Meine Blöcke

Jaha, der deutsche Ausdruck für Sloper ist tatsächlich “Block” – das habe ich beim virtuellen Druchblättern eines Modedesign-Buches gelernt. Die Mehrzahl müsste also Blöcke sein … finde ich lustig, irgendwie. Nun verspreche ich euch schon länger, diese Blöcke umgesetzt in Stoff, getragen von mir, zu zeigen. In den letzten Wochen war nie der richtige Zeitpunkt dafür:
Entweder kämpfte ich noch mit einem Block oder aber ich kam nicht zum Nähen. Entweder ich war zu müde oder zu beschäftigt.
(Meine Müdigkeit rührt im übrigen von einem “massiven Vitamin B12-Mangel her; alle anderen Werte sind optimal, perfekt, traumhaft. So das Ergebnis meiner letztwöchigen Arztrennerei – nur mal so nebenbei.)
Entweder die Kamera war nicht geladen oder ich war es zu sehr. Entweder das Wetter war zu schlecht oder es war zu gut. Ob der Zeitpunkt nun ideal ist? Naja, ich hatte heute keine Lust mich zu schminken oder meine Haare in Form zu bringen, ich muss gleich noch mit den Jungs lernen, die Sonne scheint mal und Knipsspaß hatte ich auch keinen, aber so langsam wird es Zeit, zu der ganzen Rederei über Blöcke auch einmal etwas zu zeigen. Da bin ich also – größtenteils kopflos, weil ich so müde in die Kamera blickte, dass es euch sofort wieder in die Betten treiben würde, zeigte ich diese Fotografien. Und dann würdet ihr einen von zwei Augustsommertagen verpassen. Mag ich daran Schuld tragen? Sicherlich nicht!

Aaaal-soooo: Erst mal muss ich sagen, dass sich das Nähen nach eigenem Schnitt vollkommen anders anfühlt als das Nähen nach einem Kaufschnitt. Für mich ist das so, ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ich fühle mich in einer Hinsicht mit dem eigenen Schnitt sicherer, denn ich weiß genau, was ich weshalb wohin gezeichnet habe und was mit welchem Teil zusammen treffen soll. Das weiß ich bei einem Kaufschnitt auch, aber wie oft habe ich mich schon gefragt, wieso etwas so ist und nicht anders. Und hin und her gegrübelt, ob der Schnitt so grottig ist oder ob ich so nachlässtig geschnitten habe.
Auf der anderen Seite fühle ich mich aber auch verunsichert, denn wie komme ich dazu, eigene Schnitte aufzu stellen? Weiß ich denn, was ich tue? Wenn ich daran denke, dass ich mich nun an die Entwicklung eines “echten” ‘Schnittes begeben soll, dessen Grundlage a) ein gutsitzender Grundschnitt und b) eine Idee ist. Denn was brauche ich, was will ich und wie bekomme ich das hin? Traue ich mir da nicht ein wenig zu viel zu? Traue ich es mir überhaupt zu? Hmmm….

Vom ersten passenden, taillenkurzen Block habe ich kein Bild, so starten wir mit dem daraus entwickelten hüftlangen Block und dem geraden Rock:

