Frühlingsträume

Darf man am 3. Februar schon vom Lenz träumen? Dumme Frage eigentlich, denn die Antwort kann nur lauten: wenn nicht jetzt, wann dann? Schließlich möchte mir mein umnebelter Verstand klar machen, dass eben jenes Frühjahr jeden Augenblick vor der Tür stehen könne. Haben wir alles schon erlebt. Ich erinnere mich an einen 18. oder 19. Februar vor etwa – Moment…, ahja, ups, das ist aber erschreckend – also vor etwa 25 Jahren, an dem es mittags weit über 20 C° waren. Ich erinnere mich ebenso an Geburstage meiner Freundin Viola, die wir unter Magnolienblüten in ihrem Garten verbrachten – und das ist Anfang März, also nur einen Wimpernschlag von heute entfernt.

Nun ist gerade heute ein guter Tag zum Träumen, denn obwohl Bonn bislang einen sehr warmen Winter hatte, sieht es heute morgen so aus:

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Bah! Allerdings schien vor einer halben Stunde die Sonne; mittlerweile ist es grau, dafür aber der Wagen nahezu eisfrei. Man kann nicht alles haben und beides trägt dazu bei, sich den Lenz mit all seinen blauen Bändern fluchs herbei zu wünschen. Nun hatte die strahlendscheinende Sonne zwar mich dazu gebracht, mich in den neuen kirschroten Faltenrock und in den fast neuen kirschroten Riviera-Baumwollpulli zu werfen und dabei auf Strümpfe jeder Art zu verzichten – nur erkennen kann man das kaum. Meine Kamera, eh zickig, war gar nicht in der Lage, Selbstauslöseaufnahmen in wenigstens annehmbarer Qualität zu fertigen: alles ist hübsch verschwommen. Was mit ein wenig Phantasie sogar flimmernde Sommertage hervorbeschwören könnte. Gut ist also kein Bild, Details könnt ihr vergessen, dafür bekommt ihr ganz viele Bildchen. Irgendein Eindruck wird schon geprägt werden.

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Der Rock ist aus einem Baumwoll-Elasthan-Gemisch, eines von der Art, die die Stoffoberfläche etwas gummiartig erscheinen lässt – mies zu bügeln und das wollte am Taillenbund auch nicht so recht gelingen, da werde ich den Beleg noch einmal an einigen Stellen festtackern müssen. Außerdem ist die Hüfte minimal zu weit und bildet wieder einmal, meine Spezialität, kleine Öhrchen. Für diejenigen, die selbst konstruieren und ebenfalls eine ausgepräge Taillen-Hüft-Relation haben: sobald der Rock auch nur minimal ausgestellt oder gar aufgedreht wird, lohnt es sich, auf Hüfthöhe noch einmal nach zu messen und die Weite entsprechend des Grundschnittes nach unten zu korrigieren. Das tue ich am Schnitt immer erst, wenn ich ihn einmal genäht habe – sicher ist sicher, ich habe immer Angst, es wird zu eng. Hier muss ich noch einmal etwas mehr wegnähen. Das nur mal so am Rande.

Den Schnitt habe ich schon dreimal genäht. Oder eigentlich nicht. Denn ich habe den Schnitt mit dem neuen Rockblock komplett neu aufgesetzt und bin bis auf die Öhrchen ausgesprochen zufrieden. Warum, wird bestimmt im Laufe dieses Jahres noch einmal gezeigt werden, denn drei rotgrundige Blusenstoffe liegen irgendwo in den Tiefen meines Lagers.

Riviera ist ebenfalls aus Baumwolle und ich hatte schweren Herzens auf mein geliebtes Perlmuster verzichtet, weil es in der Bändchenbaumwoll einfach zu starr und auch zu unruhig wurde. Die Häkelbänder waren zu Beginn die reinste Qual, ich habe sicherlich drei oder vier Anläufe gebraucht, bis ich die passende Größe hinbekam. Etwas störend beim Tragen ist, dass Baumwoll eben einfach kein freundliches Garn ist und verhäkelt noch unelastischer wird. Andererseits leiert das Zeugs ja auch ordentlich, wenn man es länger als eine halbe Stunde trägt, daher wird es sich wohl einspielen, unser Verhälntis.

Nichtsdestotrotz strickt es sich mit Wolle einfach feiner:

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Estelles Rücken ist beendet, Vorderteil begonnen, Muster ist unglaublich langweilig und nervig. Erschwerend kommt hinzu, dass die ich die Baby Merino von Drops verwende. Im Gegensatz zu vielen anderen schätze ich an ihr lediglich die Garnstärke und die Farbauswahl – gäbe es ein größeres Angebot an Garnen dieser Art, so hätte sie nicht so häufig den Weg zu mir gefunden. Verglichen mit qualitativ hochwertigeren – wie beispielsweise meiner alten Sehnsucht Rowan 4ply soft – wächst sie mit dem Waschen sehr, wird extrem weich, was sich zwar schön anfühlt, aber nicht wirklich für eine große Formstabilität sorgt. Dazu pillt sie sehr schnell, was mich nun wirklich ärgert. Andererseits kann das sehr weiche Aufgehen und Wachsen nach der Wäsche in diesem Fall zum typischen 30er-Aussehen von Estelle beitragen.

