Michou näht V: Das Zusammenfügen 2

Heute vormittag kam ich zu gar nichts: erst Besorgungen, dann war die Kamera nicht betriebsbereit. Weiter mit Kochen, Kinder abholen, Essen, aufräumen. Dann endlich wieder die Nähmaschine hoch geholt und weiter ging es. Viel war an der Maschine nicht mehr zu tun:
Bund zusammennähen, Bund an die Rockteile steppen und den Beleg anbringen.

Nachdem ich Bundteile und Belegteile verbunden habe, habe ich mir den Beleg vorgenommen: Nicht nur hier, sondern auch an Säumen, Rüschen oder Kragenteilen kommt es vor, dass die NZ (oder eben der Saum) umgebügelt werden soll, in unterschiedlichen Breiten. Da stand ich früher mit einem Lineal am Bügelbrett und habe versucht, gerade oder geschwungene Kanten 7 mm breit nach innen zu plätten. Aus der Zeit gibt es noch ein angeschmolzenes Handmaß … Sicherlich ist auch das kein neuer Tipp, aber vielleicht kann ich damit der einen oder anderen doch etwas Neues zeigen 🙂
Statt mich nun also fluchend abzumühen, lege ich das betreffende Stück auf die Nähmaschine und nähe eine Linie im gewünschten Abstand minus ein oder zwei Millimetern.

Die Hilfsnaht ist nicht leicht zu sehen, aber ihr könnt sie erahnen. Nun bügele ich von der rechten Seite aus über die umgeklappte Kante, während ich mit der linken Hand falte und schiebe. So bekomme ich (meist) auch Kurven gleichmäßig hin.

Dann noch absteppen und schon habe ich eine schöne Kante, die ich – in diesem Fall – leicht mit der Hand annähen kann.

Als nächstes kam das Rockteil an den Bund. Es ist ein Formbund, was bedeutet: er ist geschwungen und an der oberen Kante enger als unten – oben Taille, unten beginnende Hüfte. Nähe ich beide Teile zusammen, so lege ich das Rockteil nach oben. Warum?

Liegt der Bund oben, so liegt er schön glatt, denn die engere bzw. kürzere Seite liegt unterhalb der Kante. Schaue ich mir aber die Rockseite an, so habe ich den gegenteiligen Effekt: der Rock wird zur Hüfte hin weiter. Liegt er beim Nähen unten, so sehe ich nicht, falls die Stoffweite in eine ungewollte Falte gedrückt wird.

Was tue ich, wenn ich beim Nähen sehe, der Stoff wird in einer kleinen Welle nach vorne gedrückt?

Da ist die kleine Falte. Die Nadel bleibt im Stoff stecken, der Fuß wird gehoben, die dahinter liegende Stecknadel ziehe ich heraus.

Jetzt kann ich die Stoffweite sanft nach hinten schieben, bis vor der Nadel wieder eine glatte Fläche liegt.

Fuß wieder senken und entspannt weiter steppen, bis die nächste Welle Hilfe braucht.

Und wie schön, heute habe ich alles richtig gemacht :

Was nun noch fehlt, sind sämtliche Handstiche an Saum, Belegen und Verschluss.

Ich freue mich übrigens sehr, dass ich der einen oder anderen doch noch was zeigen konnte und darüber, dass ich mit meinen “miesen” Methoden nicht alleine stehe. Im Nähkurs fiel einige Male die Bemerkung “Ach ja, du nimmst ja Schnitte mit Nahtzugabe …” Es war klar, dass das nicht so gut ist wie das eigene Zugeben von unterschiedlichen NZ. Dass ich zum Nähen einfach nur stecke anstatt zu heften, blieb zum Glück verborgen 😉



5 thoughts on “Michou näht V: Das Zusammenfügen 2”

  • > Schnitte mit Naht­zugabe

    Ähem, ich pause ja meine Schnitte auf Folie durch. Anschließend zeichne ich mir direkt die Nahtzugabe an und scheide so den Schnit aus. Dadurch habe ich eine gleichmäßige Zugabe und das Zuschneiden geht ratz-fatz. Vor allem wenn man einen Schnitt mehrfach verwendet spart das einiges an Zeit 🙂
    (und das Anzeichnen per Geodreieck ist allemal schneller als Lineal-und-Schneiderkreide-Gedöhns).

    Geheftet wird bei mir auch nur wenn es wirklichwirklich sein muß 🙂

  • Ich finde Deine Serie sehr interessant, ich bin auch Autodidaktin und der Meinung, was zum Ziel führt kann nicht falsch sein! (Ich muss wohl dankbar sein, dass ich nie im Nähkurs war. Was für Spaßbremsen!)

  • Ich finde das richtig gut, dass du das Nähen mal so ausführlich zeigst. Da sehen nicht so Geübte mal, dass das alles keine Hexerei ist, sondern durchaus zu bewältigen. Manche Nähkurse scheinen da ja wirklich die falsche Strategie zu befolgen – natürlich kann man auch alls Markierungen durchschlagen, und bei einem Jackett würde ich das auch empfehlen, aber wenn ein Nähanfänger seinen ersten Sommerrock näht, ist das doch totaler Quatsch. Es ist ja auch nicht wie beim Klavierspielen, dass sich “falsche” Gewohnheiten verfestigen, und man von Anfang an gleich darauf achten muss, alles super korrekt zu machen. Wenn man die ersten Näh-Erfolgserlebnisse an einfachen Teilen hatte, kann man sich ja durchaus noch steigern. Und erlaubt ist, was zum Ziel führt, da stimme ich Ute zu (und wenn ich irgendwelche widerspenstigen Kanten erstmal mit auswaschbarem Klebestift zusammenklebe, bevor ich nähe – aber pssst, ich verliere sonst meinen Ruf als Streberin 😉

    viele Grüße!

  • Meine Tante hat auch nur gesteckt. Ehrenwort. Ich hatte gar keine Ahnung, dass das nicht in Ordnung ist 😉 Der Rock sieht super aus. Die Schritte verständlich und nachvollziehbar dargestellt.

    Da zum Selbernähen ja nicht nur Zugucken bei dir gehört, habe ich mich mal umgetan im Netz nach Nähzubehör – sprich Stoff. Himmel, da gibt es ja Tonnen Zeugs. Was nimmst du denn für den Rock z.B., welche Stoffe wofür am liebsten, preisliche Schmerzgrenze… Ich fühl mich da grad vom Angebot erschlagen.

    Liebe Grüße Heike

  • Da müßtest Du mal in “meinen” Nähtreff gehen. Hier lautet das Credo: wir heften nicht, wir stecken (maximal)! Sehr beliebt auch: ach, das kann man verbügeln … Ich mag das! Denn wenn ich erst mal stecken muß und dann heften, ist mir die Lust bereits vergangen, weil ich im Kopf schon längst beim nächsten Kleid bin.
    Und unterschiedliche Nahtzugaben können mir gestohlen bleiben, denn wenn ich ERST ordentlich messe, brauch ich dann nichts mehr zugeben. Das Argument, das Kleid könne ja dann auch mitwachsen, zählt nicht, denn wenn ich so sehr aus dem Leim gehe, daß ich links und rechts 3cm rauslassen müßte, sollte ich die Notbremse treten!

    Christel

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