Lauwarm Tendenz warm. Oder vielleicht Tendenz kühl. Oder doch warm? Oder …

Dieser Stoff hat eine wunderbare Farbe, obwohl diese Farbe auf den Bildern meine Haare viel grauer erscheinen lassen, als sie sind. Meine Haut auch. Aber vielleicht liegt das auch am sehr grauentrüben Himmel da draußen. Aber das ist unerheblich, dieser Stoff ist ein Fähnchen – auf den Fotografien sieht man es doppelt gut: dünn, ohne Körper, ohne Charakter zieht er sich hierhin und dorthin und der leichteste Hauch bringt ihn zum Knittern. Ein Abschied ohne Schmerzen.

Natürlich konnte ich es nicht abwarten und Genauigkeit war längst passé, als ich das Oberteil an das Rockteil heftete – ohne es vorher einzuhalten – das habe ich der Maschine überlassen, weshalb es in einer leichten Runde um mich herum läuft. Ich wollte nur wissen, ob es auf der richtigen Höhe ist, ob es die richtige Weite hat und die richtigen Abnäher.

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Der Rock ist hier gute 90 cm lang und nach unten hin 3 Zentimeter ausgestellt. Das eingesetzte Rockteil allerdings drängt stärker nach außen, als es dürfte, aber das dürfte an einem Denkfehler meinerseits liegen. Vor einiger Zeit las ich, ich weiß nicht mehr, wo, dass die Mode der 29-31er derjenigen von 1918-21 in der Silhouette sehr ähnele. Beim Betrachten der Bilder hatte ich mich immer sehr von den Verzierungen, den Frisuren und Hüten ablenken lassen, aber nun, wo ich den Rock betrachte, sehe ich die Ähnlichkeit. Ich denke, der Rock darf sicherlich noch einmal um 4-5 cm gekürzt werden, um mehr 30er als 10er zu sein.

Das Oberteil darf noch ein wenig mehr zur Taille eingestellt werden, wobei die Silhouette durchaus stimmt; über die Schmeichelhaftigkeit bin ich mir noch nicht im klaren. Wie auch? Das Unterkleid zeichnet sich ab, die Strümpfe und Schuhe passen nicht und mein Kopf auch nicht. Aber der Ausschnitt hat die richtige Tiefe, die Schultern passen und der Eindruck stimmt schon mal.

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Fremd, das ist, was mir vor allem einfällt.

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Verblüffend, wie weit ein Rock doch wirken kann mit einer so kleinen Zugabe so weit unten am Saum. Auch hier kann der blusige Effekt noch reduziert werden, aber es kommt vielen Modellbildern der Zeit schon nahe.

Aber ein Weiterarbeiten erübrigt sich doch: ich werde nachher den Schnitt noch mal überprüfen und mich auch noch mal auf die Waage stellen, aber eine gestrigen Maßbandmessung spricht gegen das, was geschehen ist:

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Ich kann nun überhaupt nicht beurteilen, ob die hochgezogene Taille des Rockbundes sitzt oder nicht, denn das Rockteil ist an der Hüfte bzw. zwischen Taille und Hüfte zu knapp. Deutlich zu knapp. Ich vermute, dass sich dieser Stoff beim Zuschnitt verzogen hat. Schließe ich diese Lücke einigermaßen, so rutscht der Rock hinten in der Taille enorm hoch. Das gleiche Problem hatte ich bei meinem ersten 30er-Vesuch im letzten Jahr auch – da hatte ich es auch direkt bemerkt, nur nicht mehr retten können. Ist das ein Fluch, ein Zeichen, ein Wink?

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31 thoughts on “Lauwarm Tendenz warm. Oder vielleicht Tendenz kühl. Oder doch warm? Oder …”

  • Die Grundidee stimmt. Weniger blusig finde ich gut. Rocklänge kann etwas kürzer, nur mit dem eingesetztem Rockteil bin ich mir unsicher. Ist das jetzt toll oder zu sehr Schürze?

    • Gute Frage. Wenn ich das richtig gemacht hätte, dann wäre das vielleicht schön. Um meinen Fehler zu erklären, müsste ich jetzt weit ausholen, das hat was mit dem zusammengelegten Abnäher und der falschen Neigung der Seitennaht zu tun – dieser Einsatz sollte Mehrweite bringen, die sich vorne in kleinen Falten zeigt. Aber statt dessen hat er die Aufgabe des Abnähers übernommen und da stimmt jetzt die Balance hinten und vorne nicht. Da das Ding ja aber sowieso nicht passt, ist es müssig, sich darüber zu ärgern.
      Die Röcke waren damals einfach anders konstruiert und das macht mir zu schaffen – das ist mir zu weit aus meiner Kuschelecke raus …

      • Ah, ich dachte mir schon es wäre netter wenn da ein paar Falten im Mittelteil wären. Die Silhouette finde ich wirklich gut. Nur die Umsetzung im Detail ist schwierig. Also dran bleiben.

