Heute noch ein zweites Mal

Bevor ich auf die Kommentare von Arlett und Jana eingehe, warte ich noch ein wenig, ob sich noch jemand mit einer Meinung dazu heraus wagen möchte. In diesem Augenblick aber stehe ich wieder einmal nahe am Rande des Frustes: all der schöne blaue Stoff und die Hosen dazu sind bäh! Also hatte ich gestern mittag noch den Bund an einem Rock angenäht. An einen Rock, der mir viele Stunden des Auftrennens und Zusammennähens verschafft hat. Aus dem selben Stoff, aus dem die helle Bundfaltenhose entstanden ist. Ein Stoff, der laut Beschreibung A-Linienform hat. Die allerdings nur aus den beiden Kellerfalten vorne und hinten zu erklären ist, denn auf dem Schnitt selber ist der Rock eingestellt. Wie übrigens auch mein Dauermodell “enger Rock”. Was durch die eingesetzte Gehfalte nicht sofort zu erkennen ist. Was mir aber gestern beim Erstellen und Anprobieren eines “geraden Rockes” sehr auffiel. Könnte einer der Unterschiede zwischen schick und spießig, zwischen betont und sackig sein … Ich schweife ab, und muss gestehen, ich tue selbiges wohl mit Wonne. Bin nämlich gerade sehr, sehr, SEEEEHR unmotivert. Das Schneidern mag mich nicht. Röcke mögen mich nicht. Kleider mögen mich nicht. Hosen hassen mich gar und Blusen … lasst uns darüber schweigen, ihr wollt mich nicht wütend weinen sehen. Grrr.

Dieser Rock nun … immer und immer wieder sind meine Röcke zu eng. Immer an der gleichen Stelle. An den beiden gleichen Stellen. Oder drei. Direkt unterhalb der Taille meint meine Hüfte schon losschwingen zu müssen. An der Taille mag und brauche ich es eng. Denn ich schwinge von Natur aus beim Gehen. Ziemlich stark. Kein Wunder, die Hüften können nicht anders. Sitzt der Rock in der Taille nicht richtig fest, dann dreht er sich. Gnadenlos. Erst herum, herum, herum. Wenn es nicht mehr weiter geht, dann hoch, hoch, hoch. Geht gar nicht. Also Taille eng. Höchstens 1,5 cm Zugabe, danach wird es schon kritisch. Dann ab zur Hüfte. Seufz, tief Luft holen. Ich weiß nicht, wieviele Male ich nun schon versucht habe, mir hier Platz zu schaffen. Gestern war sicherlich schon der zehnte Versuch. Ich zeichne also die Hüftbeuge etwas steiler, etwas höher, etwas breiter. Halte ein wenig ein. Alles Tipps aus diversen Büchern, Seiten, Blogs, was weiß ich. Ich nehme die größere Größe. In diesem Fall 12.
Bei der Anprobe dann die Spießigkeit in Person: ein sich beulender Sack hängt an mir entlang. Kurven: komplette Fehlanzeige. Nur Bauch lässt sich erkennen und Querfalten darunter. Zwischen Taille und Oberschenkel beulen sich die Nähte: da ist im Stoff eine Kurve, die ich so nicht habe. Erste ganz vorsichtige Änderung: Ich markiere das seitliche zuviel und korrigiere die Linie. Die Beule ist weg. Blick auf die meine Seite (ich hasse mein Profil vom Scheitel bis zur Sohle): Yepp: Bauch ist deutlich, Po existiert gar nicht, Beine hat die Person wohl auch nicht. Wem nur habe ich diesen Rock von der Leine gestohlen?
Ok, auf beiden Seiten einen halben Zentimeter weniger – insgesamt also nur ein Zentimeter rundum. Hmm, Rock wirkt zu eng, zieht sich an der oberen Hüfte etwas hoch, Taille selbst noch zu weit. Beine, Po und Bauch deutlich sichtbar. Also wieder auftrennen. Rock zu weit. Nur auf einer Seite ändern, mal sehen was passiert. Was wohl? Ich werde wahnsinnig. Ganz ehrlich: habe ich überhaupt eine Ahnung, was ich tragen kann? Darf ich überhaupt unter die Menschen? Weiß ich auch nur im geringsten, was ich tu?

Auf meiner linken Seite ist die zu enge Seite, auf der Rechten die so nicht machbare. Ich hatte den Rock schon beendet und insgesamt enger gemacht. Aber heute erschien er insgesamt doch zu eng (muss gleich doch mal auf die Waage!) – außer an der Taille, da kann ich nicht weiter werden. Ich will auch nicht noch einmal komplett auftrennen. Kann den Stoff nicht mehr sehen. Also habe ich mich mit einem veränderten Bogen heran getastet. Und links einen halben Zentimeter an beiden NZ zugegeben, auf der Rechten bis zur ursprünglichen Naht einen ganzen Zentimeter NZ zugegeben. Wie ich damit allerdings den Bogen zur Taille noch packen soll, ich weiß es nicht.