Das Teil sitzt – wie beabsichtigt – hauteng; an der Hüfte ist es um etwa anderthalb Zentimeter zu knapp geraten. Die VM ist gerade, nur habe ich das Teil nicht gerade angezogen; das muss bitte von euch ignoriert werden. Sowieso sind ja alle meine Bilder schief, weil die Kamera keine ganz ebene Fläche hat, auf die ich sie stellen kann. Falls ich euch also immer schon mal gewundert habe, ob ich im Krummen Haus lebe oder immer leicht angetrunken knipse – nein, beides ist nicht der Fall.
Die Ärmel sind unterschiedlich und ich bin noch unentschieden: Auf meiner linken Seite habe ich von der vorderen Armkugel einen halben Zentimeter abrasiert, denn am rechten Ärmel schien sich dort eine Art Polsterung zu bilden – zu viel Stoff, der sich nach vorne beulte. Allerdings finde ich, dass das – nachdem beide Ärmel eingesetzt wurden – nicht mehr auffällig war. Mein rechter Ärmel fällt glatter herunter und fühlt sich auch besser an, während der Linke nun von der Achsel zum Ellenbogen leichte Falten wirft. Allerdings merke ich bei dieser Knipserei wieder einmal, dass der Blick in den Spiegel und der Blick der Kamera zweierlei ist – und ich glaube nicht mehr an das Märchen, das Fotos immer die Wahrheit sagen – meine Freundinnen erkennen mich auf manchen Bildern nicht einmal … Man muss sich wohl entscheiden, ob man die Falten und Züge korrigiert, die der Spiegel einem zeigt, oder diejenigen, die die Linse wahrnimmt. Will man es mit beiden aufnehmen, so endet es sicherlich im Wahnsinn … waren nicht schon einmal an diesem Punkt?

Unter der Brust ist ein bißchen zuviel Stoff, da der Abnäher gerade ist und nicht ausgeformt; damit kann ich leben. Der Hüftbogen ist ganz gut getroffen und auch die Höhe der Taille und der Hüfte kommt hin. Die Schultern sitzen ebenfalls ganz gut: der nach vorne geneigte Schulterpunkt ist genau getroffen und auch die Neigung und die Breite stimmen. Die leichten Falten, die sich zeigen, dürften zu gleichen Teilen schuld der bösen Linse und des sehr festen, sehr störrischen, etwas knittrigen Leinengemisches sein, dass ich verwendet habe. Na, und ein wenig spielen auch meine unmöglichen Schultern eine Rolle, aber ich denke, Verbesserungen werden eher durch geeigneteren Stoff denn durch noch mehr Ändern herbei geführt werden. (Mensch, was sich alles über einen kleinen Block sagen lässt 😉 )

Einmal näher ran:

Und von hinten:

Wie gesagt, der Hüftteil ist beim Anziehen etwas verdreht geraten – ich bin in Wirklichkeit ganz begeistert, wie gleichmäßig alles aussieht. Die HM ist eine leicht gekurvte Naht, die sich sehr schön anschmiegt; das Problem ist die obere Hüftlinie, der ich nicht genügend Platz eingeräumt hatte.
Was den Ärmel anbelangt, finde ich hier meinen linken Ärmel besser – weniger Falten unter dem Arm. Das mag aber auch daran liegen, dass der Stoff sich nur schlecht einreihen und verteilen ließ. Die Ärmel werden bei Pepin übrigens sofort mit kleiner Zugabe gefertigt; auch die Armausschnitte sind schon auf wirkliches Tragen ausgerichtet. Wer von euch ihre Anleitungen zum Erstellen des Slopers verwenden will, sollte sich bei der Ärmelinnenlänge am Armausschnitt orientieren: von der Achsel wird die Länge abgezogen, um die der Armausschnitt abgesenkt ist – und schon passt beides perfekt zusammen. Beim ersten Versuch hatte ich die Innenlänge bis zu Achsel gemessen und so verwendet. Hmm, das passte gar nicht 🙂
Aber die Ärmel überhaupt – DAS ist mal eine echte Erleuchtung: der Abnäher sitzt genau am Ellenbogen und das, obwohl diese Stelle NICHT gemessen, sondern errechnet wurde – was bei Pepin nur selten geschieht. Weshalb ich sie all den anderen Konstruktionsmethoden, die ich kenne, vorziehe: all diese errechneten Werte lagen bei mir MEILEN von jeglicher körperlichen Realität und verstärkten bei mir das Gefühl von “Ich bin total verbaut!”. Das sorgt nicht für die positive Grundstimmung, die ich zum Nähen brauche. Bei Pepin musste ich mir beispielweise keine Gedanken machen, dass ich am Ende einen entsetzlichen krummen Rücken hätte – nein, ich konnte meinen Schulterpunkt (den echten, nicht den theoretisch angenommenen!) als Ausgangspunkt nehmen, so dass selbst der erste Sloper trotz Meß- und Zeichenfehler recht gut saß.

