Kaminkleid – naja, fast

Das Erarbeiten meiner neuen Garderobe geht langsam voran und nicht leicht von der Hand: man reiche mir ein x-beliebiges Modellbild der Jahre 36-44 und ich weiß in etwa, was ich zu tun habe, um es zu kopieren. Nun versuche ich mich an einer lockeren Kleidersilhouette und taste halbblind umher. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Seit einem guten halben Jahr lag ein Wollflanell mit Riesenkaro in meiner Stofflade, aus dem ich ursprünglich einen Faltenrock hatte schneidern wollen. Blöderweise hatte ich zu diesem Zwecke und Behufe schon ein Teil abgeschnitten. Als ich nun ein legeres Kleid daraus bastelte, konnte ich auf einen ordentlichen Musterverlauf an der Seitennaht keine Rücksicht mehr nehmen. Was mich anfangs störte, lässt mich nun völlig kalt – insofern hat das mit locker und leger gut funktioniert.

Kaminkleider sind eigentlich bodenlang und waren für die gute gastgebende Hausfrau gedacht, die im entspannten Rahmen empfängt – das habe ich soeben nachgelesen in einem zweiseitigen Artikel der “Zeit” aus den 60ern, in dem es vornehmlich um das Terrassenkleid ging. Wir haben also noch einiges an Arbeit vor uns, wenn wir für jedes unserer Zimmer ein der Tageszeit angepasstes Kleidchen nähen wollen. Das nächste auf meiner Liste dürfte wohl ein nachmittägliches Kellerkleid sein; ich möchte gerne für alles gewappnet sein.

Jetzt aber Bilder. Der kleine Sohn hat sich, wie ich zu spät heraus fand, heute einen schulfreien Tag erschummelt durch das Vorspielen heftigster Kopfschmerzen. Weshalb er das tat, weiß ich nicht – ihm fällt die Schule ja sehr leicht. Gut, das passiert so schnell nicht noch einmal und zur Strafe habe ich ihm die Kamera in die Hände gedrückt. Dass ich mich dann seinen Anweisungen fügte, war vielleicht pädagogisch falsch …

 

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Und wie immer, wenn das Kind knipst, gibt es viele, viele Bilder – bei jedem, das ich nicht nehme, ernte ich Dackelaugen. Also durfte ich nur die löschen, auf denen ich schielte oder schief stand und verschwommen aussah.

 

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Was kann ich sagen? Es schwebte mir eine etwas schmalere Linie vor, aber aus Angst, die Hüfte könne sich zu sehr abzeichnen, habe ich eine zu große Mehrweite eingebaut. Von hier aus werde ich mich also weiter vorarbeiten. Beim Nähkränzchen am Sonntag erntete das Kleid nicht unbedingt Begeisterungsstürme; ich mag es dennoch. Untendrunter fände neben dem Unterkleid auch noch ein T-Shirt Platz und so sehe ich mich an regnerischen Nachmittagen damit sehr entspannt auf dem Sofa gammeln – in Ermangelung eines Kamins vielleicht vor dem Fernsehapparat. Nach getaner Arbeit mit den Jungs einen Film zu schauen, während draußen es stürmt und gießt: herrlich.



11 thoughts on “Kaminkleid – naja, fast”

  • kaminkleid-was für ein schöner name! noch nie gehört:-)gefällt mir.
    das modell ist ganz sicher auch nicht nach meinem geschmack.. ABER! was für tolle arbeit bezüglich karo!ausgezeichnet! ebenfalls schön finde ich den fall des schnittes/des kleides im brustbereich. beim karo dachte ich plötzlich an madam vionett-frag nciht wieso. aber da du ja grade auf deise art kleider stehst, wäre es für dich auch eine interessantes ausflugziel in reich des schrägen laufs. sie hatte sehr viele modelle in der änlicher silhouette im schrägen fall gehabt.
    falls du schnitt-konstruktionen von vionett brauchst sag bescheid;-)

    • So ganz bin ich ja auch noch nicht da angekommen wohin ich möchte: das darf im Bereich zwischen Brust und Hüfte noch gute 6 cm weniger werden und vielleich darf der Saum auch noch um 1 oder 2 cm höher rutschen. Mir schwebt ja eher ein Kleid vor, das betont schlicht an mir entlang fließt, ohne dabei klassisch tailliert zu sein – ist ja ein vollkommen neues Konzept 😀

      Oben rum werde ich demnächst den Grundschnitt ein wenig an den Schultern kürzen; da scheine ich mich figürlich auch geändert zu haben. Was den Sitz und Fall da anbelangt: ich kann ja nur immer wieder das Hohelied des Selbstkonstruierens singen; wenn man erst mal das ätzende Grundschnittanpassen hinter sich hat, geht alles andere ja fast leicht 😀
      Vor Schrägschnitt habe ich Angst, dann sieht man all meine Beulen und Hubbel so sehr …

  • ich habe noch nichts gelesen (mach eich später, wenn ich mal Zeit habe) aber Du siehst auf den Fotos total süß aus (ich hoffe dass das für Frauen unseres alters ein Kompliment sein darf!).
    Überraschung 1 – großes Karo. Übrerraschung 2: kann toll sein :-).
    LG
    graue Joanna

    • 😀 Tommy hing auch den ganzen Tag an mir dran und murmelte mir immer wieder ins Ohr, wie süß ich sei. Das nahm ich durchaus als Kompliment – er hatte allerdings auch was wieder gut zu machen.

      Es ist schon mal sehr anders dieses Karo an mir. So was muss ich nun nicht ständig haben, aber so zwischendurch …

      Und grau ist gut!

  • Kaminkleid hatte ich ja schon mal gehört – aber Terrassenkleid??? Was ist mein Leben doch unkompliziert, da gibt’s nur Einfach-Kleid. Schicker Entwurf, das strenge Muster zusammen mit dem losen Schnitt hat was, auch wenn ich die Karos nicht ganz optimal finde – ich würde die vielen Linien lieber irgendwo durchbrochen sehen. Aber in der Bewegung sieht das vermutlich nochmal anders aus. Liebe Grüße von Fanö, wo mein Wochenende ganz der Mode von 1930-45 gehört 😉

  • das kleid ist wunderschön!!!
    ich finde es kein bisschen zu weit – im gegenteil – endlich näht mal jemand was mit entschlossenem volumen. sieht in der bewegung sicher fantastisch aus! dieses ewige, möglichst überall hautenge der letzten jahre kann ich nicht mehr sehen. (oder eben weit aber dann gaaanz kurz und tiiieef ausgeschnitten) wieso muss frau heutzutage eigentlich immer wie ´ne fleischauslage rumlaufen? (ich übertreibe hier etwas um das thema zu verdeutlichen….)
    für den empfang der gäste tät ich spitzenstrumpf und fetten schmuck tragen – und vll. einen flamboyanten lidschatten – lippenstifft lohnt ja nicht wg. der häppchen 😉
    xxxxx

  • Hmmm, bie den A-Linien-Kleider bin ich immer noch ein bisschen hin- und hergerissen. Auf manchen Bildern (hier z.B. das letzte) sehen sie super aus, auf anderen trifft es die Bezeichnung deines Gatten (schöner Sack) ganz gut. Das lässt darauf schliessen, dass sie an der bewegten Frau viel besser wirken – es sind keine Klamotten für statische Bilder, eindeutig 🙂
    Hast du mal probiert, diese Kleidervariante kürzer zu machen, also Kniefrei? Kann ich mir mit bunten Strumpfhosen und Stiefeln sehr gut vorstellen.
    lg Ingrid

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