Mantel-Test und massiver Haarfrust

Minusch ist zur Zeit sehr anhänglich: dass sie sich in den Weg wirft, sobald Papier und/oder Stoff auf dem Tisch befinden, ist hinlänglich bekannt. Dass sie von Zeit zu Zeit kryptische Meldungen über FB verkündet, ebenso. Seit einigen Tagen aber darf ich mich nicht einmal in die Nähe des Sofas begeben, ohne dass sie mir um die Beine streicht und mich auf selbiges zu zwingen sucht. Nun sitze ich hier, will den Mantelversuch zeigen und beschreiben und kämpfe dabei sehr um Bewegungsfreiheit der Hände. Sie liegt auf meinen Unterarmen und streckt immer wieder die Hinterpfoten aus im Versuch, den Laptop endgültig von mir zu trennen. Eventuelle Rechtschreibfehler gehen heute zu ihren Lasten.

Gestern morgen schnitt ich den Kratzstoff zu – beide Katzen sind verrückt nach ihm; einen besseren Beweis für die Abwesenheit von kuschelweich kann es nicht geben: Katzen lieben es kratzig und sie haben den Fußabtretet als umkämpften Lieblingsplatz zugunsten dieses Mantelstoffes aufgegeben. Nachdem ich sie immer wieder runterjagte und den Stoff endlich zuschneiden durfte, machte ich mich auch recht flott ans Nähen, denn ich wollte und musste schnellstens herausfinden, ob diese Konstruktion brauchbar wäre.

Ich hatte mich an drei Methoden orientiert: Nathalie Bray, Ann Evans und am Hofenbitzer, was das Zerschneiden des Schnittes zwischen Mitte und Abnähern anbelangt. Einige Maß- bzw. Konstruktionsangaben waren ir nicht geheuer und in der Tat werde ich diese Schritte zurückführen.

  • So habe ich die Armlöcher um 2 cm abgesenkt – hier werde ich wieder um einen halben Zentimeter hochgehen.
  • Die Schultern wurden vorne und hinten um jeweils 0,5 cm angehoben, um Platz für die Kleidung darunter zu schaffen – das ist für mich zu viel und ich neige dazu, das komplett zu streichen.
  • Der vordere Halsausschnitt wurde an der Seite um 0,8 cm zur Seite verlegt – für mich viel zu weit. Dabei habe ich endgültig festgestellt, dass der Halsausschnitt meines Grundschnittes dichter am Hals liegen sollte, da werde ich alle Schnitte noch einmal überarbeiten.
  • Dem Ärmel habe ich den 1 cm Mehrweite an den Schultern in der Mitte zugegeben; damit passte  er gut über dickere Strickjacken. Wie ich diese Weite erhalte, wenn ich die Schultern wieder in die alte Position bringe, weiß ich noch nicht.
  • Rundum an Brust, Taille und Hüfte habe ich 6 cm zugegeben.  Es ist schwierig, im jetzigen Zustand zu entscheiden, ob das nicht doch zu viel ist. Zumindest an der Hüfte könnte ich einen Zentimeter weniger brauchen, da die Proportionen vollkommen aus dem Ruder laufen.

img1658

Das Bild erklärt sehr schön, weshalb ich keine einteiligen Kleider – also welche ohne Taillennaht – nähe und trage: selbst, wenn es ein engangliegendes Kleid wäre, würde es mich entstellen und jede meiner “Schwachstellen” in ein Disaster verwandeln. Ohne Taillennaht verschwindet meine Taille schlicht und ich bin ein busiges, hüftiges Salino.

Aber zum Mantel: auch wenn es hier nicht so aussieht, so ist der Verlauf der Teilungsnähte gut. Was gar nicht geht, ist die zu lange Schulter und der zu weite/tiefe Halsausschnitt. Durch die sehr tiefen Armlöcher, die doch etwas zu weite Taille und den großen Hüftbogen wirkt alles sehr gedrungen. Nun ist noch kein Futter im Mantel und darunter trage ich wolliges, an dem die Mantelhülle sehr klebte; dass ich mir am liebsten den Mantel herunter gekratzt hätte, spielt vielleicht auch eine Rolle.

Was ich am Schnitt ändern werde – am Schnitt, nicht am Mantel, denn ich bin mir nicht sicher, dass ich ihn zu Ende bringen will – habe ich eingezeichnet:

vorderseitemantel

Schulter außen um einen Zentimeter kürzen, innen einen halben dazu geben, Armloch um einen halben anheben, schönere Armlochkurve zeichnen, Taille rundum um einen Zentimeter verschmälern, Hüfte etwas flacher zeichnen.

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Von der Seite gab es schon schlimmeres als das hier; der Ärmel kann ein wenig mehr nach vorne gedreht werden, wobei sich das Problem vielleicht erledigt, wenn die Schulter an der richtigen Stelle sitzt.

ärmelmantel

img1660

Die beiden – für mich! – auffälligsten Falten sind der Kleidung darunter geschuldet: oben am Rücken die dreieckige Falte ist das Oberteil, das sich durchdrückt; der schräge Faltenwurf von der Hüfte zur Mitte kommt durch den Rock darunter und der Tatsache, dass ich mich bei meinem Selbstauslöser innerhalb einer Sekunde umdrehen können muss.

