt, was die von einem halten, in welches Kastl sie einen stecken …. pffff, sollen sie doch. Und dann habe ich noch eine klitzekleine Kritik an einem Ihrer Sätze: Warum schreiben Sie vom “dummen Frauchen”, das Kartoffeln schält?????????? Das ist Ihrer nicht würdig, dieser Ausdruck! Sie würden das ja auch nicht von einer anderen Frau sagen, oder? Seien Sie gut zu sich. Ich sende Ihnen beste Wünsche ….

    • 🙂 Vielen Dank für den lieben Trost und die Aussicht auf Besserung 🙂 Ich arbeite auch hart daran, meine Einstellung zu ändern und ein wenig netter mit mir zu sein, vielleicht sogar mal ohne ständiges Schuldgefühl allem und jedem gegenüber.

      Das dumme Frauchen nehme ich gerne zurück, so bös war es nicht gemeint! Offenbar ist der bayrische Anteil an mir doch noch zu klein, um so ein richtiges Mir-doch-wurscht-Gefühl zu entwickeln. Obwohl: die Meinung anderer ist so wichtig in vielem nicht – muss ja auch nicht, wenn man sich selbst herunterreden kann 😀

      Allerliebste Grüße wie immer ins schöne Bayern 🙂

  • Es ist hier schon einige Male erwähnt worden, der Widerspruch liegt darin, dass man im Innersten jung zu sein scheint, das Äußere und damit die Fremdwahrnehmung jedoch Alter suggeriert. Statt mit “erkennen” wird man mit “verkennen” konfrontiert. Die äußeren Anzeichen des Alterns wie Falten u.ä. stören mich persönlich wenig. Mir erscheint es jedoch schwierig, in angemessener Weise die innere Jugend zum Ausdruck zu bringen, ohne anbiedernd oder jugendwahnig zu erscheinen. Ich meine damit z.B. das Interesse an jungen Menschen und ihren Themen zeigen zu können…
    Ich weiß nicht, wie es bei anderen ist, aber mir scheint der regelrechte körperliche Verfall ruckweise vonstatten zu gehen. Man schaut sich an und sieht etwas ganz anderes als gestern noch.
    In diesem Zusammenhang hadere ich sehr mit dem Verlust einiger körperlicher Fähigkeiten. Aus Gründen entwickelte sich mein beruflicher Werdegang von einer qualifizierten geistigen Tätigkeit hin zu einförmiger körperlich anspruchsvoller Arbeit in der Produktion. Das Tragen einer Gleitsichtbrille erschwert hier die Tätigkeit an Maschen etc., da man ständig im falschen Sichtbereich operiert. Kleine Schräubchen können an machen Tagen nicht mehr erfasst werden, die Fußsohle platzt nach mehrstündigem Stehen fast. Man ist ständig auf der Suche nach Hilfsmitteln und muss praktisch doppelt schnell arbeiten, um o.g. Verluste auszugleichen.
    Psychisch ist es daher sehr schwer zu verkraften, dass nun schon wieder etwas nicht funktioniert. Man möchte sich gern erklären, auf früher Geleistetes hinweisen. Und genau das macht einen lächerlich, dabei sollte doch gerade Souveränität ein Vorteil des Alters sein.

    Und noch etwas…
    Ich glaube schon, dass das verstärkte Wahrnehmen der eigenen Vergänglichkeit anhand der äußeren Prozesse einen Großteil der Verstörung ausmacht. Wir haben inzwischen Eltern und Anverwandte zu Grabe getragen und wissen, was die eigentliche Bedeutung des äußeren Niedergangs ist. Diesen Gedanken zu integrieren scheint mir das zu sein, was so schwierig ist.

    Liebe Michou, solange wir noch Falten und Flecke und Pölsterchen bekommen, sind wir noch da! Ich denke mal, dass wir uns darüber vielleicht dann doch eher freuen sollten.

    Herzliche Grüße von Petra

    • Genau das ist es einer der Gründe, diese sichtbaren Veränderungen so mißtrauisch und ungeliebt zu betrachten: die Falte mehr bedeutet ein Jahr weniger vor uns; die weiche Taille erzählt nicht nur von den vergangenen Tagen, sondern zeigt, was die Zukunft noch alles bringen kann.

