Kalt. Und trübe. Und Sonntag. Und November.

Könnte es fröhlicher und lustiger sein als so und heute? Graues Licht wabert in jedes Zimmer, die Katzen bevölkern den einzigen Heizkörper, der nicht unter eine Fensterbank geklemmt ist und ihr Maunzen scheint zu sagen: “Das Essen bitte heute hier servieren. Und zwar zackig!” Wobei: dort sitzen sie erst, nachdem es ihnen unter meiner Bettdecke doch zu stickig wurde. Um sechs Uhr wurde ich geweckt durch Maunzen vor der Tür, Kratzen an selbiger und dem Versuch, die senkrecht montierte Klinke zu bewegen. Mehr Schlaf als trunken wankte ich zur solcherart malträtierten Tür und ließ die Viecher ein. Während Momo sofort unter die Decke kroch, wartete Minusch, bis ich lag, um sich auf mich zu werfen.
Kaum schlummerte ich ein, entschied sie sich – und das war nicht wirklich eine Überraschung, aber die Hoffnung hält einen ja aufrecht – dass mein Zimmer mit der geschlossenen Tür ein langweiliger Aufenthaltsort sei und verlangte, heraus gelassen zu werden. Momo protestierte, hatte sie es sich doch gerade an meinen Bauch gedrückt besonders kuschelig gemacht.
Gut, Katze eins draußen, Katze zwei maunzend auf dem Bett, ihr dauerte das alles zu lange. Aber wenn ich doch nun schon mal wach sei, dann könne ich, während sie meinen Bauch wärme, den ihren doch kraulen. Wer sich als nicht Katzenkenner nun fragt, wie sie mir das hat klarmachen können, dem sei Antwort gegeben: man werfe sich als knapp 2kg-Kätzchen rund und weich gegen den Bauch der Person, mit der man zu handeln gedenkt. Diese Person, auf der Seite liegend, hat der Novemberkälte wegen Arme und Schultern unter die Decke gemummelt und verfügt über Kraulhände, die sich nun – anatomisch zwangsläufig – in unmittelbarer Katzennähe befinden. Katze verfügt über vier zarte Beinchen mit den kleinsten Pfoten der Welt. Die sich – Erbteil ihrer Grizzly-Urgroßmutter und ihres Pantheronkels – im gespreizten Zustand enorm vergrößern und wirklich erstaunlich lange, feste, weiße Krallen zeigen. Mit denen man nun, sehr sanft, aber doch bestimmt, eine Hand des Bauchbesitzers umfasst und sie zum eigenen Bauch führt. Sobald die Hand angekommen ist, wohin sie natürlicherweise gehört, werden alle vier Beinchen angezogen und – falls der Bauchbesitzer ungewöhnlich begriffsstutzig sein sollte – die Hand mit einem kurzen Drücken des zarten Katzenkopfes in Bewegung gebracht. Sofort ertönt rhythmisches Schnurren, das dem Bauchbesitzer mitteilt, die Welt sei nur schön durch ihn bzw. sie. Hat man Glück, so schläft das Katzenwesen vor einem ein, so dass man selbst in den Schlummer zurücksinken darf, ohne erneut heraus gerissen zu werden.

Und so, bedenke ich es recht, hat doch auch ein trüber, kalter Novembersonntag seine sehr schönen Momente. Aber war es wirklich das, was ich erzählen wollte? Nein, ich wollte berichten, dass ich gedenke, unter Umständen heute an einem Schnitt zu basteln und unter Umständen gar etwas nähen zu wollen. Allerdings leide ich unter Materialmangel was Garne, Futter, Einlagen und Schnittpapier anbelangt und noch viel mehr unter einem Mangel an wahrer Motivation. Im Moment nämlich steht mir irgendwie gar nichts und gelingen tut noch weniger. Aber zu was ist ein solcher Novembersonntag bitte schön gut, wenn nicht zum Nähen und Zeichnen und Kleben? Vielleicht endlich Pulli zu Ende stricken? In dem ich spacker stecke als gewünscht? Auf dem Sofa kuscheln und heiße Schokolade trinken und Doctor Who schauen? Vielleicht alles gleichzeitig? Egal eigentlich, denn wenn ich nun nicht langsam hinne mache, ist der Sonntag schon zur Hälfte rum. Also hopp jetzt!



9 thoughts on “Kalt. Und trübe. Und Sonntag. Und November.”

  • In Ermangelung an Katzen habe ich mich von einem Buch bis jetzt ans Bett fesseln lassen. Aber es nützt nichts, es wird täglich kälter und ein Wintermantel wartet darauf genäht zu werden. Ich schleppe mich also jetzt hinauf ins Nähzimmer und erwarte von dir etwas ähnliches. Los los!

    • Jajajaja, sitze schon seit knapp zwei Stunden hier und habe noch gar nichts getan – kann mich nicht entscheiden. NIX steht mir und alles ist sooo …. brrrrrr?
      Aber ich denke, es wird einfach ein enger Rock werden, obwohl so richtig schön ist das schon lange nicht mehr. Egal.

          • Ja das wäre schön! Bei mir gehen die Wochenenden 2./3. Advent. Ganz eventuell auch der 1. Da bin ich bei meinen Eltern wegen Papa-Geburtstag.
            Habe es geschafft ein paar Schnittteile auszuschneiden und jetzt möchte Lady Lu mit Mama spielen. Ausgerechnet Quartett nach ihren eigenen Spielregeln.

            • Und, wie weit bist du noch gekommen? Ich kann mich nicht heraus reden mit Kindern, die spielen wollten – ich war einfach nur lahm. Immerhin habe ich ihn etwa 6 Stunden Zuschnitt und Markierung geschafft – hahahaha. Wäre es ein hochkompliziertes Kleid mit 20 Falten und Futter gewesen: reife Leistung. Einen schmalen Rock aus vier Teilen …. öhm ….
              Lass uns mal mailen, wie wir uns zusammen bekommen, würde mich freuen!

  • Hier in der Nordwestschweiz ist man heute wie in Watte gepackt. Dichter Nebel und ganz eigentümliche Akustik, irgendwie. So ein Nachmittag am offenen Kamin mit heisser Schoki, Kuschelkatzen und einem guten Krimi wäre jetzt schön, aber leider ist heute nicht mehr Sonntag sondern Dienstag und ich muss arbeiten.
    Und meine Miezen sind ohnehin keine grossen Schmuser, die liegen immer mit dem Hintern zu mir auf meinen Schienbeinen … nicht wirklich kuschlig und nach spätestens einer halben Stunde sehr schmerzhaft.

    • Ohja, so ein vollkommen vernebelter kalter Tag – wenn man nicht raus muss, Bücher, Filme, Katzen, Heizung und Schokolade hat (und Kinder irgendwie woanders sind …), dann ist das fein.
      Wobie unsere Katzen ja dann auch nicht schmusen kommen, sondern entweder, wenn man schläft oder aber in vier Minuten losmuss. Dieser verletzte Blick, wenn sie vom Schoß hochgescheucht werden! Er sagt ganz klar, dass meine Meckerei von wegen nie Schmusen ja alleine mir zuzuschreiben sei, weil ich ja nie, nie, nie ruhig sitzen bliebe und sowieso keine Zeit für sie hätte. 😀

  • Ich sehne mich nach deutschen November, hier ist Frühling, es schwankt zwischen 30 Grad und dann wieder 12-20 und Regen. Es wird wieder ein Weihnachten geben, das kein Weihnachten ist.
    Viel Glück mit dem Rock! Ich brauch keine Katze um mir den Platz im Bett wegzunehmen, ich hab meinen Sohn.

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