Ich gebe mein Bestes!

Trotzdem meine Zeit deutlich knapper geworden ist, möchte ich euch nicht einfach mit einem angefangenen Sloperexperiment in der Luft hängen lassen. Nichts kann ärgerlicher sein, als einen Blog zu verfolgen (bzw. ein darin vorgestelltes Projekt) und dann geht es nicht weiter. Hier wird es weitergehen, wenn auch langsamer als erhofft. Erwähnte ich jemals, dass bei mir immer alles schnell, schnell, schnell gehen sollte? Dem stehen momentan nicht nur meine Jungs entgegen, sondern vor allem meine Schilddrüse, die herum zickt. Zumindest nehme ich an, dass meine Müdigkeit daher rührt. Am Mittwoch morgen wird meine Ärztin einen Ultraschall durchführen und mir das Ergebnis des heutigen Bluttests mitteilen. Die Liste meiner Beschwerden war heute doch unangenehm lang – mal sehen, was womit wie zusammen hängt. Und ob ich wieder wach werden werde …

Dennoch habe ich an meinen hohen hehren Ziel, zumindest in diesem Jahr nur noch eigene Schnitte zu verwenden, fest gehalten; eine Bluse ist bereits entstanden, die in einigen Details verbessert werden könnte, aber insgesamt nicht schlecht sitzt. Hätte ich mir mehr Mühe beim Nähen gegeben, so stünde ich ihr freundlicher gegenüber, aber der Stoff gehörte zu denen, die sich einfach nicht gerade legen lassen wollten. Da werde ich ebenso zickig und verweigere eine liebevolle Behandlung. Was durchaus erleichternd ist, denn so trauere ich nicht um den Stoff, sollte der Versuch daneben gehen. Es ist unglaublich, welch ein Talent ich neuerdings entwickele, dem Negativen etwas Positives zu entlocken 😉

Mittlerweile habe ich einen Rock zugeschnitten, der hoffentlich heute noch unter die Nadel rutschen wird. Der dazugehörige Rockbasisschnitt saß beim ersten Versuch schon recht gut – und hat KEINE vorderen Abnäher! Wenn ich da an den Versuch nach diesem Buch denke: kein Vergleich. Nicht einmal ich – obwohl bekanntermaßen erstaunlich schmerzfrei, wenn es um Gruselbilder geht – mochte von diesem Rock Bilder machen. Heute wünschte ich zwar, ich hätte es getan, aber glaubt mir einfach: das war nichts. Der Rock war, trotz genauer Maße, ein Riesensack mit Abnähern, die eine Figur schafften, die ich nie zuvor sah. Aber am Samstag mit dem neuen Schnitt konnte ich nur staunen. Doch ich möchte nicht zuviel verraten, denn ich will euch die komplette Geschichte erzählen, sobald ich Bilder habe. Was ich euch zeigen kann, sind die Oberteil- und Ärmelsloper:

Den Oberteilblock habe ich insgesamt nach der ersten Schnittzeichnung zweimal komplett neu gezeichnet, viermal verbessert und neunmal genäht/getestet, bevor ich ihn auf Fotokarton übertragen habe. Den daraus entwickelten hüftlangen Grundschnitt habe ich einmal gezeichnet, einmal genäht, einmal verbessert und dann endgültig in Form gebracht – eine eindeutige Verkürzung des Prozesses. Den Ärmel hingegen habe ich dreimal aufsetzen müssen, weil ich zweimal falsche Zahlen verwendet hatte: beim ersten Mal war ein Denkfehler schuld (wie lang ist der Innenarm, wenn er an den Oberteilgrundschnitt passen muss?) und beim zweiten Mal ein schlichter Zahlendreher (in denen bin ich groß!). Aber Schnitt Nummer drei und Testärmel zwei waren gut. Nachdem die mühsam erkämpften Grundschnitte endlich vor mir lagen, fehlte noch ein sicherer Platz für die Schätze; Fotokarton möchte ungern geknickt werden. Der Gatte brachte einen Haken an meinem Kleiderschrank an, an dem sie nun glatt, sicher und vor allem aus jedermanns Füßen hängen – eine Verbesserung zum vorherigen Aufbewahrungsort: Pappschnitte unterm Sofa heben die Gemütlichkeit nicht unbedingt.

