Mode, Mut, Marotten F&A / L&D

EIGENTLICH bin ich seit drei Tagen schon dabei, in einem Extrabeitrag jeden Kommentar zu dem Thema kurz zu beantworten. Weil ich ALLE Kommentare sehr lesenswert und ermutigend fand. Aber ich komme nicht voran und verliere so langsam den Überblick 😉 Als ich am Donnerstag vormittag – nach einem tollen Abend mit Schellack-Schätzchen – meine Mailbox öffnete und die Kommentare nur so rein ratterten, sah ich mich in meinem Gefühl bestätigt: Kleidung (nicht Mode, wie eine Kommentatorin extra betonte und recht hat sie! Tschuldigung, dass ich den Namen gerade nicht parat habe) mag an der Oberfläche (des Körpers) stattfinden, ist aber nicht zwangsläufig oberflächlich.
Im Idealfall zeigt sie unsere Persönlichkeit, macht uns selbstsicherer und andere vielleicht froh. Sie kann uns stolz machen, wenn andere einen Rock loben, den wir selbst genäht haben. Sie kann unsere Tagesstimmung nach außen vermitteln und beeinflussen, wie wir wahr genommen (und behandelt werden). Schon der letzte Grund spricht gegen die Idee, sich über Kleidung Gedanken zu machen, sei oberflächlich: Wir alle nehmen Menschen vor allem optisch wahr; nicht mit jedem Passenten führen wir lange Gespräche, bevor wir entscheiden: Mag ich, mag ich nicht. Das werden wir nicht ändern und so erscheint mir sorgfältige Kleidung (ebenso wie tägliches Duschen 😉 ) auch als Höflichkeit anderen gegenüber.
Wenn nun Eine da draußen sich bislang nicht so recht wagte, aus der Uniformschiene auszuscheren und nach dieser Diskussion hier einen Versuch startet – das wäre das gewünschte Ergebnis. Ich kann euch kaum sagen, wie sehr ich mich an manchen Tage darüber ärgere, dass ich viel zu lange auf Röcke und Kleider verzichtet habe, weil ich meinte, dafür nicht weiblich genug zu sein. Das muss ja nicht jeder so gehen.
Daher danke ich euch sehr herzlich, dass ihr so tolle Beispiele, Ideen und Überlegungen eingeworfen habt.

Und damit schwenke ich zum nächsten Thema um: die Passform! Ha, welch eine Überraschung. Ja, liebe Berry, du hast natürlich immer noch recht: “Mach deinen eigenen Schnitt”, schreibt sie zum wiederholten Male. Ich schleiche ja auch schon seit anderthalb Jahren drumrum. Habe auch vor einem Jahr mal einen Versuch gestartet, der ganz viel versprechend war: Ich hatte einen Sloper gebastelt, der mir als flache Schneiderpuppe dienen sollte, in dem ich ihn in die Kaufschnitte lege und diese dann anpassen könnte – dazu gab es im Threads mal einen Artikel. Und dann stand ich da und stellte fest, dass zwischen meinem Schnitt und den fertigen Schnitten keinerlei Ähnlichkeit bestand. Obwohl es fertige Schnitte gab, die richtig gut saßen. Das verwirrte mich gar sehr und ich habe die Idee verworfen. So weit, dass ich aus einem Grundschnitt selber andere Entwürfe fertigen könnte, war ich noch lange nicht – weder technisch noch gefühlsmäßig.
Aber es grub und gräbt in mir und so habe ich den Gatten am gestrigen Sonntag gezwungen, mich erneut zu vermessen – für meine bevorzugte Schnittmustererstellungsanleitung 😉 aus einem Vierzigerjahre-Buch. Leider scheint die Seite vintagesewing.info nicht mehr zu existieren, so dass ich euch nicht dorthin verlinken kann. Mit viel Mühe hatte ich alles einmal gespeichert und bin gerade dabei mit noch viel mehr Mühe, den Text in eine lesbare Form und die kleinen Bilder darin durch die Großen zu ersetzen. Also ganz schön viel Vorarbeit. Und warum das? Weil ich mit den modernen Schnittmustererstellungen nicht klar komme.
Gestern habe ich also gemalt, geschnitten, gestichelt und zwei Sloper gefertigt – und im Laufe der Woche werde ich euch zeigen, was daraus wird. Alles sehr aufwendig, aber es könnte sich lohnen. Das einzige, was mich noch ein wenig abhält, mit ganzem Herzen einzusteigen, ist meine eigene verquere Gefühlswelt:
Nun habe ich hier so, so viele Schnitte im Haus, die mich alle anlachen und die mich reizen – wenn ich nun anfange, etwas eigenes zu versuchen, dann könnte es passieren, dass sie und ich niemals glücklich miteinander werden. Und ob ich jemals das Talent und die Fähigkeit entwickeln werde, Schnitte nach meinen Vorstellungen zu schaffen – das kann ich noch nicht sehen … hört sich das nicht idiotisch an?



