Instone N° 4 (eigentlich 738 oder so…)

Nun also Sloper N°4 der laufenden Produktion; all die vielen davor möchte ich gerade nicht wahrhaben. Obwohl: meine Figur war vollkommen anders und ich hatte immer mal absolut perfekte Kleiderschnitte erstellt. Aber jetzt geht es ums Jetzt und ich möchte gerne ein wenig verzweifeln. Und wer jetzt sagt, das seien doch nur Kleinigkeiten, die ich ja nach Gemüt der Betrachtenden ruhen lassen könne oder aber sicher noch in den Griff bekäme, der werde ich 5 Sekunden lang böse sein 😀 Ganz offenbar bin ich mehr fürs große Ganze gemacht denn für zarte Details. Ärgerlich, das.

Gut, was habe ich verändert? Ich habe den vorderen Abnäher um einen Zentimeter vertieft (ihm also mehr Inhalt eingeschoben) und dafür die Seitenlinie um denselben Betrag nach außen geschoben – wenig talentiert gezeichnet sieht es so aus:

IMG_1382

Den Betrag habe ich – ehrlich gesagt – nach Gefühl gewählt; ein klein wenig kenne ich mich mittlerweile doch. Weshalb bringt diese Änderung etwas? Weil sie die Fülle an Stoff dorthin bringt, wo sie benötigt wird – direkt an die Brust. Da mein Brustkorb im Grunde eine senkrechte Linie bildet, brauche ich dort – an der Seitennaht – keinen großen Ausfallbetrag.

Zum Vergleich vorher – nachher:

vorne

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Die Falten unter der Brust, die nun noch zu sehen sind, haben zwei Ursachen:
zum Einen geht der Abnäher ungeformt, also als gerade Linie (wie auf der Schnittzeichnung oben) von der Taille zur Brust; es bleibt alse Mehrweite unterhalb der Brust, die bei enger Kleidung durch einen geformten Abnäher genommen wird.
Zum Anderen hatte ich große Mühe, aufrecht stehen zu bleiben, da Minusch mir zu Füßen bettelte und erzählte und jammerte. Was genau sie wollte, ich weiß es nicht, denn kaum blitzte es, war sie weg und nicht mehr gesehen.
Aber die Falten, die von der seitlichen Taillennaht zur Brustspitze zogen, sind weg. Kneife ich zudem die Mehrweite unter der Brust weg, so liegt es vorne absolut glatt und faltenfrei. Sieg! Einer immerhin …

Hüfte

Im Grunde fällt es von vorne alles recht schön – die seltsamen Beulen unter meinem linken Armen ignorieren wir jetzt mal: ich hatte hier aus Versehen die NZ nach außen genäht und dort flappern sie ein wenig herum.
Was nun wieder ein wenig zu weit ist, ist die Hüftlinie; links und rechts könnte ich wieder einmal Öhrchen herausnähen. Wobei die Wahl der Dessous heute vielleicht auch eine Rolle spielt. Auch der Abnäher flattert noch ein wenig sehr ins Leere. Ob das Rockteil so auch als Rock funktionieren würde? Ich bin mir nicht sicher.

Was habe ich am Rückenteil geändert?

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In den ersten Änderung hatte ich ja schon einen guten Zentimeter durch Wegkneifen zwischen Taille und Achsel entfernt, einen weiteren halben Zentimeter durch Abrunden am Taillenrand und für diesen Sloper noch einmal 8 mm weggenommen (bald 3 cm von einem eh schon nicht langem Rückenteil wegzunehmen, das fühlt sich schon nach “Ich bin ein Freak” an …).

Dazu habe ich den Abnäher – und ich hoffe, ich habe das richtig verstanden und gemacht, liebe Julia – einen Zentimeter vor der Taille abknicken lassen; also seine breiteste Stelle nach oben gesetzt. Da auch hier das Seitenteil Falten warf und die Seitenneigung sehr stark war, habe ich dem Abnäher auch mehr Tiefe gegönnt und das Seitenteil verbreitert. Fällt nun auch glatter, aber nach wie vor wellt sich alles:

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Ich gehe davon aus, dass ich diese weitere Vertiefung an der hinteren Taillennaht nicht gleichmäßig genug habe zu den Seiten auslaufen lassen – zumindest erkläre ich mir so die v-förmige Falte. Richtig? Oder zu viel weggenommen? Kommen die Wellen nun vielleicht doch von zuviel Weite im Rücken? Ich habe durchaus das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein und will nun nichts falsches machen … und ausgerechnet heute erwische ich Julia nicht, ganz ungut (gönne dir den schönen Tag aber dennoch 😀 )

rückenabnäher

rückenabnäher

Von der Seite hat sich durch diese Änderung schon etwas getan:

seitennaht

Die Seitennaht ist nahezu gerade und die Welle im Hüftbereich, die nach hinten schwingt, könnte unter Umständen am zu runden vorderen Hüftbogen liegen. Oder?

