Hin und her und her und hin

Wie immer also. Ich bin enorm entschlussfreudig. Leider entschließe ich mich alle zehn Minuten zu etwas anderem. Naja, das ist übertrieben, aber diese Kragenentscheidung, die fiel mir nicht leicht.

Wir wollen mal nicht vergessen: Kuschelzone ist weit weg und ein Kleid anzuprobieren, das je nach Fertigungsgrad nur über ein Vorderteil verfügt oder mühsam an rutschige Unterkleider gesteckt ist, gibt nicht wirklich Aufschluß über seine Tragbarkeit oder den Grad der Trägerinschmeichelei. Sitz und Schmeichelhaftigkeit waren, es muss gesagt werden, während der so vorgenommenen “Anproben” eher bescheiden. Also ich aber heute morgen nun die Seitennähte schließen und den Polyfummel richtig überwerfen konnte, war ich freudig überrascht. Und es sah auch ohne Kragen gut aus. Also nicht so schlimm, wie gedacht.

Aber, wie Janet gerade eben noch kommentierte – ohne etwas Hellblau an Schultern oder Hals wirkt es unausgewogen – das Wort beschreibt perfekt mein Gefühl (und insgeheim klopfe ich mir mal stolz auf die Schultern, dass sich meine Beschäftigung mit Formen, Farben und Zeiten wohl doch gelohnt hat, wenn ich sowas richtig erfühle – lasst mich mal unbescheiden stolz sein, kennt man bei mir ja eher nicht … ). Und so stand ich ewig lange vorm Spiegel und legte den Kragen doch noch mal auf. Sah jetzt ganz anders aus. Vorher war es schön und nett, jetzt war es Art Déco und vollständig. Dabei fiel mir auf, wo ich mal wieder nicht konzentriert war: der Kragen war deshalb so seltsam, weil ich ihn anders konstruiert hatte als in den Anproben angewandt. Ich wollte ihn im hinteren hellblauen Einsatz verschwinden lassen, legte ihn aber immer bis zum RV an – kein Wunder, dass alles zu kurz und schief war. Also habe ich einige Zentimeter im Nacken getrennt und ihn doch eingesetzt. Mag sein, dass er nicht ganz glatt sitzen wird, aber damit lebe ich bestimmt problemlos.

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So langsam habe ich den Stoff allerdings satt, vor allem den dunkelblauen. Es ist ein Polysatin mit Crêpeseite und wird er mit dem hellblauen zusammen verarbeitet, so benimmt er sich einigermaßen anständig. Gegen sich selbst vernäht allerdings ist er störrisch, bremsend und wellend, wenn er versäubert wird. Ganz mieser Charakter, ganz mies …! Der hellblaue hingegen – da geht der Dank nochmal sehr an Lucia, aber dazu komme ich noch, wenn das Kleid beendet sein wird. Ob ich das heute noch hinbekomme, wer weiß. Nachdem ich heute morgen sehr lange daran gewerkelt hat, holt mich nun der Haushalt schon wieder ein. Kennt ihr das Gefühl, komplett unterzugehen? Gestern wie eine Besessene geräumt, geputzt, gewaschen und heute liegt im Bad schon wieder genug, für drei Wäscheladungen. So langsam überkommt mich eine gewiße Hoffnungslosigkeit.



8 thoughts on “Hin und her und her und hin”

  • sag ich doch: kragen dran!
    mich wundert es eh wie du immer alles schaffst?! ich schaffe meinen haushalt und dann fallen schon die gören wieder hier ein. verunstalten alles wieder, essen kochen, wieder küche aufräumen, mamataxi spielen, abends für den gatten kochen, wieder küche aufräumen und kinder ins bett schicken. an diesem punkt bin ich dann selber so erschlagen, dass ich nur noch abhänge und nichts mehr machen möchte. kein wunder, dass mein kleid schon seit einer woche fast fertig hier auf dem kleiderbügel hängt 😉

    • Ich schaffe es nicht, dass ist es ja. Ich habe nur die Wahl, trotzdem immer wieder so was hier für mich zu tun, um das Gefühl zu haben, etwas zu schaffen, was länger hält als zehn Minuten – das verschafft mir mehr Befriedigung als das aufgeräumte Haus, das nach maximal Minuten aussieht wie ein Schweinestall. Nein, ich komme nicht mehr hinterher und es frustriert mich maßlos.

      • du schaffst jedenfalls mehr als ich.
        tagsüber habe ich keine zeit (aber meine kleinste hier ist ja auch noch wirklich klein und lässt mich nicht wirklich nähen) und abends nähe ich nicht mehr, das wirfd nichts.ich versuche mir ab und zu eins, zwei stündchen vormittags freizuschaufeln. doch das gelingt mir selten.

  • Durchhalten, Michou! Ich glaube es lohnt sich! (das Kleid ist so was von “nicht meins” und dennoch finde ich es sehr schön – so wie man manche Kunst wunderschön findet, auch wenn man das nie auf der Wand aufhängen würde). Haushalt muss man ignorieren (so rede ich es mir ein, mit wenig Erfolg allerdings)

  • Ich bewundere deine Experimentierfreude. Die Einsätze im Kleid gefallen mir gut, beim Kragen frage ich mich, ob er wirklich rund sein sollte? Die Form steht für mich im Widerspruch zu den sonstigen Linien – aber wie immer ist das wahrscheinlich eine reine Geschmacksfrage. Ich wünsche dir weiterhin Freude am werkeln und bin gespannt auf das Endergebnis.
    LG, Berry

  • Hast du einen Obertransportfuss für deine Nähmaschine? Das wirkt Wunder bei zickigen Stoffen. Ich finde den Kragen gut, das Kleid wird super!
    lg
    Ingrid

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