Der Rücken erscheint etwas zu lang: die erhöhte Schulter ist daran ebenso schuld wie (schon wieder und immer noch) das Kleben am Rock. Dazu fehlen eben noch Futter und Winterkleidung darunter. Aber auch hier sieht man, die Schultern sind viel zu lang und obwohl zwischen den Armlöchern auf Schulterblatthöhe nur anderthalb Zentimeter zugegeben sind, erscheint es hier viel zu breit.

Zwischen Achsel und Taille ist im Grunde keine Form erkennbar und ich stelle in meiner Eitelkeit fest, dass ich vielleicht doch lieber friere als auf eine unterstützende Formgebung meiner äußeren Erscheinung zu verzichten.

Dabei könnte es helfen, die Mittelnaht zur Taille hin noch ein wenig weiter einzustellen; hier hatte ich einen halben Zentimeter verwendet.

rückenmantel

Was ich außerdem festgestellt habe: dieser vorsichtige Weg zwischen irgendwie modern und irgendwie alt gefällt mir nicht wirklich. Ich wünsche mir einen Vierzigermantel und überlege, was sich aus dem eingetroffenen nächsten Mantelstoff machen könnte. Der übrigens in Sachen Farben nicht wirklich das ist, was ich mir wünschte. Aber wann im Leben ist das schon einmal so?

So verzweifele ich zur Zeit seit langen Jahren das erste einmal über meinen Haaren – diesmal ist es schlicht verschnitten und egal, wie lange ich daran herumbastele: ich bekomme nix anständiges damit hin. Dass ich dennoch heute Bilder nicht nur gemacht, sondern gar gezeigt habe, möchte ich bitte meinem Karmakonto gutgeschrieben wissen – zuzugeben, dass man eitel ist und sich dann so zu zeigen – also das muss doch mit einem Aufstieg im nächsten Leben belohnt werden.



8 thoughts on “Mantel-Test und massiver Haarfrust”

  • nur schnell ganz kurz.
    deine gedachte korrektur ist nicht richtig.
    du müsstest an den teillungsnähte etwas Volumen wegschaffen und nicht in der mitte.
    denn seitliches bild und rückenbild wiesen zu viel weite im rücken auf.
    und der ganz obere Bereich der hüfte ist etwas knapp- da sitzt mantel schon fest und bremst das ganze von oben.

  • Hmm, jein – aufsitzen tut der nirgends, allerdings klebte er genau da am Rock fest. Und er ist da auch etwas weniger weit, weil die Proportionen ja den einen Zentimeter runter gerutscht sind ( die Taille jetzt also tiefer sitzt und dann setzt der Hüftbogen zu spät an) – wenn ich den an den Schultern wieder wegzwacke, fließt alles besser und sieht auch proportionierter aus.

    Wenn ich wirklich, wirklich sehen wollte, ob der Schnitt doch ginge, müsste ich das Ding jetzt füttern, weil gerade die Innennähte, die richtig rau sind, kleben an allem, was ich trage. Aber ich mag ihn einfach nicht und setze mich gleich hin und ändere erst mal Schultern und Ausschnitt und Armloch. Wenn ich dann das nächste Modell beginne, schaue ich nach den Teilungsnähten und ändere dann dort, wenn es nötig sein sollte 🙂

      • Das wäre noch eine Idee – aber das Ding geht mir jetzt schon so auf den Senkel 😀 Außerdem hat sich der Halsausschnitt ausgeweitet und das nur vom Hängen über Nacht auf der Puppe. Nö, der wird nicht weiter bearbeitet. Morgen setze ich mich an den Schnitt, testen den oberen Teil nochmal und dann baue ich um für Mantel zwei 🙂

  • Ich würde die Schulter, Armausschnitt, Halsausschnitt und Hüftkurve zuerst anpassen und dann sehen was passiert. Dann kannst du immer noch über die Teilungsnähte/Rückennaht korrigieren.
    Sonst ist das doch ein guter Start. Wobei ich auch gerade fest gestellt habe das ein Futter doch einen riesen Unterschied macht. Die 4 cm Weite hätte ich doch nicht raus nehmen sollen.
    Liebe Grüße
    Arlett

    • Ja, so habe ich das auch vor – die Weite will ich im großen und ganzen auch drin lassen bis auf die Taille, da habe ich es auch gerne fester; irgendwie friere ich dann weniger 😀

  • Liebe Andrea,
    Dein Mantel sieht ja schon mal vielversprechend aus…Nein,schimpf nicht,Du fängst wenigstens mit Deinen Projekten an,ich komm zu nix,nix und nochmal nix!
    Auch Deine Röcke sind toll geworden (und die schnellen Shirts die Du dazu gewuppt hast!) und ich habe mich für Dich gefreut,daß Du endlich mal nix zu meckern hattest ;o)
    Im Ernst – das ging fix mit Deinen Shirts und ich dachte nur : auch machen wollen! Und erst das Schnitte konstruieren – etwas um das ich Dich wirklich beneide!

    Also,mach Dich nicht immer so fertig,Du kannst doch was!Nur manchmal stehst Dir ein klein wenig selbst im Weg…(keine Bange,ich mir manchmal auch*lach*)

    Ich schau jeden Morgen in Deinen Blog,freu mich immer wenn es was Neues von Dir gibt.Das ist für mich der beste Start in den Tag!

    Ganz liebe Grüße,Carmen

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