Und noch einen Blick auf die HM von der Seite aus:

Seiterücken

Vergleicht man die letzten Bilder und diese – dann schwirrt einem einfach nur der Kopf 😀 Ich werde jetzt mal testen, wie es aussieht, wenn die Taillennaht hinten schöner ausschwingen lasse und dann bin ich für heute erst einmal mit meinem Latein am Ende. Einen dicken fetten Marzipannougatriegel habe ich gerade verspeist, der muss gleich mal ein wenig abtrainiert werden … bis ich fertig bin, erwarte ich qualifizierte Lösungsvorschläge!

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11 thoughts on “Instone N° 4 (eigentlich 738 oder so…)”

  • Hinten ist auf jeden Fall noch zu viel Stoff. Ob Länge oder/und Breite kann ich per Foto nicht sagen. Dafür müsste ich am Slopper rum kneifen.
    Qualifiziert war das jetzt vielleicht nicht, aber ich wollte meinen Senf auf jeden Fall dazu geben.
    Liebe Grüße
    Arlett

    • Ich denke auch, da ist noch immer was. Aber dann habe ich noch festgestellt, dass ich für das Oberteil ein Stück sehr dünnes und weiches Laken erwischt habe – das fällt beimTragen ganz anders zusammen als die festen Stücke für das letzte Probekleid. Heißt: mit dem Sloper hier komme ich nicht weiter, weil sich der Stoff immer weiter ausdehnt. Mist!

    • Im Grunde ja – aber du veränderst von oben nach unten, also kommt das wirklich erst, wenn alles andere sitzt. Und vorher schaust du dir den Verlauf der Seitennaht an, damit du weißt, ob es gleichmäßig vorne und hinten zu viel Weite hat oder nur an einer Hälfte 🙂

  • Also: Ich bin kein Nähexperte, aber mir persönlich gefiel die Variante davor wesentlich besser. Außerdem kenne ich kein/e Kleid/ Bluse, die nicht bei Bewegung irgendwo ein Fältlein wirft. Das soll oder muss doch so sein, es sei denn Strech…Bewegung IN der Person dokumentiert sich doch auch in einer Beweglichkeit des Stoffes in Abhängigkeit vom Material. Das als unfachfraulichen Ratschlag und Verbesserung des Nervenzustandes. Liebe Grüße, Sunni

    • Natürlich muss ein Stoff noch Bewegung zulassen und es wird immer irgendwo eine Falte geben, die auch bleiben muss. Aber die Falten, die ich hier weghaben möchte, snd der Art, dass sie Bewegung erschweren: Stoff, der in eine Richtung gezogen wird, trägt sich sehr restriktiv.

      Das Kleid davor kommt auf den Bildern schon deshalb besser rüber, weil der Stoff viel fester war und mehr Stand hatte – man also schlechter sehen konnte, wie ich darunter wirklich aussehe.
      Das jetzige Modell ist leider sehr weich und dehnt sich immer weiter aus und bleibt auch nicht von alleine stehen – das sieht man ganz gut an den Hüften, die ich nicht ausfülle. Sorgt also für ein weniger glattes Aussehen 🙂

      Heißt: ich bin noch nicht fertig und so langsam komme ich in die “Ich bekomme das jetzt hin, basta!”-Phase. Falten in Bewegung – gut (außer die und die und die und die :-D), aber im aufrechten Stillstand: nein. Das sind dann die, die Bewegung verhindern und die sich erst richtig bemerkbar machen, wenn der Grundschnitt zu einem echten Schnitt verwandelt wird. Und das ist frustrierender als das hier jetzt. Da konstruierst du einen Tag einen Schnitt, schneidest schönen Stoff an und stellst dann fest: das Kleid wird niemals passen, egal, was du tust. Und das wegen einer Falte, die dir nicht so wichtig erschien. 🙁

  • Ich verfolge gespannt die Entwicklung deines Kleides. Buch ist bestellt;)
    Ja , so brav kann ich sein. Zum Ratschlag geben bin ich in diesem Fall wohl die Falsche.Ich bin mir aber sicher, du wirst das schaffen!
    Liebe Grüße
    Nina

  • Guten Morgen,
    ich beobachte Deinen Blog schon seit einiger Zeit und bin völlig begeistert, wie Du das alles hinbekommst mit Schnitten anpassen und so. Hoffe, dass ich, wenn ich bei Dir noch fleißig weiter mitlese, mich auch endlich an eine Kleid wage. Bisher habe ich hauptsächlich Shirts genäht und Taschen. Ich habe aber auch noch nie einen Nähkurs belegt. Und so ein richtig tolles Vintagekleid wär schon mein Traum. Aber von Schnitten anpassen habe ich leider bisher so gar keine Ahnung, daher kann ich auch zu Deinen Problemen nix sagen, aber ich bin schwer beeindruckt, was man alles so hinkriegen kann. Echt toll, auch wenn Du noch nicht ganz zufrieden bist 🙂
    Liebe Grüße Brigitte

  • Du hast mich angesteckt…. schäm Dich ! Durch’s mitlesen und mitgrübeln, möchte ich jetzt doch verstehen was in den Schnitten steckt. Mein Buchkauf dazu: Die Zuschneide-Kunst nach dem Einheitssystem, Verlag für die Frau 1953. Ich hoffe Du findest den Weg gegen die Falten, leider kann ich Dir nicht helfen.
    Liebe Grüße
    Janine

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