      Die körperlichen Handicaps, die sich so langsam zeigen, tun das noch mehr, aber die lassen sich auch viel länger schönreden: ich japse schon auf der 10. Treppenstufe? Dann sollte ich endlich wieder mit dem Sport anfangen. Mir wird schwindelig, wenn ich zu schnell aufstehe? Bestimmt zu wenig getrunken. Nach einem Eisbecher fühle ich mich so müde und schlapp? Es ist ja auch so heiß. Und so nehmen wir uns vor, alles wieder in den Griff zu bekommen. Aber der Blick in den Spiegel auf den Hals lässt uns ahnen: könnte es einfach sein, dass wir alt werden und manches nicht mehr so können wie vor 15 Jahren? Ich kann beispielsweise nicht mehr rennen und das liegt nicht alleine an meiner fehlenden Kondition: mir knickt einfach das linke Bein nach kurzer Zeit weg. Müsste ich noch Busse einfangen, dann wäre ich verloren.

      Ich glaube ja, dass ja gerade jetzt in diesen Jahren die Veränderung genauso ruckweise vonstatten geht, wie du es auch erlebst – und glaube auch, dass wir uns mit all den äußeren Aspekten ganz gut abfinden, wenn wir uns erst einmal daran gewöhnt haben. Falten und Röllchen sind genauso wenig ein Grund, das Leben im Kämmerlein zu verbringen, wie es rote Haare, kleine Füße oder große Nasen sind 😀

  • Dem Kommentar von Petra möchte ich mich gerne anschließen. Falten oder Pölsterchen, scheußliche Hitzewallungen (habe ich seit ein paar Jahren und finde sie wirklich äußerst nervig) usw. sind doch keine wirklichen Probleme, verglichen mit dem, was auf fast jeden Menschen im höheren Alter zukommt – schlechteres Sehen und Hören, Ungeschicklichkeiten, die Frage, ob man noch Autofahren kann oder diesen Rest von Mobilität abgeben muss, weil man nicht mehr gut zu Fuß ist. Kann man noch in der vertrauten Wohnung bleiben, wo man die Nachbarn kennt, oder soll man in ein Betreutes Wohnen ziehen bzw. gleich ins Altersheim. Wie schafft man die eigene Versorgung bzw. die des Ehepartners…. So viele, wirklich sorgenmachende Fragen, die nicht von einer (vielleicht momentanen) Unzufriedenheit mit sich und den Umständen abhängen.
    Der 2. Grund, warum ich noch schreibe ist folgender: Ich habe bei euch gelesen, man werde ab einem gewissen Alter als Frau nicht mehr wahrgenommen. Was soll das denn heißen? Fehlen euch die Pfiffe der Bauarbeiter, die einen mit 20 genervt haben? Eigentlich fiele das heute ja schon unter das Kapitel sexuelle Belästigung. Ich glaube, das ist auch so ein Frauenthema, dass man als Frau unbedingt bemerkt werden sollte. Wichtig ist doch, wie man in seinem Umfeld wahrgenommen wird, ob als gute Fachkraft im Beruf, als gute Nachbarin, Person, die zur Stelle ist, wo es nötig ist, eine, die etwas nicht ihrer selbst willen, sondern einfach so macht. Eigentlich unauffällig, aber ohne solche Leute würde nichts funktionieren. Das gilt natürlich genauso für die Männer. Überlegt euch doch, dass man die meisten Männer nicht wegen ihres tollen Aussehens oder ihrer Lebensleistung wegen wahrnimmt, sondern weil man sich auf sie verlassen kann.
    Viele Grüße
    Annette

    • Aber genau das ist es doch: das sind noch keine wirklichen Probleme, weshalb man sich ja selten traut, dazu zu stehen, von ihnen genervt oder erschreckt zu sein. Und schockiert, denn wenn diese fremde Frau im Spiegel schon so ätzend ist, wieviel schlimmer soll es denn wohl noch werden? Dann malt man sich aus, was in dreißig Jahren wohl mit einem passiert sein wird – wenn es in diesem Tempo weitergeht, liege ich dann ans Bett gefesselt und dämmere in Phantasiewelten vor mich hin? Oder bin ich im Vergleich noch fit und werde ich noch nähen? Soll ich am besten sofort aufgeben oder soll ich glücklich sein, dass es noch weit weg ist? Wieviel von dem, was kommen könnte, habe ich selbst in der Hand und was nicht? Das Verhindern von Schwabbel ist mir ja nicht gelungen 😀

