Kummerrock

Hardrock, Kuschelrock, Poprock – alles alter Kram, ich habe für mich ja den Kummerrock entdeckt. Es ist nicht so, als schätzte ich ihn besonders – nein, es ist einfach so, dass ich ihn anziehe. Also magisch-magnetisch. Aber eben auch über die Hüften zerre ich ihn.

Ich liebe ja nun Faltenröcke. Mit Kellerfalten, Quetschfalten, Messerfalten, mittleren, seitlichen, schmalen und breiten Falten. Dazu benötigt man einen Schnitt, der gut passt und sitzt, und einen Stoff, der sich willig in Form bügeln lässt. So weit, so einfach.

Schnitt habe ich mir gebaut und meine wochenlange Versunkenheit in die frühen Dreißiger hat mich zum spitzen Sattel greifen lassen, natürlich wieder mit angeschnittenem Bund. Der mir zuletzt schnitttechnisch immer einwandfrei gelungen ist. Was bei einer großen Taillen-Hüftdifferenz und zuzulegenden Abnähern schon allerhand ist. Diesmal geling es irgendwie nicht und ich weiß noch immer nicht, wo der Fehler liegt – am ehesten in einer falschen Kurve von Hüfte-Taille-Rippenbogen. Sicher spielt auch – es tut mir leid, liebste Ingrid – der Stoff eine Rolle, der recht starr ist und den ich, wie gestern schon schamhaft gestanden, auch noch mit verhaßter Vlieseline beklebt hatte. Um das ganze Problem deutlich zu verstärken, hatte ich auch noch falsch genäht. Und dann getrennt. Könnte aber immer noch weiter sein. Egal.

img1214

Ups, Rock sitzt nicht in der Mitte. Nochmal:

img1216

Und versehentlich auf zoomen gestellt. Platzwechsel:

img1218

Gut, schöner wird es nicht und hier sieht man schon, was mich an dem Stoff stört: er lässt sich nicht fein bügeln. Die Falten habe ich über gute 20 Minuten gepresst, beim Saum gab ich schneller auf – eine scharfe Kante ist nicht zu erreichen. Auch die Nähte liegen sich nicht flachbügeln, sondern stehen immer wieder ein wenig ab. Was, wenn Nähte über den Bauch laufen, doch suboptimal ist. So sehr ich das Bügeln verabscheue: ungebügeltes kann ich noch viel weniger leiden; aus dem Alter bin ich seit 25 Jahren heraus. Also bitte: lass dich bügeln, du Mistding. Gehorche meinem Willen, du elender Wurm. Wage es nicht, dich mir zu widersetzen, sonst … sonst … sonst! Sonst sieht das so aus 🙁

Von hinten ist das Problem allerdings viel größer:

img1217

img1219

img1215

Zum Einen mag ich es an mir gar nicht, wenn Stoff zu steif am Saum absteht – da wäre ein zur Seitenlinie gelegter Fadenlauf hilfreich, nur nicht, wenn der Stoff ein Muster hat. Hier also nicht möglich, also sieht es so aus, also stört es mich. Es stört mich auch, dass dieser Stoff sich zwar nicht in Form bügeln lassen mag, aber bereitwillig knittert, wenn er im Schrank hängt oder ich auf ihm sitze. Alles nicht fein.
Am meisten natürlich stört mich die zu enge Sattelrückseite und die Querfalten, die sich da ziehen – sicherlich noch mal verstärkt durch das dicke Sweatshirt im Bund.

Die Silhouette von vorne gefällt mir eigentlich ganz gut, dass sie allerdings durch die aufspringende Kellerfalte entsteht, die aufspringt, weil der Rock zu eng ist – das gefällt mir wieder nicht. Ich bemühe mich zwar um Akzeptanz und versuche mir einzureden, genau so solle das sein (und nehme ich das Anleitungsbild im 60er-Jahre-Schnittkonstruktionsbuch als Vorbild, dann stimmt das auch), aber ich weiß, klemme ich die Falte zu, dann sieht der Rock aus wie Pelle – gar nicht gut, gar nicht gut. Aber vielleicht doch ein Schnitt, der einen zweiten Versuch mit freundlichem Stoff verdient. Oder?