        • Ja, das muss ganz anders da sein – dazu ,müsste der Grundschnitt stimmen und dann kommt ein extra rein. Also vielleicht, ich denke für den Anfang werde ich den Rock doch lieber schlicht halten, bis es stimmt.Das ist mir alles noch zu kittelig und auch wenig vorteilhaft. Da muss noch was gehen.

  • Sag mal, was treibst du eigentlich … man kommt kaum noch hinterher mit dem Lesen und ständig angefangenen Sachen.
    Das Oberteil weniger blusig finde ich auch gut, aber mit dem Rockteil kann ich mich irgendwie nicht anfreunden … warum kann ich nicht erklären.
    Ich muss da glaube ich, noch länger drauf starren …

    • Das ist einfach fremd – unsere moderne Zeit hat so Ende der 30iger begonnen. Da wirst du immer wieder Schnitte finden, die heute noch genauso funktionieren. Das ist bei allem davor nicht so. Wir lieben die Idee dahinter, aber nicht wirklich den Look.

      Wenn dir heute jemand erzählt, er findet den 20er-Look so toll, dann haben wir ein Bild vor Augen, dass nicht mit der Realität überein stimmt – Beachpyjamas zum Beispiel machen im Original von hinten einen Elefantenpo 😀

      ABER der Rock stimmt ja auch nicht wirklich und ich noch ein wenig zu lang. Da geht noch was. Also theoretisch, nicht hiermit. Aber noch ein ABER: wenn er zu kurz wird, dann stimmt die ganze Silhouette gar nicht mehr und dann sieht man auch nicht mehr lang und schmal, sondern klein und knubbelig aus. Boah, eyh, aber ich bin damit auch so weit aus meiner Zone raus, ich kann es dir gar nicht sagen…

  • Okay, ich passe nicht mehr in das Minikästchen 😀 Petticoat? Nä, niemals nicht für mich, keine Sorge. Pencil ist für mich ja nicht so ungewohnt, findet sich nicht noch was zwischen diesen beiden Extremen? 🙂

  • Ich finde deinen 30er Ansatz super und das Kleid überhaupt nicht vertane Liebesmüh!

    Meine Ideen dazu sind, die kleinen Beulen in den Teilungsnähten auf Handhöhe losbekommen und die Bewegungsweite am Saum statt durch Ausstellen, lieber zwei Kellerfalten ab Kniehöhe in den beiden Teilungsnähten zu erzeugen. Dadurch bekommst du die Silhouette noch schlanker. Ich würde das Kleid auf keinen Fall zuviel kürzen, aber das hast du ja selbst auch schon erwähnt. Sonst sieht es nämlich sofort modern aus und davon wolltest du ja Abstand nehmen.

    Die Weite im Oberteil würde ich nur ein klein wenig rausnehmen, mehr vorn als hinten, da war bei den Originalen immer etwas mehr Stoff. Ausserdem würde ich auf jeden Fall den Abnäher von der Seite in die Schulternaht verlegen, das war offenbar in der Zeit Standard und verändert den Look überraschenderweise wirklich. Du kannst ihn da komplett ausnähen, die Spitze des Abnähers offen lassen oder die Abnäherweite durch Smoken, Biesen oder einfaches Einreihen verteilen. Zum Probieren des Schnittes eignet sich das Ausnähen natürlich am besten.

    Bleib auf jeden Fall am Ball, das wird super! 🙂

    Wenn du möchtest, schicke ich dir gern die Links zu zwei Kleidern an denen ich die 1930er ausprobiert habe. Möchte deinen Blog nicht als Werbeplattform missbrauchen. 😉

  • Hi Janet,

    danke für die vielen guten Tipps – und dazu vom Profi. Bin ja geradezu geschmeichelt, dass du mich entdeckt hast 😀
    Links: gerne, so schnell fühle ich mich nicht mißbraucht!

    Den Abnäher in die Schulter zu verlegen, daran hatte ich schon mal gedacht, hatte das in den alten Aufstellungen auch schon gesehen. Damit habe ich nur immer Schwierigkeiten, wenn ich ihn nicht umwandeln, sondern nur kürzen möchte, das gibt wirklich unschöne Beulen. Da ich aber auch ganz kurze an der Seite gesehen hatte, wollte ich das für die ersten Testläufe da lassen – sollte aus der Silhouette was werden, dann soll der Abnäher in Nähten und Raffungen verschwinden. Allerdings bin ich nach wie vor noch nicht davon überzeugt, dass wir zusammen passen, die Form und ich.
    Und ja, Rock schmäler sähe auch besser aus. Ich arbeite mich vor. Hoffe ich 😀
    Danke!