Nun, wo ich mich soweit voran gekämpft habe – es fehlt nur noch die Basishose – und sich das erste Hochgefühl gelegt hat, stelle ich fest, was als nächstes kommen soll: das Entwickeln der eigentlichen Schnitte aus diesen Slopern heraus. Das alleine ginge noch, denn diese Bastelei macht Spaß. Nur davor stehen auch die Ideen und deren Umsetzung – ich muss mein eigener Designer werden. Dabei wird mir etwas mulmig zumute – vor sechs Jahren noch habe ich fest geglaubt und es auch immer behauptet, dass ich nur mässig kreativ und nur geringfügig handarbeitlich begabt sei. Ist es doch Wahnsinn, der mich umfängt?

Bevor ihr mir nun meine schlimmsten Vermutungen bestätigt und – schlimmer noch – mich in Richtung Untergang voran peitscht, möchte ich euch bitten, euch das Beyerheft Januar 1937 noch einmal herunter zu laden. Ich habe heute morgen keine Mühen gescheut, bin keinem Wutanfall aus dem Weg gegangen, um das PDF doch noch anständig hinzubekommen. Vielleicht habt ihr es noch nicht bemerkt, aber die Schrift ist kaum lesbar und der Rand oft zu stark beschnitten. Dummerweise ist unser Scanner nur auf DIN A4 ausgerichtet, wohingegen die alten Hefte eher Richtung DIN B4 gehen, also deutlich größer sind. Noch dümmer ist, dass die Seitenränder in diesem Heft nicht immer einheitlich sind; Bilder und Text also manchmal bis zum Seitenrand reichen – da musst ich sehen, mit welcher Heftauflage ich das Meiste einspeichern konnte.
Richtig ärgerlich aber war, dass die Bilder zwar alle in sehr guter Qualität auf meinem Rechner gespeichert wurden, das PDF-Programm daraus jedoch verschwommene Pixel gezaubert hat. Und zudem die Ränder abgeschnitten hat – da habe ich nicht aufgepasst. Nun habe ich – für euch alleine! – heute vormittag ein neues Programm installiert, sämtliche Bilder erneut überprüft und ein neues PDF erstellt. Besser geht es nicht und jetzt könnt ihr alles gut lesen. Also einfach noch einmal herunter laden und loslegen mit dem Stricken neuer Pullover. Der Herbst streift sich immerhin schon die Regenstiefel an unseren Türmatten ab 😉

Wenn ihr mehr alten Kram zum Herunterladen haben wollt – Bescheid geben und geduldig sein. Ich habe nicht so sehr vieles in meinen Heiligen Hallen, aber das wenige, das ich habe, teile ich doch gerne mit euch.



7 thoughts on “Ich gebe mein Bestes!”

  • hallo,
    da wünsch ich dir doch erstmal gute besserung – bzw. dass die ärztin herausfindet wo die ursache deiner probleme – müdigkeit und co. – liegt!
    ich würde sehr gerne das pdf für das beyerheft runterladen weiss aber leider nichht WO? kannst du mir dafür einen tipp geben! im vorhinein gleich danke für deine mühen…
    lg gudrun

  • Wow, da warst du aber ein fleißiges Bienchen. Ich bin schon auf die ersten Entwürfe gespannt.
    Liebe Grüße und gute Besserung
    Von Arlett

  • um das verlinkte Buch bin ich auch schon virtuell “herumgeschlichen”. Nach deinen Auslassungen werde ich es jetzt aber von meinem Wunschzettel streichen. Vielleicht finde ich ja das ultimative Konstruktions-Buch noch …
    lieben Gruß von Friederike

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