Diese Beiträge könnten dich interessieren:



17 thoughts on “Kummerrock”

  • nun, schimpf nicht so auf den Stoff;-)
    die falte vorne geht aus 2 gründen auf:
    1. der Winkel der ecke der passe stimmt mit dem rock nicht über ein.
    das sind eventuell im wahrsten sinne des Wortes nur 2-3 mm- die aber über ein gelingen oder nicht gelingen entscheiden.
    2.etwas zu knapp an der hüfte(auch wenn man es nicht sieht).
    um das zu vermeiden näht man die falte auf der gesamten länger erstmal zu
    erst dann schneidet man die ecke der passe, die absolut identischen winkel hat und absolut identische Nahtzugabe und dann überprüft man es nochmal ob die breite der hüfte noch korrekt ist. wenn alles genäht und dran ist, erst dann darf man die falte befereihen.
    etwas handarbet kann man hoer leider nicht vermeiden. und damit meine ich es wörtlich handarbeit!! kein stecken!
    und es fehlt die Seitenansicht- eine der wichtigsten überhaupt;-)
    viel erfolg beim nächsten versuch :-)!

    • Doch, auf den Stoff muss ich schimpfen: als ich den Beitrag schrieb, trug ich ihn noch auf nackter Haut und hat dermaßen gekratzt und gejuckt, da konnte ich kein gutes Haar mehr an ihm lassen 🙂 Und total verknittert sieht er nun aus – habe das spaßeshalber versucht, wegzubügeln, bevor er zurück in den Schrank kommt, aber ne, wird nicht mehr glatt.

      Die Seitenansicht bekomme ich einfach nie anständig fotografiert, aber von da aus sieht er eigentlich ganz anständig aus. Was mich verblüfft. Fällt vorne und hinten sehr glatt, Seitenlinie ist ziemlich gerade, minimal nach hinten verschobe, aber da die Falte sich so öffnet und der Stoff so starr ist, lässt sich das vermutlich nicht vermeiden – sind etwa 25 cm mehr Stoff vorne.

      Was das Aufeinandertreffen in der Mitte an der Spitze anbelangt – stimmt, es sind genau 3 mm, die daneben gegangen sind. Dazu hatte sich die linke Falte auch noch etwa 4 mm von der rechten entfernt, was ich aber zu spät bemerkt hatte – und da wußte ich schon, das Ding kratzt 😀

      Und ich gebe zu, ich hatte diesmal gar keine Lust, diese Falte zusammen zu nähen – rächt sich eben doch! Aber Silhouette ist von vorne gar nicht so verkehrt, schließe ich aus deinem “nächsten Versuch” 😀

      • die falte MUSS während der ganzen zeit ENTLANG zugenäht werden. dann übeprfüft man alle konturenlinien des schnittes.
        dann wird sie nicht aufgehen.
        im übrigen..
        erinnere dich an die alten Zeiten, als du noch die Kleidung in den läden gekauft hast.
        jede falte und jeder schlitz wird sogar im zugenähtem zustand verkauft..

        • Ach, du rennst ja offene Türen ein, ich weiß das doch, aber ich hatte keine Lust … mea culpa! Zählt aus Entschuldigung, dass ich wirklich fies gehustet habe? Denken und husten passt nicht so gut zusammen, Faulheit und huschhusch leider schon. Nicht mehr schimpfen, ich tue das sicher nie wieder, versprochen.

          Aber schön, dass mit den zugenähten Nähten – ich liebe es, wenn ich in der Stadt Frauen sehen, deren Gehfalten noch geschlossen sind und möchte am liebsten immer aufklärend wirken – ähm,hallo, Sie da? Das ist KEIN Designelement … 😀

          • *hüstel* noch schlimmer sind die Männer, die an ihren Anzügen die Schildchen an den Ärmeln nicht abtrennen….

            Der Rockschnitt gefällt mir und ich denke, er verdient auf jeden Fall eine weitere Chance.
            (Nähte, die wieder getrennt werden müssen, stepp ich mit dem grössten Stich den ich habe (6mm) ohne Rückstich, dauert minimal und lässt sich problemlos wieder trennen, indem ich einfach nur am Faden ziehe. Husten ist also keine Ausrede mehr ;))

            • Ah, du bist zu streng . mein größter Stich ist 5 mm und bislang hat das noch bei keinem Stoff geklappt mit dem rausziehen, Ist allerdings auch nicht so gedacht, eigentlich gibt es einen extra Heftstich, aber mit versenktem Transporteur und so …

              Aber natürlich hast du recht und ich kann ehrlich sagen, dass ich das noch nie nicht gemacht hatte bei Falten, geistige Umnachtung oder so 😀 Geht es dir wieder besser?

  • Also erstmal: der Rock ist nicht so schlimm, wie du ihn siehst, im Gegenteil, ich finde den sogar sehr schön. Aber ich weiss schon, dass dich das keinen Millimeter weiterbringt, kenne ich von mir. Wenn das Teil einmal durchgefallen ist, freundet man sich nur schwer wieder damit an.