Ja, die Kellerfalte klebt an den Strumpfhosen – Sommerrock und Winterwäsche geht man gar nicht. Ignorieren, bitte.

Die weitere Seite, an der ich oben den nicht vorhandenen Übergang zwischen zu knapper und sehr weiter Naht zuhalte 😉

Die engere Seite.

Und nun? Ganz ehrlich, ich fühle mich reichlich hoffnungslos zur Zeit. Ich habe dermaßen viel Mist produziert in den letzten Wochen. Meine Fähigkeiten sind offenbar nicht mit meinen Vorstellung gewachsen. Meine Körperwahrnehmung wohl auch nicht mit meinem neuen Gewicht. Wenn ich nun noch nicht einmal einen simplen Rock einigermaßen passend bekommen kann, dann kann das nur an zwei Dingen liegen: Ich bin zu doof. Oder ich bin zu verbaut. Angeblich bin ich nicht letzteres. Hmmm … ist doch zum aus der Haut fahren!

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12 thoughts on “Heute noch ein zweites Mal”

  • Hast du vielleicht eine “hohe Hüfte”? Da gibbet was im Burda-Nähbuch was man ändern muß… ich glaube die machen nur die Seitennaht höher, lassen aber die Mitte unverändert.

    LG Steffi

  • Hi, Steffi. Ja, ich habe eine relativ hohe Hüfte – aber wenn ich eine der entsprechenden Änderungen durchführe, dann habe ich ganz oft “leere Beulen”; also Stoff, der ohne Inhalt von alleine steht 😉
    Im Nähkurs haben wir einmal die Seitenlänge indirekt erhöht: die vordere Mitte wurde angehoben (trotz Bauch). Allerdings zeigte sich da auch unter dem Bund in der Mitte durchhängende Querfalten, die oben hinein gezogen werden wollten … Verwirrung, dein Name ist Michou 😉

  • hallo michou,
    als erstes zum problem “bauch” im profil: hier gibt es meiner meinung nur zwei moeglichkeiten, die mit naehen nichts zu tun haben, und zwar modelliernende unterwaesche oder aber gymnastik fuer die bauchmuskulatur.
    und nun zum naehtechnischen: heftest du eigentlich und probierst das geheftete teil an, oder naehst du gleich alles mit der maschine zusammen?
    um frust auf ein minimum zu reduzieren, wuerde ich dir raten, mit heften anzufangen. provisorisch geheftete naehte lassen sich sehr viel leichter und schneller auftrennen als maschinennaehte. nach dem zusammenheften probierst du dein naehstueck an und nimmst erforderliche aenderungen vor (mit stecknadeln waehrend du das teil anhast). bitte hierzu eine freundin um hilfe. hefte die zuvor gesteckten aenderungen und probiere dein teil wieder an, eventuell stecke nochmals erforderliche aenderungen ab, usw. bis du mit dem ergebnis zufrieden bist. erst dann beginne, mit der maschine zu naehen.
    auf diese weise benoetigst du zwar mehr zeit fuer die vorbereitungsarbeiten, strapazierst aber stoff und nerven weniger.
    viel erfolg!

  • Stopp mal, nicht reinsteigern! Lies mal deinen eigenen Text über “verzerrte Selbstwahrnehmung”, tief durchatmen – besser? Direkt von der Seite sieht auf einem Foto niemand so besonders aus – das ist aber auch eine Haltung, in der man normalerweise nicht wahrgenommen wird! Ich glaube du bist mit den Änderungen im Prinzip schon auf dem richtigen Weg, also mit den Änderungen am Hüftbogen und einem Tick mehr Weite an den Hüften. Dieser helle Stoff erscheint mir auch nicht sehr dankbar, etwas biestig-störrisch, bildet Falten, wo sich ein fließender Wollstoff einfach ausbreiten würde.
    Vielleicht mal eine Nacht drüber schlafen.

    viele Grüße!

  • Hallo Michou,

    wenn ich Dein Problem richtig verstehe, hast Du eine schmale Taille und im Vergleich dazu ausgeprägtere Hüften? Hast Du mal versucht, das, was in der Taille an Weite zu viel da ist, mit einem 2. Abnäher auf jeder Seite wegzunehmen? So rutscht oben nichts, dafür hat man unten die erfoderliche Weite an den Hüften. Das funktioniert zumindest bei mir. Nicht aufgeben, jede von uns hat doch mal Durchhänger 🙂 Grüße Anke

