Genäht, genäht – ich habe was genäht!

Jedes Jahr im Sommer das selbe Spiel: ich kündige der Familie an, dass ich nicht nur kochen und putzen und waschen und kochen werde, nur weil über Wochen (fast) alle zu Hause sind und Arbeit machen – nein, ich will und werde auch nähen und stricken und bloggen und Ferien haben, so! Funktioniert jedes Jahr unglaublich. Unglaublich gar nicht. Das türkise Komfortzelt war ein Schnellschuß, danach krebste ich an einem Trägerkleid herum, das mir nicht gefiel, begann den hübschen Sack und eine daraus entwickelte Überziehbluse (wer auf Facebook mitliest, hat schon etwas davon gesehen). Das Trägerkleid ist längst entsorgt und Sack und Top habe ich gestern endlich fertig gestellt.

Heute früh, die Sonne schien verlockend, kam ich meiner heiligen Pflicht nach und fotografierte. Wie immer nicht leicht für mich: nicht nur schien mir die Sonne in die Augen, ich weiß auch überhaupt nicht, wie ich nun posieren soll – nicht, dass ich das jemals wußte. Aber in Kunstlederhosen und flacheren Schuhen fühlt es sich ganz neu und anders und unbeholfen an …

 

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So viel Sonne!

An der gekauften Hose könnte manches besser sitzen, aber der Große brachte sie mir begeistert in die Kabine und für 7,- € lass auch ich mich im Schlußverkauf verführen. Die perfekte Kunstlederleggings suche ich noch. Aber viel interessanter ist das Oberteil. Der Stoff stammt von einem ebay-Verkäufer, der Stoffe aus den 60ern im Lager hatte: dieser hier ist ein Viskose-Kunstfasermischung-Crêpe, der aus gutem Grund sehr günstig war. Ursprünglich war es wohl ein zarter Rosenholzton, aber als er hier ankam, war er angegilbt, teilweise bläulich verfärbt und verzogen war er noch dazu. Da ich hier nichts mehr verderben konnte, habe ich den Stoff gemeinsam mit Gardinenweiß, Fleckentferner und einem guten Schuß WC-Reiniger in die Waschmaschine geworfen – und gehofft, keine fatale chemische Reaktion auszulösen. Verblüffend, aber wahr: heraus kam ein gleichmäßiges Graurosé. Schwieriger war es, den Crêpe wieder einigermaßen in Form zu bekommen und am fertigen Oberteil gibt es noch immer kleinere Beulchen, die sich nicht glätten ließen.

Die Bluse trägt sich wunderbar, wenn auch ungewohnt: die Taillenabnäher blieben offen, auch der Schulterabnäher wurde als Weite in den Saum geschoben. Aus dem Brustabnäher wurde ein französischer, der von der Hüfte bis zu Brustspitze reicht. Leider gelingt es mir nicht, die Schönheit der Bluse abzulichten: sie umfließt mich, sitzt an Schultern und Armen so perfekt, wie ich es nur hinbekommen kann (also könnte besser sein, reicht mir aber aus) und der leicht gerundete -Boot-Ausschnitt liegt glatt an – ingesamt bin ich stolz auf diesen Schnitt; das darf ja auch mal vorkommen. Schlichtheit ist tatsächlich weniger leicht, als es aussieht.

 

Wohlfühlpose offenbar ...
Also wandern wir auf die andere Seite des Hauses in den Schatten.

Dass die Schulferien vorbei sind, hat einen großen Nachteil: der Kleine konnte mich nicht knipsen, deshalb wieder einsame Feldversuche mit Kamerahöhe und Rennerei. Das letzte ist mir am ähnlichsten, wenn ich meinem Spiegel trauen darf.

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10 thoughts on “Genäht, genäht – ich habe was genäht!”

  • Ich finde das Outfit sensationell! Du siehst sehr schlank auf den Fotos aus (was ja wohl nicht nur am Posen liegt :o) – deine langen Beine kommen in dieser Hose unglaublich gut zur Geltung und der Blusenschnitt ist wundervoll, er kleidet dich sehr!
    Bewundernde Grüße,
    Bettina

  • Wie, Trägerkleid entsorgt? Hab ich gar nicht mitbekommen, och …. Aber sehr schöne Bluse. Fließt wahrscheinlich mit bei Bewegungen, oder? Sieht so schlicht natürlich super aus zu der Hose, aber – hüstel – ich wage ja kaum, das zu sagen: aber ich sehe sie auch ganz deutlich mit Rock vor mir 😉

  • ich möchte die Bluse haben! oder zumindest den Schnitt.
    Sieht sehr gut aus, schick und locker und (haha) jung 😛 – es freut mich sehr Dich in einer Hose zu sehen.
    LG
    J+Findus

  • Da schließe ich mich an … steht dir super so ein moderner reduzierter Stil! Obwohl sich das ja mit Vintagekleidern nicht ausschließen muss. Ich habe da so ein paar 50er Jahre Kleider im Sinn, die ähnlich modern, schlicht, pur, ein bisschen französisch sind. Vielleicht ist es ja vor allem der Flair des Modernen in der Kleidung der gerade zu dir passt und nach dem du gerade suchst … aber egal ob 40er oder 50er oder was auch immer, mir gefällste! 🙂 Viele liebe Grüße, Zuzsa

  • Sie gefallen mir sehr gut und ich finde auch, Sie sehen aus wie, also höchstens 37,5 …. KLASSE! Wollen Sie den Schnitt nicht verkaufen????

  • Steht dir sehr gut, du siehst aus wie eine langbeinige Gazelle. Und es beweist, daß auch bei vermeintlich schlichten Sachen die Passform eine große Rolle spielt. Vielleicht sogar die größte Rolle überhaupt, es ist ja nichts da,, was vom Sitz abenken könnte.
    Lg Ingrid

  • Wow, das gefällt mir sehr gut. Ganz unerwartet, aber toll!
    Zur Zeit experimentiere ich auch viel mit weiten aber femininen Oberteilen zu Hosen, einfach weil Petticoats mit Annie-Lennox-Frisur komisch aussehen 😀
    Auch wenn Kunstleder nicht so meins ist, die Länge der Hose reizt mich grad sehr. Dachte immer so “zu kurze” Hosen würden einen kurz wirken lassen, aber siehe da, sie strecken ja wahnsinnig!

    • Wie geht es dir denn? Ich habe schon einige Male überlegt, dich anzuschreiben, aber das kann ja auch Stress sein, je nachdem, wie du dich fühlst – also freue ich mich sehr von dir zu hören.

      Wenn die Hosen etwas kürzer als knöchellang sind, sieht es doch meist so aus, als sei man zu lang für sie – ich denke, das ist der Trick 😀 Und das Kunstleder: Leder kommt für mich ja nicht in Frage … bislang ist es aber noch viel, viel zu warm dafür 😀

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