    Nähtechnisch schliesse ich mich Julia voll und ganz an, aber was mir noch spontan durch den Kopf schiesst ist die Frage, ob so ein Passenrock überhaupt gut geeignet ist für Leute mit einer grossen Differenz zwischen Hüft- und Taillenmass. Du musst ja die ganze Formgebung in die Seitennäht und die untere Passennaht bringen, weil man ja keine Abnäher in der Passe haben will. Und wenn da viel Zentimeter weg müssen, ist es schwierig. Ich erinnere mich an meinen letzten Hosennähversuch – ein Graus!

    • Ja, das ist ein grundsätzliches Problem, das sich zwar lösen lässt, aber da entscheidet echt jeder Millimeter. Und ich habe das Problem ja noch verschärft, in dem ich den Bund erhöht habe – heißt: der Sattel geht in einem relativ scharfen Winkel auch wieder aus der Taille nach außen raus und da habe ich sicher diesmal einen Fehler eingebaut.
      Wenn du nur bis in die Taille gehst, ist es leichter. Aber ich glaube, meine Sattellust ist erst mal gestillt … 😀 Und vielleicht nehme ich ja demnächst einfach so ein Kilo ab, dann sitzt er nämlich doch noch gut 😀

    • Ich weiß, was du meinst … 😀 Aber tragbar …? Naja, wenn ich zu Hause putzen will, ist das ok 😀 Es kam halt mehr auf den Versuch an und insofern bin ich zufrieden. Oder so ähnlich 😀

  • Ich schließe mich den beiden Damen nähtechnisch an und habe volles Verständnis das du bei der Falte geschlampt hast. Ist mir auch schon passiert weil ich schnell das Ergebnis sehen wollte.
    Der Rock sieht aber prinzipiell gut aus und verdient einen 2. Versuch mit freundlicherem Stoff.

    • Das mit dem freundlicheren Stoff ist, was ich hören wollte. Sollte mir mal wieder was nettes über den Weg hüpfen, dann …!
      Und Verständnis tut ja so wohl, wobei wir jetzt beide versprechen, nie wieder so unnütz zu schlampen 😀

  • Darf ich mal schimpfen ohne dass Du mit mir böse wirst?
    Deine ganze Arbeit mit der Konstruiererei bringt gar nichts, wenn Du dann nicht auch ordentlich arbeitest Also, bitte heften das nächste mal, ansonsten brauchst Du dich auch nicht auf die Millimeter einlassen.
    Und wenn ich ehrlich bin, mag ich diese Rockform nicht an dir. Das wirkt so wuchtig unten. Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache. Mir gefallen Röcke die nach unten wieder schmaler werden besser an dir.

    • Wieso soll ich böse werden? Nehme ich entspannt.
      Wuchtig? Sicherlich, weil der Stoff so schwer ist, aber nach unten enger werdende Röcke als einzige Möglichkeit wäre mir zu wenig. Dazu kann ich die täglich nicht gebrauchen, sie schränken die Bewegungsfreiheit schon sehr ein. Sicherlich spielen auch meine Fotofähigkeiten eine Rolle, aber ich persönlich mag an mir am liebsten ausgestellte Röcke, die weich fallen – das ist einfach weiblich und weich und bewegt und gleicht auch schön Hüfte und Beinlänge aus. Die nach unten engen Röcke machen halt schon sehr ordentlich Kurve und das ist nix, was ich jeden Tag mag oder schön fände.

      • Den Rock in Lila fand ich zum Beispiel besser. Wahrscheinlich wirkt dieser hier durch den festen Stoff so wuchtig?
        Wenn Du dir einen schönen Schlitz in den Rock machst bist Du auch nicht eingeschränkt. Mein liebster Alltagsrock wir recht schmal zum Saum hin, aber eingeschränkt fühle ich mich damit nicht. Ich käme mir zum Beispiel mit einem Petticoat sehr eingeschränkt vor. Aber das trägst Du ja auch nicht.

        • Sind ja zwei völlig verschiedene Schnitte – der lila war viel viel weiter und die Abnäher komplett aufgedreht und dann noch Mehrweite eingefügt und dazu hat er vier verschiedene Fadenläufe pro Vorder- und Rückseite. Das hier ist in der Grundlage ein gerader Rock, der am Saum 3,5 cm mehr bekommen hat (also 14 cm mehr als Hüfte) und der Fadenlauf ist in der Mitte.
          Den Effekt hinten mag ich halt nicht, deshalb sprach ich davon, dass das mit einem anderen Zuschnitt schöner wäre. Normalerweise trage ich selten Röcke, die so gearbeitet sind. Ich finde es schön, um die Hüfte schmäler erscheinen zu lassen und finde, das passt hier gerade besonders. Was ich nicht so mag – die Beine werden noch dünner.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Einverstanden

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 537.393 bad guys.