Herzlichen Dank

Übungen in Un-Eitelkeit und dem Zeigen des Alterns ...
Übungen in Un-Eitelkeit und dem Zeigen des Alterns …

Der geht raus an alle, die sich in den letzten Tagen so lieb um mich gekümmert haben mit Erfahrungen und Rat, mit Trost und Aufmunterung. Wie immer bin ich überrascht, wie viele selbst schon Gleiches durchgemacht haben – nach dem Lesen einschlägiger Seiten wurde ich sekündlich älter, kränker und hoffnungsloser. Was sich schlagartig durch eure Fürsorge änderte.

Mittlerweile traf der Gatte anderthalb Tage früher zu Hause ein, versorgte die Kinder (und ich wünschte, er nähme sich auch noch den Haushalt vor), besorgte Ibuprofen und benahm sich, als könne ich so alt und krank gar nicht sein. Gestern war dann noch einmal ein fieser Höhepunkt der Erkrankung erreicht; morgens erwachte ich, weil mein Gesicht so nass war. Schlaftrunken schimpfte ich die kleine schwarze Katze an: “Momo, du sabberst!”, dann überrannte mich der Schmerz und die Erkenntnis, dass Momo nicht einmal im Zimmer war, dafür der Schmerz mich zum Weinen und Erwachen gebracht hatte. Irgendwann am Nachmittag, als ich wieder einmal nach Luft schnappend jaulend aufschrie (im nächsten Leben werde ich Banshee, das kann ich), hörte ich ihn den Kleinen fragen, ob das die ganze Zeit so ginge? Ja, der Mama ginge es wirklich nicht gut, so antwortete der holde Knabe betrübt.

Überhaupt der Kleine, der ja nun in drei Monaten auch schon zehn wird: zwar fand er es sehr nervig, dass er nun so viel tun müsse und auch ungerecht, weil der Große ja irgendwie außer Streß gar nichts machte, aber abnehmen lassen wollte er es sich nun auch nicht mehr. So war er gestern abend sehr wütend und verletzt, als er vom Taekwondo nach Hause kam und feststellte, dass der Papa schon mit einer Suppe begonnen hatte – die in ihrer Machart und Qualität meilenweit von dem war, was er selbst hatte kochen wollen. Er brachte sie mir rauf und konnte nur mit Mühe überredet werden, sich auch etwas zu nehmen. Erst als ich sagte, der Papa habe ja gar kein Salz und keine Brühe dran getan und da müssten wir wohl mal nachwürzen, war er irgendwie versöhnt. Ihm wäre derlei natürlich nie passiert!

So ätzend diese Erkrankung für mich ist – und ich kann mich da einigen anschließen, die sie ihrem ärgsten Feind nicht an den Hals wünschen würden – für Tommy hat das noch mal einen Entwicklungsschub bedeutet. Mit welcher Selbstverständlichkeit er nun mittags nach Hause kam und mir erst einmal einen Kamillentee brachte, sich ums Essen kümmerte … das hat mich beeindruckt. Sicherlich, das hatte auch Vorteile: endlich konnte er den ganzen Nachmittag am Computer verbringen, ohne dass Mama meinte, das sei zu viel der falsch genützten Zeit. Wie hätte ich auch schimpfen können, wenn er die Versorgung der Familie übernahm? Und dabei noch tröstete und mitweinte? Eben.

Den Großen muss ich jetzt wohl in Schutz nehmen: er hat es im Moment in der Schule nicht leicht und er ist ein wenig wie der Papa. Mit Menschen, die leiden, leidet er wohl mit, aber kommt nicht klar. Als ich am Samstag aus der Notfallpraxis kam, war er der Erste, der mich in Empfang nahm und mich fragte, was denn sei. Im gleichen Moment, in dem ich ihm sagte, ich sei krank und solle möglichst viel Ruhe haben, brach er zusammen und konnte aus dem Weinen gar nicht mehr rauskommen. Abends, jeden Abend, kam er dann und kraulte mich und schaute mich mit traurigen Hundeaugen an, aber wenn ich ihn frühmorgens daran erinnerte – und das kostete mich Kraft, die ich gar nicht hatte! – er müsse nun aufstehen, dann bekam ich sehr böse Worte. Allerdings denke ich nach wie vor, dass es unmenschlich ist, Kinder um 8:00 Uhr schon zur Arbeit zu zwingen; aufstehen muss er um halbsieben und an drei von fünf Tagen kommt er gegen 16:30 Uhr erst nach Hause. Dass er das so verpackt … da bleibt einfach nicht viel Energie für die Übernahme der liegengebliebenen Hausarbeit kranker Mütter. Immerhin war er auch still und leise, hat sich weitestgehend selbst versorgt und seine Sport- und Ergotermine selbstständig wahrgenommen.

Ja, heute geht es mir deutlich besser, wenn ich auch noch immer weit entfernt von annähernd fit bin. Aber so langsam bemerke ich meine Langeweile und lerne, sie zu genießen. Auch komme ich dahinter, was mich wohl so abwehrschwach gemacht hat: mir geht unsere Welt unter die Haut. Ich denke schon seit Monaten bzw. sage es, dass ich all das, was um uns geschieht und das uns wer weiß wohin führt, sehr, sehr belastet. Aber ich hätte nicht gedacht, wie sehr das und die tausend anderen Dinge in Gemeinschaft mich meßbar schwächen. Ich weiß nicht, welche Erkenntnis, welche Lehre ich daraus ziehen sollte und noch weniger, wie ich diese dann würde umsetzen können. Aber es bringt mich dazu, dieses Mal mich mit Ruhe auszukurieren und in dieser Zeit wenig Schreckliches zu lesen. Ganz bewußt. Und fast bin ich schon so weit, dabei kein schlechtes Gewissen zu haben.

Einige werden sich und ihre Ratschläge und Nachfragen in diesen Zeilen wieder erkennen – es gibt schon Gründe, weshalb wir uns mögen. Alles ist auf fruchtbaren Boden gefallen und vieles traf sich mit meinen eigenen kleinen Gartenplänen. Sozusagen. Danke. (Dafür darf es dann auch mal etwas kindlicher zugehen ->)

 



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