Das größte Problem beim Anpassen der Oberteile ist die Tatsache, dass mein Gewebe deutlich weicher geworden ist, seit ich die Schilddrüsenhormone nehme (ob es da aber einen Zusammenhang gibt, kann ich nicht sagen, aber gute vier Tage nach Beginn der Einnahme vor knapp drei Jahren begann meine Akne und die Neigung zu blauen Flecken und ein halbes Jahr später war alles viel viel weicher als je zuvor.)
Nun benötige ich BHs, die nicht hochrutschen, also eng sitzen. Trage ich sie so, dass sie nicht einschneiden und wegdrücken, so rutschen sie hoch und tun nicht, was sie tun sollten. Schnalle ich sie fest, so entstehen Dellen. Die sich auf den Stoff drumherum übertragen, was mich sehr stört und gelegentlich auch leiden lässt. (Alt werden ist auch nichts und so …). Und es hat einige Zeit gedauert, bis ich das Zusammenspiel verstanden hatte: trage ich nämlich keinen Bh darunter, dann sind auf einmal sehr viel Falten des Blocks verschwunden. Sehr, sehr gemein ist das!

Die ungeliebte Seitenansicht (wobei da ja gerade die Freundinnen mich anders wahrnehmen – die sind lieb, nicht?):

Und nun zum Rock:

Der Rock-Block (nä, wat ist dat schön, sagt dat mal zehnmol hingereinander: Rockblock, Rockblock … :-D) wird wahrhaftig ohen vordern Abnäher gezeichnet, wobei Miss Pepin auch erklärt, dass sich ein solcher für Frauen mit Bauch einfügen lässt – aber ich bin ziemlich zufrieden mit der glatten Vorderseite und werde einen Abnäher nur einzeichen, wenn ich ihn danach aufschneiden will, um einen Bahnenrock zu zeichnen. So zumindest stelle ich es mir im Augenblick noch vor – Lämmchen, das ich bin.

Der Stoff ist hier das größte Problem, denn ich hatte keine Lust, das verknüllte Teil fürs Bild zu bügeln. Der Rock geht schnurgerade herunter und da ich einen zu kurzen Rest verwendet habe, sehe ich aus, als wollte ich zum Blocksberg reiten. Was ich beim Zeichnen übersehen hatte, war das Kürzen des vorderen Hüftbogens, der durch die starke Biegung länger ist als der hintere Bogen. Das überstehende Stück habe ich hier einfach nach innen weggeklappt, was beim hüftlangen Sloper f%



4 thoughts on “Meine Blöcke”

  • Eieiei, was diese Blockerei alles bewirken kann! Die ganze Mühe scheint sich ja wirklich zu lohnen. Nicht nur, aber auch, weil auf dem 3. Foto (von hinten) so deutlich zu sehen ist, was für eine wirklich schöne Figur du hast!
    Mir scheint, du bist auf dem besten Weg dazu, bald nur noch zufrieden zu sein mit den Teilen, die du nähst … 😉
    Herzliche Grüsse,
    Katarina

  • Komischerweise sehe ich dich vor meinem inneren Auge die ganze Zeit in diesem Kleid dessen Grafik hier auf dem Blog oben links eingefügt ist. Genau das Modell würde würde toll an dir aussehen! Machst du dir so eins wenn du dir alle Kenntnisse angeeignet hast? :-)))

    Liebe Grüße
    Immi

  • Alle Achtung!!! Ich bin gespannt, wann Du die ersten Anfragen von Deinen Leserinnen bekommst, auch für sie Schnitte/Blöcke zu erstellen ;-)Vielen Dank außerdem für die Bereitstellung der pdfs! Beste Grüße Anke

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