    • Vielen Dank fürs Willkommenheissen! Deinen Blog habe ich auf der Return2Style Seite gefunden und bei 20er und 30er bin ich natürlich sofort dabei. Es ist anfangs wirklich sehr ungewohnt und ich habe auch erstmal alles ein bisschen zu eng gemacht, vor allem die 20er Kleider.

      Ok, also Beispiele! Bei diesem Kleid sieht man ganz gut die Verteilung der Weite am Oberteil. Vorn relativ glatt, hinten eingehalten. Der angesetzte Rock sitzt schmal auf der Hüfte.
      http://vecona.de/index.php?page=collection&article=422

      Je leichter der Stoff umso grösser darf die Saumweite werden. Diese hier fällt besonders weich durch den Schrägschnitt.

      Bei diesem Beispiel ist das Kleid aus einem Stück genäht, also keine Teilungsnaht an der Taille:
      http://vecona.de/index.php?page=collection&article=375
      Wenn die Seitennaht gerade verläuft, ist vorn deutlich weniger Raffung als hinten. Hier sieht man auch ganz gut wie ausgefuchst man den Schulterabnäher unterbringen kann. Das ist nicht meinem Kopf entsprungen sondern einem raffiniertem 30er Jahre Designer.

      Dieses Abendkleid kommt deinem Grundschnitt am nächsten, abgesehen davon dass es bodenlang ist. Vorn und hinten jeweils zwei Teilungsnähte. Blusig angesetztes Oberteil – vorn glatt, hinten eingereiht.

      Was mir auch aufgefallen ist, dass hinten im Nacken immer Weite durch kleine Biesen eingehalten wird, das macht eine tolle Rückenlinie!

      Dass dir diese Linie steht, davon bin ich überzeugt, gerade weil das Rockteil die Hüften schmal umschliesst und die natürliche Taille betont wird. Ausserdem hast du die passende Haarlänge!

      • Ok, selbst schuld, liebe Janet, aber dann frage ich dich mal, womit ich mich so herumschlage:

        Zum einen hadere ich wirklich mit dem Problem des fehlenden vorderen Rockabnähers – lege ich ihn zu, dann wird der Rock ja viel zu schnell viel zu weit. Meine Taillen-Hüftratio ist ja nun recht groß, da habe ich echte Schwierigkeiten, etwas anständig sitzendes hinzubekommen. Wie hast du das also beim ersten Kleid gelöst, dass ja auch etwas mehr schwingt?

        Und dann: wieviel Mehrweite gönnst du deinen Oberteilen an der Taille denn? Da das richtige Maß zu finden, ist ja schon wieder die reinste Hölle 🙂

        Ach mir fällt viel zu viel ein, ich werde unverschämt. Wenn du demnächst noch mal Zeit und Lust hast, dann mail mich doch gerne mal an. 🙂 Und wenn ich mal endlich weiter komme, dann würde ich gerne ein Bild von dir einfügen und zu dir linken :-9

        • Der Abnäher vom ersten Kleid verschwindet aus zwei Gründen. Zum einen ist das Rockteil aufgedreht und zum anderen ist es im schrägen Fadenlauf zugeschnitten. So passt es sich quasi von allein der Figur an und es sind nur die Seitennähte nötig, überhaupt keine Abnäher. Hier ist das zugeschnittene Maß an der Taille sogar kleiner als das eigentliche Taillenmaß. Durch den schrägen Fadenlauf an der Kante dehnt es sich.

          Beim Abendkleid sind die Abnäher in den Teilungsnähten untergebracht. Es würde aber auch ohne gehen, das habe ich häufig in alten Anleitungen gesehen, wo bei Rockschnitten nur die Rückenteile Abnäher hatten. Die Mehrweite wird dann einfach in den Rockbund eingehalten und glatt gebügelt. Das klappt gerade bei Wollstoffen sehr gut und schummelt super ein kleines Bäuchlein weg. Das wird durch genähte Abnäher ja eher betont. So habe ich es auch bei diesem Rock aus Crepe gelöst:
          http://vecona.de/index.php?page=collection&article=397

          Bis wieviel Weitenunterschied das funktioniert habe ich noch nicht probiert.

          Die Mehrweite beim Oberteil ist hinten insgesamt 10cm beim Abendkleid. Vorn ist keine Mehrweite in der Taille.

          Ich hoffe, die Infos helfen dir etwas weiter. 🙂

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