Und sonst? Sonst überlege ich, welchen Rockschnitt ich heute basteln könnte – am besten natürlich einen 30er, den ich bei der nächsten Gelegenheit an das passende Kleid bauen kann. Mit meinem Plänen in dieser Richtung habe ich noch nicht abgeschlossen. Allerdings sind beide Jungs kränkelnd zu Hause, ich warte auf Ware, muss kochen, putzen, waschen und noch einmal an die Umsatzsteuer ran. Frühling wäre echt eine Alternative!

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16 thoughts on “Frühlingsträume”

  • Öhrchen hört sich doch ganz nett an. Wobei auf den Fotos nichts davon zu sehen ist.
    Ich träume auch schon ein bisschen vom Frühling und wenn er dann da ist, bist du in dieser Kombi aller liebst gekleidet.
    Liebe Grüße
    Arlett

    • Ne, sehen kann man auf diesen Bildern nicht wirklich was – irgendwann wird das nachgeholt. Öhrchen sind jetzt auch entfernt, brauche ja keine Haltegriffe an meinen Hüften 😀

      Und für allerliebst hätte ich die nassen Haare vielleicht doch trocknen und ondulieren sollen, ich sehe ein wenig aus wie eine Katze, die ins Wasser fiel …

      • Ich sprach ja auch von gekleidet meine Liebe. Das mit den Haaren ist mir wohl aufgefallen, wollte ich aber nicht näher kommentieren.
        Liebe Grüße
        Arlett

            • Ja, manchmal erstaune ich mich über selbst, ganz ehrlich. Es ist ja nicht so, als wäre ich uneitel (was in meinem Beruf auch seltsam wäre), aber offenbar ist meine Eitelkeit sehr selektiv verteilt. Wenn ich mir meine Bilder so anschaue, gibt es sehr viele, mit denen ich nicht glücklich bin, für die ich die Haare gewickelt, unter einem Handtuck oder einfach zusammengebunden habe, ich bin ungeschminkt, falsch geschminkt, frisch geschminkt. Mit guten Schuhen, unpassenden Schuhen oder Socken, alles schon vorgekommen. Müde, krank, genervt, traurig – irgendwie zeige ich mehr, als ich mir jemals zugetraut hätte und es ist ambivalent: es fühlt sich verletzlich an manchmal, aber auch ganz schön stark.

  • achja, ich träume auch schon vom Frühling! Von mir aus könnte es jetzt schon losgehen. Und außerdem hast du mich gerade angesteckt, ich brauch auch dringend ein kurzes rotes Strickoberteil! Allerdings lieber nicht aus Baby Merino. Ich hab ihm nicht verziehen, dass es bei der letzten Jacke so geleiert hat. Liebe Grüße, Zuzsa

    • Hach, schön, dass ich nicht alleine denke, die Baby Merino ist nicht der Weisheit letzter Schluß – leiern tut sie natürlich auch und zwar relativ unkontrollierbar, wie ich finde. Welche Alternative hast du dir denn rausgesucht?

      • Nie wieder Merino-Wolle !?! war zumindest meine erste Reaktion 🙂
        Ich versuche mein Glück mal mit Lana Grossa Lace Merino, die ich heute für ebenjenen Sommerpulli bestellt habe. Keine Ahnung ob das gut geht und eine weise Wahl war oder ob ich bis ans Ende meiner Tage mit 1er Nadeln an dem gleichen Pulli sitzen werde …

        • Nein, das ist nicht unbedingt ein Merino-Problem, sondern eines der Verarbeitung beim Hersteller. Und da schneidet die Drops einfach am schlechtesten ab von allen, die ich hatte. Von Sublime gab es ein schönes Garn, leider auch schon wieder vom Markt runter. Von Katia gibt es ebenfalls ein passendes, das sich auch gut verhält, aber ich finde die Farbauswahl etwas grell. Dann natürlich die Rowan pure wool 4ply, die leider etwas gröber ist – sowohl im Strickbild als auch im Tragegefühl. Ich bin eigentlich ständig auf der Suche nach passendem 😀

          • Da bin ich froh, denn vom Tragegefühl mochte ich die Merino-Wolle schon recht gern, vor allem für mildere Tage. Ich werde mal berichten, wie sich Lana so macht …

  • Ach , schon wieder drei Tage her , dass ich gedacht habe , ich muss Michou schreiben …. Riviera in rot ist wunderbar ! Und eigentlich hättest Du ja neben dem roten Auto vor dem Haus posieren müssen 😉 Das wär aber wieder nicht gut gewesen wegen der nassen Haare , die mir in der Tat vor dem Lesen der Kommentare nicht aufgefallen waren . Hast Du schon einmal die Baby Merino von Lana Grossa versucht ? Die ist etwas dünner als die von Drops ( mit der ich auch nicht klarkomme ) und strickt und trägt sich wirklich 1a
    LG Dodo

    • Ach unser rotes Auto ist ja ganz falsch rot und lädier außerdem 😉 Ok, ich auch 😀

      Die Lana Grossa Baby habe ich bislang noch nicht verstrickt, weiß gar nicht, warum… was hast du denn aus der gestrickt?

      • Also lädiert siehst Du nicht aus , aber ich weiss , was Du meinst : in diesen Tagen / Monaten fühlt man sich einfach so ” gesichtsalt ” 😉 …Den Riviera mit dem schrecklichen Perlmuster hab ich damit gemacht , und sämtliche meiner kleinen taillenlangen Vintage orientierten und geliebten Pullis in Taupe , in Türkis und in Helloliv
        Lg Dodo

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