  • Liebe Andrea,
    der Rock ist an der Hüfte zu eng. Und zwar nich oben, sondern auf Pohöhe, oder besser gesagt direk darunter. Kann man auf dem letzten Foto im Seitenprofil gut erkennen. Ob das jetzt an den Seitennähten oder an der rückwärtigen Naht liegt, kann ich Dir nicht genau sagen. Es ist auf jeden Fall nicht viel, aber da ich das gleiche Problem habe, weiß ich, das ein Hauch mehr Weite viel bringt. Der Rock, der in der Taille bei mir am besten sitzt, hat allein im Vorderrock 6 Abnäher ! Ich sende Dir morgen mal ein Bild davon. Auf jeden Fall kann ich damit sehr gut die große Differenz von Taille zu Hüfte ausgleichen, ohne lange nach der Ideallinie für die Hüfte zu suchen.
    Und dann nimm einen anderen Stoff, das macht soviel aus. ich habe gerade Rooibos in die Tonne getreten nach tagelanger Arbeit. ich hoffe, es war hauptsächlich nur die falsche Stoffwahl. Das Ding hatte den Charme einer Kittelschürze !! Du bist also nicht allein mit deinem Nähfrust.

    Liebe Grüße
    Eva

  • Nicht verzweifeln!!! Ich bewundere schon lange Deine genähten und gestrickten Sachen und Murksphasen gehören eben dazu.

    Auch wenn ich keine Nähtipps geben kann, stimme ich Ursula und Eva zu: Gegen das Bäuchlein hilft auch der beste Schnitt nichts – formende Unterwäsche ist das Zauberwort. Gibt wirklich hübsche Modelle und bei engen Röcken habe ich das schon immer gemacht – auch als ich noch Größe 34 hatte – es macht enorm viel aus.

    Und der Rock wirkt an der Hüfte, sprich auf Pohöhe tatsächlich etwas zu eng – sieht für mich bei dem Faltenwurf wenigstens so aus.

    Viele Grüße!
    Jana

  • So, ich schließe mich dem Rest an und denke auch das der Rock auf Hüft/Pohöhe zu eng ist. Auch die Idee mit den 2 Abnähern solltest du verfolgen.
    Ich kann auf den Fotos leider den Sitz des Bundes nicht gut erkennen. Entweder ist deine Hand oder dein Pullover davor.
    Ein Teil der Falten könnte auch daher rühren das der Rock an der vorderen Mitte zu “hoch” ist. Vieleicht kannst du ihn da etwas “runder” auslaufen lassen.
    Es kann natürlich sein das er dann wieder dreht beim Laufen.

    Du hast dir aber auch viel vorgenommen. Gleichzeitig an der Rock- und Hosenfront kämpfen kann schon frustrierend sein.

    LG
    Arlett

  • Ich bin gerade etwas hilflos: Die Dynamik der Problemlösung verschließt sich meinem logischen Verstand völlig.
    Ich würde jetzt:
    1. meinen Lieblingsrockschnitt -der immer passt- hervor holen und nähen. So gibt es zwischen dem ganzen Frust auch mal ein Erfolgserlebnis.
    2. mir überlegen, ob ein weit schwingender Rock mir stehen würde. Der klare Vorteil: es gibt keine Hüftprobleme, die verschwinden in den eventuellen Kellerfalten. Und eine schlanke Taille entwickelt sich zum Hinkucker!
    Am besten noch mit einem leichten Petticoat drunter …
    Jaja, ist schon klar: Alltagstauglich ist das nicht.
    Ich liebe es – zum Tanzen! Für jeden Tag gibt es Sommerkleider ohne Petticoat, aber mit weitem Rock. Blöd nur, dass es draußen so kalt ist.
    Deswegen kann ich an MMMF-Aktion leider nicht teilnehmen – ich habe nur Sommersachen.
    Liebe Grüße, Bettina (die sich seeeehr über deinen Kommentar gefreut hat)

  • Hallo Michou,
    ich habe meinen Rockschnitt so optimiert, indem ich mit einer Freundin zusammen zwei Rechtecke zugeschnitten habe und dann den Rock am Körper abgesteckt habe. Die Abnäher wurden dann auch da eingefaltet, wo sie notwendig waren. Das hat bei mir das beste Ergebnis gebracht, Konstruktion hin oder her – das sind in “Systemen” ja immer nur Näherungswerte, die möglichst allen Körperformen gerecht werden sollen, was meines Erachtens einfach nicht möglich ist. Jeder ist anders gebaut!
    LG, berry

  • Hi, ich hab keine wirkliche Problemlösung zur Rockfrage, an der kämpfe ich selbst noch. Ich behelfe mir in letzer Zeit damit, dass ich wirklcih erst mal hefte, dann alles abschneide, was übersteht (ich mach auch Panik, dass es zu eng sein könnte, immer SEHR viel Nahtzugabe).

    Ansonsten: keinen Frust schieben, bringt nichts. Manchmal hat man einfach Blokaden, nichts klappt. Aber es geht vorbei, ehrlich… !!!!

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