4 thoughts on “Mode, Mut, Marotten F&A / L&D”

  • Habe Deinen (vor)letzten Beitrag auch mit Interesse verfolgt und finde es spannend, wie sehr das Thema Kleidung viele beschäftigt. Du hast anscheinend bei vielen einen Nerv getroffen!
    Für die Herstellung Deines eigenen Schnittes ist vielleicht eine Puppe mit genau Deinen Maßen praktisch. Dann kannst Du viel besser und vor allem leichter abstecken! Denn an sich selber abzustecken, ist doch immer schwierig, weil man sich dabei dann ja immer wieder verdreht. Und auf dem Rücken geht ja schonmal gar nicht… 😉
    Bei Burda gibt es eine tolle Anleitung zum Selbermachen einer “Maßbüste”!
    http://www.burdastyle.de/trends/tipps-tricks/wie-geht-eigentlich–eine-massbueste_aid_2704.html
    Vielleicht wäre das was für Dich?!
    Bin gespannt, wie es bei Dir weitergeht!
    Liebe Grüße
    Natalie

  • Liebe Michou,
    mit dem Grundschnitt arbeiten heisst nicht, immer alles neu erfinden zu müssen! Man guckt einfach bei vorhandenen Schnitten ab wie’s gemacht wurde und übernimmt die Stildetails, die einem gefallen. Das macht mit am meisten Spass und ist immer wieder spannend – fast meine Lieblingsbeschäftigung beim Nähhobby. Du kannst deinen Schnitten, die du bereits besitzt, wertvolle Details und Hinweise entnehmen – und hast dabei die Garantie, dass es nie so völlig daneben liegen wird wie ab und zu bei den Kaufschnitten.
    LG, berry

  • Liebe Berry,

    ha, du sagst das so locker-leicht-flockig – genau davor scheue ich mich, denn diese Details könnte ich ja nicht eins zu eins übernehmen. Oder nur selten … da sehe ich also, dass das theoretisch möglich ist und muss das dann bei einbasteln. Und dann verhaue ich es wieder 😉

    Meine beiden Sloper sehen soo anders aus; der zweite ist schon nah dran und muss nun noch verbessert werden. Vor allem mein Abnäher ist RIESIG! Auch deshalb, weil ich ja zwischen den Armen wenig Stoff brauche, unter Brust auch und dann zusehen muss, wie ich den Platz dahin zaubere, wo er sein soll. Und das ohne zu viel Stoff unter der Achsel. Puh!

    Liebe Natalie (und auch liebe Julia 🙂 )

    Das mit der perfekten Schneiderpuppe geistert natürlich in mir herum, aber die fertige Version ist mir schlicht zu teuer und die selbst Gebastelte zu langwierig: So lange kann Mama nicht unbeweglich eingeklebt werden und so lange würde der Gatte auch nicht an mir herum kleben. Alles, was mit Nähen zu tun hat und über eine Viertelstunde pro Vierteljahr hinaus geht, kann ich von ihm nicht erwarten. So wird das nichts.
    Durch die ganze Anpasserei muss ich alleine durch – mit Spiegeln, Bildern und Hals verrenken. Und Bloggen 😉

  • Aber, aber, aber …. *mit den Händen fuchtel* … wenn du einen selbst konstruierten Basisschnitt hast (der perfekt passt), dann kannst du die Kaufschnitte doch viel leichter anpassen. aHA! Oder etwa nicht??
    Gutes Gelingen!! Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
    Liebe Grüße, Bettina

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