Hätte ich es doch fast vergessen!

Erinnert ihr euch noch an diesen Schnitt, den ich ausführlich vorgenäht habe?

Sollte man nicht meinen, dass auch der fertige Rock ein oder zwei Bilder wert gewesen wäre? Er wäre es nicht nur, er ist es auch – schon aus dem Interesse heraus, ob das Ding etwas geworden ist. Und ich hätte ihn längst gezeigt, wenn ich ihn beendet hätte.
Nun möchte man meinen – und die Damen Palmer/Pletsch sagen dies in ihrer Anleitung gar – dass ein solcher Wickelrock passformunsensibel sei. Ist er nicht. Ich hatte für den Zuschnitt bereits die Taille schmäler und die Hüfter weiter gezeichnet. Hundertprozentig kann das bei mir niemals funktionieren, weil das Verhältnis Taille-Hüfte nicht unproblematisch ist. Bei einem Rock, der eine Hüftbeuge eingezeichnet hat, ist das leichter – bei einem Rock, der nur minimal gebogen, sondern vor allem gerade ausgestellt ist, wird das schwierig. Würde ich die durch den Winkel von Taille zu Hüfte vorgegebene Linie bis zum Saum gerade durchziehen, so wären meine Röcke am Saum meterweit. Das will ich nicht immer. Also muss ich einen Kompromiss zwischen oberer Hüftbeugung und anschließender gerader Linie finden. Was mir nicht immer gelungen ist, aber das führt zu weit.
Aber bei diesem Rock ist der Kompromiss gelungen. Das Problem lag am Hakenverschluss. Also der einfachsten Verschlussform. Palmer/Pletsch rät, die Platzierung vom Haken und Öse am Körper festzulegen und sich nicht auf die eingezeichnete Markierung zu verlassen. Das ist – zunächst einmal – logisch, denn der Körper ist gerundet, wo der Schnitt flach ist. So stand ich vor dem Spiegel, mit Stecknadeln bewaffnet und legte fest.
Beim flachen Annähen stellte ich fest, dass der untere Bundteil straffer lag, als der darüberliegende. Also noch einmal probieren, neu festlegen. Sah gut aus. Bei der Anprobe jedoch lagen beide Bundteile schief übereinander. Hurra, auftrennen. Damit hatte ich für den Tag keine Lust mehr. So lag das türkise Wunder für einige Tage über Bügelbrett, Sofa, Sessel und diversen Stühlen. Bis ich es wieder zur Hand nahm, neu anprobierte und neu steckte. Dabei schien ich viel mehr Platz als beim ersten Mal zu brauchen. An diesem Tag fiel der Entschluß, es mit dem Süßschlemmen zu überdenken. Dennoch habe ich die Haken angenäht. Und – ha! Sie saßen am falschen Platz. Zurück aufs Bügelbrett mit dem Teil.

Erst Ende letzter Woche konnte ich mich aufraffen, ihn zu beenden, egal wie! Mittlerweile hatte ich zwei Wochen nichts Süßes außer einer Tüte Lakritz und einer Handvoll geschenkter Pralinen zu mir genommen. Macht sich um die Bauch-und Hüftregion deutlich bemerkbar. Macht sich heute auch deutlich am Rock bemerkbar, der nun tiefer als zuvor sitzt und ein klein wenig weit an der Taille ist. Aber gut. Nur die vorderen Rockteile könnten etwas mehr übereinander liegen – auch ohne Wind neigen sie dazu, sich voneinander zu trennen …

Zwischenzeitlich war ich in der Lage, das Bild zu finden, das meine eigentlich Inspiration war: ein Rock von Sonia Rykiel.

Nicht wirklich ein Wickelrock, aber die Knöpfe würden auch zu meinem Rock gut passen – nur ohne Knopflöcher. Das hätte die Anpassung unmöglich gemacht. Nur vom edlen, faltenfreien Fall bin ich weit entfernt, wie sollte es auch anders sein.

Hmm, es ist heller hier draußen als es aussieht.

Ich stehe im Schatten, die Kamera ist im Schatten, das Bildbearbeitungsprogramm hat das Möglichste heraus geholt – surrealistisch, im besten Falle.

