Michou näht IV: Das Zusammenfügen

Das wird schon spannend in euren Kommentaren – gleiche Methoden, kleine Schwächen, dunkle Geheimnisse, Verschwörungstheorien gar drängen ans Licht. Ganz schnell in Richtung Ute: Das mit den Abnähern habe ich anfangs auch so gemacht. Und mich gewundert, warum der Schnitt beim nächsten Lauf nicht mehr so fit war 🙂 (Zum Thema Abnäher kommt morgen noch etwas ausführliches!)

Aber weiter im Projekt. Den späten Nachmittag und den frühen Abend habe ich weitestgehend mit einer Wärmflasche auf dem Sofa verbracht. Das Essen habe ich auch verbrennen lassen, weil Lenny, mein Großer, sich neben mich gekuschelt hat, um mit mir “Mit Schirm, Charme und Melone” zu schauen. Nicht ganz kindgerecht, aber wenn ich auch sonst nichts in meine Söhne hinein bringen kann: wenn sie mal mit fernsehen dürfen, reagieren sie auf meinen Zuruf “Augen zu!” sofort. Sie drehen sich um, kneifen die Augen zu und legen die Hände darüber. Deshalb darf er mitschauen. Und weil die Serie wahrhaftig Charme hat. Was für Lenny eindeutig an Mrs. Emma Peel liegt. Jetzt werde ich mal indiskret, aber ich fand ihn so süß, als er mir mit roten Bäckchen und Strahleaugen sagte, dass er in Mrs. Peel verliebt sei. Ganz verknallt sei er, weil” sie so schön ist, und so nett, und so klug, und – ganz wichtig – weil sie Karate kann.” 🙂

Irgendwann gegen 21:00 Uhr hat mein Virus sich entschlossen, für heute aufzugeben – hätte ich mich von ihm niederringen lassen, wäre die Geschichte womöglich schon ausgestanden – und mich doch noch an die NÄHMASCHINE zu lassen. Ich habe sie wahrhaftig heute noch hervor geholt. Nähtechnisch dürfte es bei mir keine Unterschiede zu anderen Näherinnen geben, nehme ich an. Ich nähe die meisten Dinge bei Stichlänge drei und trete das Gaspedal gerne voll durch. Nur bei Kurven, kurzen Stücken und beim Versäubern nehme ich mich zurück.

Die hintere Mittelnaht stecke ich meist schon nach dem Ausschneiden zusammen – so schön gleichmäßig liegt sie nie wieder zusammen. Daher ist das auch die erste Naht, die unter die Nadel kommt. Wie gesagt: ich hefte nicht und ich ziehe die Nadeln auch nicht vor dem Einstich heraus; sie stecken quer zur Naht und ich nähe gnadenlos drüber. Sind natürlich keine harten Stahlnägel 😉

Schritt zwei sind immer die Abnäher. Auch hier stecke ich: von einem Punkt etwa einen Zentimeter vom oberen Rand entfernt von der linken Seite genau auf der Abnähernahtlinie zur anderen Seite hindurch.

Die längs gesetzten Nadeln werden von quer Gesteckten abgelöst; meist stecke ich alle Abnäher vorne wie hinten zur selben Zeit. Ich bleibe nicht unbedingt nur an einer Partie (also Vorderteil, Ärmel oder hintere Rockbahn), sondern erledige wenn möglich gleiche Arbeiten hinter einander weg – also bei diesem Rock erst alle Nähte steppen und dann alle – auch den unteren Rand – versäubern.

Ich besitze keine Overlock und will auch keine. Ich will und muss schnell auftrennen können, bin zu geizig, viel Garn zu verschwenden und um es noch einmal zu erwähnen: so begeistert ich von einem schönen Innenleben auch sein kann, wichtig ist es mir nicht. Braver Zickzackstich tut sein Werk ebenso gut und aufgebröselt hat sich noch keine Versäuberung bei mir.

Und damit darf der zur Hälfte fertig gestellte Rock in Ruhe auf seine Vollendung warten. Natürlich habe ich es mir mit diesem Projekt sehr leicht gemacht: Anpassen wird bei einem Wickelrock keine große Rolle spielen; Knöpfe und Reißverschluss sind nicht vorhanden und viele Nähte sind auch nicht vorhanden. Allerdings werde ich mit Hake und Öse arbeiten müssen … egal, welche Verschlußform vor mir liegt: ich scheue sie und bin einfach nicht gut darin.
Gut, Bindeband ist was anderes 😉

Es kommt mir entgegen, dass ich schlichte Schnitte in der Regel lieber sehe als solche mit vielen Details. Nähtechnisch sorgen diese Schnitte dafür, dass das Kleidungsstück schneller fertig ist. Reine Rohzeit für die Schritte heute waren knapp zweieinhalb Stunden. Richtig schnell bin ich im Grunde nicht, ich nutze aber viele freie Minuten am Tag aus.

So, nun wünsche ich euch eine gute Nacht; morgen geht es an den Formbund, den Verschluss und die Handstiche.

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2 thoughts on “Michou näht IV: Das Zusammenfügen”

  • Du ahnst gar nicht, wie dankbar ich Dir bin! So eine fotogestützte Serie ist Gold wert und nimmt eine Menge “Furcht” oder “Ehrfurcht” oder was auch immer man fühlt, wenn man sich kleiner als die Schnittmuster fühlt!
    Bin auf morgen gespannt und freue mich auf nach Ostern, wenn nach Urlaub und Feiertagen die Nähmaschine wieder aus dem Schrank darf…
    Lieben Gruß
    Cati

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