      Was das Unsichtbarsein anbelangt: ich glaube, darum geht es gar nicht um männliche Aufmerksamkeit im Sinne von Pfiffen und Angeboten, sondern überhaupt um Aufmerksamkeit: nimmt mich ein Verkäufer nur noch wahr, wenn ich ihm gegen das Schienbein trete? Muss ich auf dem Tisch tanzen, damit meine Meinung noch was zählt? Es sind Alltäglichkeiten, die deine Unsichtbarkeit zeigen. Kleidung kaufen beispielsweise: bei wie vielen Schaufensterauslagen hat man nicht das Gefühl, da werden ausschließlich Zwanzigjährige angesprochen? Oder Zeitschriften? Entweder habe ich die Wahl zwischen Business und Politik oder Magazinen, die mich trösten, weil ich demnächst 30 werde und danach doch nicht alles vorbei sei, wenn auch fast alles.
      Obwohl ich – wie oben zu Joanna geschrieben – sehe, dass sich in Film und Fernsehen viele unseren Alters tummeln, muss ich doch zugeben, dass Jugendlichkeit nach wie vor das höchste Gut unserer Gesellschaft zu sein schein. Wenn Emma schreibt, dass sie von einer gerade mal 15 Jahre jüngeren Frau ständig mit ihren Eltern in einen Topf geworfen wird, dann ist es auch das eine Form von Unsichtbarkeit – du bist einfach älter als ich und damit uninteressant. Oder wie Petra sagt: ständig darauf hinweisen, was man mal konnte oder tat, will man auch nicht – klingt dann auch schon sehr nach geschönter Erinnerung in den Ohren des schmunzelnden Gegenübers. Wenn man dann am liebsten sagen würde, hey, grins nicht, das kommt schneller als du denkst – dann fühlt man sich selbst uralt und wäre am liebsten unsichtbar 😀

      Was die Männer anbelangt: da wäre ich mir längst nicht mehr so sicher. Schaue ich mir junge Männer an oder meinen bald elfjährigen Sohn, so ist ihnen ihr Äußeres viel viel wichtiger als den Generationen vor ihnen. Weil sie es vorgelebt bekommen: unter den jungen Schauspielern und Sängern ist Perfektion von Muskeln, Haar und Haut längst die Norm.
      Aber es ging insgesamt gar nicht um das Aussehen alleine; ich kenne auch keine Frau, für die ihr Aussehen jemals wichtiger gewesen wäre als alles andere. Aber sein Aussehen zu verlieren, sich in eine Fremde zu verwandeln – das ist eben keine Kleinigkeit, das tut etwas mit einem.

      • Klar, dass die jungen Männer von heute mehr Wert auf ihr Äußeres legen, merke ich auch an unserem 19 Jährigen. Aber ich dachte eher daran, wie wir die Männer sehen. Sind uns da die George Clooneys wichtig oder einfach die Umgänglichen oder die durch ihre (normale) Lebensführung Interessanten? Und zu Emmas Erfahrung: Ich stelle immer mehr fest, dass viele Leute nur noch sich und ihr enges Umfeld sehen und keine Ahnung bzw. keinerlei Interesse an dem haben, was sich außerhalb ihres Ipads und ihrer Facebook-Seite abspielt. Sie merken gar nicht, wie respektlos (und das meine ich jetzt nicht dem Alter von Emma , sondern ihr als Person gegenüber) sie sind. Solche Leute sind für mich durch ihre Sichtweise einfach wortwörtlich gemeint “beschränkt” und ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt, darüber hinwegzusehen und ihre Meinung einfach nicht ernst nehmen zu können.

        • Wir nehmen sie ja auch nicht zu ernst, denke ich – aber stellen fest, dass nicht wir, sondern diese Beschränkten meinungsbildend sind. Weil wir uns auch zu leicht verärgert und amüsiert zurück lehnen, raus aus der Sicht. Womit wir dann wieder ein wenig beim Selbst-Schuld sind 😀

          Und ja, wir nehmen Männer anders wahr – oder zumindest die Frauen, die ich kenne und die sich hier austauschen, tun das 😀 Aber Männer sehen Frauen nicht genauso, weshalb vielleicht doch auch ein wenig Trauer herrscht: so wenig ich auf catcalls stehe, mir zuzwinkernde 90jährige sind auch nicht aufbauend 😀

  • Liebe Michou, danke fuer dein Kompliment! Und ja, auch ich bin durch den Tunnel der einsamen Selbstzweifel gegangen( drei Bauchröllchen über der Designerjeans machen wirklich keine gute Laune). Deshalb liebe ich weite Röcke 😉
    Und ja, unsichtbar für einen großen Teil der Männerwelt zu sein, muss frau auch akzeptieren … andererseits finde ich es sehr befreiend, nicht mehr irgendwelchen männlichen Maßstäben von schön oder nicht schön zu unterliegen.
    Und dann wirst Du noch ein bisschen älter und kannst Dich selbst neu inszenieren , das macht Spaß – nur ist da immer auch der Hintergedanke der eigenen Endlichkeit …
    Liebe Grüße Dodo

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