Die Jungs auf dem Sofa lachen sich mittlerweile schlapp. “Mami, beinahe hätte ich was gesagt!” Ich will es gar nicht hören, mein Kind.

Besser wird es heute nicht.

Das Problem mit einem Rock, der sich theoretisch der Figur leicht anpassen lässt, ist die Tagesform, in der die jeweilige Figur gerade ist. In meinem Fall sind das die Zentimeter an der Taille, die sich über die letzten Wochen veschoben haben: von 70 cm bei Beginn der Rocknäherei zu 73cm auf dem Höhepunkt zu 69 cm jetzt. Kein Wunder, dass ich nicht hinterher kam, oder?

Denkt an den Post von Samstag: will nicht jeder ein Vintage-Rockschnittmuster besitzen, dass man nicht hat abkopieren müssen? 😉



4 thoughts on “Hätte ich es doch fast vergessen!”

  • Ich finde dein Rock sitzt gut. Der Fall kann nicht so werden wie bei deiner gelben Inspiration, weil dein Stoff vermutlich etwas steifer ist, was die Anpassung, meiner Meinung nach, auch schwieriger macht. Dir ist es aber bei diesem Rock gut gelungen.
    Was ich bei der Bundweite immer als problematisch sehe, ist die Anpassung an die Aktivitäten und Passivitäten des Tages. Eine Hose/Rock die/der morgens noch stramm sitzt verliert immer mehr an Halt, bis man am Abend denkt, man trägt zwei Nummern zu groß. Das kommt aber meistens bei gekaufter Kleidung noch häufiger vor. Ich verdächtige mal die Einlagen.
    Ich hätte sehr gerne ein Vintage-Schnittmuster, aber leider hast Du in meiner Größe nichts dabei. Ich hätte es aber einfach als Verlosung oder als Gastgeschenk bezeichnet. Allerdings bin ich mir mit dem zweiten Begriff nicht sicher. Ich dachte da an diese japanische Tradition, bei der der Gastgeber seine Gäste beschenkt. Allerdings gibt es da meistens nur so Krabbenchips….
    Viele Grüße
    Julia

  • 😀 Ich kenne das ja nur andersherum: morgens passe ich gut hinein und abends spannt es überall. Hat sich aber zusammen mit den Süßigkeiten weitesgehend erledigt – ob es da einen Zusammenhang gab? 😉

    Als ich noch schmaler war, hatte ich mit alten deutschen Schnittmustern auch Schwierigkeiten: ich habe ein traumschönes Heft, in dem jeder Schnitt in Größe 44 ist. Zwar nicht so groß wie heute, aber 100 cm Oberweite ist es eben doch …

    Es gibt aber noch ein Blüschen in Größe 1 – das würdest du vielleicht auch leicht anpassen können: Dreiviertelärmel, Schulterpasse, Schößchen.

  • Soweit ich das auf dem Foto erkennen kann, sitzt der Rock gut und die Farbe ist auch klasse. Das mit den unterschiedlichen Maßen, je nach Kuchenkonsum kenne ich nur zu gut … verkneife es mir in den letzten Wochen auch und habe schon 3 Kilo “geschafft” !! Jetzt traue ich mich fast gar nicht, was zu nähen, da es in ein paar Wochen schon wieder im Änderungskorb landen könnte.

  • Der Rock ist sehr schön geworden und ich finde er sitzt prima. Die Farbe ist wunderschön. Beim Nähen habe ich dir sehr gerne über die Schulter geschaut, das war sehr hilfreich.

    Danke auch für deinen Kommentar bei mir, leider macht mir Blogger irgendwie ein Strick durch die Rechnung. Er ist in der Liste meiner veröffentlichten Kommentare, er erscheint in meiner Email als veröffentlich, leider erscheint er nicht auf dem Blog. Ich habe nicht den Schimmer einer Ahnung, warum das so ist.
    Schade, denn es war ein sehr netter Kommentar, herzlichen Dank dafür. Vielleicht erbarmt sich Blogger noch und kramt ihn vom Server hervor.

    Liebe Grüße von Ute

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