Kind der 80er

3vg80 Bin ich. Irgendwie. Gut, bin 68 geboren, aber so richtig nimmt man das Geschehen um sich herum ja doch erst in den eigenen Zehnern wahr. Und neben NDW und New Wave, Neon und Pastell, Magnum und Remington spielten falsche Perlen, Seitenscheitelbobs und – darum geht es! – Dauerwellen eine Rolle. Irgendwie gebranntes Kind, aber irgendwie eben auch dauer-fasziniert.
Nun hatte ich das Thema ja schon vor zwei Jahren durch. Oder eben nicht durch. Es war ein Wechselbad: hoch und runter. Da sie – die Dauerwelle – aber jetzt endgültig draußen ist und meine Haare durch vermutliche Grüße der herannahenden Wechseljahre super traurig schlapp sind und keine Rolle, keine Welle, kein überhaupt rein gar nix darin halten will – ja, da habe ich wieder dran gedacht. Und gestern einen Termin gemacht. Und heute wellen lassen. Viel sanfter und milder und zarter als beim ersten Versuch.
Damit nicht genug, musste ich vor ein paar Wochen einen neuen Laptop anschaffen, der – das habe ich eben zum ersten Mal getestet; was man eben so tut, wenn man auf Anrufe wartet – viel bessere Webcambilder schießt. Und dann lief noch Zaz und ich sang glockenklar mit (was ich behaupten kann, da die Webcam eben Bilder macht und nicht Töne aufnimmt – also: wunderbar und glockenhell. Wie die Callas. Locker! Achwas, schöner noch!) und drückte im Sekundentakt auf die Knipstaste. Was lag näher, als daraus ein Daumenkino zu machen?
Und weil ja jeder was zu lachen mag, stelle ich das nun nicht nur ein, sondern habe auch jedes Gruselbild drin gelassen. Nebenbei erbringe ich damit den Beweis, dass man zwar älter wird, aber sein inneres Kind nicht verlieren muss. Zumal es ja zehnmal netter ist als diejenigen, die man unter Qualen zur Welt gebracht hat 😛 Und weil mir das mit dem Alter gerade wieder rausrutscht:
Ich saß also nun mit Lockenwickler und Watteband vor dem Spiegel, als hinter mir die Türe sich öffnete und eine unglaublich schöne Frau herein trat, ich konnte die Augen nicht von ihr wenden und musste es ihr sagen. Am liebsten hätte ich noch gesagt, so will ich auch werden, wenn ich groß bin. Sie war schlank und zart gebeugt und – wie ich später erfuhr – 91 Jahre alt. Ich dachte, sie müsse wohl zuvor die Liebe des Großen Gatsbys gewesen sei: die Haare in einem kurzen Bob, leichte Wellen, die ihr über die großen Augen sanken, leicht fliederfarben eingetönt. Perfektes Make up auf einer Haut, die von Linien kreuz und quer durchzogen war und das Auftreten einer Großherzogin. Gut, ich habe mich etwa 45 Sekunden zusammen gerissen, dann brach es aus mir heraus: “Sie sind eine unglaublich schöne Frau!” Und wie jede Frau – was kam? “Hach, nein, gucken Sie sich mal meine Haare an …!”
Da können wir wohl reifen, wie wir wollen – die Frau, die auf ein Kompliment gelassen reagiert, muss wohl noch gebacken werden 😀

 

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